29.01.2025
STUDIE

Österreichs Startup-Szene: Internationale Investoren:innen ziehen sich immer mehr zurück

Internationales Kapital für österreichische Startups wurde das dritte Jahr in Folge weniger, Investments aus Österreich das dritte Jahr in Folge mehr – Rückgang konnte aber nicht kompensiert werden, wie die Beratung EY zeigt.
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Florian Haas (EY) und Daniela Haunstein (invest.austria) | Foto: EY & invest.austria

Nach dem Erscheinen des EY „Start-up Barometer“ Ende Dezember liegt nun auch das EY „Start-up Investment Barometer 2024“ vor. Der Bericht zeigt nicht nur einen Rückgang des Gesamtinvestitionsvolumens um 17 Prozent auf 578 Millionen Euro, sondern legt einen besonderen Fokus auf die Herkunft der Gelder.

Während internationale Kapitalgeber ihren Beitrag weiter reduzieren und nur noch 38 Prozent des Volumens stellen (219 Millionen Euro), gewinnen heimische Investor:innen an Bedeutung und tragen inzwischen 62 Prozent (359 Millionen Euro). Besonders deutlich wird dieser Trend bei kleineren und mittleren Finanzierungsrunden, während große Deals über 100 Millionen Euro weiterhin von internationalen Geldgebern dominiert werden.

Internationale Investoren: Niedrigster Wert seit 2021

Konkret handelt es sich bei den 38 Prozent um den niedrigsten Wert seit dem Boom-Jahr 2021, als noch 75 Prozent des Kapitals aus dem Ausland stammten. Die Zahlen zeigen, dass sich dieser Trend in den letzten Jahren verstärkt hat: 2023 lag der Anteil internationaler Investor:innen bei 45 Prozent, 2022 bei 68 Prozent. Der Rückzug wirkt sich vor allem auf größere Wachstumsrunden aus, die traditionell von internationalen Geldgeber:innen getragen werden. Laut Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, gefährdet diese Entwicklung das Wachstum von Scaleups: „Für Scaleups auf Wachstumskurs heißt das: ohne internationale Kapitalzuflüsse kein oder deutlich weniger Wachstum als geplant.“

Die Krux bei größeren Runden

Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen bei den heimischen Investor:innen. Ihr Anteil am Gesamtvolumen stieg kontinuierlich: 2024 wurden 13 Prozent (75 Millionen Euro) der Investitionen von österreichischen Kapitalgeber:innen allein getragen – ein Rekordwert. Seit 2021 hat sich dieser Anteil fast versechsfacht. Florian Haas sieht darin eine positive Entwicklung, betont jedoch, dass es in Österreich nach wie vor an Akteuren mangelt, die eine globale Skalierung finanziell ermöglichen könnten. „Für größere Wachstumsrunden bleibt die Abhängigkeit von internationalen Investor:innen bestehen.“

invest.austria Forderung nach Dachfonds

Die Ergebnisse des Berichts unterstreichen laut invest.austria den Handlungsbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich zu sichern. Daniela Haunstein, Geschäftsführerin von invest.austria, fordert konkrete Maßnahmen: „Steuerliche Anreize und Dachfonds könnten private Risikokapitalgeber:innen mobilisieren und gleichzeitig den Kapitalfluss nach Österreich fördern. Andere europäische Länder haben solche Konzepte längst umgesetzt, was ihre Position im internationalen Vergleich stärkt.“

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen spricht EY von einer „laufenden Professionalisierung“ am heimischen vorbörslichen Kapitalmarkt. Während 2021 österreichische Investor:innen hauptsächlich in der Frühphase aktiv waren, spielen sie inzwischen auch bei ersten Wachstumsrunden eine bedeutendere Rolle. Dennoch bleibt der Zugang zu größeren Investitionssummen schwierig. Dazu äußert Haas: „Allerdings gibt es in Österreich nach wie vor niemanden, der eine globale Skalierung finanzieren kann, was unsere Scaleups komplett abhängig von internationalen Geldgeber:innen macht.“

Besonders bei Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro ist der Anteil österreichischer Investor:innen gering – hier stellen sie nur 25 Prozent der Kapitalgeber:innen. Bei kleineren Runden bis zu einer Million Euro liegt ihr Anteil hingegen bei 73 Prozent.

Wie sieht es nach Branchen aus

Branchenspezifisch zeichnet sich ein differenziertes Bild: Heimische Investor:innen waren 2024 vor allem in den Bereichen Mobility, Health und Education stark vertreten. Im Mobilitätssektor hatten 95 Prozent der Kapitalgeber:innen ihren Hauptsitz in Österreich, während es im Gesundheitsbereich 59 Prozent und im Bildungssektor 56 Prozent waren. Deutlich geringer war der Anteil österreichischer Investor:innen in Professional Services mit nur 14 Prozent sowie im FinTech-Bereich, wo lediglich 29 Prozent der Investor:innen aus Österreich kamen.

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Goldene Houskapreis-Statue, Foto: Alexander Müller

Gute Forschung entsteht in Österreich viel. Was seltener gelingt, ist der Schritt danach: dass aus einer Erkenntnis ein Produkt wird, ein Verfahren, ein Unternehmen. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Houskapreis der B&C Privatstiftung an. Ausgezeichnet werden Projekte, die wissenschaftliche Qualität mit konkreter wirtschaftlicher Wirkung verbinden. Mit einem Gesamtpreisgeld von 760.000 Euro ist er Österreichs größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung.

Nun geht der Preis in seine 22. Runde. Die Einreichphase für den Houskapreis 2027 ist im September gestartet und läuft bis einschließlich 28. Oktober 2026. Eingereicht wird ausschließlich online unter www.houskapreis.at.

Warum der Fokus auf Anwendung? Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der B&C Privatstiftung, erklärt es so: „Forschung und Innovation sind wesentliche Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Gerade in einem zunehmend technologiegetriebenen internationalen Umfeld wird es für Österreich entscheidend sein, wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die wirtschaftliche Praxis zu überführen. Dafür braucht es wissenschaftliche Exzellenz ebenso wie unternehmerisches Denken und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem Houskapreis zeichnen wir Projekte aus, die diese Verbindung erfolgreich herstellen und wirtschaftliche Wirkung entfalten.“

Forschungspreis in drei Kategorien

Vergeben wird der Houskapreis 2027 in den Kategorien Hochschulforschung, Außeruniversitäre Forschung sowie Forschung & Entwicklung in KMU. Teilnahmeberechtigt sind österreichische staatliche und private Universitäten inklusive Fachhochschulen, Christian Doppler Labors, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), heimische außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen. Gemeinsame Voraussetzung: Die wesentlichen Forschungsleistungen müssen in Österreich erbracht worden sein.

Auch der Houskapreis 2027 wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung vergeben, am 20. April 2027 in Wien | (c) Alexander Müller

Wie weit ein Projekt sein muss, hängt von der Kategorie ab. In der Hochschulforschung reicht es, wenn die wirtschaftliche Umsetzung unmittelbar bevorsteht oder bereits erfolgt ist. In der außeruniversitären Forschung muss sie schon passiert sein. Bei KMU muss das Projekt zusätzlich abgeschlossen sein und bereits Umsätze am Markt erzielen.

Was KMU wissen müssen

Für Unternehmen gelten klare Voraussetzungen. Sie müssen der KMU-Definition von EU und FFG entsprechen, ihren Firmensitz und ihre wesentlichen Forschungsaktivitäten in Österreich haben, maximal 249 Mitarbeiter:innen beschäftigen und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro ausweisen. Außerdem müssen sie seit mindestens zwei Jahren bestehen, also vor dem 31. Dezember 2024 im Firmenbuch eingetragen worden sein, und dürfen in keinem Beteiligungsverhältnis zur B&C-Gruppe stehen.

Die Kategorie steht auch jüngeren Unternehmen offen, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend ist, dass das Unternehmen seit mindestens zwei Jahren besteht und mit seiner Innovation schon Umsätze erzielt. Wie realistisch die Chancen sind, hat der Vorjahresjahrgang gezeigt: Alle drei Nominierungen in der KMU-Kategorie gingen an heimische innovative Unternehmen, den ersten Platz holte sich das Linzer Unternehmen sendance.

Bewertung und Einreichung

Die Bewertung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren durch Fachbeiräte pro Kategorie und eine international renommierte Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gewichtet wird dabei je nach Kategorie unterschiedlich: Bei der Hochschulforschung zählt die wissenschaftliche Qualität am meisten, bei KMU der wirtschaftliche Erfolg, der mit 40 Prozent in die Bewertung einfließt.

Vier Trophäen, vier Auszeichnungen: Der Houskapreis 2027 wird in drei Kategorien vergeben, dazu kommt der mit 10.000 Euro dotierte Mariella-Schurz-Preis, über den eine Oberstufenklasse entscheidet. | (c) Alexander Müller

Für die Einreichung braucht es je ein einseitiges Abstract auf Deutsch und Englisch sowie ein Dossier von maximal zehn Seiten. KMU dürfen das Dossier auf Deutsch oder Englisch verfassen, in den beiden anderen Kategorien ist Englisch vorgeschrieben. Hochschulen legen mindestens einen Letter of Intent eines Wirtschaftspartners bei, außeruniversitäre Einrichtungen mindestens einen Kooperationsnachweis. In allen Anträgen ist zudem der Beitrag zu den SDGs zu beschreiben.

Preisgeld und Termine

Pro Kategorie werden drei Projekte nominiert, und alle drei gehen mit Preisgeld nach Hause: 150.000 Euro für den ersten Platz, 70.000 Euro für den zweiten, 30.000 Euro für den dritten. Die Erstplatzierten bekommen von der B&C Privatstiftung zusätzlich die goldene Houskapreis-Statue überreicht.

Darüber hinaus vergibt die B&C Privatstiftung den mit 10.000 Euro dotierten Mariella-Schurz-Preis an eines der nominierten Projekte, das eine Oberstufenklasse auswählt. Die Preisgelder gehen an die Institutionen und kommen dort weiteren Forschungsarbeiten zugute.

Die Nominierten werden im Februar 2027 bekannt gegeben, die Verleihung findet am 20. April 2027 in Wien statt. Wer sich vorab informieren will, hat am 5. Oktober 2026 um 14 Uhr bei einer weiteren Online-Informationsveranstaltung Gelegenheit dazu, Anmeldung unter [email protected]. Im Vorjahr gingen die ersten Plätze an die TU Wien, das AIT Austrian Institute of Technology und das Unternehmen sendance. brutkasten hat über die neun Nominierungen für den Houskapreis 2026 berichtet.

Einreichung: bis 28. Oktober 2026 unter www.houskapreis.at
Kontakt: [email protected]

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