02.04.2025
HEALTH

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

Es ist ein weitverbreitetes, aber nicht immer thematisiertes Problem: Tinnitus. Klaus Grübl litt lange Zeit selbst daran, entwickelte "im Schlaf" eine Lösung dagegen, machte Forscher in China auf sich aufmerksam und kooperiert nun mit Biogena. Seine Geschichte.
/artikel/forgtin-ohrbuegel-aus-braunau-bekaempft-tinnitus
Tinnitus, ForgTin, Biogena, fighttinnitus,
© Pansatori - Klaus Grübl von Pansatori mit seiner Tinnitus-Lösung ForgTin.

Er begleitet einen Tag und Nacht. Bei Autofahrten, beim Einkaufen und bei der Arbeit. Nachts schlägt er ebenfalls zu und stört nicht nur regelmäßig den Schlaf, er zerstört die Lebensqualität. Mit seinen inneren Geräuschen, die mal schwächer, mal stärker werden, mit seinen Hochfrequenztönen, die von Ohr zu Ohr wechseln oder seinem tiefen Rauschen. Klaus Grübl, Gründer von Pansatori, litt 19 Jahre lang sehr stark an Tinnitus, wusste beizeiten nicht mehr weiter, fand dann aber durch Zufall eine Lösung zur Abhilfe. Und ist seit sechs Jahren frei von der Qual.

Tinnitus in Österreich: Rund 12 Prozent betroffen

Und dass es eine Qual ist, zeigten skandinavische Wissenschaftler vor ein paar Jahren: Laut einer schwedischen Forschungsarbeit aus dem Jahr 2019 der Studienautoren um Christopher R. Cederroth vom „Karolinska lnstitutet“ in Stockholm gaben damals 9,4 Prozent von 874 befragten Frauen mit schwerem Tinnitus an, sie hätten versucht, sich das Leben zu nehmen. Von 1.121 Männern berichteten 62 Teilnehmer (5,5 Prozent) über einen Suizidversuch aufgrund des Tinnitus-Leidens. Diese erschreckenden Zahlen im Kopf, wiegt die Verbreitung des Leidens umso mehr. In Österreich sind rund zwölf Prozent der Bevölkerung von einem Tinnitus betroffen, was in nackten zahlen rund eine Million Menschen sind – bei circa 40.000 Personen geht das mit einer erheblichen Störung (chronischer Tinnitus) der Lebensqualität einher.

Im Schlaf die Lösung gefunden

Grübl selbst halfen damals weder traditionell westliche noch östliche Behandlungen, wie er erzählt. Er beschreibt sein Leiden auf einer Skala von „0 bis 10“ auf zwischen sieben und zehn. „Meine Lebens- und Schlafqualität war katastrophal“, sagt er. „Eines Nachts jedoch, bin ich nach ‚herumdrücken‘ und ausprobieren mit dem Finger an der Stelle eingeschlafen, wo bei Brillenträgern der Bügel aufliegt.“ Er wachte etwas später mit dieser sanften Berührung auf und merkte, dass sich etwas verändert hat. „Als ich den Finger wieder entfernte, war das laute Geräusch wieder da. Also wusste ich, man kann meinen Tinnitus modulieren.“

Der Founder war rund 30 Jahre lang Unternehmer und quasi von einem Tag auf den anderen „arbeitslos“. Es war der erste Tag des Lockdowns im März 2020 und Firmenkunden strichen alle gebuchten Schulungen seines Consulting-Unternehmens. Bereits davor hatte Grübl erste Prototypen seines ForgTin gebastelt, eines Bügels ähnlich einer Brille, der durch Druck die durch Zufall gefunden Stelle beim Ohr stimuliert. „Dieser Prototyp ist aber furchtbar geworden“, erinnert sich Grübl. „Leute haben mich gefragt, was ich denn da überhaupt trage.“

Mit der Quarantäne jedoch fand der Unternehmer die Zeit, Erfinder zu werden und gründete sein MedTech-Startup Pansatori. Für ihn war alles Neuland, er kümmerte sich um die CE-Zertifizierung, ließ Studien durchführen, suchte Partner für die Fertigung und fand sogar einen lokalen Schachtelproduzenten aus dem Mühlviertel. Ein halbes Jahr danach war der erste ForgTin-Bügel verkauft.

Tinnitus-Studie errege Aufmerksamkeit in China

Heute ist er seit knapp vier Jahren am Markt, hat sich entgegen aller Skeptiker, die es gab, einen Status aufgebaut, und mit seiner Tinnitus-Lösung sogar ihn China Aufmerksamkeit erregt.

In der Analyse „Effect of Auricular Point Acupressure Therapy on Noise-Induced Tinnitus: A Retrospective Analysis“ von Qin Chen, Huiyang Lv und Jinghuimin Qi vom „Department of Otolaryngology, The Sandun Branch of Zhejiang Hospital“ aus Hangzhou, verweisen die Autoren auf die hauseigene Untersuchung „Schlee et al. (2021)“ des Braunauer Teams. Und schreiben: „In einer klinischen Studie untersuchten Schlee et al. die Wirksamkeit der Ohrmuschelmassage zur Linderung von Tinnitus-Symptomen. Die Linderung wurde durch die Massage spezifischer Ohrmuschelpunkte erreicht, was mit den Ergebnissen der vorliegenden Studie übereinstimmt.“

Und weiter: „In dieser Studie wurde bei Patienten mit lärmbedingtem Tinnitus Druck auf die aurikulären Punkte ausgeübt (…) Diese aurikulären Punkte stehen in engem Zusammenhang mit den Funktionen vieler Eingeweide, einschließlich des Herzens, der Leber, der Gallenblase und der Milz, und üben eine lindernde Wirkung auf die Tinnitus-Symptome aus. (…) Die Anwendung von Akupressur an den inneren und äußeren Ohrpunkten klärt die Ohren, vertreibt Wind und Hitze. (…) Darüber hinaus kann die Akupressur der Ohrmuscheln die Erweiterung der Blutgefäße in den Ohren beschleunigen, die Geschwindigkeit des Blutflusses erhöhen und so die Blutzirkulation fördern.“

„Es hat uns eine sehr große Freude bereitet, in dem Land der Gründungsväter für Akkupunktur, erwähnt zu werden, und dass als ein Unternehmen aus Braunau“, sagt Grübl, der mittlerweile über 3.000 Kunden verfügt und weitere wissenschaftliche Bekräftigungen seiner Lösung aufweisen kann. So haben etwa Studien der Medizinuni Regensburg (Deutschland) die Wirksamkeit bestätigt, wie der Founder erzählt; eine zweite Studie mit dem selben Ergebnis soll bald von der Universität St-Gallen (Schweiz) folgen.

ForgTin soll man nicht spüren

„Wir sehen, dass nach einer Tragedauer des ForgTins – von tagsüber rund 40 Prozent -Betroffene berichten, dass sich ihr Tinnitus signifikant, also um mehr als 50 Prozent, verringert hat“, sagt Grübl. „Je länger man den Bügel am Ohr trägt, desto größer wird die Gruppe, die von einer Reduktion berichtet.“

ForgTin soll dabei leicht ans Ohr gelegt werden, sodass man den Bügel nach 15 Minuten gar nicht mehr spüren soll. „Bei manchen hat es sechs bis zwölf Wochen gedauert, bis eine Besserung eingetreten ist, bei anderen zehn Monate, bei anderen war der Tinnitus nach sieben Tagen weg“, erklärt der Gründer. „Warum das so ist, wissen wir nicht, da bräuchte es eine tiefgehende Grundlagenforschung, die wir momentan nicht abdecken können.“

Kooperation mit Biogena: #fightTinnitus

Grübl führt den Kampf gegen Tinnitus ja bereits seit zwei Dekaden und scheint doch erst jetzt richtig zu starten. Unter der Initiative #fightTinnitus kooperiert er aktuell mit Biogena in dieser Sache. „Gemeinsam mit ForgTin sagen wir Tinnitus den Kampf an: wir haben die Mikronährstoffe, die für Tinnitus-Betroffene unterstützend wirken können und ForgTin das wohl innovativste Produkt am Markt – den ForgTin-Ohrbügel“, schreibt das Unternehmen auf seiner Website.

„Ich habe Albert Schmidbauer (Anm.: Founder and CEO Biogena Group) mal getroffen und wir haben gemerkt, dass wir gut zueinander passen und gemeinsame Themen verfolgen, die uns beide bewegen“, erinnert sich Grübl. So finden nun monatlich an Biogena-Standorten Vorträge zum Thema Tinnitus statt, wo man auch für ein paar Minuten den sieben Gramm schweren ForgTin-Bügel ausprobieren kann.

Aktuell arbeitet Pansatori daran, Awareness für seine Lösung zu schaffen. Man konnte zudem exklusive Vertriebspartner in Griechenland, Australien und Neuseeland gewinnen und bereitet sich auf Vertriebspartnerschaften in Südafrika, Benelux, UK und Kanada vor. Auch die USA (mit 25 Millionen Menschen, die Tinnitus erfahren haben, der länger als fünf Minuten anhielt) habe man bereits im Blick.

Deine ungelesenen Artikel:
05.10.2026

Steiermark plant Testregion für KI-gestützte und humanoide Robotik

AT Styria will die Steiermark zur Testregion für humanoide Roboter machen und bewirbt sich dafür um 18 Mio. Euro aus dem EU-Forschungsprogramm Horizon Europe. Mit drei Pilotprojekten will man an den Start gehen.
/artikel/steiermark-plant-testregion-fuer-ki-gestuetzte-und-humanoide-robotik
05.10.2026

Steiermark plant Testregion für KI-gestützte und humanoide Robotik

AT Styria will die Steiermark zur Testregion für humanoide Roboter machen und bewirbt sich dafür um 18 Mio. Euro aus dem EU-Forschungsprogramm Horizon Europe. Mit drei Pilotprojekten will man an den Start gehen.
/artikel/steiermark-plant-testregion-fuer-ki-gestuetzte-und-humanoide-robotik
(v. l.) AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter, BrightFlare-CEO Markus Seme, GMAR-Präsidentin Ulrike Haslauer, DCCS-Geschäftsführer Thomas Edlinger, Joanneum Research-Geschäftsführer Heinz Mayer und AT Styria-Geschäftsführer Helmut Röck © Lukas Elsneg

Der Cluster AT Styria (Plattform Automatisierungstechnik Steiermark), ein branchenübergreifendes Netzwerk von 120 Unternehmen, die in der Automatisierungstechnik tätig sind, hat bei den „European Robotics and Automation Talks“ in Graz seinen Plan für eine Robotik-Testregion vorgestellt. Dort soll die nächste Robotergeneration unter realen Produktionsbedingungen bis zur industriellen Einsatzreife entwickelt werden.

Ziel: Industrielle Einsatzreife

Mit an Bord sind unter anderem Joanneum Research, TU Graz, FH Campus 02, Magna Steyr, der KI-Softwareanbieter DCCS und der Security-Spezialist BrightFlare. Über die „Area Süd“ werden Kärntner Partner eingebunden. Dazu kommen das slowenische Netzwerk SRIP Factories of the Future, das italienische DITEDI, mit dem im Juli 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde, sowie Bayern Innovativ.

Aus Sicht von AT-Styria-Vorsitzendem Herbert Ritter, der auch Vizepräsident der WKO Steiermark ist, wird KI-gestützte Robotik zur zentralen Standortfrage. „Wir wollen Kooperationen erzeugen, als Enabler wirken und dafür sorgen, dass neue Technologien schneller in den Betrieben ankommen“, sagt er.

18 Millionen Euro aus Horizon Europe

Das Konsortium bewirbt sich um das einzige europaweite Leitprojekt, das Horizon Europe für die industrielle Integration KI-gestützter Robotik vorsieht. Horizon Europe ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union und läuft von 2021 bis 2027. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro ist es eines der größten Förderprogramme dieser Art weltweit. Gefördert werden Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten.

Die Ausschreibung öffnet im November 2026, dafür stehen rund 18 Millionen Euro bereit. Der Antrag soll im Frühjahr 2027 eingereicht werden, die Förderentscheidung fällt im Sommer. Bei einer Zusage könnte das Projekt 2028 starten.

Drei Pilotprojekte als Rückgrat

Geplant sind drei industrielle Pilotprojekte. Im ersten arbeiten humanoide Roboter an mehreren Arbeitsplätzen einer Fertigung, bedienen Maschinen und wechseln Werkstücke. Der zweite Pilot widmet sich der innerbetrieblichen Logistik mit autonomen mobilen Robotern. Im dritten übernehmen KI-Systeme Aufgaben in Qualitätskontrolle, Inspektion und Instandhaltung.

Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, erklärt das Ziel: „Jeder Pilot setzt bei einem konkreten Engpass im Betrieb an. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz: Welche Taktzeit erreicht das System, wie zuverlässig arbeitet es, welchen Integrationsaufwand verursacht es und wann rechnet sich die Investition? Genau diese Antworten brauchen Unternehmen, bevor sie eine neue Technologie in größerem Maßstab einsetzen.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ForgTin: Ohrbügel aus Braunau bekämpft Tinnitus