12.03.2026
STATISTIK

Finanzierung für Female-Startups 2025 deutlich verschlechtert

Der Gender Investment Gap wurde 2025 wieder größer, von Frauen (mit-)gegründete Startups waren überproportional von der Kapitalflaute betroffen. Das zeigt der "Female Start-up Funding Index 2025" von EY Österreich, Female Founders und Fund F.
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Female Start-up Funding Index - vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten
vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Insgesamt erreichte das Finanzierungsvolumen für österreichische Startups vergangenes Jahr den Tiefststand seit 2019, wie brutkasten berichtete. Überproportional stark wirkte sich dieser Rückgang auf von Frauen gegründete bzw. mitgegründete Startups aus, wie der nun veröffentlichte „Female Start-up Funding Index 2025“ von EY Österreich, Female Founders und Fund F zeigt. Hatte es 2024 zumindest noch eine geringe Verbesserung auf niedrigem Niveau gegeben (brutkasten berichtete), wurde der Gender Investment Gap im Vorjahr wieder größer.

Anteil an von Frauen (mit-)gegründeten Startups sank im Vergleich zu 2024 deutlich

Einige Zahlen: Nur vier der 132 österreichischen Startups (3 Prozent), die 2025 mindestens eine Finanzierungsrunde verzeichneten, hatten ein ausschließlich weiblich besetztes Gründungsteam, konkret ecocircling, Howie, Neworn und thinkers.ai (2024: 4 bzw. 3 Prozent). Weitere 16 Startups (12 Prozent) mit mindestens einer Finanzierungsrunde im Jahr 2025 hatten zumindest eine Frau im Gründungsteam. 2024 waren es noch 28 Teams bzw. 21 Prozent gewesen. Entsprechend stieg auch der Anteil rein männlicher Teams mit 112 (2024: 102) von 76 auf 85 Prozent.

Noch schlechtere Anteile beim Volumen

Noch schlechter sieht es beim Volumen aus. 93 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens im Jahr 2025 entfielen auf ausschließlich von Männern gegründete Startups (2024: 85,2 Prozent), 6,7 Prozent auf gemischte Teams (2024: 14,7 Prozent), lediglich 0,3 Prozent auf rein weibliche Teams bzw. Einzelgründerinnen (2024: 0,1 Prozent).

Diese Diskrepanz zwischen Anteil an den Finanzierungsrunden und Anteil am Volumen lässt sich an einer weiteren Detailstatistik festmachen: Je größer die Finanzierungsrunden, desto kleiner der Frauenanteil. Bei Runden bis zu einer Million Euro betrug dieser 2025 immerhin noch 9,3 Prozent, bei Runden zwischen einer und zehn Millionen Euro nur mehr 2,3 Prozent, bei Runden über zehn Millionen Euro gab es keine einzige Frau in den Gründungsteams. Insgesamt beträgt das Geschlechterverhältnis bei allen Startups mit Finanzierung 92,9 zu 7,1 Prozent.

Fassl: „Einziger Weg, Frauen zu Investorinnen zu machen“

„Wie wir aus der Vergangenheit wissen, sind Frauen immer überproportional von wirtschaftlich herausfordernden Zeiten betroffen. Die Unternehmensfinanzierung ist hier leider keine Ausnahme: Die Gesellschaft wird allgemein konservativer, man verlässt sich auf Bewährtes, Rollen, Muster und systemische Biases verstärken sich“, analysiert Fund-F-Co-Founderin Lisa Fassl und meint: „Der einzige Weg, wie wir dagegenhalten und das Potential von Gründerinnen nutzen können, ist Frauen zu Investorinnen zu machen und gezielt Kapital für Gründerinnen zu mobilisieren. Das ist sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich sinnvoll, da Teams mit weiblicher Beteiligung vermehrt in Bereichen wie Media & Entertainment oder Gesundheit gründen – und nicht nur in Hype-Themen wie KI & Defense Tech“.

Female-Founders-CEO Fürst sieht „riesige Upside“ bei Frauen im Tech-Bereich

Und Natascha Fürst, CEO von Female Founders, ergänzt: „Österreich hat die Chance, sich in Europa als Standort mit echtem Wettbewerbsvorteil zu positionieren: Wer versteht, dass unterschiedliche Lebensrealitäten zu breiteren Problemdefinitionen und besseren Innovationen führen, baut Produkte, die mehr Menschen erreichen – und damit schneller skalieren.“ Und weiter: „Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit wir das enorme Potenzial von Frauen im Tech-Bereich hebeln. Der Upside ist riesig: mehr Innovation, mehr Wachstum, mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend wird sein, wann wir uns von veralteten Rollenmustern verabschieden – und ein Ökosystem bauen, in dem Talent mehr zählt als Tradition.“

Haas von EY: „kein temporäres Marktphänomen, sondern ein strukturelles Muster“

Florian Haas von EY geht in seiner Analyse auch auf die allgemeine Finanzierungssituation ein: „Die aktuellen Zahlen zeigen kein temporäres Marktphänomen, sondern ein strukturelles Muster in der Kapitalvergabe. Internationale Investor:innen investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind. In kleineren Märkten wie Österreich fehlen diese Voraussetzungen zunehmend – und das trifft Gründerinnen und gemischte Founding Teams besonders stark, weil sie ohnehin seltener Zugang zu größeren Runden haben.“

Fassl: „Schlichtweg zu wenig VC-relevante Unternehmen“

Lisa Fassl geht in ihrem Befund zur Finanzierungssituation 2025 rhetorisch sogar noch einen Schritt weiter: „Alle die noch immer glauben, dass Österreich ein attraktiver Standort für Startups ist, wachen jetzt hoffentlich endgültig auf. Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Es ist 2026, die Welt ist geprägt von einer Krise nach der anderen, und wir schaffen es nicht, die kreativsten und klügsten Köpfe dazu zu motivieren, ein Unternehmen zu gründen und die Probleme unserer Zeit zu lösen. Die Tatsache, dass es 2025 einen so massiven Finanzierungseinbruch gab, liegt nämlich vor allem daran, dass es schlichtweg zu wenig VC-relevante Unternehmen gibt“.

Deutlicher Lichtblick beim Finanzierungsvolumen 2026, bereits mehrere Millionenrunden für Female Startups

Doch es gibt zumindest in der allgemeinen Finanzierungssituation einen Lichtblick (brutkasten berichtete bereits, wenig später kamen 100 Mio. Euro für Gropyus und 22,5 Mio. Euro für Enpulsion hinzu). Im Jahr 2026 floss auf Basis der brutkasten-Berichterstattung bereits bis jetzt – Mitte März – mit mehr als 220 Millionen Euro etwa doppelt so viel Kapital in heimische Startups und Scaleups, wie im gesamten ersten Halbjahr 2025. Das Gesamtjahresvolumen 2025 ist vermutlich bald erreicht. Mit factorymaker gab es dabei auch ein Millioneninvestment (1,1 Mio. Euro) für ein rein weibliches Gründungsteam. Mit Vitrealab (11 Mio. US-Dollar), refinq (2,2 Mio. Euro) und Straion (1,1 Mio. Euro) holten sich zudem zumindest drei gemischte Teams eine Millionenfinanzierung.

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Alle Gewinner beim Edison 2026 | (c) Cityfoto Pelzl-Mairwöger
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Mit dem Edison 2026 wurde gestern ein weiteres Mal der von tech2b organisierte oberösterreichische Gründungs- und Innovationspreis vergeben. Ausschlaggebend für die Vergabe sind laut tech2b Innovationskraft, Umsetzbarkeit und klares Marktpotenzial. „Der Edison ist weit mehr als ein Ideenwettbewerb. Er ist ein Sprungbrett für Gründerinnen und Gründer und ein wichtiger Baustein im oberösterreichischen Innovationsökosystem“, kommentiert tech2b-Geschäftsführer Lukas Keplinger.

Vergeben wurden Preise in den Kategorien HighTech, GreenTech, MedTech und Pionier:innen sowie die zwei Sonderpreise Edison ChangeMaker für fortgeschrittene Startups und Edison Alva für Corporate-Startup-Collaboration-Projekte. Die Preisgelder betrugen insgesamt rund 50.000 Euro.

Das sind die Sieger des Edison 2026

Kategorie Pionier:innen: bloomnow

Bloomnow aus dem Bezirk Urfahr-Umgebung entwickelt eine digitale Plattform für Familien mit neurodivergenten Kindern und deren Umfeld. Die Lösung verbindet wissenschaftlich fundiertes Wissen mit personalisierten Unterstützungsangeboten und passenden Kontakten mit Expertinnen und Experten. Mithilfe eines intelligenten Matching-Ansatzes sollen Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Betreuungspersonen genau jene Informationen, Werkzeuge und Hilfestellungen erhalten, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Damit will bloomnow dazu beitragen, die Lücke zwischen Diagnose, Orientierung und konkreter Unterstützung im Alltag zu schließen. Das Unternehmen erhielt ein Preisgeld von 5.000 Euro, gesponsert von der Sparkasse OÖ. Weitere Sponsoren sind Creative Region Linz und Kunstuniversität Linz.

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Kategorie Greentech: PrintReClaim

PrintReClaim aus dem Bezirk Gmunden entwickelt eine kompakte Recyclinganlage, die Kunststoffabfälle direkt vor Ort zu hochwertigem 3D-Druck-Filament verarbeitet. Die Lösung macht unterschiedliche Kunststoffe wie PET-Flaschen oder Verpackungen für den 3D-Druck wieder nutzbar und soll so einen dezentralen Recyclingkreislauf ermöglichen. Dadurch sollen Materialkosten und CO₂-Emissionen reduziert und Kunststoffabfälle in wertvolle Ressourcen verwandelt werden. Das Startup erhielt ein Preisgeld von 5.000 Euro gesponsert von Siemens OÖ.

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Kategorie Medtech: Wholomics

Wholomics aus dem Bezirk Ried im Innkreis entwickelt einen kosteneffizienten Bluttest zur Früherkennung mehrerer Krebsarten aus einer einzigen Blutprobe – brutkasten berichtete bereits. Mithilfe einer Kombination aus Metabolomik und Künstlicher Intelligenz analysiert die Lösung stoffwechselbedingte Veränderungen im Blut, um frühzeitig Hinweise auf verschiedene Krebsarten zu erkennen. Dadurch sollen gezielte medizinische Folgeuntersuchungen ermöglicht und die Krebsfrüherkennung verbessert werden. Das Startup erhielt ein Preisgeld von 5.000 Euro gesponsert von GE HealthCare.

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Kategorie Hightech: Flatwise

Flatwise aus Linz entwickelt eine KI-gestützte Plattform für die effiziente und transparente Verwaltung von Immobilien (brutkasten berichtete bereits). Die Lösung automatisiert zentrale Prozesse wie Dokumentenmanagement, Fristenkontrolle, Finanzverwaltung und Mieterkommunikation und soll Vermieter:innen so dabei unterstützen, ihre Immobilien eigenständig und kosteneffizient zu verwalten. Damit will Flatwise eine moderne Alternative zu klassischen Hausverwaltungen und herkömmlichen Verwaltungstools bieten. Das Startup bekam ein Preisgeld von 5.000 Euro, gesponsert von KGG UBG und dem OÖ HightechFonds.

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Kategorie ChangeMaker: Diamens

Diamens aus Linz entwickelt einen nichtinvasiven Test zur frühzeitigen Erkennung von Endometriose auf Basis von Menstruationsblut – brutkasten berichtete bereits. Die Lösung soll eine einfache und patientinnenfreundliche Diagnose ermöglichen und damit die oft jahrelange Wartezeit bis zur Erkennung der Erkrankung deutlich verkürzen. Damit will Diamens einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Frauengesundheit leisten. Das Startup erhielt ein PR-Paket im Wert von etwa 15.000 Euro, gesponsert von der WKOÖ.

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Kategorie Edison Alva: Internorm International GmbH und quomatic.ai GmbH

Der Edison Alva 2026 geht an die Zusammenarbeit von Internorm International GmbH und dem oberösterreichischen KI-Startup Quomatic. Gemeinsam entwickeln die Partner seit mehreren Jahren KI-Lösungen für zentrale Geschäftsprozesse, darunter intelligente Kundenberatung, Vertriebsunterstützung und Prognosemodelle. Eine Bewerbung für den Preis war nicht möglich, die Nominierung erfolgte durch den PIER-4-Leadberaterkreis. Die Gewinner erhielten Medienpräsenz in Form eines PR-Pakets in Höhe von rund 10.000 Euro, gesponsert von PIER 4 mit den weiteren Sponsoren Chefinfo und Die Macher.

(c) Cityfoto Pelzl-Mairwöger
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