10.12.2025
EXPANSION

Expansion in die Nordics: Wiener Scaleup fiskaly übernimmt schwedischen Anbieter InfraSec

Das Wiener Scaleup fiskaly, Anbieter von Cloud-Lösungen für die gesetzeskonforme Absicherung von Kassensystemen, übernimmt den schwedischen VAT-Compliance-Spezialisten InfraSec. Mit dem Schritt expandiert das Unternehmen erstmals in die Nordics. brutkasten hat mit CEO Johannes Ferner über die Hintergründe des Deals und die nächsten Wachstumsschritte gesprochen.
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v.l. Patrick Gaubatz (fiskaly), Sven Hammar (InfraSec Sweden AB) Pär Ahrén (InfraSec) und Johannes Ferner (fiskaly) | (c) fiskaly

Erst Ende März sorgte fiskaly mit der Übernahme der Deutschen Fiskal GmbH für Schlagzeilen (brutkasten berichtete). Nun legt das Wiener Software-Unternehmen nach: Mit InfraSec Sweden AB übernimmt fiskaly einen führenden Anbieter für cloudbasierte Lösungen zur gesetzeskonformen Absicherung von Kassensystemen in Schweden und expandiert damit erstmals nach Nordeuropa.

InfraSec war bislang eine Tochter des schwedischen Kassensystem-Anbieters Yabie. „Für die bisherige Muttergesellschaft war der richtige Zeitpunkt gekommen, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren“, erklärt fiskaly-CEO und Co-Founder Johannes Ferner im Gespräch mit brutkasten.

Expansion von fiskaly

Die Übernahme von InfraSec ist bereits der zweite Zukauf von fiskaly im laufenden Jahr. „Wir haben uns relativ strategisch einen Markt nach dem anderen angeschaut, wo wir Überschneidungen, Synergien und mögliche Übernahmen sehen“, so Ferner. Und er merkt an: „Unser Long-Range-Planning ist klar darauf ausgerichtet, europaweit Anbieter für digitale Steuer-Software zu werden. Dann müssen wir natürlich auch in die Nordics“.

fiskaly wurde 2019 in Wien von von Johannes Ferner (CEO), Simon Tragatschnig (COO) und Patrick Gaubatz (CTO) gegründet und ist heute in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien und Frankreich aktiv. Die Lösungen des Unternehmens sind nach eigenen Angaben in über einer Million Kassensysteme integriert. Mehr als 1.600 Geschäftskunden – darunter große Handelsketten sowie Anbieter wie orderbird, Lightspeed, SumUp und ready2order – setzen auf die Software des Unternehmens.

Vollintegration geplant

Der schwedische Markt befindet sich laut Ferner aktuell im technologischen Umbruch. „Das ist ein Markt, wie in vielen anderen Ländern, wo zuerst mit Hardware begonnen wurde und jetzt auf Cloud-Systeme umgestellt wird. Das ist gerade voll im Gange“, sagt Ferner. InfraSec habe diesen Wandel früh vollzogen: „Sie haben sozusagen den großen Dongle in der Cloud gebaut, während die Konkurrenz noch stark auf Hardware setzt.“

Kurzfristig bleibt InfraSec als Unternehmen bestehen, mittelfristig ist jedoch eine vollständige Integration in die fiskaly-Gruppe geplant. „Die gemeinsame Strategie wird eine Vollintegration der gesamten Firma in fiskaly umfassen“, so Ferner. Das Team in Schweden soll künftig als Basis für die weitere Expansion in nordische Länder dienen.

Finanzierung und Ausblick

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Übernahme wurde laut Ferner ohne neue Finanzierungsrunde umgesetzt. „Wir haben es geschafft, in einem Jahr zwei Übernahmen zu machen, ohne dass man weitere Kapitalmaßnahmen macht“, sagt der Gründer.

Im Juni 2024 gab fiskaly den Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Verdane bekannt. Der Investor stieg über den 1,1 Milliarden Euro schweren Fonds „Freya XI“ ein. Die genaue Höhe des Investments wurde damals nicht kommuniziert, lediglich dass es sich in einem Bereich zwischen 20 und 250 Millionen Euro bewegt. Seitdem ist Verdane als Minderheitsgesellschafter an fiskaly beteiligt (brutkasten berichtete).

Die Pläne für 2026

Für 2026 sieht Ferner fiskaly weiterhin solide finanziert und setzt stark auf profitables Wachstum. Eine neue Finanzierungsrunde steht daher aktuell nicht auf der Agenda. „Das Unternehmen ist weiterhin profitabel. Wir stecken unseren Cashflow weiterhin in Growth und sehen aktuell noch nicht den Need, dass man Kapitalmaßnahmen machen würde“, so Ferner.

Inhaltlich will fiskaly im kommenden Jahr vor allem die bestehenden Märkte vertiefen. Neben Deutschland, dem wichtigsten Kernmarkt, rücken vor allem Südeuropa und die dortigen regulatorischen Änderungen in den Fokus. „In Italien ist es eine Ablöse von Hardware durch Cloud-Lösungen, während in Spanien das Gesetz komplett neu in Kraft tritt“, erklärt Ferner. Besonders Spanien sei dynamisch: „Dort geht ein ganzes Land von null auf Fiskalisierung.“


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v.l.n.r: Daniela Gassner (RLB), Steve Jeitler (Business Angel), Verena Kraßnig (RLB), Georg Lackner (SUPASO), Olivia Pinter (RLB), Fabian Gems (SUPASO), Jörg Schönbacher (FMMS) | (c) Supaso

Im Juli 2025 hatte Supaso am Rande des Business Angel Summit in Kitzbühel angekündigt, eine Finanzierungsrunde vorzubereiten (brutkasten berichtete). Diese Runde ist nun abgeschlossen: Angeführt wird sie von der Gerald Jeitler GmbH, beteiligt sind außerdem die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark und die FMMS Beteiligungs GmbH.

Die Supaso FlexCo aus Hartberg produziert Isolierverpackungen aus recyceltem Altpapier, die Styropor (EPS) in der temperaturgeführten Logistik ersetzen sollen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten ausbauen und international wachsen. Zur Höhe des Investments macht Supaso allerdings keine Angaben.

Transportkosten begrenzen den Lieferradius

„Das größte Problem bei Verpackung ist natürlich die Distanz“, sagt Mitgründer Fabian Gems im Gespräch mit brutkasten. Gut liefern lasse sich in einem Radius von 300 bis 400 Kilometern. „Alles, was darüber hinausgeht, geht meistens auf die eigene Marge, weil die Transportkosten einfach steigen.“

Gems nennt dazu Zahlen: Der Warenwert einer LKW-Ladung liege zwischen 6.000 und 8.000 Euro, die Transportkosten nach Madrid bei 3.500 Euro. Eine Zustellung in die Schweiz inklusive Verzollung kostete im Vorjahr 1.900 Euro, mittlerweile 2.700 Euro. Weitergeben lasse sich das nur bedingt, ohne näher gelegenen Wettbewerbern eine Chance zu geben.

Fünf Partner, erste Pilotanlage ab Q1

Supaso setzt deshalb auf ein Machine-as-a-Service-Modell, das unter dem Namen Modular Up Cycling Hub (MUCH) vorbereitet wird: Statt fertige Dämm-Inlays quer durch Europa zu transportieren, sollen Partnerbetriebe mit eigenem Papier- und Kartonabfall vor Ort produzieren. Das Kapital fließt laut Gems in die Serienreife der Produktionslinien und in erste Testpiloten im In- und Ausland.

Fünf Partner hat Supaso nach eigenen Angaben identifiziert, darunter ein Styroporhersteller, der selbst unter Druck steht. Der Start ist für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant, zunächst mit einer Anlage. Zwei weitere sollen nach Möglichkeit folgen. Die Validierungsphase soll bis etwa 2028 laufen, danach ist die nächste Finanzierungsrunde vorgesehen. Als besonders dynamische Märkte nennt Gems Kroatien und Slowenien.

Wie abgerechnet wird, ist offen. Getestet werden Varianten von der Leasinganlage mit Lizenzgebühr bis zu Pay-per-Use. Eine eigene Großfabrik schließt Gems aus: „Davon bin ich absolut nicht überzeugt. Wir wollen uns direkt in die Wertschöpfungskette bei Verpackungs- und Kartonageherstellern und Papierfabriken einbauen.“

Bewusst österreichische Investoren

Seit dem Business Angel Summit in Kitzbühel im Vorjahr habe man mit vielen Kandidaten gesprochen und dabei eine Erkenntnis gewonnen, so Gems: „So ein ganz klarer VC-Fall sind wir nicht.“ Man sei erstens Hardware und zweitens relativ erklärungsbedürftig. Die Präferenz sei deshalb auf österreichisches Kapital mit langem Atem gefallen, einen Exit in zwei Jahren strebe man nicht an: „Wir wollen das jetzt wirklich groß machen.“

Die FMMS Beteiligungs GmbH mit Sitz in Frohnleiten wurde Ende 2024 im Firmenbuch eingetragen und gehört zur FMMS Holding GmbH, der Beteiligungsholding von Franz Mayr-Melnhof-Saurau. Zum Portfolio zählen die Mayr-Melnhof Holz Holding, der größte Privatforstbetrieb Österreichs und ewe Küchen, insgesamt rund 2.000 Mitarbeitende in vier Ländern. Als Schwerpunkte nennt die Holding unter anderem Ressourcenwirtschaft und Greentech.

Die RLB Steiermark bringt neben Kapital vor allem Know-how bei der Ausgestaltung der Abrechnungsmodelle ein, sagt Gems – ein Punkt, der bei einem noch offenen Machine-as-a-Service-Geschäftsmodell zwischen Leasing und Pay-per-Use nicht unerheblich ist. Die Landesbank, die als größte Regionalbank im Süden Österreichs auftritt, hat ihr Beteiligungsgeschäft zuletzt gezielt ausgebaut: Für Startups, Scaleups und KMU steht ein Beteiligungsvolumen von 100 Millionen Euro bereit, wovon bereits 40 Millionen Euro investiert sind. Nachhaltige und regionale Zukunftsbranchen zählen dabei explizit zu den Investitionsschwerpunkten der Bank

Supaso wurde 2021 gegründet. Im August 2023 zählte das Unternehmen 190 Kund:innen in neun Ländern (brutkasten berichtete), im Juli 2025 über 300 in zehn Ländern, aktuell sind es nach eigenen Angaben „Hunderte“ in zwölf europäischen Ländern. Die Nachfrage nach kreislauffähigen Verpackungen wird unter anderem durch die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) getrieben.

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