27.04.2023

Nach brutkasten-Bericht: Finn-CEO tritt nach Bekanntwerden von sexuellen Übergriffen zurück

Finn-CEO Max-Josef Meier tritt als CEO zurück. Erst vor wenigen Tagen räumte Meier sein Fehlverhalten ein, nachdem ein Angestellter in einem Linkedin-Post auf neun sexuelle Belästigungen auf der Weihnachtsfeier in 2021 verwiesen hatte; basierend auf die investigative Arbeit von zwei brutkasten-Redakteurinnen.
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Max-Josef Meier tritt nach Bekanntwerden von neun Belästigungsvorfällen zurück. (c) Finn.auto. Montage: brutkasten

Vor wenigen Tagen hatte Max-Josef Meier, CEO bei Finn, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung an neun Angestellten zugegeben. Nun verkündet der Auto-Abo-Anbieter in einer Pressemitteilung, dass Finn einen neuen Geschäftsführer hat. “Max-Josef Meier, bisheriger CEO und Mitgründer von Finn, tritt nach vierjähriger Tätigkeit einvernehmlich von seinem Posten zurück”, schreibt das Startup auf seiner Website. Zuletzt wurde auch bekannt, dass die Staatsanwaltschaft nach Medienberichterstattungen Ermittlungen gegen Meier eingeleitet hatte. “Mit sofortiger Wirkung beruft das Münchner Unternehmen den Mitgründer und bisherigen Chief Growth Officer, Maximilian Wühr, zum neuen CEO”, geht aus der Pressemitteilung hervor.

Recherche von brutkasten-Redakteurinnen überführt Finn-CEO

Bereits im Dezember 2022 berichteten die brutkasten-Redakteurinen Cigdem Elikci und Carolin Rainer über die Vorfälle auf der Finn-Weihnachtsfeier, die im Jahr 2021 stattfand. Im Rahmen ihrer Initiative #growrespect meldeten sich zwei Angestellte und Betroffene bei den Initiatorinnen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Daraufhin wurde der anonyme Erfahrungsbericht “1 CEO, 1 Weihnachtsfeier, 9 Belästigungen” veröffentlicht.

Der Beitrag löste, obwohl er anonym veröffentlicht wurde, internen Tumult aus. Doch passiert ist dennoch nichts. Der CEO war noch bis April 2023 in seiner Funktion als CEO tätig.

Nach Namensnennung blieb Meier in seiner Funktion als CEO

Erst, als der Angestellte Emin S. über die Belästigungen auf Linkedin postete und den Namen des CEOs veröffentlichte, wurden weitere Medien auf das Fehlverhalten des CEOs aufmerksam. Diese griffen die Recherchen der brutkasten-Redakteurinnen Cigdem Elikci und Carolin Rainer auf und konfrontierten den CEO mit den Vorwürfen. Kurz darauf räumte Meier sein Fehlverhalten ein, dennoch blieb er in seiner Funktion als CEO.

Nun hat das Startup aufgrund des steigenden medialen Drucks reagiert und den Rücktritt von Max-Josef Meier, einem von sechs Co-Foundern des im Jahr 2019 gegründeten Unternehmens, bekannt gegeben. 16 Monate nach den Vorfällen auf der Weihnachtsfeier.

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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