08.04.2024
GASTKOMMENTAR

Prewave-Gründer: „Technologie wird im EU-Lieferkettengesetz zu wenig genutzt“

Gastkommentar. Harald Nitschinger, Co Founder und Managing Director des Wiener Scaleups Prewave, erläutert, warum es im Rahmen der europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) keine Totalüberwachung aller Lieferanten braucht, sondern ein riskobasierter Ansatz zielführender ist.
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Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Die neue europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) fördert nicht nur die Nachhaltigkeit und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, sondern treibt auch Innovationen im Lieferkettenmanagement voran und schafft die Möglichkeit, die europäischen Lieferketten nicht nur nachhaltiger, sondern auch widerstandsfähiger zu gestalten.

Die CSDDD hat daher einen doppelten Auftrag:  Sie soll Unternehmen zu nachhaltigen Wertschöpfungsketten führen und den langfristigen wirtschaftlichen Wohlstand der europäischen Unternehmen und Bürger fördern. Durch gemeinsame Anstrengungen und Engagement wird Europas Vision einer widerstandsfähigen, transparenten und nachhaltigen Zukunft zum Greifen nahe.

Erfahrungen von Prewave

Unsere Erfahrungen aus der Umsetzung vergleichbarer nationaler Gesetzgebungen (Deutsches LkSG, Norwegian Transparency Act, Schweizer VSoTr) zeigen, dass eine effiziente und unbürokratische Umsetzung der CSDDD mittels moderner Technologien möglich ist. Wir unterstützen etwa bereits mehr als 170 Unternehmen bei der Erfüllung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtgesetzes (LkSG).

Dabei hat sich gezeigt, dass die KI nicht nur für die Einhaltung des Gesetzes sorgt, sondern die europäischen Unternehmen unterstützt in der Widerstandsfähigkeit ihrer Lieferketten. Hierbei hat sich insbesondere keine Total-Überwachung aller Lieferanten bewährt, sondern ein gezielter, risikobasierter Ansatz.

Der risikobasierte Ansatz

Bei einem risikobasierten Ansatz fokussiert sich das Monitoring auf die wichtigsten Segmente innerhalb einer Wertschöpfungskette. Dies sind Bereiche, die sowohl für Nachhaltigkeitsverstöße anfällig sind, besonders kritisch für den Betrieb und auch von Unternehmen beeinflusst werden können.

Auf Basis der identifizierten Risiken ermöglichen technologische Monitoring-Lösungen Unternehmen in Echtzeit, proaktiv gegen Störungen, Gesetzesverletzungen und Nachhaltigkeitsprobleme in der Lieferkette vorzugehen.

Eine automatisierte Berichterstattung ist auch wesentlich effektiver. Die gesamte Lieferantenbewertung funktioniert, ohne dass die Lieferanten Umfragen ausfüllen müssen. So wird nicht nur Bürokratie vermieden, sondern tatsächlich der wirtschaftliche Betrieb gestärkt.

Pragmatische Lösung für KMU

Insbesondere für KMU, die nicht unter die CSDDD fallen, aber als Zulieferer von großen Unternehmen sehr wohl die bürokratischen Folgen spüren, braucht es pragmatische Lösung. Unser Vorschlag sind hier Branchenlösungen bzw. Zertifizierungsprozesse, die ein „Whitelisting“ ermöglichen. Derartige Zertifikate könnten helfen den bürokratischen Aufwand zu reduzieren und Ausfüllen von Fragebogen zu vermeiden.

Kurzum, durch eine Integration von Technologie sowie eine pragmatische Umsetzung Unternehmer würde das Lieferkettengesetz nicht bloß zu einer Erfüllung von bürokratischen Anforderungen, sondern könnte von diesen genutzt werden, um effektiv ihre Wertschöpfungskette zu überwachen und ihre wirtschaftliche Stabilität zu verbessern. Hier hat das neue im Ansatz völlig richtige EU-Lieferkettengesetz sein Ziel leider nur zum Teil erreicht.



Zum Gastautor

Harald Nitschinger ist Co Founder & Managing Director des Wiener Scaleups Prewave. Das Unternehmen hat eine Supply-Chain-Risikomanagement und Compliance Plattform entwickelt und konnte dafür 2023 im Zuge einer Series-A-Runde ein Investment in Höhe von 18 Millionen Euro abschließen.


Videotipp zum Thema Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

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Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz © Andritz Group

Allein in Österreich könnten zukünftig rund 220.000 Tonnen davon besser verwertet werden. Bisher scheitert eine echte Kreislaufwirtschaft jedoch an der Praxis: „Wirkliches Faser-zu-Faser-Recycling, also sprich aus Abfällen wirklich wieder ein Kleidungsstück zu machen, das liegt im Bereich von 1% und weniger“, zieht Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz, im Gespräch ernüchternde Bilanz. Der Großteil der Altkleider wird deponiert oder verbrannt.

Vorhersage statt bloßer Materialbestimmung

Hier setzt die neue Technologie „teXscan“ an, die Andritz gemeinsam mit der französischen Tochtergesellschaft Laroche entwickelt. Während bestehende Nahinfrarot-Systeme lediglich die reine Materialzusammensetzung bestimmen können, soll die neue Lösung erstmals die konkrete Rezyklierfähigkeit zerstörungsfrei vorhersagen.

„Die Innovation dabei ist, dass man erstmals nicht nur Farbe oder Zusammensetzung messen, sondern eine Vorhersage treffen kann, wie gut etwas recycelbar ist.“, so Waupotitsch. Das System ordnet den Textilien einen Score von 0 bis 100 zu, der auf Kriterien wie der Faserlänge und dem Kurzfaseranteil basiert. Waupotitsch betont jedoch im Gespräch, dass es sich hierbei um „keinen industriellen Standard“, sondern primär um eine „Entscheidungshilfe“ für Sortier- und Recyclingbetriebe handelt.

Der teXscan © Andritz

Bislang nur weiße Baumwolle identifizierbar

Bislang beschränkt sich die Analysefähigkeit des Prototyps ausschließlich auf weiße Baumwollfasern. Die größte Herausforderung im Massenmarkt stellen jedoch Mischgewebe und gefärbte Stoffe dar, die den Großteil heutiger Fast Fashion ausmachen. Andritz plant, bis Ende des Jahres verlässliche Aussagen über farbige Baumwolle zu treffen; Mischgewebe sollen als nächstes folgen.

Aktuell existiert das System als Tischgerät. Um industriell relevant zu werden, soll die Technologie zu Handheld-Geräten oder vollautomatisierten Online-Sensoren für Förderbänder weiterentwickelt werden, erklärt der Textil-Recycling-Experte.

teXscan als strategischer „Door Opener“

„Recycling von Textilien steht im Wettbewerb mit extrem günstigen Frischfasern“, merkt Waupotitsch im Gespräch an. Man müsse das gesamte wirtschaftliche System beachten und vorsichtig sein sich in dieser Hinsicht nicht selbst zu belügen, denn „unterm Strich muss es sich auch rechnen“, so der Experte. Zudem fehlen in Europa flächendeckende, genormte Sammelsysteme, wie man sie vom Altpapier kennt.

Für den Technologiekonzern ist der Scanner ohnehin nicht das primäre Endprodukt sondern eine Möglichkeit der Zusammenarbeit. Andritz versteht sich als Maschinen- und Anlagenbauer. Das Messgerät soll vielmehr als „Door-Opener“ fungieren, um letztlich großskalierte mechanische und chemische Recyclinganlagen zu vertreiben.

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