15.03.2021

Facebook hin oder her: Jetzt die Medien-Industrie radikal transformieren!

In seiner heutigen Kolumne beschäftigt Mic Hirschbrich sich mit der aktuellen Kritik an Facebook - und liefert eine unbequeme Wahrheit für europäische Medien.
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brutkasten-Kolumnist Mic Hirschbrich - Facebook und die notwendige Transformation der Medien-Industrie
brutkasten-Kolumnist Mic Hirschbrich | Hintergrund: (c) Adobe Stock - Julien Eichinger

Dieser Tage wurden zwei besonders kritische Artikel zu Facebook publiziert. Der eine Kommentar wurde im Standard veröffentlicht und stammt vom CEO der Bauer Media Gruppe und Mit-Gründer der NEOS, Veit Dengler. Zusammenfassend fordert Dengler dazu auf, Facebook endlich in die Schranken zu weisen. Das soziale Netzwerk habe mit dem falschen Versprechen, nämlich die Privatsphäre besonders zu schützen, seinen Siegeszug bestritten. Das Unternehmen hätte den richtig bedrohlichen Wettbewerb aufgekauft, sich konspirativ mit Google verschworen und es brauche einige Regulierungen, um diesem Treiben ein Ende zu setzen.

Der andere Artikel erschien in der Financial Times und verdichtet vor allem einen der Kritikpunkte. Elaine Moore, stellvertretende Chefredakteurin von Lex Column, kritisierte Facebook vor allem dafür, wie es User-Daten monetarisiere und machte darauf aufmerksam, welche Gefahren vom verwendeten „data-tracking“ ausgingen und welchen Nachteil diese Methode für die zahlenden Industrien habe.

Sind diese Kritikpunkte legitim?

Wer unsere Kolumne zu Apples „ATT“-Move gelesen hat, weiß, dass das erwähnte und viel kritisierte Ad-Tracking jetzt auf der Kippe steht und der Konzern Facebook damit frontal angreift. Auch Google verändert seine Strategie und so wird der Markt bald neue Ad-Werkzeuge erhalten. Dass die bald drei Milliarden User wegen eines Privacy-Versprechens zu Facebook kamen, ist aber entweder falsch oder nur ein Teil der Wahrheit. Sie taten es zuallererst, weil es ihnen attraktiv und wichtig erschien. So tun das Konsumenten in freien Gesellschaften und Märkten.

Dengler und Moore haben aber in zentralen Punkten recht. Und gerade Liberalen ist wichtig, dass Märkte auch (gerecht) funktionieren. Bei derart dominanten Playern müssen wettbewerbsrechtliche und kartellrechtliche Fragen erörtert und – wo erforderlich – auch durchgesetzt werden.

Facebook ist 18

Facebook wurde diesen Februar 18. Seit vielen Jahren bereits fordern europäische Medien, dass Facebook auch wie ein Medien-Herausgeber behandelt und somit juristisch verantwortlich für seine Inhalte werden soll. Wenn Facebook aber keine reine technologische Distributionsplattform ist, sondern ein Medium, steht es in der vertikalen Wertschöpfungskette ja nicht vor einem sondern am selben Platz, wie man selbst. Jetzt konnte man sich vielleicht die ersten fünf oder zehn Jahre lang die Frage stellen, wie man mit einem solchen digitalen Wachstums-Phänomen umgehen soll, das die eigenen Nachrichten besser an den Konsumenten bringt als man selbst. Aber man kann sich als digitaler Marktteilnehmer nicht unglaubliche 18 Jahre lang mit Rechtsmitteln gegen ein Soziales Netz beschäftigen, ohne selbigem auch nur irgendwas Adäquates entgegenzustellen!

Gegen Facebook vor Gericht

Man stelle sich vor, man steht als Medienhaus gegen Facebook vor Gericht und der US-Wettbewerbs-Richter fragt: „Haben Sie selbst eine Plattform, ein soziales Netz gebaut und Facebook verhindert dessen Erfolg?“ Und Sie müssen antworten: „Nein, euer Ehren. Wir haben eine Website und eine Content-App, aber keine sozialen oder semantischen Plattform-Technologien im Einsatz.“ Der Richter würde vielleicht nachhaken: „Das heißt, Sie verwenden als digitales Medium für ihre Distribution eine 25 Jahre alte Web 1.0-Technologie, lediglich mit Texten, Bildern und Videos, vielleicht ein paar Kommentar-Möglichkeiten und beklagen sich bei einem Wettbewerbsrichter, dass ein anderes digitales Medium eine Web 2.0 Social-Plattform, Semantik a la Web 3.0 und Künstliche Intelligenz einsetzt und damit erfolgreicher ist als Sie?“.

Es gibt nur Ausreden, keine Gründe

Es würde genügend andere Gründe geben, weshalb Facebook in einem Prozess das Nachsehen hätte und vermutlich haben wird. Diese wurden in den beiden oben verlinkten Artikel auch beschrieben. Aber es gibt absolut keine Gründe mehr, weshalb europäische Medienhäuser auf ihre US-Tech-Konkurrenz nicht mit Technologie-Innovation antworten. Nach 18 Jahren wechselseitiger Bekanntschaft gibt es nur mehr Ausreden, keine Gründe!

Medienmacher werden zuhause auch nicht bedrängt, denn es ist immer unwahrscheinlicher, dass EU-Startups neue komplexe und aufwendige Medien-Innovationen (alleine) auf den Markt bringen (können). Europäische Regulierungen und unsere Form der Seed- und Wachstums-Finanzierung machen das immer unwahrscheinlicher. Jungunternehmen müssen, in guter KMU-Tradition, früh Umsätze machen. Auch VCs finanzieren hierzulande fast ausschließlich solche Ventures, was Frühphasenfinanzierung zusätzlich unter Druck setzt, nicht in Technologie sondern in funktionierende Business-Modelle zu investieren. Das ist, aus dieser Analyse heraus, auch nachvollziehbar. Nur Youtube, Facebook und Twitter hätte es in unserer Kultur dann nie geben können. Wir haben uns meinetwegen die hunderten Pleiten erspart, die es nicht schafften. Aber wäre das ein legitimes Argument für Unternehmer, sich nicht am Markt behaupten zu wollen?

Also obwohl man Facebook nur zu gerne auf das eigene Spielfeld der Medienmacher holt, empfindet man offenbar gleichzeitig keinen oder zu wenig Druck, sich auch selbst technologisch auf neue Beine zu stellen und voller Inbrunst in die Plattform- und Datenökonomie zu werfen.

Man fühlt sich in der Tradition zur Aufklärung dem hochwertigen Journalismus verpflichtet und der vierten Säule der Demokratie. Das ist auch gut so und wird zurecht geschätzt. Nur man möchte nicht alles Nötige dafür tun, um das auch bleiben zu können. Softwareentwickler bauen heute die Autos der Zukunft und das Medienhaus der Zukunft ist eben ein durch und durch digitales. Ja, es ist eines, das sich voll dem Journalismus verschreibt. Aber es ist eben keine „Stand-PC und Web 1.0“-Redaktion mehr, die sich ein IT-Budget und ein paar Techniker leistet.

Die letzte Runde

Irgendwie fühlt es sich punkto Transformation im Medienbereich an wie die letzte Runde in diesem epischen Gefecht. Die bisherigen Markt-Strategien sind meist ähnlich: Man geht keine technologischen Risiken ein, profiliert sich vor allem mit bewährten Content-Strategien, bleibt, da wo möglich, bei seiner regionalen Stärke oder investiert vorhandenes Geld gleich in nicht journalistische Bereiche, um zu diversifizieren und sich Einnahmen aus vermeintlich zukunftsträchtigeren Bereichen zu sichern. Journalismus ist aber zu wichtig, um ihn dieser Entwicklung zu opfern. Und eine langfristige Zukunft ohne radikale Transformation wird es für die meisten Häuser nicht geben.

Die digitale Transformation in einem Medienhaus muss von oben nach unten alle Bereiche durchziehen und vor allem in neuen, innovativen Produkten und Plattformen münden und nicht nur (alte) Prozesse stützen. Letzteres war die Digitalisierung, die wir früher meinten und die wir alle nicht mehr hören können. Wir digitalisierten die analoge Welt aus Effizienzgründen. Heute müssen wir das digitale Medienhaus smart denken. Auch strategische Allianzen wird es dazu brauchen. Das alles braucht die richtigen Köpfe und die sind zugegeben rar.

Medien sind die mitunter digitalsten Produkte überhaupt, denn bald nichts an ihnen ist mehr analog. Auch das verstärkt den Transformations-Druck. Nirgends kann man Zufriedenheit und Userverhalten so exakt messen wie bei ihnen. Nirgends kann man seine Kunden so gut kennenlernen und in seinen Bedürfnissen abholen. Dass diese Fähigkeit der Datenökonomie keine Bedrohung, sondern richtig gemacht ein Segen für beide Seiten ist, gilt es dabei zu erkennen. User-Verhalten kann ja nicht bloß zum Tracking für Werbung analysiert werden, sondern ist die eigentlich einzig relevante Basis für Produktdesign und Content-Entscheidungen. In der Distribution und Monetarisierung fährt der Zug schon lange von der analogen in die digitale Welt und auch bei Recherche und Content-Produktion nimmt die Digitalisierung wieder gehörig Fahrt auf, vor allem in der Inhalts-Verarbeitung und zunehmend auch -Produktion. Wir können Inhalte immer besser klassifizieren und zusammenfassen, genauer „targeten“ und die ersten Anbieter können mit ihren neuronalen Netzen diese auch schon künstlich erstellen: Texte, Bilder, Stimmen, Videos und sogar Moderator*innen, – you name it. Die Branche steht also kurz vor ihrer nächsten technologischen Disruption, noch bevor wir eine Antwort auf die alte gefunden haben.

Fazit

Dort wo Fehler bei Big-Tech passieren und Spielregeln gebrochen werden, muss der Staat eingreifen. Aber das entbindet uns nicht davon, unsere Verantwortung als Marktteilnehmer wahr zu nehmen. Die Konsumenten sind heute überwiegend unzufrieden mit den digitalen Angeboten, wie die öffentliche Debatte zeigt, aber auch die Offenheit und Geschwindigkeit, mit der neue Player wie Clubhouse von Usern begrüßtwerden. Selbst im eher langsam adaptierenden B2C-Markt in Deutschland, haben sich in Kürze vier Prozent der Gesamtbevölkerung dort angemeldet. Das gab es noch nie. Die harte Konkurrenz der großen US-Player untereinander hat zudem ihre Geschäftsmodelle unter Druck gesetzt und sie greifen sich gegenseitig an. Wer jetzt nicht Herzrasen und verstärkten Speichelfluss hat, glasige Augen bekommt und einen unbändigen Willen verspürt, in diesen den Ring zu steigen, dem ist nicht mehr zu helfen. Weg mit den falschen Narrativen von den unbezwingbaren Tech-Titanen. Derlei gab es schon etliche und nicht wenige verblassen mittlerweile in den Geschichtsbüchern, weil es jemand wagte, sie herauszufordern.


Zum Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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Startup-Coach Florian Kandler rät Gründer:innen, schon vor dem fertigen Produkt zu verkaufen | Foto: Bianca Perfahl

Florian Kandlers Startup Report erscheint heuer in elfter Ausgabe und wurde im Mai gemeinsam mit KPMG präsentiert. Er ist bewusst kein Datenwerk und kein politisches Papier: Die Zahlen bekomme man ohnehin auf Knopfdruck, so Kandler. Stattdessen befragt er jene Gründer:innen, die bereits Funding eingesammelt haben, nach ihren konkretesten Learnings. Kandler hat seit seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley über 3.000 Gründer:innen begleitet, die zusammen mehr als eine Milliarde Euro aufgenommen haben, und ist bereits im achten Jahr offizieller Startup-Coach bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Aus den Antworten lässt sich heuer eines klar herauslesen: Der Druck Richtung Traction steigt. Kapital konzentriert sich auf wenige Segmente, die Abstände zwischen den Runden werden länger, und Investor:innen wollen Proof from the Market sehen, nicht bloß eine gute Geschichte. Lukas Lauder von Repark bringt es im Report auf den Punkt: „Investors don’t invest in your product, they invest in momentum.“

Daraus ergibt sich ein Dilemma, das gerade First-Time-Founder kennen: Wie baut man Traction auf, wenn das Kapital dafür noch fehlt? Kandlers Antwort ist ein Mindset-Shift, den er „Sales before the product“ nennt.

Du machst den Report seit elf Jahren. Welcher Trend sticht heuer am stärksten heraus?

Die starke Verschiebung hin zu Traction. Die Leute wollen immer mehr Momentum und Proof from the Market sehen, nicht nur den Beweis, dass jemand eine gute Geschichte erzählen kann oder dass theoretisch Potenzial da ist. Stefan Steiner von Don’t Call it Deo sagt es so: nicht nur auf die Idee fokussieren, sondern auf Market Traction. Storytelling ist für Pitch Competitions oder Community Pitches nett, aber wenn du mit Investor:innen sprichst, musst du in einen anderen Gang schalten. Da zählt Groove.

Zieht sich das durch alle Phasen?

Durch alle Fundingphasen, von den ganz Kleinen bis zu den Großen. Nur bedeutet Traction in jeder Phase etwas anderes, und es verschiebt sich, was dort durchschnittlich und was überdurchschnittlich ist. Was sich nicht verschiebt: Es muss heute einfach mehr an Traction da sein als noch vor einigen Jahren. Eine Idee und eine tolle Vision allein, und dann kommt das Geld, das funktioniert nicht mehr.

Das klingt nach einem Dilemma: Ohne Kapital ist Traction schwer aufzubauen.

Das ist einer der großen Denkfehler, die ich bei jungen Gründer:innen immer wieder sehe. Viele kommen mit: „Ich hatte vor Jahren die Idee, habe daran gebastelt, das Potenzial ist riesig, und jetzt suche ich einen strategischen Investor, der mich bei Marketing und Vertrieb unterstützt.“ Bastler mit Idee, null Market Validation. Oder: „Ich kann ja nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht.“ Das ist grundfalsch. In der Sekunde, in der du die Idee hast, überlegst du: Wer ist die ideale Zielgruppe? Du baust deine Hypothese darum, gehst raus und sprichst mit diesen Leuten, auch wenn dein Produkt erst in drei Jahren fertig ist. Die Traction, die du aufbaust, ist das Interesse, das du dort erzeugst.

Hast du ein Beispiel?

Ich betreue gerade einen Gründer, der schon jetzt Pre-Orders schreibt und pro Kunde 10.000 Euro kassiert, damit sich diese das Recht sichern, die ersten Pilotkunden werden zu dürfen. Das Produkt ist noch lange nicht fertig, er hat aber ganz klar einen Nutzen bei den Kunden identifiziert und mit smartem Verkauf FOMO erzeugt. So konnte er schon Aufträge erhalten, bevor das Produkt fertig ist. Das ist Traction.

Und im Consumer-Bereich?

Da sage ich den Leuten bei „2 Minuten 2 Millionen“: Der Pitch ist so gut, wie er sein kann. Aber bis du in sechs Wochen im Studio bist, mach eine einzige Sache. Geh raus in alle Mom-and-Pop-Shops, die dein Produkt brauchen können, verkauf es ihnen, gib es ihnen auf Kommission, erzeug Traction. Wenn das Produkt noch nicht fertig ist, hol dir zumindest ein Stück Papier, etwa eine unterzeichnete Absichtserklärung, das zeigt: Die Leute wollen das. Erst letzte Woche hat ein Gründer aus Tirol, der sich gerade auf seinen großen Auftritt im Studio vorbereitet, genau das umgesetzt. Fünf Tage später schickte er mir eine aufgeregte WhatsApp-Nachricht, dass er über sein altes berufliches Netzwerk bereits zwei Vorbestellungen gewinnen konnte.

Was braucht es, damit das gelingt?

Zwei Dinge. Erstens ein Produkt, das wirklich mit dem Markt resoniert. Wenn du das nicht hast, hast du ohnehin kein Anrecht auf Kapital. Und zweitens die Fähigkeit und die Bereitschaft, rauszugehen. Die fehlt vielen, teils weil sie es nicht können, teils weil sie es nicht wollen. Aber das lässt sich mit Kompetenzaufbau ganz gut heilen: Sobald du merkst, das funktioniert und die Leute finden es geil, kriegst du auch Mut. Ich sehe das regelmäßig in meinen Beratungen, wie meine Gründer dann plötzlich Eigendynamik entwickeln. „Sales before the product“ ist einer der größten Mindset-Shifts, die junge Gründer:innen verstehen müssen. Wenn man die Methoden einmal kennt, kann das wirklich jeder umsetzen.

Und wenn diese Bereitschaft im Team fehlt?

Dann wird es schwierig. Wenn alle Angst vor dem Kunden haben, fehlt genau die Person, die keine Angst hat, und die braucht es. Die anderen verkriechen sich hinterm Computer, denken sich digitale Ad-Kampagnen aus oder gehen zum Investor und sagen: „Ich brauche 300.000 Euro, davon 150.000 fürs Marketing.“ Das gibt dir niemand, solange du nicht im Kleinen getestet hast, ob die Leute es überhaupt brauchen. In 99 Prozent der Fälle gibt es Growth Hacks, mit denen du ohne Cash-Budget Staub aufwirbeln und sehen kannst, ob es funktioniert oder nicht.

Konkret: Wie geht man mit einem unfertigen Produkt im B2C auf Kund:innen zu?

Ein möglicher Weg im Consumer-Bereich ist, die Leute auf Social Media abzufangen. Ich betreue gerade eine Gründerin, die eine sehr intelligente Functional-Cosmetics-Brand aufbaut. Jeder Investor hofft, dass jemand im Team versteht, daraus auf Social Media Buzz zu bauen. Wenn dein Produkt neuartige Eigenschaften hat, musst du es so vermarkten, dass die Leute heiß werden und du vielleicht einen Pre-Sale machst, wie beim Fashion Drop: Die Kollektion kommt erst im September, aber die Leute zahlen heute schon. Irgendjemand muss diese Message rüberbringen, ob als Person und Fürsprecherin, wie coole Food-Gründerinnen, die vor der Kamera ihr Produkt zeigen, oder abstrakter über Content und meinetwegen KI-generierte Avatare. Und das ist nur einer von mehreren möglichen Wegen, die man je nach Unternehmen und Situation einschlagen kann.

Und im B2B?

Da musst du ran an den Speck, und Networking ist entscheidend. Ich gebe in Workshops eine Übung: Nimm dein Telefon, schau, wer da drin ist und wer von denen wen kennen könnte. Ruf deine zehn besten Freunde an, die dich mögen, dir Gutes wollen und die wissen, dass du kein Depp bist, und sag: „Ich suche jemanden in dem und dem Bereich, kennst du wen?“ Du wärst überrascht, wie schnell die ersten Termine stehen. Funktioniert auch auf Konferenzen und Events, wo diese Menschen herumlaufen. Aber weg von diesen drögen Kundeninterviews à la „Würdest du das kaufen?“. Das ist fast wertlos, für die Unternehmer:innen wie für Investor:innen. Wer es ernst meint, liest „The Mom Test“, denkt den Inhalt dieses Buchs konsequent wie ein Verkäufer weiter und baut aus dem Gespräch direkt einen Sales-Funnel. Im besten Fall ist das eine Pre-Order mit Cash, im nächstbesten eine Pre-Order ohne Cash, dann ein Letter of Intent.


Info: Fundraising Winter Camp™ 2026

Jeden Winter bereitet Florian Kandler eine kleine Gruppe von zehn Startups in drei Wochen online auf ihre Investor:innen-Suche vor. Das Camp 2026 startet am 14. Jänner.. Die Sommer-Version des Camps läuft seit 10 Jahren immer im Juli. Die Plätze sind jedes mal ausgebucht. Wer beim nächsten Durchgang dabei sein will, kann sich über Florian Kandlers Newsletter auf www.GetFunding.how/camp voranmelden und wird zum nächsten Camp eingeladen.

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