18.05.2026
MILESTONE

Eine Dekade Fleisch-Teilung: Grazer Plattform nahgenuss feiert 10-jähriges Jubiläum

Was vor zehn Jahren als Experiment in der bäuerlichen Direktvermarktung begann, ist heute ein österreichweites Netzwerk aus Höfen und bewussten Konsument:innen: Die Plattform nahgenuss vermittelt Fleisch, Fisch und Wild direkt von Produzent:innen an Haushalte. Zum Jubiläum ziehen die Gründer eine Bilanz über verändertes Konsumverhalten und über neue Anforderungen an Direktvermarktung.
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nahgenuss, Spannferkel, Rind
© Lukas Sauseng - Micha Brandtner (li.) und Lukas (re.) Beiglböck von nahgenuss.at.

Als Micha Brandtner und sein Bruder Lukas Beiglböck im Mai 2016 ihre Plattform nahgenuss starteten, war die Idee einfach und zugleich ungewöhnlich: Vier Haushalte teilen sich über das Internet ein ganzes Schwein, der Hof verkauft direkt, und ein großer Teil der Wertschöpfung bleibt dort, wo das Tier aufgewachsen ist. Dann kamen nach und nach weitere Fleischarten dazu – Rind, Lamm, Geflügel, Wild und Fisch.

nahgenuss: „Am Anfang Mitleid“

Heute – zehn Jahre später – stehen bei nahgenuss vor allem Mischpakete im Mittelpunkt: nicht einzelne Edelteile, sondern vielfältige Pakete, die eine bewusstere und möglichst vollständige Verwertung des Tieres ermöglichen, heißt es per Aussendung.

„Am Anfang sind wir zu vielen Höfen mehrmals hingefahren, bis ein paar aus Mitleid mitgemacht haben“, erinnert sich Brandtner. „Die Vorstellung, dass sich mehrere Menschen über das Internet ein Tier teilen, war damals für viele ungewohnt. Manche waren skeptisch, ob Kundinnen und Kunden wirklich bereit sind, ein Mischpaket auf Vorrat zu kaufen – also nicht nur Filet und Schnitzel, sondern auch Braten, Gulasch oder Suppenfleisch.“

Heute gehört dieses Prinzip zum Selbstverständnis der Plattform: Fleisch wieder als etwas Besonderes zu begreifen und ein Tier möglichst vollständig zu verwerten.

„Viele dieser Rassen hätten ohne Direktvermarktung kaum eine Chance“

Über nahgenuss verkaufen aktuell kleine und mittlere Höfe aus allen neun Bundesländern. Neben klassischen Rinder- und Schweinebauern finden sich Höfe mit seltenen Rassen wie Mangalitza, Turopolje, Schottischem Hochlandrind, Krainer Steinschaf oder Wasserbüffel. Dazu kommen Fischwirte, Wildbetriebe und Geflügelhalter.

„Viele dieser Rassen hätten ohne Direktvermarktung kaum eine Chance“, sagt Brandtner. „Sie sind zu langsam, zu teuer, zu eigen für den Supermarkt. Bei uns finden sie Menschen, die genau das suchen: Herkunft, Geschmack und ein Stück Handwerk.“

Von 37.000 auf über 800.000 Euro Warenwert

Seit dem Start wurden über nahgenuss insgesamt mehr als sechs Millionen Euro Warenwert abgewickelt: Im ersten Jahr 2016 waren es rund 37.000 Euro. Drei Jahre später lag der Jahreswert bei rund 468.000 Euro. Im Corona-Ausnahmejahr 2020 überschritt die Online-Plattform erstmals die Millionengrenze. Danach pendelte man sich auf einem stabileren Niveau ein: 2025 lag der Warenwert bei rund 823.000 Euro.

„Während der Pandemie wurde zu Hause wieder deutlich mehr gekocht, und viele Menschen wollten genauer wissen, woher ihr Essen kommt“, erklärt Brandtner. „Diese besondere Phase war sicher ein Ausnahmezustand. Danach hat sich die Nachfrage wieder normalisiert, aber sie entwickelt sich auch heute weiter positiv. Geblieben ist eine wachsende Gruppe von Kundinnen und Kunden, denen Herkunft, Tierhaltung und handwerkliche Verarbeitung wirklich wichtig sind.“

Das Grundprinzip von nahgenuss ist seit dem ersten Tag ähnlich geblieben: Im Mittelpunkt stehen Mischpakete statt Einzelteile. Ein Tier soll möglichst vollständig verwertet werden – nicht nur die beliebtesten Stücke, so die Founder. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das, wieder mehr mit dem ganzen Tier zu kochen: Braten, Gulasch, Faschiertes, Suppenfleisch, Steaks, Innereien oder besondere Teilstücke, je nach Hof und Angebot.

„Unsere Kundinnen und Kunden essen oft weniger Fleisch als der Durchschnitt, aber sie essen es bewusster“, präzisiert Brandtner. „Sie kennen den Namen des Bauern. Sie wissen, wo das Tier aufgewachsen ist. Und sie kochen auch wieder ein Stück aus dem Bug, nicht nur Filet.“

Der durchschnittliche Bestellwert liegt heutzutage, wie die Gründer mitteilen, bei rund 143 Euro. Viele Kundinnen und Kunden würden größere Pakete bestellen, portionsweise einfrieren und über mehrere Wochen oder Monate davon kochen – ein zehn-Kilo-Paket reiche einem Vierpersonenhaushalt etwa drei Monate, wenn einmal pro Woche Fleisch auf den Tisch kommt.

nahgenuss-Founder: „Direktvermarktung viel Arbeit“

Die vergangenen zehn Jahre hätten vor allem die Online-Direktvermarktung in Österreich verändert, so die Founder. Was 2016 noch als Nische galt, sei heute für viele Haushalte eine gelernte Einkaufsform. Gleichzeitig wurde der Markt anspruchsvoller: Kundinnen und Kunden würden heute einfache Bestellung, verlässliche Lieferung, gute Verpackung und klare Kommunikation erwarten. Für viele Höfe sei das allein schwer zu stemmen.

„Direktvermarktung klingt romantisch, ist aber viel Arbeit“, sagt Brandtner. „Ein Hof muss Tiere versorgen, schlachten lassen, zerlegen, verpacken, kühlen, ausliefern, Rechnungen schreiben und nebenbei noch Kundenfragen beantworten. Unsere Aufgabe ist es, diese Arbeit sichtbarer und einfacher zu machen – ohne den Hof aus der Mitte zu nehmen.“

Brücke

Gerade darin sieht Brandtner auch nach zehn Jahren die wichtigste Aufgabe von nahgenuss: Die Plattform soll keine anonyme Fleischmarke sein, sondern „eine Brücke zwischen bäuerlichen Betrieben und Menschen, die genauer wissen wollen, was sie essen“.

„Wir bleiben eine Plattform, die Höfe und Haushalte zusammenbringt“, sagt Brandtner zu den nächsten Plänen. „Gleichzeitig wollen wir unser Service für Landwirtinnen und Landwirte weiter ausbauen. Direktvermarktung soll einfacher werden, vor allem dort, wo heute noch viel Zeit verloren geht: bei Papierarbeit, Bestellabwicklung, Rechnungen, Kommunikation oder organisatorischen Abläufen. Vieles davon lässt sich sinnvoll automatisieren, ohne dass der persönliche Kontakt zwischen Hof und Kundinnen und Kunden verloren geht.“

Für den Gründer ist das Jubiläum deshalb weniger ein Abschluss als ein Zwischenstand. „Zehn Jahre sind in der Landwirtschaft keine lange Zeit. Aber für eine Online-Plattform sind sie schon einiges. Wir sind noch da, viele unserer ersten Grundideen auch. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz.“

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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