27.04.2026
EXPANSION

Expansion und neue KI-Software: Wiener LegalTech Codara rollt DACH-Strategie aus

Das Wiener LegalTech-Startup Codara treibt nach seiner Finanzierungsrunde 2025 die Expansion voran und startet in Deutschland mit Echtzeit-Monitoring für Bundesrecht.
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Codara
© Codara - (v.l.) CEO Bernhard Landrichter, Karin Schmollgruber, Marketing und CTO Christian Kaindl.

Nach einer Finanzierungsrunde im Vorjahr durch mehrere Business Angels (brutkasten berichtete) vermeldet das Wiener Startup Codara (ehemals Gesetzefinden.at) die nächste Neuerung: Man expandiert – konkret nach Deutschland – und deckt dort ab sofort Rechtsänderungen des gesamten deutschen Bundesrechts in Echtzeit ab, wie es per Aussendung heißt.

Codara startet Pilotphase

Parallel dazu geht der „Legislative Radar“ in die Pilotphase über, während Codara zugleich ein neues, von der FFG gefördertes Projekt für automatisiertes Bescheidmanagement startet. Ziel ist es, auch diesen bislang schwer zugänglichen Bereich effizienter zu erschließen. CTO Christian Kaindl beschreibt die zentrale Herausforderung so: „Unstrukturierte Daten aus Behördenbescheiden müssen mithilfe von KI präzise in bestehende Workflows integriert werden.“

Der „Codara Legislative Radar“ verfolgt Gesetzesentwürfe bereits während der Begutachtungsphase: „In vielen Branchen reicht es nicht mehr aus, zu wissen, was heute gilt“, sagt CEO Bernhard Landrichter. „Unternehmen müssen auch wissen, was morgen kommt, um Risiken, aber auch Chancen auszuloten.“

Kernprodukt nun an NEURIS angebunden

Auch das Kernprodukt „Codara Regulatory Monitoring“ wurde im Zuge dessen weiter ausgebaut. Zusätzlich zu den bestehenden Schnittstellen zu EUR-Lex und dem österreichischen RIS ist die Plattform nun direkt an das deutsche NEURIS angebunden. „Damit können Rechtsabteilungen und das Compliance-Management das gesamte EU-Recht sowie das nationale Bundesrecht in Österreich und Deutschland lückenlos und in Echtzeit überwachen“, erklärt Landrichter.

Codara war bisher in Österreich am Markt präsent und zählt „einen Großteil der heimischen Infrastrukturunternehmen“ zu seinen Kunden – darunter Wien Energie, Borealis und Spar. Die Plattform GesetzeFinden.at, die 2022 den Grundstein legte und weiterhin als Gratis-B2C-Plattform firmiert, verzeichnet weiterhin rund 30.000 Visits monatlich.

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fluctus, aws
© fluctus - Anna Kurpierz und Christian Sattlecker von fluctus.

Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.

fluctus mit End-to-End

„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.

Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.

„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“

Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.

Wettbewerb steigern

„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“

Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.

„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“

Zielgruppen von fluctus

Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.

Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.

Hürden überwunden

Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“

© fluctus – Das fluctus-Team.

Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.


Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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