11.07.2022

„Höhere Bezahlung als größter Motivator für Arbeitsplatzwechsel“

Die EY-Studie “Work Reimagines” zeigt, dass Arbeitnehmer:innen höhere Vergütung und flexible Arbeitsmodelle als größte Motivatoren für einen Arbeitsplatzwechsel sehen.
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Regina Karner, Leiterin People Advisory Services und Partnerin bei EY Österreich und Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting und Associate Partner im Bereich People Advisory Services bei EY Österreich. (c) EY/Christina Häusler und EY/Point of View
Regina Karner, Leiterin People Advisory Services und Partnerin bei EY Österreich und Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting und Associate Partner im Bereich People Advisory Services bei EY Österreich. (c) EY/Christina Häusler und EY/Point of View

Weltweit haben Arbeitnehmer:innen erkannt, dass sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren von einem Arbeitgeber:innenmarkt in einen Arbeitnehmer:innenmarkt verwandelt hat. Das zeigt die EY-Studie “Work Reimagined”, für die mehr als 1.500 Unternehmensleiter:innen und über 17.000 Arbeitnehmer:innen in 22 Ländern und 26 Branchen befragt wurden. Als Anlass dafür nennt EY den Fachkräftemangel, der es Unternehmen seit Jahren schwer macht, geeignete qualifizierte Mitarbeiter:innen zu finden. 

Genau aus diesem Grund sei es wichtig, die Ansichtsweise der Talente zu verstehen, erklärt Oliver Suchocki, Leiter HR-Consulting und Associate Partner im Bereich People Advisory Services bei EY. “Alle Unternehmen müssen die veränderte Ausgangslage und deren Auswirkungen jetzt rasch verstehen und umdenken, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und junge Nachwuchstalente an sich zu binden”, erklärt Suchocki weiter. 

Gehaltserhöhung gegen Personalfluktuation

Die Ergebnisse der EY Work-Reimagined-Studie zeigen jedoch, dass Unternehmer:innen und Angestellte unterschiedliche Meinungen vertreten. Während 42 Prozent der Arbeitnehmer:innen Gehaltserhöhungen als Schlüssel zur Bekämpfung von Personalfluktuation sehen, teilen nur 18 Prozent der Unternehmer:innen diese Meinung. Zudem sehen 21 Prozent der Arbeitgeber:innen Weiterbildungsmöglichkeiten und das Schärfen von Fähigkeiten als Hilfsinstrument, um die Fluktuation im Unternehmen zu reduzieren. Jedoch gaben Arbeitnehmer:innen an, dass der Wunsch nach einer höheren Vergütung der Hauptmotivator für einen Arbeitsplatzwechsel sei. 

„Arbeitnehmer:innen auf der ganzen Welt fühlen sich ermächtigt, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Da viele Arbeitgeber:innen zunehmend flexible Arbeitsmodelle anbieten, ist eine höhere Bezahlung nun die größte Motivation für einen Arbeitsplatzwechsel, insbesondere angesichts der steigenden Inflation und der unbesetzten Stellen“, erklärt Regina Karner, Leiterin People Advisory Services und Partnerin bei EY. Die Studie bestätigt zudem, dass 43 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen in den nächsten zwölf Monaten das derzeitige Unternehmen verlassen möchten. Besonders in den USA sind Mitarbeiter:innen der Generation Z und Millennials (53 Prozent) sowie Angestellte in der Technologie- und Hardware-Branche weltweit (60 Prozent) eher dazu geneigt, ihren aktuellen Arbeitsplatz noch in diesem Jahr zu kündigen.

Arbeitsplatzwechsel: „Alle Wege führen Richtung New Work“

Die Studie zeigt auch, dass Unternehmer:innen und Arbeitnehmer:innen teilweise gegensätzliche Präferenzen haben, wenn es um das Thema flexible Arbeitsmodelle geht. Denn rund ein Fünftel (21 Prozent) der Vorgesetzten geben an, dass ihre Angestellten bestenfalls an allen fünf Tagen im Büro arbeiten sollen. 80 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen gaben jedoch an, dass sie mindestens zwei Tage pro Woche “remote” arbeiten möchten. Drei Viertel (74 Prozent) der Arbeitgeber:innen würden zudem Talente aus dem Ausland holen und Remote Working akzeptieren, sofern diese über das benötigte Fachwissen verfügen. Weitere 85 Prozent der Unternehmer:innen gaben an, dass sie ihren Fokus auf die Anpassung von Talenten und Skills mit Bezug auf den künftigen Geschäftsbedarf legen möchten. 

Auch “Wellbeing”-Programme und gesundheitsfördernde Bemühungen eines Unternehmens seien motivierend für einen Arbeitsplatzwechsel – gaben 19 Prozent der Angestellten an. “Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt nachhaltig geprägt. Viele hatten nun mehr Zeit, sich damit zu befassen, was sie sich für ihr Arbeitsleben wünschen, welche Bedürfnisse der Job erfüllen und auch, wie viel Raum er im Alltag in Anspruch nehmen soll. Alle Wege führen in Richtung New Work“, erklärt Karner.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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