20.02.2019

FFG und aws: „Der Förderdschungel wird oftmals herbeigeredet“

Interview: Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, gaben dem brutkasten in einem Doppelinterview eine ausführliche Analyse über den Status Quo der österreichischen Startup- und Förderlandschaft.
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aws
(c) der brutkasten/Haris Dervisevic: Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, im Interview mit dem brutkasten

Die österreichische Förderlandschaft sei im internationalen Vergleich – insbesondere was die Frühphasen-Finanzierung angeht – sehr gut aufgestellt, so die Einschätzung von Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG. In der Anschlussfinanzierung und bei Spin-Offs gebe es jedoch noch Aufholbedarf, da im internationalen Wettbewerb die anderen Länder nicht schlafen würden.

Wieso sollen Startups eigentlich gefördert werden? Welchen volkswirtschaftlichen Mehrwert bieten sie für unsere Wirtschaft?

Egerth: Die Förderungen von Startups kann man mit einer Saat vergleichen. Startups sind neue Unternehmen, die „nachwachsen“ und nach einer gewissen Zeit auch „aufgehen“. Unsere Volkswirtschaft braucht neue Unternehmen und Forschergeist. Die großen Unternehmen waren auch irgendwann einmal klein und konnten sich durch Innovationen etablieren.

Zudem müssen Startups unterstützt werden, weil es für sie schwierig ist, die Finanzierung aufzustellen, und weil es bei der Akquirierung von neuem Kapital oftmals ein Marktversagen gibt. Startups sind auch für Investoren hochriskant – insbesondere im Forschungsbereich. Hier muss die öffentliche Hand das Risiko teilen.

Sagmeister: Die Startups generieren in einer Volkswirtschaft enorm viel Innovation. Allerdings haben sie es im Gegensatz zu etablierten Unternehmen viel schwieriger an Finanzierungen zu kommen. Es muss eine Aufgabe des Staates sein, dieses Marktversagen auszugleichen. Wenn es der private Markt nicht ausreichend schafft, Kapital bereitzustellen, braucht es eben einer öffentlichen Unterstützung.

+++ Förderkonfigurator: aws bringt Quick-Check für Förderungen +++

Das österreichische Fördermodell für Startups und KMUs zeichnet sich im internationalen Vergleich durch hohe Förderquoten aus. Was sagen andere Länder zu unserem Fördermodell?

Egerth: Österreich ist im Bereich Pre-Seed, Seed sowie der weiterführenden Unterstützung von Startups ein Top-Land. Ein starkes Fördermodell ist für die heimische Startup-Landschaft enorm wichtig, denn Risikokapital hat im Vergleich zu anderen Ländern hierzulande nicht so einen hohen Stellenwert. Im internationalen Vergleich sind österreichische Startups viel erfolgreicher und schaffen es, sich am Markt zu etablieren. Unser Fördersystem findet international sehr viel Beachtung. In den letzten Jahren hat sich sehr viel getan.

Was wir sehen ist, dass in den letzten Jahren immer mehr etablierte Unternehmen sich vom Spirit von Startups für das eigene Wirtschaften inspirieren lassen. Corporates versuchen vermehrt mit Startups intensiv zu kooperieren, um Innovationen anzustoßen.

Sagmeister: Was die Frühphasen-Finanzierung betrifft, sind wir international sehr gut aufgestellt. Dafür gibt es auch stichhaltige Evidenzen. Der Global Entrepreneurship Monitor weist klar und deutlich aus, dass wir vorne mit dabei sind. Wir können uns darauf aber nicht ausruhen, da die anderen natürlich nicht schlafen.

Was wir derzeit beobachten ist, dass alle ihre diesbezüglichen Anstrengungen enorm verstärken. Dazu zählen sogar wirtschaftsliberale Ländern, wie beispielsweise Großbritannien. Man würde nicht annehmen, dass auf einem so wirtschaftsliberalen Markt, deutlich vor der Brexit-Abstimmung eine Bank wie die Britisch Business Bank gegründet wurde, die auch aktiv in die Unternehmensfinanzierung eingreift.

Worauf ist dies zurückzuführen?

Sagmeister: Im Prinzip ist dies auf die starke Finanzmarktregulierung nach 2009 zurückzuführen. Diese hatte zur Folge, dass sich private Investoren vermehrt vom Risikokapital-Markt zurückgezogen haben. Das trifft natürlich als erstes jene Startups, die weniger Bonität nachweisen können und etwas riskantere Geschäftsmodelle fahren.

Gibt es zu wenig Risikokapital in der Anschlussfinanzierung?

Sagmeister: Ja, es gibt noch zu wenig Risikokapital-Angebote. Aber man muss hinzufügen, dass viele Startups auch nicht Risikokapital fähig sind. In der Frühphasen-Finanzierung sind wir sehr gut aufgestellt. Was die Anschlussfinanzierungen angeht, haben wir sicherlich noch Herausforderungen zu meistern.

(c) der brutkasten/Haris Dervisevic

Eine lebendige Startup-Szene ist auch für Corporates wichtig, die immer mehr den Austausch mit Startups suchen. Spielen Startups somit auch für die Standortwahl von internationalen Konzernen eine Rolle?

Egerth: Ja, das sehen wir absolut. In der FFG haben wir immer mehr Anfragen von internationalen Unternehmen, die sich nach Startups und Teams mit spezifischen Thematiken beschäftigen, erkundigen wollen. Häufig sind sie auch auf der Suche nach Experten und Spin-Offs von Universitäten.

In Bezug auf Spin-Offs haben wir in Österreich sicherlich noch Nachholbedarf. Das müssen wir in den nächsten Jahren definitiv verstärken, um vermehrt auch internationale Corporates anziehen zu können. Mit dem Programm Spin-Off-Fellowships haben wir vor etwa zwei Jahren gezielt damit begonnen. Aktuell gibt es die dritte Ausschreibung in diesem Programm.

Nach Außen verbindet man die FFG und die aws vor allem mit Finanzierungen. Was läuft im Hintergrund im Servicebereich noch so ab?

Sagmeister: Neben Förderungen haben wir natürlich sehr viel Beratungen und Netzwerke mit etablierten Unternehmen – als Beispiel lässt sich das aws-Industry-Startup-Net, aws i2 Business Angels Network oder das Global Incubator Network (GIN) anführen.

Auch das aws First ist in erster Linie kein Zuschuss getriebenes Programm, sondern es geht viel um Coaching, Mentoring und Begleitung. Neben der Finanzierung werden „Addons“ immer wichtiger, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Egerth: Bei der FFG geht es nicht nur um Geld, sondern neben der Forschungsförderung auch sehr stark um eine Vernetzung in der wissenschaftlichen Community – sowohl national als auch international. Wir betreuen u.a. das europäische Forschungsrahmenprogramm „Horizont 2020“. Das heißt, wir beraten unsere Kunden und Zielgruppen umfassend und unterstützen mit verschiedenen Serviceangeboten punktgenau. Denn Forscher und Unternehmen in Österreich sollen auch europäische Mittel erfolgreich einwerben können. Zudem vermitteln wir auch junge Talente an Startups. Geld ist das eine Essentielle. Es braucht aber mehr als nur Geld.

Viele Prozesse bei der FFG und aws wurden in den letzten Jahren digitalisiert – Stichwort Förderkonfigurator. Was wird sich künftig in diesem Bereich noch tun?

Sagmeister: Die aws und FFG haben gemeinsam vor einigen Jahren schon sehr intensiv an der Digitalisierung eigener Prozesse gearbeitet. So haben wir beispielsweise einen Förderpiloten ins Leben gerufen, der die gesamte Wirtschaftsförderung abdeckt – auch in den Bundesländern. Was die technologischen Tools angeht, haben wir als aws eine Vielzahl von Initiativen gesetzt.

Unternehmen finden über den aws Förderkonfigurator mit wenigen Klicks schnell und einfach die passende aws Förderung, die App liefert direkten Zugang zur digitalen Förderbank. Die persönliche Beratung wird mit dem Format „Pitch your idea!“ gestärkt. Unternehmen bekommen dabei unmittelbares, direktes Feedback zu möglichen Förderungen von einem aws Expertenteam – gleichzeitig kommen alle relevanten und weiterführenden Infos unmittelbar digital über den aws DigiCoach.

Die Förderung kann dann in der Folge direkt online beantragt werden – auch die Verträge können digital unterzeichnet werden. Jetzt geht es darum, gewisse Förderprogramme genauer zu beschreiben, damit Antragsteller sich wirklich auskennen.

Egerth: Digitalisierung ist in unserem Alltag als Forschungsförderer gelebte Realität und Praxis: die Abwicklung der Förderprojekte erfolgt seit Jahren digital über unser elektronisches Kundenzentrum den eCall. Trotzdem ist es uns als FFG sehr wichtig, dass wir auch persönlich beraten – vor allem KMU und Startups. So wird jedes Startup, das um Förderung bei der FFG ansucht, von unseren Experten besucht. Der Erfolg gibt uns Recht und zeigt sich insbesondere in der Qualität von Projektanträgen.

Also keine Scheu und gleich direkt bei der FFG andocken und unsere Experten kontaktieren. Wir sind die Förder-Drehscheibe, die viel in Bewegung und mit der richtigen Unterstützung in die Zielgerade bringt.

Was bedeutet dies für Förderberater? Brauchen Unternehmen externe Experten?

Egerth: Diese Frage müssen Unternehmen ganz für sich allein entscheiden! Manchmal erleben wir private Förderberater, die aus wirtschaftlichem Eigeninteresse bewusst den Zugang zu Förderung komplizierter darstellen, als er ist. Das ist nicht ganz fair, vor allem den Unternehmen gegenüber nicht.

Wir erkennen meistens, wenn ein Förderantrag nicht vom Startup bzw. deren Gründer selbst geschrieben wurde. Vor diesem Hintergrund ist es mir lieber, dass ein Projektantrag einen gewissen Spirit hat und möglicherweise, nicht „so perfekt“ ausformuliert ist.

Sagmeister: Es ist absolut legitim, wenn Unternehmen die Förderungsabwicklung an private Anbieter auslagern. Allerdings sehe ich schon, dass einige Förderberater davon leben, dass sie die Komplexität des Systems herbeireden. Zudem muss man sagen, dass die meisten Berater nach einer Erfolgswahrscheinlichkeit arbeiten und nur Startups beraten, bei denen sie auch Chancen für eine positive Förderung sehen. Wir haben nichts gegen „Arbeitsteilung“, aber den Förderdschungel herbeizureden, um sich selbst zu legitimieren, ist definitiv nicht okay.

Digitalisierung und Startups sind derzeit medial sehr präsente Themen und werden zugleich manchmal auch als Bubble kritisiert. Wie sieht hier die weitere Entwicklung aus?

Sagmeister: Digitalisierung und Startups sind definitiv keine Bubble. Der Zug nimmt immer mehr an Geschwindigkeit auf und erreicht auch eine große Bandbreite an Unternehmen. Startups sind in der Regel beweglicher als große Unternehmen. Daher werden sie im öffentlichen Diskurs zunehmend wahrgenommen.

Förderangebote haben wir aber für alle Unternehmen, sowohl Großunternehmen, als auch KMUs. Im Bereich der Förderungen sind die Startups einfach präsenter, da man mit wenigen Mitteln schon sehr viel Wirkung erzielen kann. Startups können etablierte Unternehmen oftmals links, rechts, oben und unten überholen.


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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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