06.11.2020

Elon Musk in Berlin: So geht Chef

Tesla-Chef Elon Musk flog nach Berlin, um dort persönlich Vorstellungsgespräche zu führen. Er macht vor, wie man die besten Leute bekommt.
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Elon Musk Tesla - Aktien-Anlage-Tipp
(c) Steve Jurvetson / commons.wikimedia.org: Tesla-Gründer Elon Musk

Man stelle sich vor, man bewirbt sich in Deutschland für einen Job bei Tesla, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen und knapp davor stellt sich heraus: Elon Musk wird persönlich dabei sein. So ging es gestern einigen Bewerbern. Der Chef war überraschend mit dem Privatjet angereist, um die Gespräche mit den Technikerinnen und Technikern selbst zu führen.

Bei denen hat das zwar sicher für reichlich zusätzliche Nervosität gesorgt. Doch ohne Zweifel ist auch die Message bei ihnen angekommen: Sie sind nicht austauschbare Nummern, die nur anhand ihres Lebenslaufs ausgewählt werden, sondern Top-Experten, bei denen der Chef selbst ein Wörtchen mitreden will. Sie haben im Unternehmen, wenn sie genommen werden, eine sehr hohe Priorität.

HR richtig gemacht – ohne Ratgeberbuch

Die Anreise von Elon Musk in Berlin ist – obwohl man sich natürlich in Zeiten von Klima- und Coronakrise gut über einige Aspekte davon streiten kann – die Umsetzung einiger HR-Weisheiten, die sonst nur allzu oft leere Worthülsen bleiben. Es ist der vielzitierte wertschätzende Umgang. Es ist die perfekte Umsetzung eines „moment that matters“ aus der neuen Lehre der Employee Experience. Und es ist deshalb so überzeugend, weil es der Tesla-Chef es (zumindest allem Anschein nach) nicht macht, weil es ihm um Employer Branding oder sonst irgendeine Marketing-Strategie geht, oder weil es in einem HR-Ratgeberbuch steht. Er fliegt extra nach Berlin, weil er wirklich die geeignetsten Köpfe für sein Unternehmen haben will. Dabei ist der Tesla-Chef für seinen fordernden Fragen an Bewerber bekannt.

Dass ihm das regelmäßig gelingt, stellt Elon Musk eindrücklich unter Beweis. Der Tech-Visionär wird häufig für die technologischen Errungenschaften seiner inzwischen zahlreichen Unternehmen gefeiert. Tatsächlich baut er überlegene Elektroautos, fliegt die NASA ins All, vernetzt Gehirne und Computer und so vieles mehr, weil er in all diesen Bereichen die besten Leute gefunden und angestellt hat. Und diese bleiben lange genug, um Nägel mit Köpfen zu machen.

Fachkräfte wollen händeringend zu Elon Musk

Um zu sehen, dass das alles andere als selbstverständlich ist, muss man nicht weit in die Ferne blicken. Welcher Chef eines österreichischen Großunternehmens – die allesamt kleiner als Tesla sind – führt persönlich Vorstellungsgespräche mit Technikerinnen und Technikern? Aber alle suchen angeblich „händeringend“ nach Fachkräften. Wenn dagegen Elon Musks Unternehmen Stellen ausschreiben, ringen die Fachkräfte um diese. So geht Chef.

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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AI Summaries

Elon Musk in Berlin: So geht Chef

  • Man stelle sich vor, man bewirbt sich in Deutschland für einen Job bei Tesla, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen und knapp davor stellt sich heraus: Elon Musk wird persönlich dabei sein.
  • Der Chef war überraschend mit dem Privatjet angereist, um die Gespräche mit den Technikerinnen und Technikern selbst zu führen.
  • Das ist deshalb so überzeugend, weil es der Tesla-Chef es nicht macht, weil es ihm um Employer Branding oder sonst irgendeine Marketing-Strategie geht, oder weil es in einem HR-Ratgeberbuch steht.
  • Dass es ihm regelmäßig gelingt, die besten Leute zu finden, stellt Elon Musk eindrücklich unter Beweis.
  • Wenn Elon Musks Unternehmen Stellen ausschreiben, ringen die Fachkräfte um diese.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

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  • Wenn Elon Musks Unternehmen Stellen ausschreiben, ringen die Fachkräfte um diese.

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