Flugtaxis: Fliegen wir alle in fünf Jahren durch die Stadt?
Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Flugtaxis den Individualverkehr in Städten ergänzen. Die Investitionen in dieser Branche steigen, die ersten Passagierflüge werden innerhalb der nächsten fünf Jahre erwartet und für 2050 rechnet man mit 160.000 kommerziell fliegenden Vehikeln.
Es sieht nach einem „mächtigen Badabumm“ aus, der Gesellschaften im Bereich Mobility in den nächsten Jahren und zwei bis drei Jahrzehnten erwartet. Noch ist es nicht soweit, dass Flugtaxis in „fünfter Element-Manier“ durch die Lüfte segeln, jedoch zeigen eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und andere Entwicklungen, dass kommerzielle Passagierdrohnen näher an der Realisierung dran sind, als vielleicht vermutet. Und der Markt scheint bereit.
2019 Flugtest in Wien
Die ersten Metropolen testen und planen bereits: In Guangzhou, China, werden seit 2018 Demoflüge durchgeführt, in Paris sollen ab 2024 erste Flugmaschinen Menschen transportieren und in Dallas, USA, stehen demnächst Testflüge auf dem Programm. Auch in Wien gab es 2019 einen Testflug des autonomen Luftfahrzeugs „EHang 2019“, im Zuge dessen das Vehikel in der Generali Arena mehrere Male aufstieg und sicher landete.
Flugtaxis mit Marktpotential von 90 Milliarden US-Dollar
Insgesamt wird erwartet, dass die Urban Air Mobility (UAM), die Ausweitung städtischer Transportsysteme in den Luftraum, bis 2050 ein Marktpotenzial von jährlich 90 Milliarden US-Dollar erreichen soll.
Bis 2050 160.000 kommerzielle Flugtaxis
„Wir schätzen, dass 2050 etwa 160.000 kommerzielle Flugtaxis in der Luft sein werden“, prognostiziert Manfred Hader, Partner bei Roland Berger: „Unternehmen, die heute Autos, Flugzeuge oder Helikopter produzieren, aber auch Neueinsteiger, können einen großen Markt erschließen, wenn sie sich in den kommenden Jahren entsprechend positionieren.“
Heute gibt es weltweit mehr als 110 städtische oder regionale Projekte zur Bereitstellung autonomer Lufttransportangebote. Die Hälfte davon stammt aus Europa. Startups und etablierte Unternehmen entwickeln Flugtaxis und Services für unterschiedliche Bereiche.
Investitionen leiden nicht an Corona
Selbst die Pandemie konnte der Entwicklung nicht ernsthaft schaden, wie Zahlen zeigen: In der ersten Hälfte 2020 summierten sich die Investitionen in Startups bei UAM auf 907 Millionen US-Dollar – deutlich mehr als im Gesamtjahr 2016 mit 40 Millionen US-Dollar.
„Rechtliche Hürden bald abbauen“
„Aktuell geben zwei Entwicklungen der Branche Auftrieb. Die Akzeptanz der Technologie in der Bevölkerung wächst mit jedem Testflug und die Regulierungsbehörden in Europa und den USA beschäftigen sich inzwischen so ernsthaft mit dem Thema, dass rechtliche Hürden in absehbarer Zeit überwunden werden können“, sagt Stephan Baur, Principal bei Roland Berger.
Drei Einsatzbereiche bei UAM
Beide Autoren der Studie haben Daten aus 1200 Großstädten erhoben und zu vier idealtypischen Städtearchetypen kumuliert. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich für die Zukunft drei unterschiedliche Einsatzbereiche bestimmen lassen:
City-Taxis mit einer Reichweite von 15 bis 50 Kilometern
Airport-Shuttles mit derselben Reichweite
Intercity-Jets, die Distanzen von bis zu 250 Kilometern zurücklegen können.
Die Branche dürfte sich demnach etwa zu gleichen Teilen auf die Fertigung dreier unterschiedlicher Typen spezialisieren: City Taxi: 36%, Airport-Shuttle: 35%, Intercity-Jets: 29%.
Erste Anbieter ab 2025
„Bis 2050 werden die Flughafen-Shuttle- und Inter-City-Dienste den Löwenanteil unter sich aufteilen, etwa 90 Prozent der Einnahmen“, sagt Hader, der auch damit rechnet, dass bereits um 2025 herum erste Anbieter in den Markt drängen und diese Services anbieten werden: „In der Folge erwarten wir einen Übergang zu einem Premium-Modell des öffentlichen Verkehrs, bei dem die UAM-Dienste den heutigen Taxidiensten immer ähnlicher werden.“
Ganzes Ökosystem als Anhängsel von Flugtaxis
Vom 90-Milliarden-US-Dollar Marktpotential würden aber nicht nur die Hersteller von Flugtaxis profitieren. Ein ganzes Ökosystem entsteht rund um UAM. Der Markt, so der Glaube beider Autoren, wird sich infolgedessen weiter ausdifferenzieren und zu einer Reihe von unterschiedlichen Geschäftsmodellen in verschiedenen Segmenten führen.
„Es geht weit über Flugtaxis hinaus – der Markt wächst mit der Infrastruktur, wie beispielsweise Landeplätzen, Dienstleistungen, Flight-Operations, Ticket-Vermittlung und Reparaturen“, sagt Baur: „Wir gehen im Moment davon aus, dass die Hersteller der Flugtaxis – ähnlich wie es in der Automobilindustrie der Fall ist – anfangs den Markt dominieren werden. Auf jeden Fall müssen sich die Unternehmen in diesem neuen Ökosystem klar positionieren.“
Die EU fördert neue Wasserstoffprojekte in Serbien. Deutschland sieht in dem Land gar einen möglichen Lieferanten für Europa. Vor Ort zeigt sich: Es fehlen Strom aus Wind und Sonne, klare Regeln und eine Verwaltung, die sie umsetzt. Chancen für die internationale Wirtschaft gibt es trotzdem, nur nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Die EU fördert neue Wasserstoffprojekte in Serbien. Deutschland sieht in dem Land gar einen möglichen Lieferanten für Europa. Vor Ort zeigt sich: Es fehlen Strom aus Wind und Sonne, klare Regeln und eine Verwaltung, die sie umsetzt. Chancen für die internationale Wirtschaft gibt es trotzdem, nur nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Ein Elektrobus der Belgrader Verkehrsbetriebe lädt an einer Schnellladestation von Siemens. | (c) Alexandra Polic
Belgrad steht. Auto an Auto schiebt sich durch die Stadt, dazwischen fahren Busse, die ihr erstes Leben woanders verbracht haben: in Deutschland oder in Österreich zum Beispiel. Manche tragen noch die alten Aufkleber. „Notausstieg” steht da auf Deutsch auf einem Fenster, mitten in Serbiens Hauptstadt.
Es verwundert also wenig, dass einem in neun Tagen in Serbien nur eine einzige Haltestelle mit E-Bussen auffällt. Immerhin gab es die zu Lebzeiten der nun serbischen Busse in deutschsprachigen Ländern kaum. Aufhalten lassen sich ausländische Firmen dadurch nicht. In Belgrad verkauft etwa der chinesische Konzern BYD Elektroautos. Nur: Auf der Straße sieht man kaum welche. Trotzdem sollen ausgerechnet hier, in einem Land mit fossilem Antrieb, neue Wasserstoffprojekte entstehen, gefördert aus europäischen Ländern, zum Teil sogar aus Mitteln der EU. Woran liegt das?
Europas große Wette auf grünen Wasserstoff
Zum einen drängen die Ziele: Bis 2030 will die EU zehn Millionen Tonnen grünen Wasserstoff selbst produzieren und ebenso viel importieren. So steht es im REPowerEU-Plan. Es ist eines der ambitioniertesten industriepolitischen Vorhaben der Union und ein zentrales Werkzeug, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen. Der Draghi-Report 2024 nennt hohe Energiekosten und Importabhängigkeit als Hauptgrund, warum Europas Industrie zurückfällt. Seine Forderung: dekarbonisieren.
Grüner Wasserstoff kann dabei helfen. Er funktioniert dort, wo direkte Elektrifizierung an Grenzen stößt, etwa in Stahl, Chemie, Schifffahrt und Schwerlastverkehr, und ersetzt fossile Importe. Er ist Klima-, Industrie- und Souveränitätspolitik in einem. Hergestellt wird er in Elektrolyseuren: Anlagen, die Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Grün ist er nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft stammt.
Aber der Hochlauf stockt. Die Produktion ist teuer, die Infrastruktur fehlt. 2024 waren in der EU laut European Hydrogen Markets Monitoring Report 308 Megawatt Elektrolysekapazität installiert. Vorgesehen waren 6.000. Bis 2030, so sieht es die EU-Wasserstoffstrategie vor, sollen es 40.000 werden.
Serbien: Ein Kandidat ohne Plan
Während Spanien als Vorreiter gilt und in Österreich mit 140 Megawatt die bisher größte Elektrolyseanlage des Landes entsteht, versuchen europäische Akteure auch den serbischen Markt zu erschließen. Dabei fehlt Serbien bis heute eine nationale Wasserstoffstrategie.
Politisch ist das Land seit 2012 EU-Beitrittskandidat und aktuell so weit von einer Mitgliedschaft entfernt wie lange nicht. Im jüngsten Fortschrittsbericht attestierte die EU-Kommission Serbien das schlechteste Zeugnis aller Kandidaten, die Reformen seien zum Stillstand gekommen. Proteste, Korruptionsvorwürfe und Neuwahlen Ende Oktober halten das Land in Aufruhr. Kann aus einem Beitrittskandidaten ohne Strategie ein Energiepartner werden? Und was heißt das für alle, die dort investieren wollen?
Im Navigator Business Center in Novi Beograd sind zahlreiche Unternehmen und Startups angesiedelt. | (c) Alexandra Polic
Keine Nachfrage für Wasserstoff
„Alle vier Jahre wird Wasserstoff zum wichtigsten Thema, und dann verschwindet er wieder von der Agenda. Gerade sind wir eher unten auf der Kurve. Die Investitionen rund um Wasserstoff sind so niedrig wie seit Jahren nicht”, sagt Rahul Mishra, Co-Founder von The Energy Bridge. Die Wiener Plattform bringt Forscher:innen, Unternehmer:innen und Investor:innen zusammen. „Serbien ist auf jeden Fall ein interessanter Ort für erneuerbare Energien. Was grünen Wasserstoff betrifft, bin ich mir allerdings nicht so sicher”, sagt Mishra. Grüner Wasserstoff mache nur dort Sinn, wo es bereits einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie gebe.
Aber von Serbiens heimischer Energieproduktion entfielen laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) 2024 rund 70 Prozent auf fossile Brennstoffe, während Sonne, Wind und andere Erneuerbare zusammen nur etwa 1,4 Prozent beitrugen. Damit fehlt genau die Voraussetzung, die Mishra nennt. Dazu kommt ein Richtungswechsel in Brüssel: Mit ihrem im Juli präsentierten Elektrifizierungsplan setzt die EU-Kommission stärker auf Strom als auf Wasserstoff.
Tiefschwarz
Viele Menschen in Serbien sagen unabhängig voneinander das Gleiche: dass das Land tiefschwarz ist. Schwarz steht in diesem Fall für Kohle. Wasserstoff ist in Serbien ein Thema für einen kleinen Kreis von Fachleuten. Selbst manche Institutionen zeigten sich auf Anfrage überrascht, dass es solche Projekte im Land gibt. Das serbische Energieministerium hat auf Anfragen nicht reagiert.
Warum Projekte feststecken
Dabei haben in den vergangenen Jahren vor allem deutsche Firmen versucht, den serbischen Wasserstoff-Sektor aufzubauen. Laut Informationen der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer (AHK) steckt ein Pilotprojekt gerade wegen regulatorischer Probleme in der Planung fest. Selbst für Pilotprojekte fehlen also Verordnungen, etwa zur Sicherheit.
Erst im Jänner hat Serbien ein nationales Gesetz zu CO₂-Emissionen eingeführt, das dem EU-Emissionshandel entsprechen soll. Wasserstoff fehlt darin, obwohl er unter den EU-Grenzausgleich CBAM fällt. Die Kammer hatte dessen Aufnahme in der öffentlichen Konsultation gefordert, blieb damit aber erfolglos.
Viele Ankündigungen, wenig Umsetzung
Ilija Batas-Bjelić forscht am Institut für Technische Wissenschaften der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU). Er modelliert Energiesysteme, mit dem seines Landes hat er sich umfassend auseinandergesetzt. Sein Fazit: „Im Grunde gibt es hier kein System.” Ein echtes Energiesystem verbindet viele verschiedene Komponenten zu einem funktionierenden Ganzen: Kraftwerke, Netze, Verbraucher:innen sowie unterschiedliche Sektoren wie Strom, Wärme und Transport. In Serbien fehlt diese Verzahnung bisher.
Laut Batas-Bjelić liegt das Land in der Energiewende rund zwanzig Jahre zurück, weil Kohle für das Finanzministerium die zentrale Einnahmequelle bleibt und notfalls sogar importiert wird. Das Energieministerium habe zwar viel Arbeit in Regulierung und Gesetzgebung gesteckt, aber für die Umsetzung fehle alles: das Geld, das Fachpersonal und die Infrastruktur. „Es gibt viele Ankündigungen, aber es passiert nichts”, sagt er.
Wer trotzdem baut
„Generell halte ich Wasserstoff für diese Region für etwas zu teuer”, sagt der Forscher. „Von Fall zu Fall kann sich Wasserstoff wirtschaftlich lohnen und für Banken finanzierbar sein”, erklärt er. Den Anstoß erwartet er vor allem von kleineren Unternehmen. Solarstrom und PV-Anlagen seien billig, die Gasversorgung bleibe unsicher. Wer eine eigene PV-Anlage betreibt, könne damit auch vor Ort Wasserstoff erzeugen.
Die Theorie bestätigt sich in der Praxis. Nach Informationen aus dem Umfeld der deutschen Entwicklungsbank KfW kommt derzeit nur ein Wasserstoffprojekt im Land wirklich voran: das eines privaten Transportunternehmens nahe Belgrad. Es will Strom aus einer eigenen Solaranlage in Wasserstoff für die eigenen Lkw umwandeln, die Tankstelle soll bis Mitte 2027 in Betrieb gehen. Das Projekt ist aus Eigenmitteln finanziert. Der Aufwand für Förderungen stand in keinem Verhältnis zur Summe. Wer in Serbien auf Wasserstoff setzt, ist bisher auf sich allein gestellt. Aber was heißt das für jemanden, der investieren will?
Wo der Markt wirklich liegt
Die Gesprächspartner:innen zeigen alle in dieselbe Richtung, und sie zeigt nicht auf Wasserstoff. Batas-Bjelić beobachtet, dass derzeit ausschließlich kleine Solarprojekte tatsächlich gebaut werden, während größere Vorhaben liegen bleiben, und erwartet den Anstoß von Unternehmen selbst. Wer in Serbien in Erneuerbare investieren will, muss also kleiner denken: bei Anlagen für den Eigenverbrauch von Betrieben.
Die Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer verweist auf eine konkrete Lücke, die auch für österreichische Investor:innen interessant sein könnte: Deutsche Firmen haben in Serbien längst selbst Photovoltaik installiert und ihre Prozesse optimiert, um auf das CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM der EU vorbereitet zu sein. Ihre kleineren serbischen Zulieferer haben das nicht. Deren Emissionen schlagen nämlich auf die Klimabilanz ihrer internationalen Abnehmer durch. Und genau dort sei Raum für Investitionen.
Für alle Bereiche rät Daniel Schaub von The Energy Bridge, lokale Akteure einzubeziehen. „Wenn die Community rund um ein Projekt dagegen ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Die Community einzubinden, senkt dieses Risiko, und das ist bei Investitionen wichtig.” Wissenstransfer und lokale Arbeitsplätze gehören für ihn dazu.
Bei grünem Wasserstoff ist Serbien noch nicht so weit. Wer dort trotzdem investieren will, sollte beim Fundament anfangen, gemeinsam mit den Menschen vor Ort.
Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026″ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramts, finanziert aus Bundesmitteln.
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Flugtaxis: Fliegen wir alle in fünf Jahren durch die Stadt?
Es sieht nach einem „mächtigen Badabumm“ aus, der Gesellschaften im Bereich Mobility in den nächsten Jahren und zwei bis drei Jahrzehnten erwartet.
Die ersten Metropolen testen und planen bereits: In Guangzhou, China, werden seit 2018 Demoflüge durchgeführt, in Paris sollen ab 2024 erste Maschinen Menschen transportieren und in Dallas, USA, stehen demnächst Testflüge auf dem Programm.
Insgesamt wird erwartet, dass die Urban Air Mobility (UAM), die Ausweitung städtischer Transportsysteme in den Luftraum, bis 2050 ein Marktpotenzial von jährlich 90 Milliarden US-Dollar erreichen soll.
„Wir schätzen, dass 2050 etwa 160.000 kommerzielle Flugtaxis in der Luft sein werden“, prognostiziert Manfred Hader, Partner bei Roland Berger: „Unternehmen, die heute Autos, Flugzeuge oder Helikopter produzieren, aber auch Neueinsteige, können einen großen Markt erschließen, wenn sie sich in den kommenden Jahren entsprechend positionieren.“
Vom 90-Milliarden-US-Dollar Marktpotential würden aber nicht nur die Hersteller von Flugtaxis profitieren.
AI Kontextualisierung
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