26.06.2025
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ElephantSkin: Salzburger Scaleup kooperiert mit globaler ACCOR Hotelgruppe

Das Salzburger Greentech-Scaleup ElephantSkin setzt einen weiteren Wachstumsschritt: Es verkündet eine Kooperation mit der globalen ACCOR Hotelgruppe. Damit will man in Nahost und Afrika Hygiene- und Tourismusstandards heben.
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Raphael Reifeltshammer (CEO) und Mario Greis (General Manager) | Foto: ElephantSkin

Die Pizzakette Domino’s und Luxushotels in Abu Dhabi haben zumindest eines sicher gemeinsam: Die Handschuhe von ElephantSkin. Damit setzen sie länderübergreifend ein Zeichen für Nachhaltigkeit. Die Handschuhe, die rund um Gründer Raphael Reifeltshammer entwickelt wurden, sind nämlich wiederverwendbar, nachhaltig und „neu patentiert hygienisch“.

Eingesetzt werden sie vorwiegend im Hotel- und Gastgewerbe. So unter anderem in einer der größten Hospitality-Gruppen im Nahen Osten – den Abu Dhabi National Hotels (ADNH). Seit November 2024 ziert der ElephantSkin-Handschuh dort die Arbeit des Personals.

Die Pizzakette Domino’s war schon zwei Monate zuvor an Bord: Seit September des Vorjahres sind die Mehrweghandschuhe unter ihrem Namen „WETnDRY“ in Domino’s Filialen auf der ganzen Welt im Einsatz. Auch in der Marriott-Hotel-Kette finden die Mehrweghandschuhe Anwendung. Und: Im Lebensmittel-Einzelhandel gibt es ElephantSkin in der Supermarktkette Lidl.

ElephantSkin nun bei ACCOR Hotels im Einsatz

Nun findet sich ein neuer Kunde mit über 5.600 Hotels im Schlepptau im Portfolio des Scaleups: Laut Pressemeldung geht die ACCOR Gruppe eine neue Zusammenarbeit mit ElephantSkin ein. Die Gruppe soll die Mehrzweckhandschuhe nun an ihren Standorten vorwiegend in Nahost und Afrika einsetzen. Die „antivirale und antibakterielle Technologie“ der Handschuhe soll dabei effektiv gegen Kreuzkontamination wirken. Der Handschuh sei außerdem dreischichtig und atmungsaktiv, heißt es per Aussendung.

Hygiene-Transformation in Nahost und Afrika

ElephantSkin zufolge sei die Partnerschaft ein erster Schritt „auf das Konzept der gesamten Nahost- und Afrika-Region“. Dort wolle man „neue Standards in verantwortungsvoller Entwicklung und Nachhaltigkeit“ setzen. Dabei orientiert man sich an globalen Standards, „einschließlich der GRI-Standards (Anm.: Global Reporting Initiative Standards sind ein weltweit anerkannter Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung), der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung und der regionalen Vision 2030, mit dem Ziel, neue Maßstäbe in der regenerativen Tourismusentwicklung zu setzen“.

99 Prozent weniger Abfälle

Nach Angaben des Startups sei der Handschuh von ElephantSkin atmungsaktiv und über einen langen Zeitraum waschbar. Dies soll die Verwendung von Plastikhandschuhen in den Zielbranchen eliminieren.

Dies sei nicht nur aus einem Grund sinnvoll, meint das Scaleup. Die Mehrzweckhandschuhe sollen die Durchschnittskosten und -Plastikhandschuhabfälle von Hotels um 99 Prozent und den CO2-Fußabdruck um 97 Prozent reduzieren können.

„Einnahmen im Nahen Osten werden wachsen“

Mario Greis, General Manager von ElephantSkin, äußert sich zur neuen Partnerschaft wie folgt: „Unsere Partnerschaft markiert einen entscheidenden Moment in unserem Engagement zur Förderung größerer Nachhaltigkeit im Hotel- & Gastgewerbebereich durch die Bewältigung von Plastikmüll. Auch die Einnahmen unseres Unternehmens im Nahen Osten werden in den kommenden Monaten wachsen.“ Damit verweist Greis auf den durch die Kooperation gestärkten Marktfokus des Scaleups im Nahen Osten.

Die ACCOR Gruppe betreibt aktuell über 5.600 Hotels in über 110 Ländern. Das Portfolio umfasst über 45 verschiedene Marken, darunter Luxushotels wie Sofitel und Fairmont, Midscale wie Novotel und Mercure und Economy wie ibis.

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Andreas Blumauer, bislang CEO von Semantic Web Company und nun SVP Growth bei Graphwise | (c) Graphwise
Andreas Blumauer | (c) Graphwise

Im Oktober 2024 fusionierte das Wiener Unternehmen Semantic Web Company (2004 von Andreas Blumauer und Martin Kaltenböck gegründet) mit Ontotext aus dem bulgarischen Sofia und wurde zu Graphwise. Blumauer, bis dato CEO von Semantic, wurde SVP Growth, Atanas Kiryakov, davor CEO von Ontotext, wurde Präsident. Details zum Deal wurden damals nicht genannt – brutkasten berichtete.

Nun hat das britische Private-Equity-Haus Oakley Capital die Mehrheit an Graphwise übernommen. Auch hier wurden die Höhe der Summe und der verkauften Anteile nicht aktiv kommuniziert, Gründer Blumauer erklärte dem brutkasten jedoch, dass man sich nun weltweit gesehen in den Top 3 – was die Evaluation von KI-Infrastrukturunternehmen betrifft – befände.

Graphwise: Ein Meilenstein in Bulgariens IT-Historie

„Durch den Merger hat die Firma eine besondere Konstellation mit Standorten bzw. Strukturen in Wien, Sofia und den USA geschaffen“, sagt Blumauer. „Die Bewertung basiert wesentlich auf dem ARR. Das heurige Jahr ist dabei zäher als die Jahre zuvor, dennoch ist es uns gelungen, uns im Markt zu behaupten und einen Multiple über dem 2026er Marktdurchschnitt zu erzielen. Daher liegt die Bewertung im neunstelligen Bereich und ist damit signifikant. Für Bulgarien bedeutet das sogar, dass es sich nun um die dritthöchste Bewertung eines IT-Unternehmens in der Geschichte des Landes handelt.“

Auf die Frage, wie es zu diesem Deal kam, war für Blumauer die Marktdynamik ganz entscheidend. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich KI in Unternehmen zunehmend langsam in den operativen Einsatz entwickelt. Es gibt zwar immer wieder pointierte Erfolgsmeldungen, gleichzeitig besteht weiterhin Unsicherheit darüber, welche LLM-Ansätze sich tatsächlich durchsetzen werden. Gerade bei Multi-Agentic- und autonomen Systemen ist ein breiter Roll-out noch meilenweit entfernt“, erklärt er.

Kontakt über Messen in London

Umso wichtiger seien deswegen Referenzkunden, bei denen sich anhand konkreter Anwendungen demonstrieren lässt, wie KI vertrauenswürdiger und in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden kann. „Das lässt sich auch mit Company Rules verknüpfen: Ein wesentlicher Teil der Story ist die Frage, wie KI in Unternehmen kontrolliert und gleichzeitig hochskalierbar ausgerollt werden kann“, führt er aus. „Das hat auch Oakley erkannt und verstanden. Über Messen in London kam der Kontakt zustande, woraufhin unser Business genauer analysiert und das Potenzial erkannt wurde. Begleitet wurde die Entwicklung unter anderem von Deloitte, EY und Bain, die bestätigen konnten, dass Graphwise eine zentrale Rolle in diesem Umfeld spielen kann.“

Heute wird die Graphwise-Technologie von Banken und großen Pharmakonzernen in Europa eingesetzt, darunter beispielsweise Roche und weitere prominente Unternehmen in Österreich, die nicht genannt werden wollen: „Gleichzeitig gibt es gute Statements und Bewertungen aus dem Markt“, führt Blumauer weiter aus. „Mit der Entwicklung der Sprachmodelle und insbesondere GraphRAG (Anm.: Retrieval-Augmented Generation mit Graphen) stehen nach dem Merger sehr zentrale Komponenten zur Verfügung, um die nächste Entwicklungsstufe von KI in Unternehmen abzubilden. Das zeigt sich auch in unseren operativen Kennzahlen: Der ARR wächst organisch um rund 30 Prozent, bei inzwischen mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Damit verfügen wir über eine relevante Kundenbasis und konkrete Referenzen, die die technologische Positionierung und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells untermauern.“

Gründer bleiben im Management

Für den Founder ist der neue Eigentümer ein Investor mit einem langfristigen und klar auf Wertschöpfung ausgerichteten Ansatz: „Oakley, mit Gründer Peter Dubens, hat unter anderem in die Sigmund Freud Privat-Universität investiert und Dubens selbst war mehrfacher Startup-Gründer. Er hat sich immer wieder gefragt, warum sich klassische VCs teilweise so wenig mit den Gründern selbst auseinandersetzen. Für ihn geht es letztlich darum, Ideen zur Welt zu bringen und Unternehmen langfristig aufzubauen. Martin Kaltenböck und ich verstehen uns weiterhin klar als Gründer. Wir sind nach wie vor im Management-Board aktiv und bringen damit unsere Erfahrung und unsere ursprüngliche Gründerperspektive weiterhin unmittelbar in die Entwicklung des Unternehmens ein. Das ist ausdrücklich so gewünscht und Teil der langfristigen Konstellation.“

Oakley baut auf Graphwise auf

„Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Oakley hat eine herausragende Erfolgsbilanz darin, gründergeführte Software-Unternehmen zu Unicorns zu machen. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Plattform aufzutreten und Unternehmen dabei zu unterstützen, souveräne und vertrauenswürdige KI in großem Maßstab zu implementieren“, sagt Kiryakov.

KI-Souveränität im Fokus

In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend unabhängig von einzelnen großen Tech-Plattformen agieren wollen, gewinnt das Thema „KI-Souveränität“ an Bedeutung. Der Einstieg von Oakley als paneuropäischer Investor sei deswegen ein starkes Signal für den europäischen Technologie-Standort und stärke die Rolle von Graphwise als unabhängige KI-Plattform.

„Der Wert von Künstlicher Intelligenz hängt direkt von der Qualität und Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten ab. Large Language Models (LLMs) sind extrem leistungsfähig bei der Sprachverarbeitung, haben aber entscheidende Schwächen: Sie neigen zu faktischen Fehlern („Halluzinationen“) und können oft nicht nachvollziehbar erklären, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind“, liest man in der Aussendung.

Graphwise mit Rückgrat

Graphwise löst dieses Problem durch den Aufbau eines sogenannten „Semantic Backbone“ (semantisches Rückgrat) in Form eines Knowledge Graphs. Diese Wissensgraphen verknüpfen isolierte Unternehmensdaten, geben ihnen Kontext und stellen großen KI-Modellen eine Faktenbasis zur Verfügung. Das Ergebnis: Die KI soll nicht mehr halluzinieren, Ergebnisse würden revisionssicher und die Token-Kosten drastisch sinken, so der Claim. Dies sei besonders in regulierten und datenintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen (Life Sciences) und im öffentlichen Sektor unverzichtbar.

Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital, dazu: „KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je.“

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