23.07.2015

EU-Investitionsfonds mit 315 Milliarden Euro auch für risikoreichere Startups

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Um die Wirtschaft anzukurbeln setzt die EU auf Innovationen. Ein neuer Fonds soll nun nötiges Kapital liefern, um die Investitionstätigkeit in der EU wiederzubeleben und Projekte zu fördern. In den nächsten drei Jahren soll er zusätzliche Investitionen von mindestens 315 Milliarden Euro auslösen. Besonders interessant: ab sofort werden auch riskantere Projekte von der EIB unterstützt.

Ein Zusatznutzen der Projekte soll dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) nach im Vordergrund stehen. Bei Bedarf kann er das Risikoprofil für andere Investoren verbessern. Der Schwerpunkt liegt bei Sektoren, die für die europäische Wirtschaft insgesamt eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere:

  • strategische Infrastruktur, etwa im Telekommunikations-, Verkehrs- und Energiesektor, insbesondere Verbundnetze, sowie Stadtentwicklung
  • Bildung, Forschung und Innovation
  • ökologisch nachhaltige Projekte, Förderung der erneuerbaren Energien und Ressourceneffizienz
  • kleinere Unternehmen

Eine Bremse für den Wirtschaftsaufschwung in der EU sind mangelnde Investitionen – dem will man mit dem Fonds entgegen wirken. Noch immer liege das Investitionsniveau heute 15 Prozent unter jenem im Jahr 2007 vor der Krise, sagt EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen.

So gut wie jedes EU-Unternehmen kann Projekte einreichen und sich für eine neue Form von EIB-Krediten bewerben. Weil der EFSI dafür garantiert, kommen auch riskantere Vorhaben infrage, als die EU-Hausbank bisher finanziert hat. Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass das Projekt irgendwann einmal wirtschaftlich rentabel sein wird und daher Rückflüsse zumindest sehr wahrscheinlich sind. Sie müssen so weit ausgereift sein, dass sie auch tatsächlich seriös bewertbar sind. Es sollte möglichst einen europäischen Mehrwert geben, dieser sollte mit der Förderung des Wirtschaftswachstums aber schon fast erfüllt sein. Und es muss eine möglichst hohe Finanzierung durch den Privatsektor vorliegen. Rein öffentliche Vorhaben sind nichts für den EFSI.

Bei der Auswahl gebe es keinerlei politischen Einfluss, garantiert die EU-Kommission. Federführend betreut wird das Projekt von der EIB, die über langjährige Erfahrung als Förderbank verfügt. Direkt bei ihr oder dem Europäischen Investitionsfonds EIF können sich interessierte Projektträger bewerben. Der Betrag von 315 Milliarden € sei im Übrigen keine Hexerei, sondern absolut plausibel, sagt EIB-Chef Werner Hoyer.

Die Basis ist ein Fonds von 21 Milliarden €, der zum Teil aus dem EU-Haushalt und zum Teil von der EIB (Europäische Investitionsbank) gespeist wird und der für EIB-Kredite garantieren soll, die riskanter sind als bisher gängige EIB-Projekte. Die EIB könnte daher zusätzliche Kredite in der Höhe von 63 Milliarden € vergeben, so das Kalkül. Die Beteiligung und Haftung der EIB wiederum soll Investitionen von privaten Investoren über weitere 252 Milliarden € auslösen.

„Der EFSI ist eine grundlegende Änderung der Nutzung des EU-Budgets weg von Subventionen hin zu Garantien und Krediten“, sagte Hoyer. Neun Mitgliedstaaten haben zudem Beiträge auf Projektbasis über ihre Förderbanken angeboten: Deutschland, Frankreich, Italien und Polen tragen je acht Milliarden € bei, Großbritannien umgerechnet gut neuen Milliarden €, Spanien 1,5 Milliarden €, die Slowakei 400 Millionen €, Bulgarien 100 Millionen € und Luxemburg 80 Millionen €. Allerdings fließen die Beiträge vor allem in Projekte in diesen Ländern. Es könnten aber auch einige grenzüberschreitende Vorhaben darunter sein, hoffte Kommissionsvize Jyrki Katainen.

Quelle

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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