20.05.2026
STIMMEN

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

Das Linzer Deep-Tech-Startup Emmi AI wurde vom französischen KI-Unternehmen Mistral AI übernommen. Der Deal gilt als einer der größten Exits in der österreichischen Startup-Geschichte und wird - so wie auch Linz als neuer Mistral-Standort - entsprechend breit diskutiert. Hier ein paar Reaktionen aus Politik und der Startup-Szene.
/artikel/emmi-ai-exit-das-sind-die-reaktionen-der-szene-an-starkes-europa-glauben
Emmi AI
© Joey Prink/ AustrianStartups/EnliteAI/Patrick Münnich/zVg/BKA/Andy Wenzel/ Oecolution.

Das erst im Dezember 2024 gegründete Deep-Tech-Startup Emmi AI wurde von Mistral AI übernommen. Laut Branchen-Insidern handelt es sich um einen der größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte – brutkasten berichtete.

Diese Übernahme und der Start eines Österreich-Standortes des französischen KI-Unternehmens stellt für die Republik einen Meilenstein in der Entwicklung des heimischen KI-Ökosystems dar.

Emmi AI-Übernahme als Signal

Für Hannah Wundsam, Managing Director von AustrianStartups, ist der Exit von Emmi AI an Mistral eine echte europäische Erfolgsstory und ein starkes Signal für den Standort Österreich. „Dass sowohl Tractive als auch Emmi AI sich bewusst für europäische Käufer entschieden haben, zeigt, dass Startups an ein starkes, souveränes Europa glauben und bereit sind, aktiv daran zu arbeiten, regionale Big-Techs zu bauen“ sagt sie. „Im Austrian Startup Monitor 2025 schnitt Oberösterreich bei der Frage, ob man das eigene Startup-Ökosystem weiterempfehlen würde, unter allen Bundesländern am besten ab. Mit diesem Exit und Linz als starkem Standort für Mistral wird diese Dynamik weiter anziehen. Hut ab vor dem Gründerteam.“

Bundeskanzler reagiert

Für Bundeskanzler Christian Stocker zeigt sich mit dieser Übernahme, welches Potential in Österreich steckt: „Exzellente Forschung, unternehmerischer Mut und hochqualifizierte Fachkräfte schaffen Technologien, die weltweit gefragt sind. Dass ein Unternehmen wie Mistral AI künftig auf Linz als wichtigen europäischen Standort setzt, ist eine große Auszeichnung für die Expertise und das Know-how in Österreich. Solche Investitionen stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit, schaffen hochwertige Arbeitsplätze und machen Österreich zu einem Zukunftsstandort für Künstliche Intelligenz und Deep-Tech“, schreibt er als Reaktion auf den brutkasten-LinkedIn-Post.

Relevante Forschung

Johanna Pirker, Professorin an der TU Graz und dem TUM in München, sieht in den letzten Entwicklungen und internationalen Schlagzeilen aus Österreich aus unterschiedlichen KI-Bereichen – auch rund um Agentic AI – deutlich, wie viel technisches Know-how, Innovationsgeist und Forschungskompetenz in der Republik vorhanden sind.

„Man merkt aktuell, dass hier nicht nur relevante Forschung betrieben wird, sondern auch Teams und Unternehmen entstehen, die international absolut mithalten bzw. herausragen und zentrale Zukunftstechnologien mitgestalten“, sagt sie. „Dass sich gleichzeitig internationale Player wie Mistral für einen Standort in Österreich interessieren, unterstreicht das zusätzlich und bringt weitere Sichtbarkeit, internationale Vernetzung und stärkt auch den europäischen KI-Standort insgesamt. Gerade jetzt wäre es wichtig, diese Dynamik aktiv zu unterstützen – durch Investitionen, Forschung, Ausbildung und gute Rahmenbedingungen für Innovation, damit Talente und Ideen langfristig in Europa wachsen und bleiben können. Und um es zu unterstreichen: Wir sollten dabei weniger in rein nationalen Kategorien denken, sondern stärker europäisch“, ruft sie auf.

Physics AI

Peter Lasinger indes, Co-Founder und Partner von 3VC und Investor in Emmi AI, erinnert sich daran, dass beim ersten Treffen mit den Linzer-Foundern, die Welt noch wenig von „Physics AI“ wusste und von Text-Tokens und Prompts besessen war.

„Doch wir waren überzeugt: Die Industrien, die unsere Wirtschaft antreiben, funktionieren nicht allein über Sprache. Sie basieren auf Kräften, Einschränkungen und den Gesetzen der Physik. Was dieses Team (Anm: Johannes Brandstetter, Miks Mikelsons und Dennis Just) in nur einem Jahr erreicht hat, ist atemberaubend. Sie haben nicht nur in Österreich ein Startup aufgebaut und dabei die bislang größte Seed-Finanzierungsrunde des Landes eingesammelt; sie haben eine globale Kategorie definiert und KI beigebracht, ‚physikalische Intuition‘ zu verstehen“, kommentiert der Investor.

Und ergänzt: „Für uns bei 3VC ist dies kein Exit. Wir sind stolz darauf, Anteilseigner von Mistral AI zu werden, und bekräftigen damit unsere Überzeugung, dass Europa seine eigene technologische Infrastruktur für die nächste KI-Ära aufbauen kann – und wird.“

Emmi AI-Deal „zweiäugig“ zu betrachten

Für Clemens Wasner, Founder von EnliteAI, hat der Deal ein lachendes und ein weinendes Auge: „Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte Mark Zuckerberg 2006 an Yahoo verkauft – die hochgradig relevante Firma mit generational Team und Talent wird von einer globalen ‚Kontext borderline irrelevanten Firma‘ gekauft. Emmi AI wird nicht die TTTech oder AVL unserer Generation, nichtsdestotrotz ist es für das heimische AI-Ökosystem ein riesiger Erfolg. Bleibt nur zu hoffen, dass Dennis, Miks und Johannes eine ‚i6‘ oder ‚Lightspeed Invest‘ gründen und damit das Ecosystem auf die nächste Ebene heben.“

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hingegen streicht hervor, dass Emmi AI nun ein Fallbeispiel dafür sei, wie erfolgreiche Wachstumsgeschichten aus Österreich aussehen können: wissenschaftliche Exzellenz, unternehmerischer Mut, internationale Investoren und ein klarer industrieller Anwendungsfall.

„Dieser Deal ist ein Ausrufezeichen für Österreichs Startup-Standort und zeigt, dass Österreich Deep-Tech kann. Und er zeigt, dass aus Forschung, Förderung und Gründergeist echte internationale Erfolgsgeschichten entstehen können“, sagt die für Startups zuständige Staatssekretärin.

Europas digitale Souveränität

Besonders relevant sei für sie der Deal auch mit Blick auf Europas digitale Souveränität. Mistral AI gilt als einer der wichtigsten europäischen Akteure im Bereich Künstliche Intelligenz. Die Verbindung mit österreichischer Deep-Tech-Expertise im Bereich physikbasierter KI-Simulationen zeige, welches Potential Europa im globalen Technologiewettbewerb habe.

„Digitale Souveränität entsteht durch Unternehmen, die Technologie entwickeln, skalieren und international bestehen. Europa braucht eigene KI-Kompetenz, eigene industrielle Anwendungen und eigene Champions. Dass ein österreichisches Startup hier eine zentrale Rolle spielt, ist ein starkes Signal weit über Österreich hinaus“, so Zehetner.

Physischen Kern der Wirtschaft im Fokus

KI-Expertin Jeannette Gorzala hebt bei diesem Exit im Vergleich zu anderen einen feinen Unterschied hervor: „Während die meisten globalen KI-Diskussionen auf ‚Large Language Models‘ oder reine Software fokussiert sind, adressiert dieser Deal den physischen Kern der Wirtschaft: Maschinenbau, Automotive, Halbleiter“, sagt sie. „Damit wird KI nicht nur digital gedacht, sondern als Hebel für reale Wertschöpfung genutzt. Mistral setzt damit erstmals auf einen skalierbaren KI-Vorsprung, der nicht nur Software, sondern reale Industrie transformiert. Linz wird dabei zum Hub, an dem ‚Industrial AI‚ greifbar wird. Ein starkes Signal für den österreichischen KI-Standort.“

Deine ungelesenen Artikel:
02.10.2026

„Golden Shower“: Wolkersdorfer Komposttoiletten-Startup Öklo macht „Urin-Bier“

Nachdem die Vorankündigung dazu vergangenes Jahr international Aufsehen erregt hatte, setzte Öklo sein "Urin-Bier" nun mit der Brauerei Erzbräu um. Die Marketing-Aktion mit gerade einmal 2.500 Flaschen soll vor allem auf das Thema Wasserverschwendung aufmerksam machen.
/artikel/golden-shower-wolkersdorfer-komposttoiletten-startup-oeklo-macht-urin-bier
02.10.2026

„Golden Shower“: Wolkersdorfer Komposttoiletten-Startup Öklo macht „Urin-Bier“

Nachdem die Vorankündigung dazu vergangenes Jahr international Aufsehen erregt hatte, setzte Öklo sein "Urin-Bier" nun mit der Brauerei Erzbräu um. Die Marketing-Aktion mit gerade einmal 2.500 Flaschen soll vor allem auf das Thema Wasserverschwendung aufmerksam machen.
/artikel/golden-shower-wolkersdorfer-komposttoiletten-startup-oeklo-macht-urin-bier
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Emmi AI-Exit: Das sind die Reaktionen der Szene – „An ein starkes Europa glauben“