20.08.2025
HINTERGRUND

enliteAI aus Wien verkauft Mobile-Mapping-Plattform an niederländischen Weltmarktführer

Das Wiener Venture-Studio enliteAI rund um Clemens Wasner hat die Mobile-Mapping-Plattform Detekt an Cyclomedia verkauft. Wir haben mit Wasner über die Hintergründe des Deals und die nächsten Schritte gesprochen.
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Clemens Wasner | (c) martin pacher

Cyclomedia, ein globaler Marktführer in der Geospatial-Datentechnologie, übernimmt Detekt – die vom Wiener Venture-Studio enliteAI entwickelte KI-Plattform zur automatisierten Auswertung von Mobile-Mapping-Daten. Die Plattform kombiniert Straßenpanoramen und weitere Sensordaten mit Computer Vision, um etwa Verkehrsschilder, Markierungen und Straßenschäden präzise zu erkennen.

Wie der Deal zustande kam

Für den Deal kam der Stein bereits im September 2024 ins Rollen: Auf der Intergeo – der großen Industriemesse für Mobile Mapping – sprach Cyclomedias damaliger CTO das enliteAI-Team an. Zwei Stunden später stand der Manager erneut am Stand – diesmal gemeinsam mit dem Private-Equity-Eigentümer von Cyclomedia. „Und ab dann ist es eigentlich losgegangen“, so Clemens Wasner, Gründer und CEO von enliteAI, gegenüber brutkasten.

Zum Hintergrund: Cyclomedia verdient sein Geld, indem eigene Fahrzeuge Städte abfahren und 360-Grad-Straßenbilder aufnehmen. In vielen Ländern dürfen solche Daten aber nicht frei ins Ausland übertragen werden, und eigene Fahrzeugflotten sind dort schwer zu betreiben. Wachsen kann Cyclomedia deshalb vor allem mit einer Software, die beim Kunden vor Ort läuft und sich in bestehende Abläufe einfügt. Detekt passt genau dazu: Die Plattform wertet die lokalen Bilddaten direkt beim Kunden aus – ohne dass Cyclomedia selbst überall mit eigenen Autos unterwegs sein muss.

Ausschlaggebend für das Interesse von Cyclomedia war somit, dass Detekt von enliteAI als Software-only-Modell in Märkten mit strikten Datensouveränitätsregeln skaliert: In Saudi-Arabien etwa kaufte ein Partner die Befahrungsfahrzeuge selbst, lizenzierte aber die Detekt-Software des Wiener Venture-Studios enliteAI – ein Setup, das internationale Anbieter ohne eigene Fahrzeugflotten vor Ort attraktiv macht. „Wenn sie ihr Geschäft erweitern wollen, dann geht das nur über Software“, sagt Wasner.

Übernahme vor Ausgründung

Für die Übernahme gründete Cyclomedia in Österreich eigens eine GmbH und übernahm Verträge, Kundenbeziehungen und Mitarbeitende direkt. Der Ansatz war laut Wasner auch deshalb naheliegend, weil Detekt zum Zeitpunkt der Finanzierung noch ein Produktpfad innerhalb von enliteAI war – eine ursprünglich geplante Ausgründung wäre aufwendiger und langsamer gewesen.

Über finanzielle Details des Verkaufs wurde Stillschweigen vereinbart. Fest steht allerdings: Das Wiener Detekt-Team bleibt vollständig am Standort; die Marke „Detekt“ soll fortgeführt und ausgebaut werden.

Vom Dienstleistungsgeschäft zum Venture Studio

enliteAI war zunächst ein Dienstleistungsunternehmen für KI-Projekte – von Consulting bis Implementierung. 2020 hat das Team das Servicegeschäft bewusst beendet und ist vollständig auf Produktentwicklung umgestiegen. Seither arbeitet enliteAI als „Venture-Studio“ mit zwei SaaS-Schienen unter einem Dach: Mobile-Mapping-Plattform (Detekt) und Power Grid Optimization für Energienetze. 2023 kommunizierte enliteAI eine Finanzierungsrunde in Höhe von zwei Millionen Euro. Angeführt wurde die Runde damals von Breeze Invest, wobei sich auch Speedinvest beteiligte (brutkasten berichtete).

Ausgründung von Power Grid Optimization geplant

Wie geht es nun bei enliteAI weiter? Nach dem Verkauf von Detekt rückt die Energiesparte rund um „Power Grid Optimization“ in den Fokus. Die Plattform hilft Netzbetreibern, ihr Stromnetz zu verstehen und zu steuern. Grundlage dafür bildet das von enliteAI entwickelte Reinforcement Learning Maze. Mit der Plattform erzielte man in der Vergangenheit bereits Erfolge. So erreichte enliteAI 2021 mit seinem Reinforcement-Learning-Ansatz zur Blackout-Vermeidung den dritten Platz bei der weltweiten L2RPN-„Learning to run a powergrid“-Challenge des französischen Netzbetreibers RTE und sorgte damit für internationales Echo (brutkasten berichtete). Eine Ausgründung von „Power Grid Optimization“ ist laut Wasner innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate geplant. „Wir werden jetzt aufs Gaspedal drücken“, so Wasner.

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Impression von der Preisverleihung im Vorjahr | (c) BMWET/Noisternig
Impression von der Preisverleihung im Vorjahr | (c) BMWET/Noisternig

Auch dieses Jahr wird der Brigitte-Bierlein-Frauenpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) vergeben. Erstmalig erfolgt die Ausschreibung in Kooperation mit der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Mit dem Preis soll die Sichtbarkeit von Frauen erhöht werden, die in den Bereichen Innovation, Unternehmertum und gesellschaftliches Engagement in Österreich tätig sind. Die Auszeichnung erinnert an die Namensgeberin Brigitte Bierlein, die erste Bundeskanzlerin in der Geschichte Österreichs, und würdigt zugleich das Lebenswerk der Schirmherrin des Preises, der ehemaligen Bundesministerin Maria Rauch-Kallat.

Ziel der Initiative ist es, Frauen im unternehmerischen und wirtschaftlichen Umfeld sichtbar zu machen und deren Leistungen durch öffentliche Aufmerksamkeit sowie politische Anerkennung zu unterstützen. Die Veranstalter:innen wollen damit erfolgreiche Frauen als Vorbilder für nachfolgende Generationen positionieren, um junge Talente zur Verfolgung von Laufbahnen in Wirtschaft, Forschung und Innovation zu motivieren. Das soll auch langfristig zum Abbau von Geschlechterungleichheiten in Führungspositionen beitragen.

Die Voraussetzungen für den Brigitte-Bierlein-Frauenpreis 2026

Konkret richtet sich die Ausschreibung an Frauen unter 35 Jahren, die in Führungspositionen oder mit Verantwortung in Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Organisationen tätig sind. Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Entrepreneurship, Innovation und Technologie, angewandte wirtschaftlich-technische Forschung und Wissenschaft, Familienunternehmen sowie Startups.

Für eine Nominierung müssen die Leistungen der Bewerberinnen einen Bezug zu Österreich aufweisen. Das kann durch eine Wirkung auf den Wirtschafts- oder Innovationsstandort, eine entsprechende Tätigkeit im Land oder relevante Projekte mit Österreich-Fokus passieren. Die Staatsbürgerschaft und der aktuelle Wohnsitz der Kandidatinnen sind für die Vergabe hingegen kein Kriterium.

Die Vorjahres-Preisträgerinnen: v.l. Marlene Rezk-Füreder (3. Platz), Anja Moser-Tscharf (2. Platz), Katharina Baumgartner (1. Platz), Lara Vadlau (Ehrenpreis); Foto: BMWET/Veronika Noisternig

Die drei Preiskategorien

Die Vergabe des Preises erfolgt dieses Jahr in drei Kategorien, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind:

  • Entrepreneurship, Führungskräfte & Nachfolge: Diese vom BMWET vergebene Kategorie richtet sich an Frauen, die als Gründerinnen, Unternehmensübernehmerinnen oder Managerinnen mit Ergebnisverantwortung zur Entwicklung eines Unternehmens beitragen. Berücksichtigt werden laut Ausschreibung Leistungen in Bereichen wie Betriebsübernahmen, Generationenwechseln, Internationalisierung, Wachstum aus bestehenden Strukturen, Social Entrepreneurship sowie bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle.
  • Forschung, Innovation & Transfer: In dieser von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gestifteten Kategorie werden Frauen ausgezeichnet, die wissenschaftliche Arbeit mit wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Wirkung verbinden. Der Fokus liegt auf der Überführung von Forschungsergebnissen in marktfähige Anwendungen – wie etwa Spinoffs, technologiegetriebene Startups oder Kooperationsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft – sowie auf Lösungen mit wirtschaftlicher Relevanz oder Skalierbarkeit.
  • Ehrenpreis Maria Rauch-Kallat: Gesellschaftlicher Impact & Role Model: Diese vom BMWET vergebene Auszeichnung würdigt Frauen, die durch eine Vorbildfunktion und einen gesellschaftlichen Beitrag über Branchengrenzen hinweg wirken. Preisträgerinnen sollen beispielhaft für gesellschaftlichen Wandel und Empowerment stehen. Die Ausgezeichnete erhält neben dem Preisgeld einen Platz im WoMentoring-Programm des club alpha.


Zeitplan und Nominierungsverfahren

Die Einreichfrist für Nominierungen hat bereits begonnen und läuft bis zum 17. August 2026. Für Mitte September ist die Veröffentlichung der Liste „35 under 35“ mit den nominierten Frauen vorgesehen. Anfang November tritt eine achtköpfige Fachjury aus den Bereichen Unternehmertum, Wissenschaft und Startups zusammen, um die Preisträgerinnen auszuwählen. Die feierliche Preisverleihung findet am 7. Dezember 2026 statt.

Nominierungen können sowohl als Selbstnominierung der Bewerberinnen als auch als Fremdnominierung durch Dritte eingereicht werden.


Jetzt Nominieren oder Bewerben!

Die Einreichung von Nominierungen und Bewerbungen ist über die Online-Formulare des Bundesministeriums möglich.

Weitere Details und die vollständigen Vergaberichtlinien stehen auf der offiziellen Website zum Preis zur Verfügung.

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