01.02.2017

Einstellung und Haltung bestimmen den Erfolg als Gründer

Vom Manager Zum Unternehmer. Wolfgang Bretschko gibt in dieser Serie für den Brutkasten Foundern Tipps für den Erfolg. Teil 1: Warum du an deiner Einstellung und Haltung täglich arbeiten solltest und alles andere sich daraus ergibt.
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(c) fotolia.com - Robert Kneschke

Geht es dir auch manchmal so: Du liest einen inspirierenden Blogbeitrag oder Zeitungsartikel über einen Gründer, der sich von seinem Managementjob verabschiedet hat, und nun erfolgreich sein eigenes Unternehmen führt. Dann fragst du dich: Kann ich das auch? Worauf kommt es beim Gründen an? Was brauche ich dafür?

Die Frage „Kann ich das auch?“, lässt sich einfach und pragmatisch beantworten:

Ja, wenn du es willst, wirst du es schaffen!

Die Antwort auf die Frage „Was brauche ich dafür?“ lässt sich ebenso kurz und prägnant zusammenfassen:

  1. Die passende Einstellung und die Fähigkeit sowie den Willen, an deiner Einstellung und deinen inneren Bildern zu arbeiten.
  2. Eine Gründungsidee und einen Plan, was und womit du dich selbständig machen möchtest und dein Unternehmen gründen möchtest.
  3. Effizienz im täglichen Tun, die auf deinen Stärken aufbaut, damit du täglich Freude an der Umsetzung hast.

Um diese drei Aspekte wird es in diesem und den nächsten beiden Artikeln gehen.

Im Durchschnitt verbringen wir im Leben 90.000 Stunden mit unserer Arbeit. Wir alle streben danach, diese Stunden mit Tätigkeiten zu verbringen, die Sinn machen und erfüllend sind. Und dennoch kommt es sehr oft vor, dass die Arbeit in großen Organisationen diesen Anforderungen immer weniger gerecht wird.

Für immer mehr Menschen ist der Weg in die Selbständigkeit, der Aufbau eines eigenen Unternehmens, eine Option, die sie in Erwägung ziehen. Vom Manager oder einer Managerin zum Unternehmer oder zur Unternehmerin zu werden, ist heute für viel eine Alternative, die immer öfter am Horizont auftaucht. Meistens, wenn die frustrierenden Momente im eigenen Job überwiegen oder eine interessante Gründungsidee aufpoppt. Manchmal auch, wenn ein Gespräch mit einem Freund, der es geschafft hat, für die notwendige Energie sorgt, diesen Schritt doch auch zu wagen und die eigene Komfortzone zu verlassen.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Ich habe diesen Weg vor drei Jahren eingeschlagen, als ich mich entschlossen habe, meinen Managementjob nach mehr als 20 Jahren aufzugeben. Worauf man sich dabei einläßt, veranschaulicht eine Statement von Rahim Taghizadegan, das ich in einem Interview in der Tageszeitung Die Presse (4. Dezember 2016) gelesen habe:

„Jeder Unternehmer muss einmal beginnen. Und da ist er noch nicht angesehen, erfolgreich und vermögend, sondern, in aller Regel, ein absoluter Spinner.“

Was braucht es um, diese Anfangsphase gut bewältigen zu können? Eine der bekanntesten Aussagen von Bill Clinton ist ein Ausspruch, den er in einem seiner Wahlkämpfe verwendet hat: “It’s the economy, stupid”. Umgelegt auf das Thema Gründen: „It’s your mindset, stupid“ – auf deine Einstellungen und Haltung kommt es an! Unsere Einstellungen und Gedanken prägen unsere Entscheidungen und unsere Handlungen.

Wer für ein größeres Unternehmen arbeitet, weiß, dass man auch einmal schlecht drauf sein kann und das Schiff fährt trotzdem weiter. Wenn du dein eigenes Unternehmen gründest und dich selbständig machst, kommt es auf dich an. Du bist derjenige, der die Entscheidungen trifft, der sie umsetzt und der die Verantwortung trägt. Erfolg und Misserfolg sind viel unmittelbarer spürbar.

Insbesondere zu Beginn, solange du noch in der Aufbauphase bist, prägen deine mentalen Bilder deinen Weg. Du hast ein Bild davon im Kopf, wohin es geht. Die Gründung ist in aller Regel dein Baby und das ist gut so.

Reicht eine optimistische Grundeinstellung schon, um erfolgreich zu sein? Nein, aber ohne geht es gar nicht. Je weiter du dich von deinem bisherigen Job weg bewegst, umso größer ist die Umstellung und umso wichtiger ist eine positive Grundeinstellung.

Ich selbst dachte, ich habe 20 Jahre Managementerfahrung, ich kann Mitarbeiter führen, verhandeln, managen, überzeugen. Ich stellte fest, dass ich das zwar alles kann, und ich trotzdem noch vieles lernen kann. Teilweise sind auch andere Fähigkeiten und Einstellungen gefordert. Erfahrung ist gut und wichtig, aber manchmal kann sie auch hinderlich sein. Sehr passend finde ich eine Aussage von Annemarie Jost:

„Sich in eine neue Zukunt zu entwerfen, bedeutet, lernen zu können und Gelerntes wieder in Frage zu stellen.“

Tägliches Training verhilft zu einer positiven Grundeinstellung

Das Erfreuliche ist, dass man an einer positiven Grundeinstellung aktiv arbeiten kann. Unser Hirn ist ein Muskel, den man täglich trainieren kann. Eine positive Grundeinstellung ist eine Fähigkeit, die erlernbar ist, wir sind nicht der Sklave unserer Gedanken und Einstellungen. Wie du dir diese Fähigkeit erarbeiten kannst, beschreibt Barbara Fredrickson in ihrem Buch „Die Macht der guten Gefühle“. Sie untermauert ihre Thesen mit zahlreiche wissenschaftlichen Belegen. Wer über eine positive Grundhaltung verfügt, ist optimistischer, offener und kreativer und kann auf mehr psychologische und mentale Stärke zurückgreifen. Fähigkeiten, die jeder braucht, wenn er ein Unternehmen gründen möchte und Neues erschaffen möchte.

Wenn außer der Idee und dem Konzept noch wenig da ist, hilft eine positive Grundeinstellung, die notwendige Überzeugungsarbeit zu leisten, die gerade zu Beginn wichtig ist. Mit einer positiven Grundeinstellung wird dir das besser gelingen und leichter fallen und du wirst mit dieser positiven Grundeinstellung dein Umfeld inspirieren und motivieren.

Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit

Eine positive Grundeinstellung fördert auch das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit. Entscheidungen treffen und diese dann in die Tat umsetzen, gehört zu den wesentlichen Aufgaben, wenn du als Unternehmer erfolgreich sein willst. Dafür braucht es eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Es motiviert ungemein, wenn man sieht und spürt, dass das, was man sich erdacht und umgesetzt hat, funktioniert.

Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit ein paar persönlichen Lernerfahrungen:

Learning #1: Management und Unternehmertum ist nicht das Gleiche.
Was dich als Manager erfolgreich gemacht hat, muss dich nicht notwendigerweise als Unternehmer erfolgreich machen. Also sei offen für Neues und sei bereit, deine Einstellungen und Erfolgsmuster über Bord zu werfen, um dich frei für das Neue zu machen.

Learning #2: Eine positive Grundeinstellung ist Gold wert.
Du kannst deine Einstellungen bewußt ändern, dein Hirn ist viel flexibler als du glaubst und immer bereit, Neues zu lernen.

Learning #3: Eine positive Grundeinstellung fördert das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit und kann täglich trainiert werden.
Entscheidungen treffen und umsetzen, baut darauf auf.


Wolfgang Bretschko ist Unternehmer, Business Angel, Mentor und Berater mit über 20 Jahren Erfahrung im (Konzern-) Management. Unter anderem war er bis 2013 Vorstandssprecher der Styria Media Group. Mit dem COCOQUADRAT gründete er das erste Coworkcafé in Wien.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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