29.03.2023

Geizhals schluckt über Tochter nächsten Mitbewerber – Compera nun Teil von tarife.at

Laut tarife war die Akquisition von Compera ein nächster logischer Schritt. Denn der zunehmend umkämpfte Markt sei nicht erst seit der Energiekrise starken Preisschwankungen ausgesetzt, und somit für Tarifvergleiche prädestiniert.
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(c) Harald Lachner - Maximilian Schirmer, Geschäftsführer tarife.at.

Die Plattform tarife.at ist ein kostenloser Service der tarife.at MS Vergleichsportal GmbH mit Geschäftssitz in Wien. Seit April 2021 gehört das Vergleichsportal zu 100 Prozent Geizhals, das zu 100 Prozent der New Media Beteiligungs GmbH und damit dem großen deutschen Heise-Verlag gehört. Nun hat man mit Compera, das seit April 2020 bereits zu 30 Prozent Teil von Geizhals ist, einen weiteren Mitbewerber zur Gänze in das Vergleichs-Imperium integriert.

Tarife.at: eigenes Energie-Team

Im Zuge der Verschmelzung von Compera mit tarife.at wurde ein eigenes Energie-Team aufgebaut, um die Spezialisierung des Telekombereichs weiterhin zu gewährleisten.

„Wir sehen tarife.at auch langfristig nicht als Universal-Vergleichsportal, sondern als den Spezialisten im Technologiebereich“, betont Maximilian Schirmer, Geschäftsführer von tarife.at.

Wachstum als Ziel

Und Markus Nigl, Vorstand von Geizhals ergänzt: „Die Integration von Compera in unsere Vergleichsportal-Familie ermöglicht uns weiteres Wachstum. Gemeinsam bündeln wir unterschiedliche Kompetenzen im Vergleichsmarkt, mit dem übergeordneten Ziel, unseren Userinnen und Usern stets das bestmögliche Service zu bieten. Mit dem Tarifvergleich für Strom und Gas auf tarife.at haben wir zusammengeführt, was zusammengehört.“

Das Vergleichsportal möchte jetzt auch Transparenz und Aufklärung am komplexen Energiemarkt in Österreich schaffen: Mit dem Vergleichsrechner können, neben der preislichen Komponente, nun auch individuelle Bedürfnisse der Kund:innen einbezogen und im Rahmen einer Tarifempfehlung berücksichtigt werden. Zusätzlich werden vertiefende Informationen zu den Energiequellen und den unterschiedlichen Tarifmodellen des jeweiligen Anbieters, sowie Ratgeber zum Thema Strom und Gas, bereitgestellt, heißt es.

Mit tarife.at Wechsel zwischen Strom und Gas

„Wie man es von tarife.at aus dem Telekombereich gewohnt ist, bieten wir nun auch einen besonders einfachen Wechsel zwischen Strom- und Gasanbietern an“, so Schirmer abschließend. „Unser Vergleichsportal bringt damit weitere Transparenz in den Strom- und Gasmarkt. Um den Anbieterwechsel so komfortabel wie möglich zu gestalten, kann dieser auch komplett von unserem Serviceteam übernommen werden.“

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(c) Michael Meier - Maximilian Kindler, Gründer von incaseof.law.

Rund 600 Rauchfangkehrerbetriebe gibt es in Österreich, rund 350 davon arbeiten mit der Grazer Branchensoftware WinChim. Sie können überfällige Rechnungen nun direkt aus dem Verrechnungsmodul an das Wiener LegalTech incaseof.law übergeben. Die Plattform übernimmt den weiteren Prozess, vom außergerichtlichen Mahnverfahren bis zur gerichtlichen Durchsetzung.

Die beiden Unternehmen haben die Kooperation Anfang Oktober bekannt gegeben. Für das Startup von Gründer und CEO Maximilian Kindler ist WinChim nach eigenen Angaben die erste Branchensoftware, über die es eine ganze Branche erreicht.

Viele kleine Rechnungen, wenig Zeit

Die Leistungen der Rauchfangkehrer sind gesetzlich vorgeschrieben, die Tarife reguliert. Daraus ergibt sich ein eigenes Forderungsbild: sehr viele kleine, wiederkehrende Rechnungen an Privathaushalte und Hausverwaltungen. Die Betriebe zählen im Schnitt sechs Beschäftigte, offene Rechnungen verfolgt meist der Inhaber selbst. Eine klassische Inkassobeauftragung zahle sich bei Kleinbeträgen oft nicht aus, heißt es weiter.

„Unsere Anwender wollen kehren, messen und beraten, nicht Zahlungserinnerungen schreiben. Mit incaseof.law ist der offene Posten in unserer Buchhaltungssoftware mit einem Klick erledigt, der Rest passiert im Hintergrund“, sagt Martin Haidenthaler, Gründer von WinChim. Das Unternehmen wurde 1999 in Graz gegründet und ist nach eigenen Angaben Marktführer unter den Rauchfangkehrerbetrieben in sieben Bundesländern.

„Rauchfangkehrer sind das Paradebeispiel für eine Branche, in der Forderungsmanagement bisher schlicht nicht stattfindet, weil es sich nicht auszahlt. Über WinChim erreichen wir die Betriebe dort, wo ihre Rechnungen entstehen. Ab jetzt kommt das Geld dorthin, wo es hingehört: auf das Konto des Betriebs.“

Die Inkassokosten trägt der säumige Schuldner

Laut Aussendung zahlt die Plattform eingehende Beträge ohne Abzüge an den Betrieb aus. Woran incaseof.law dann verdient, erklärt Kindler auf brutkasten-Anfrage: „Der Rauchfangkehrer zahlt uns nichts, weder Provision noch Gebühr. Unser Umsatz kommt ausschließlich vom säumigen Schuldner, und zwar aus den Inkassokosten und den Verzugszinsen.“

Diese Kosten sind laut Kindler durch die Verordnung über die Höchstsätze der Inkassoinstituten gebührenden Vergütungen gedeckelt. Zudem müssen sie nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) in einem angemessenen Verhältnis zur Forderung stehen. Die Verordnung würde es ihm zufolge auch erlauben, dem Auftraggeber eine Gebühr zu verrechnen. Darauf verzichte man ausnahmslos.

Was das für Schuldner:innen bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel des Gründers. Bei einer offenen Rechnung über 80 Euro fallen mit der ersten Zahlungsaufforderung rund 25 Euro inklusive Umsatzsteuer an, dazu Verzugszinsen von wenigen Cent. Das entspricht einem Aufschlag von rund 31 Prozent. Wer nach der ersten Aufforderung zahlt, bleibt laut Kindler bei diesem Betrag. Bezahlt werden kann über ein Online-Portal, auf Wunsch in Raten über bis zu zwölf Monate. Zu den Kosten bei weiteren Mahnschritten oder im gerichtlichen Verfahren machte Kindler keine Angaben.

Noch keine Zahlen für die Branche

Zahlen für die Rauchfangkehrerbranche gibt es noch nicht, die Anbindung ist erst seit Anfang Oktober aktiv. Kindler erwartet aber eine sehr hohe Quote, weil die Leistung gesetzlich vorgeschrieben, dokumentiert und zu regulierten Tarifen verrechnet sei: „Echten Streit über die Forderung gibt es da kaum. Meistens ist die Rechnung schlicht liegen geblieben.“

Zahlt ein Schuldner trotz mehrerer Mahnschritte nicht, geht der Fall laut Kindler auf derselben Plattform ins gerichtliche Forderungsmanagement über, mit Anbindung an den Elektronischen Rechtsverkehr in Österreich und Deutschland.

Weitere Branchen im Blick

Seit Mai können Kund:innen der Finanzautomatisierungsplattform ibana das Inkasso direkt aus deren Plattform beauftragen (brutkasten berichtete).

Als weitere Branchen sieht sich das Startup laut Kindler Hausverwaltungen, das Gesundheits- und Pflegeumfeld und das Handwerk an und entwickelt dafür eigene Produktlinien. „Die Logik ist überall gleich: viele kleine Rechnungen, kleine Betriebe, kaum Zeit für das Mahnwesen“, so Kindler. Weitere Anbieter will incaseof.law nennen, sobald die Verträge stehen.

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