19.01.2026
NORTHSCOPE

Florian Hasibar verlässt mytalents.ai und gründet neues Startup im FinTech-Bereich

Co-Founder und CEO Florian Hasibar nimmt Abschied von seinem ersten Startup mytalents.ai. Die Hintergründe dazu und welche beruflichen Schritte als nächstes bei ihm anstehen, erzählt er im Interview mit brutkasten.
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Florian Hasibar. | © Katharina Schiffl

„Die letzten 2,5 Jahre bei mytalents.ai waren unglaublich wertvoll“, schreibt Florian Hasibar kürzlich in einem LinkedIn-Posting. Für den Gründer bedeutet dieser Satz zugleich ein Abschied: Hasibar zieht sich aus dem von ihm mitgegründeten EdTech-Startup mytalents.ai zurück und richtet seinen Fokus künftig auf ein neues Startup im Finanzbereich.

Die Plattform von mytalents.ai bietet Online-Kurse für diverse Berufsgruppen und Fachbereiche an. Kurz nach der Gründung sicherte sich das Unternehmen eine Pre-Seed-Finanzierung im sechsstelligen Bereich (brutkasten berichtete). Zu den Investor:innen zählten unter anderem Ben Ruschin, Michael Kamleitner, Florian Haas, A&S Investment sowie Kambis Kohansal. Früh gewann mytalents.ai zudem namhafte Kunden wie EY und den Zeitungsverlag Mediaprint für sich (brutkasten berichtete).

Hasibar: „EdTech war nicht mein Sweet Spot“

Trotz dieses Erfolgs merkte Hasibar zunehmend, dass EdTech langfristig nicht sein beruflicher Schwerpunkt bleiben würde. „HR oder EdTech waren nicht mein Sweet Spot. Ich habe Accounting und Controlling studiert und meine gesamte berufliche Laufbahn im Finance-Bereich verbracht. Dann bin ich im EdTech gelandet, weil ich total fasziniert von KI war (und immer noch bin!) – aber mein Herz hat immer für Finance Operations geschlagen“, erklärt er auf LinkedIn. Gegenüber brutkasten ergänzt er: “Finance ist das, was ich mein Leben lang gemacht habe und es ist das, was ich langfristig auch wieder machen will.“

Rückblickend bezeichnet Hasibar sein erstes Startup dennoch als „super Erfahrung“, aus der er viel für sein nächstes unternehmerisches Kapitel mitnimmt. Seine Analyse des Finanzbereichs fällt jedoch kritisch aus: Aus seiner Sicht habe sich die Branche in den vergangenen zehn Jahren kaum weiterentwickelt. Noch immer würden vielerorts dieselben Softwarelösungen und manuellen Prozesse eingesetzt.

Automatisierung von Controlling-Prozessen

Genau hier setzt sein neues Startup Northscope an. Ziel sei es, Controlling- und Finanzprozesse mithilfe von künstlicher Intelligenz zu automatisieren. Wie die konkrete Lösung im Detail aussehen wird, lässt Hasibar derzeit bewusst offen. Es sei noch zu früh, um sich endgültig festzulegen, erklärt er im Gespräch mit brutkasten. Grob umrissen soll Northscope es Controlling-Abteilungen ermöglichen, Monatsabschlüsse und Analysen schneller zu erstellen und sich stärker auf inhaltlich relevante Fragestellungen zu konzentrieren.

Der offizielle Launch der Plattform ist für Mitte bis Ende des Jahres geplant. Erste zahlende Kunden aus dem Produktionsumfeld im DACH-Raum habe man jedoch bereits, so Hasibar. Der Fokus der kommenden Monate liege klar auf der Weiterentwicklung des Produkts und dessen Skalierung.

Miro Byrtus als Co-Founder von Northscope

Beim Aufbau von Northscope steht Hasibar nicht allein da. Mit Miro Byrtus holt er sich einen Serial-Entrepreneur ins Gründungsteam. „Ich freue mich riesig, das gemeinsam mit Miro Byrtus aufzubauen; ich kenne ihn seit einigen Jahren“, so Hasibar. Byrtus übernimmt die Rolle des CPTO. Zuvor war er mehrere Jahre im Corporate-Finance-Umfeld tätig und arbeitete als Data Scientist und Engineer. Zudem war er am Aufbau mehrerer FinTech-Unternehmen beteiligt, darunter Consola.finance (brutkasten berichtete).

Zweites mytalents.ai-Produkt gescheitert

Und wie geht es mit mytalents.ai weiter? Bereits im September 2025 holten die Gründer mit Marco Glöckl, ehemals „Director Business Development & Innovation“ bei der ProSiebenSat.1 PULS 4 GmbH, einen neuen Co-CEO an Bord (brutkasten berichtete).

Hasibar selbst hat sich vollständig aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und übernimmt auch künftig keine berufliche Rolle mehr bei mytalents.ai. „Mytalents.ai ist ja sehr stark gewachsen in den ersten zwei Jahren und dann haben wir ein zweites Produkt gebaut, das eigentlich der große Hit hätte werden sollen. Das hat leider dann gar nicht funktioniert“, sagt er. Insbesondere technologisch habe man mit diesem Produkt, einer KI-Software zur Kurserstellung, gegenüber der Konkurrenz nicht aufholen können.

„Wir haben uns jetzt sehr stark auf das fokussiert und deswegen ist halt das Kerngeschäft, diese E-Learning-Plattform, stagniert bzw. wächst jetzt nicht mehr so stark“, so Hasibar weiter. Seine Leidenschaft im Finanzbereich hätte ihn zusätzlich noch dazu bewegt, diese Entscheidung zu treffen. Bereits seit Ende letzten Jahres ist er nun kein Teil mehr von mytalents.ai und konzentriert sich seither vollständig auf den Aufbau von Northscope.

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(v.l.) Peter Hajek, Monika Köppl-Turyna, Lisa-Marie Fassl und Markus Raunig © Tobias Gärtner

Wie steht es um das Interesse an der Selbstständigkeit in Österreich? Eine Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft liefert dazu aktuelle Daten. Im Befragungszeitraum vom 22. Mai bis 8. Juni 2026 wurden insgesamt rund 1.500 Personen der österreichischen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Die Zahlen zeigen, wie stark das direkte Umfeld die Neigung zum Unternehmertum in Österreich prägt.

Der „Eltern-Effekt“ als zentraler Einflussfaktor

Der zentralste Befund der Untersuchung liegt in der familiären Prägung: Der Wunsch und die konkrete Absicht zu gründen gehen laut den Studiendaten maßgeblich mit der unternehmerischen Tätigkeit der eigenen Eltern einher. Insgesamt geben 20 Prozent der Befragten an, mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil zu haben. Laut Umfrage verändert diese Erfahrung die Haltung grundlegend: Während sich ohne unternehmerischen Hintergrund lediglich 27 Prozent der Befragten eine Gründung grundsätzlich vorstellen können, steigt dieser Wert bei Personen mit unternehmerischem Elternhaus auf 47 Prozent.

Noch drastischer unterscheidet sich die konkrete Planung: Bei Befragten ohne unternehmerische Eltern geben derzeit nur 7 Prozent an, innerhalb der nächsten zwölf Monate konkret eine Gründung zu planen. Hat mindestens ein Elternteil ein Unternehmen geführt oder gegründet, springt diese Gründungsabsicht auf 18 Prozent, also mehr als das Doppelte. Das Elternhaus senkt somit laut Studie die subjektiven Hürden von der bloßen Vorstellung hin zur konkreten Absicht.

Eklatanter Mangel an sichtbaren Vorbildern im Alltag

Dass die familiäre Herkunft in den Daten eine so dominante Rolle spielt, deckt sich mit einem deutlichen Mangel an sichtbaren Alternativen im öffentlichen Raum. Laut Umfrage fällt fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung (49 Prozent) spontan kein einziger Name einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ein.

Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren geben sogar 60 Prozent an, niemanden nennen zu können. Werden überhaupt Namen genannt, handelt es sich meist um prominente Großunternehmer wie Mateschitz (13 Prozent), Haselsteiner (5 Prozent), Benko (3 Prozent), Swarovski (3 Prozent) oder Elon Musk (2 Prozent). Greifbare Vorbilder aus dem alltäglichen Leben fehlen in der Wahrnehmung vieler Befragter.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Wer im unternehmerischen Umfeld aufwächst oder entsprechende Kontakte hat, würde im Falle eines Gründungsvorhabens eine nahestehende Person laut Eigenangabe mit 37 Prozent mehr als doppelt so oft aktiv bestärken wie Personen ohne dieses Umfeld (17 Prozent).

Breiter Ruf nach Wirtschaftsbildung an Schulen

Unterstützung aus dem Elternhaus ist ein wichtiger Faktor, doch soll er laut den Befragten nicht der einzige sein, der über die berufliche Zukunft entscheidet, wie sich aus weiteren Ergebnissen ablesen lässt. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche bereits in der Schule stärker lernen sollten, wie man Unternehmen gründet oder führt. Zudem hätten sich 75 Prozent selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht.

Für Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, liefern die Befragungsergebnisse deshalb einen klaren Auftrag an die Bildungspolitik. Seine zentrale These formuliert Raunig bei der heutigen Pressekonferenz als Kernversprechen der Stiftungsarbeit: „Unsere Überzeugung als Stiftung lautet: Es darf nicht davon abhängen, was für Eltern oder welches Umfeld man hat, ob man unternehmerisch tätig wird oder nicht.“

Durch praxisnahe Schulprogramme, den Aufbau eigener Medienkanäle zur Veranschaulichung des unternehmerischen Alltags und die gezielte Sichtbarmachung nahbarer Vorbilder soll dieses Herkunfts-Delta geschlossen werden.

Wachstumsorientierte Startups als echter Jobmotor

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es jedoch nicht bloß auf die reine Anzahl an Gründungen an, sondern auf deren Qualität, das betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Die auch als Vorstandsmitglied der Stiftung agierende Wirtschaftsforscherin hebt hervor, dass vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen als entscheidender Motor für Beschäftigung und Innovation wirken und überproportional viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf der Pressekonferenz spitzte Investorin und Stiftungs-Vorstandsmitglied Lisa-Marie Fassl die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Haltungswende zu: „Das einzige, was uns hilft wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben als Standort, ist Innovation. […] Es muss gesamtgesellschaftlich gesehen einfach wieder sexy sein, einen Beitrag zu leisten. Wir leben in einem Land mit einer massiven Vollkaskomentalität, wo man darauf wartet, dass irgendwer etwas für einen richtet.“

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