Eyyes (ehemals AVI-Systems): Deutsche Software-Firma übernimmt Kremser KI-Startup
Das Kremser Startup Eyyes wurde fast zur Gänze vom Stuttgarter Unternehmen Vector übernommen. Es soll künftig die Geschäftstätigkeiten eigenständig fortführen.
Das Kremser Startup Eyyes (ehemals AVI-Systems) hat eine Sensorik-Technologie für autonomes Fahren entwickelt, welche die gleiche Rechenleistung wie namhafte US-Konkurrenz bieten soll, dabei aber 90 Prozent weniger Energie verbrauche, wie brutkasten berichtete. Nun wurde die Firma vom Stuttgarter Software-Spezialist Vector Informatik mehrheitlich (96,16 Prozent) übernommen.
Eyyes-Übernahme: Synergien im Umfeld
„Mit der Übernahme der Mehrheit des KI-Spezialisten Eyyes, beteiligt sich Vector an einem strategisch sehr interessanten und innovativen Unternehmen im Geschäftsfeld der Fahrerassistenzsysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Insbesondere sehen wir auch große Synergien im technologischen Umfeld“, sagt Vector-Geschäftsführer Thomas Riegraf.
Mit 28 Mitarbeitern beschäftigt Eyyes derzeit KI-Experten in Österreich und Deutschland (in Gedersdorf in der Nähe von Krems, in Aachen und Freital). Das Unternehmen fokussiert auf Fahrassistenzfunktionen und Wahrnehmung des Verkehrs mit Künstlicher Intelligenz basierend auf Kamerasensorik. Und bietet Warnsysteme mit patentierter Technologie für Frontkollision, Anfahr-, Rückfahr-, Auffahr- und Abbiegewarnung als Assistenzsysteme. Die Produkte werden im Bereich Rail für Straßenbahnen, im Bereich Automotive bei Nutzfahrzeugen und Baumaschinen und im Verkehr eingesetzt.
„Wachstumspfad erfolgreich fortsetzen“
Die intelligenten Sensoren kommen auch bei stationären Kameras zum Einsatz wie z.B. für die verbesserte Steuerung von Ampeln mit der integrierten automatischen Erkennung von Rollstuhlfahrer:innen. Darüber hinaus engagieren sich die Kremser in unterschiedlichen Forschungsprojekten der Künstlichen Intelligenz im Verkehr.
„Diese strategische Partnerschaft mit Vector als neuen Mehrheitseigentümer stellt sicher, dass wir für Groß- und Serienprojekte mit OEMs und Tier-1s als zukunftsfähiger Partner wahrgenommen werden und unseren Wachstumspfad erfolgreich fortsetzen können“, sagt Johannes Traxler, Gründer und Geschäftsführer von Eyyes. Das Niederösterreichische Unternehmen soll auch zukünftig die Geschäftstätigkeiten eigenständig weiterführen.
invest.austria conference: Powerhouse-Ambitionen in der Postkarten-Idylle
Bei der invest.austria conference 2026 ging es einmal mehr um die Frage, wie Österreich und Europa mehr erfolgreiche Tech-Unternehmen hervorbringen können. Die Ansätze dazu gingen durchaus auseinander.
invest.austria conference: Powerhouse-Ambitionen in der Postkarten-Idylle
Bei der invest.austria conference 2026 ging es einmal mehr um die Frage, wie Österreich und Europa mehr erfolgreiche Tech-Unternehmen hervorbringen können. Die Ansätze dazu gingen durchaus auseinander.
Die invest.austria conference fand im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn statt | (c) invest.austria / Alexander Müller
In dieser Eventlocation war das diesjährige Motto der invest.austria conference – „Postcard or Powerhouse“ – fast schon provokant: Auch heuer fand die Konferenz im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn statt, also inmitten der Wiener Postkarten-Idylle. Dass es nicht – wie das Motto nahelegt – ein Entweder-oder sein muss, machte invest.austria-Geschäftsführerin Daniela Haunstein aber dann schon in ihren Eröffnungsworten klar: „Wir waren bislang sehr gut darin, Postkarten-Motiv zu sein und damit ist auch nichts falsch. Aber der Tourismus alleine wird uns nicht weiterbringen.“
Was ist es also, das Österreich und Europa weiterbringen soll? Mit dieser Frage beschäftigten sich bei der invest.austria conference rund 450 Teilnehmer:innen aus 22 Ländern. In einem Punkt sind sich wohl alle einig – invest.austria-Präsident Niki Futter wechselte dazu auf der Bühne vom Englischen ins Österreichische: „Wir müssen uns auf die Hinterfüß‘ stell’n!“ Dafür, wie das konkret passieren soll, wurden im Laufe der Konferenz aber durchaus unterschiedliche Konzepte vorgebracht.
Kopetz: „Unser Bottleneck sind nicht Erfindungen“
Im Vordergrund standen dabei Kapital-Themen – wie sollte es auf der Jahreskonferenz der heimischen Risikokapital-Investor:innen-Szene anders sein. „Unser Bottleneck sind nicht Erfindungen – es ist die Überführung von technologischer Exzellenz zu globaler Marktführerschaft“, sagte TTTech-Gründer Georg Kopetz in seiner Keynote zum Start des Events und präzisierte: „Es braucht nicht nur Innovation, sondern Ökosysteme, Partnerschaften und Kapital – auch über Exits.“
TTTech-Gründer Georg Kopetz auf der Bühne | (c) invest.austria / Alexander Müller
Er sprach damit mehrere Themen an, die im Laufe des Tages noch intensiver behandelt werden sollten. Über ihre persönlichen Erfahrungen mit Exits an Tech-Riesen in Übersee sprachen etwa Ixopay-Gründer Rene Siegl und StreamUnlimited-Gründer Markus Rutz auf einem Panel mit i5invest-Gründer Markus Wagner. Der erzählte aus seiner langjährigen Erfahrung in der M&A-Beratung: „Niemand will ein Unternehmen kaufen, das zum Verkauf steht.“
Just: „Die Messlatte für unsere Startups höher legen“
Gelungen ist der Exit bekanntlich auch dem Linzer Startup Emmi AI – der Verkauf an den französischen KI-Riesen Mistral sorgte dieses Jahr für Aufsehen. Co-Founder Dennis Just, mittlerweile Vice President Manufacturing bei Mistral, brachte auf der Bühne eine These vor, die konträr zum allgemeinen Tenor der Speaker:innen steht: „Österreichs Problem ist nicht das Kapital, sondern die Entrepreneure.“ Sprich: Das Geld sei durchaus da, aber es brauche mehr investierbare Unternehmen. „Meine Meinung: Wir sollten nicht zu sehr auf Dinge wie den neuen Dachfonds fokussieren und lieber die Messlatte für unsere Startups höher legen, um mehr Leuchttürme hervorzubringen“, so Just.
Dennis Just auf der Bühne | (c) invest.austria / Alexander Müller
Das ist freilich eine provokante Ansage, war doch der erwähnte Dachfonds eines der (logischen) großen Themen auf der Konferenz. Er wurde nicht nur – wie zu erwarten – von den beiden auftretenden Staatssekretärinnen Barbara Eibinger-Miedl (Finanzen) und Elisabeth Zehetner (Startups) thematisiert, sondern auch auf einem Panel mit Erste-Bank-CEO Gerda Holzinger-Burgstaller, TTTech-Gründer Georg Kopetz, Marcel Müller-Marbach vom European Investment Fund und Rozalia Urbanek, die als Chefin von PFR Ventures für den polnischen Dachfonds Innovate Poland verantwortlich zeichnet.
Nötige Balance beim nationalen Dachfonds
Urbanek brachte die große Herausforderung beim Aufbau eines nationalen Dachfonds auf den Punkt: „Man muss die Balance schaffen, die Anforderungen des Ökosystems zu erfüllen, aber gleichzeitig marktorientiert und kommerziell getrieben zu sein – denn die Investoren müssen glücklich mit dem Return sein, sonst steigen sie wieder aus der Asset-Klasse aus.“
Rozalia Urbanek am Wort | (c) invest.austria / Alexander Müller
Es war freilich nicht die einzige Asset-Klasse, die bei der invest.austria conference diskutiert werden sollte. Private Equity für den Mittelstand – insbesondere im CEE-Raum – war ebenso Thema, wie klassische direkte Startup-Investments. Entsprechend kamen auch die Startups selbst auf der Konferenz nicht zu kurz – 26 davon konnten sich auf die eine oder andere Weise, unter anderem in einer Expo, präsentieren. Passend dazu durften auch die großen technologischen Themen, u.a. KI und Robotik, in den Keynotes und Panels nicht fehlen.
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