26.09.2022

FFG Entrepreneurship Day 2022: Inspirationen zum Gründen

Der FFG Entrepreneurship Day brachte am Mittwoch im Kursalon Hübner in Wien Startups, Spinoffs und Social Entrepreneurs zusammen. Unter anderem wurden den Teilnehmer:innen Informationen und Inspirationen zum Gründen geboten.
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In den letzten Jahren hat sich in Österreich eine lebendige Entrepreneurship-Landschaft entwickelt. Wie der Austrian Startup Monitor zeigt, wurden seit 2010 hierzulande mehr als 2800 Startups gegründet. Eine wichtige Stütze für das Startup-Ökosystem sind dabei öffentliche Förderungen. In Österreich haben über 50 Prozent aller Startups eine Finanzierung durch eine öffentliche Förderinstitution erhalten. Die FFG bildet dabei gemeinsam mit der Schwesteragentur aws eine zentrale Drehscheibe für das Ökosystem.

2021 hat die FFG über 78 Millionen an Förderungen für Startups, Scaleups und Spinoffs vergeben. Der größte Teil (fast 50 Millionen Euro) entfällt dabei auf das FFG Basisprogramm, das insbesondere Projekte mit einem großen F&E-Anteil unterstützt. Über das Spin-off Fellowship Programm werden hingegen Ausgründungen im akademischen Bereich gefördert. Zudem fungiert die FFG auch als nationaler Contact-Point für den European Innovation Council (EIC). Mit dem Programm Impact-Solutions werden wiederum Unternehmen, Vereine und gemeinnützige Organisationen in ihren Impact Entrepreneurship-Projekten unterstützt.

Information & Inspiration 

Um Informationen über die einzelnen Förderschienen zu bieten, hat die FFG am Mittwoch im Kursalon Hübner erstmals den FFG Entrepreneurship Day abgehalten. Zudem bot der Tag für angehende Gründer:innen Inspiration, indem Erfolgsgeschichten der österreichischen Startup-Szene vor den Vorhang geholt wurden. Dazu gab es Panels und Keynotes mit Founder:innen von Biome Diagnosties, refurbed sowie Anyline.

In der Krise gründen?

Die aktuelle Krise beschäftigt derzeit auch die österreichische Gründerszene. Dahingehend wurde im Rahmen des FFG Entrepreneurship Day auch darüber diskutiert, ob es Sinn macht, in der Krise zu gründen. refurbed Co-Founder Kilian Kaminski äußerte sich diesbezüglich sehr deutlich: „Die größten Unternehmen wurden in der Krise gegründet. Meist beschäftigt man sich in der Krise mit neuen Geschäftsmodellen, die auch zur neuen Zeitrechnung passen“, so Kaminski. Aktuell beschäftigt refurbed über 280 Mitarbeiter:innen und ist mit seiner Plattform für generalüberholte Elektronik-Produkte in über 13 europäischen Märkten vertreten. Erst im April diesen Jahres launchte das Scaleup “refurbed Fashion” und möchte sich mittelfristig zu einer Plattform für nachhaltigen Konsum entwickeln.

Die Förder- und VC-Landschaft in Österreich

Barbara Sladek von Biome Diagnostics gab zudem einen Einblick zur aktuellen Lage rund um Startup-Finanzierungen in Österreich. Ihr Startup wurde 2018 als MyBioma gegründet und ist bereits seit einigen Jahren mit dem gleichnamigen Produkt am Markt, das eine Darm-Mikrobiom Analyse für zu Hause ermöglicht. „In den letzten Jahren hat sich die Förderlandschaft in Österreich sehr positiv entwickelt und es gibt eine Reihe an innovativen Programmen“, so Sladek. Dennoch darf man nicht alles mit der rosaroten Brille betrachten, da die VC-Landschaft in Österreich noch immer schwach ausgeprägt sei. Dies trifft insbesondere beim Raisen von größeren Finanzierungsrunden zu. Positiv hätte sich hingegen die Situation für kleinere Finanzierungsrunde entwickelt. „100.000 bis 200.000 Euro in Österreich zu bekommen, läuft mittlerweile sehr gut“, so Sladek.

Team, Purpose & Worklife Balance 

Carina Margreiter, Head of Entrepreneurship bei der Austria Wirtschaftsservice, und Werner Müller, Head of Startup Services bei der FFG, gaben zudem einen Einblick, worauf ihre beiden Organisationen bei Förderungen achten. Einen hohen Stellenwert nimmt dabei das Team ein. “Als FFG schauen wir uns natürlich die Kompetenzen und die Teamzusammensetzung an”, so Müller. Zudem würden auch die Themen Purpose und Impact eine immer größere Rolle einnehmen. In diesem Zusammenhang verwies Müller auf die Bereiche ClimateTech und LifeSciences. Carina Margreiter hob hingegen das Thema Commitment und Work-Life-Balance hervor: “In einem Startup geht nicht darum, 24 Stunden am Tag zu arbeiten. Viel mehr zählt für uns am Ende des Tages das Commitment im Team”.

Tipp der Redaktion:

Einen exklusiven Einblick in die Gründergeschichte von Anyline gab zudem Co-Founder und CMO Jacob Hofer. Das Wiener Scaleup beschäftigt aktuell über 100 Mitarbeiter:innen aus 30 Nationen und führt mit seiner OCR-Technologie jährlich über 1,5 Milliarden Scans durch – unter anderem kam die Technologie auch bei den Corona Gurgel-Tests zum Einsatz. Mehr über die Skalierung der Geschäftsidee von Anyline könnt ihr im Stream der Veranstaltung ab Minute 44:00 erfahren.


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V.l.: Philipp von Lattorff, Johanna Pirker, Georg Kopetz und Dietrich Haubenberger bilden die Arbeitsgruppe "Science to Business" von Forwit | (c) Johannes Zinner

Die Verhandlungen zur gemeinsamen europäischen Gesellschaftsform EU Inc. bewegen sich langsam auf die Zielgerade zu. Mitsprache haben dabei nicht nur die EU-Kommission, die bereits im März ihren Entwurf vorlegte, und das EU-Parlament, das letztlich über das Regelwerk abstimmen wird, sondern auch der Rat der EU, also die Regierungen der Mitgliedstaaten. In der zweiten Reihe machen zudem einige mächtige Interessensvertretungen, etwa mehrere nationalstaatliche Notariatsverbände, ihren Einfluss geltend.

Eines zeichnet sich dabei bereits klar ab: Die Verhandlungen laufen auf einen Kompromiss hinaus, wie brutkasten bereits analysierte. Bereits der Kommissionsentwurf war eine im Vergleich zu den ursprünglichen Forderungen der im Startup-Umfeld formierten Initiative „EU-INC“ abgespeckte Version. Dass es in den Verhandlungen zu Abänderungen im Sinne der Initiative kommt, ist höchst unwahrscheinlich. Vielmehr stehen Streichungen zentraler Punkte im Raum, die für die Initiative zum Kern des Vorhabens zählen.

„Once in a generation-Chance für Österreich und Europa“

Diese adressiert nun auch die Arbeitsgruppe „Science to Business“ des österreichischen Rats für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (Forwit) in einem offenen Brief an mehrere österreichische Regierungsmitglieder. Der Arbeitsgruppe gehören TTTech-Gründer Georg Kopetz, Informatik-Professorin Johanna Pirker, Neurologe Dietrich Haubenberger und Philipp von Lattorff, Aufsichtsratsvorsitzender des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, an.

Die EU Inc. sei eine „once in a generation-Chance für Österreich und Europa“, heißt es im offenen Brief. Während die Bundesregierung mit der strategischen öffentlichen Beschaffung und der Errichtung eines Dachfonds bereits zwei „kritische Schwachstellen“ im Wissenstransfer in Österreich angehe, könne dies gemeinsam mit der EU mit der EU Inc. auch beim Thema Skalierung „schlagkräftig“ gelingen.

Regierung soll sich für zentrales Handelsregister und Mitarbeiter:innenbeteiligung einsetzen

Zwei aus Sicht von Forwit dafür maßgebliche Elemente der EU Inc., nämlich ein zentrales europäisches Handelsregister und eine standardisierte Mitarbeiter:innenbeteiligung, würden aber aktuell drohen, im Zuge der Verhandlungen gestrichen zu werden. Ersteres brauche man, damit es sich bei der EU Inc. tatsächlich um einen europäischen Standard handle, zweiteres, damit europäische Wachstumsunternehmen im Wettbewerb um Talente bestehen könnten. Zudem betont die Forwit-Arbeitsgruppe auch die Möglichkeiten, die die neue Gesellschaftsform KMU im Allgemeinen bieten könne.

Entsprechend fordert sie die Regierungsmitglieder im offenen Brief konkret dazu auf, sich in den Verhandlungen für das zentrale Handelsregister und die Mitarbeiter:innenbeteiligung einzusetzen, ebenso wie für die freie Wahl des Registrierungssitzes, den Zugang für alle Unternehmen und die Geltung des lokalen Arbeits- und Steuerrechts. Und zudem „die EU Inc. als Bestandteil der Umsetzung der Industriestrategie 2035 zu erachten und in der Folge entsprechend mitzugestalten.“ Man stehe den Adressat:innen und der gesamten Bundesregierung „für eine Vertiefung und Begleitung der österreichischen Position selbstverständlich zur Verfügung.“

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