13.05.2025
BILDUNG

Franchise: Das sagt GoStudent zu den neuen Plänen

GoStudent vermeldete letzte Woche die Erweiterung seines Geschäftsmodells und möchte künftig verstärkt auf stationäre Nachhilfestandorte setzen. Wir haben beim Wiener Unicorn nach den Gründen nachgefragt.
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GoStudent
(c) GoStudent

GoStudent hat bereits vor rund drei Jahren Studienkreis übernommen und etwas in Gang gesetzt, was künftig noch stärker ausgebaut werden soll: das stationäre Angebot. Letzte Woche informierte Founder Felix Ohswald per Linked-Post über die neuen Franchise-Pläne – brutkasten berichtete.

GoStudent: „Online weiter zentral“

„Das Franchise-Modell mit stationären Nachhilfestandorten, das wir in Deutschland übernommen haben, hat sich äußerst positiv entwickelt. Deshalb ist es für uns ein logischer nächster Schritt, dieses erfolgreiche Modell nun auf weitere europäische Länder auszuweiten, in denen wir bereits mit unserer personalisierten Online-Einzelnachhilfe aktiv sind“, erklärt eine Sprecherin des EdTechs die Gründe für diesen Schritt.

Die Online-Nachhilfe bleibe jedoch nach wie vor ein zentraler Bestandteil des Unternehmens. „Seit der Übernahme des Studienkreises haben wir auch unseren physischen Standorten ermöglicht, Online-Unterricht anzubieten, was stark nachgefragt wird und zusätzlich die Wirtschaftlichkeit der Standorte deutlich erhöht. Die Kombination aus digitaler und lokaler Präsenz schafft ein besonders flexibles und skalierbares Lernangebot“, heißt es weiter.

Ergänzung zum „überlastetem Schulsystem“

Die Angebote von GoStudent verstünden sich weiterhin als Ergänzung zum bestehenden Schulsystem, welches allerdings vielerorts überlastet sei. Es fehle an Lehrkräften, und viele Familien seien mit dem derzeitigen Bildungsangebot unzufrieden. „Genau hier setzen wir an: Wir bieten eine Lösung für zusätzliche Bildungsangebote, die auch sozial schwächeren Familien durch Programme wie ‚Bildung und Teilhabe‘ in Deutschland unterstützen können. Wir sehen großes Potenzial, ähnliche Modelle auch in Österreich zu etablieren.“

GoStudent: „Reine Online-Marktplätze oft mit geringen Margen“

Gleichzeitig könne man durch eigene stationäre Nachhilfestandorte und Franchise-Partnerschaften einen größeren Teil der Wertschöpfungskette abdecken, im Gegensatz zu reinen Online-Marktplätzen, die oft geringe Margen bieten würden, so die Hoffnung.

GoStudent plant im Detail, innerhalb der nächsten 24 Monate rund 1.000 neue Standorte zu eröffnen: „Unsere Franchise-Partner:innen erhalten dabei umfassende Unterstützung beim Aufbau ihrer eigenen lokalen Nachhilfeschule: von der Standortwahl über Marketingmaßnahmen bis hin zur operativen Führung“, wie auch Ohswald hier beschrieb. „Damit wollen wir Menschen, die sich im Bildungsbereich selbstständig machen wollen, eine starke Plattform und ein erprobtes Geschäftsmodell bieten – mit dem Rückhalt von GoStudent als Marke.“

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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