10.02.2017

„Eine eigene Flotte ist für mich der Coolness-Faktor“

Gründer gibt es auch in der „Old Economy“: Markus Fischer, Chef der Mineralöl-Transportfirma MB Petro-Logistics hat sich für eine kapitalintensive, margenschwache und streng reglementierte Branche entschieden – und würde das jederzeit wieder tun, auch wenn der Weg von der Idee bis zum ersten LKW „lang und mühsam“ ist.
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(c) Sebastian Freiler: Markus Fischer spricht im Interview übere seine Gründungserfahrungen.

Für die meisten Gründer ist der Coolness-Faktor wichtig. Die Güterbeförderungsbranche gilt aber nicht gerade als cool und sexy. War für Sie Coolness gar nicht wichtig?

Das würde ich so nicht sagen. Auch das Güterbeförderungsgewerbe hat seine Reize, immerhin versorgen wir die Gesellschaft und halten die Wirtschaft am Laufen. Tonnen von Gütern zu bewegen und den Ablauf zu koordinieren, ist schon etwas Faszinierendes. Für mich persönlich ist es dabei immer wieder ein Highlight, wenn ich den eigenen LKWs auf den Straßen begegne. Der Gedanke, dass überall quer durch Europa LKWs mit meinem Firmennamen unterwegs sind, ist schon sehr beflügelnd. Eine eigene Flotte, darin besteht für mich der Coolness-Faktor.

Ganz allein schaffen es Gründer im Regelfall nur selten. Welche Hilfestellungen hatten Sie?

Zum einen werden über das WIFI Kurse angeboten, die einen sehr gut auf die Konzessionsprüfung vorbereiten. Zum anderen hilft die Fachgruppe bei Anfragen jeder Art und liefert mir wichtige Informationen rund ums Gewerbe. Alles in allem ist sie eine Top-Serviceeinrichtung. Gerade in einem Gewerbe wie unserem, in dem es doch viele Hürden und Herausforderungen gibt, ist dieser Service viel wert.

In der New Economy kann man mit wenig Geld, einer kleinen Mannschaft, wenig Vorwissen und von zu Hause aus ein Unternehmen gründen. Wie sind die Anforderungen in Ihrer Branche bezüglich Kapital, Knowhow und Infrastruktur?

Ohne großes Kapital läuft hier leider nicht viel. Für den ersten LKW müssen mindestens 9.000 Euro und für jeden weiteren 5.000 Euro Eigenkapital aufgebracht werden. Hinzu kommen die effektiven Anschaffungskosten wie zum Beispiel eine Sattelzugmaschine, die sich zwischen 75.000 und 100.000 Euro bewegt. Zudem muss zuvor die komplette Infrastruktur geschaffen werden, wie Abstellplätze und so weiter. Eine schnelle Gründung in der Garage gibt es nicht. Es ist viel Zeit und Geld, sowie eine gute Planung notwendig. Und natürlich das entsprechende Knowhow, das man im Zuge der Konzessionsprüfung erlangt.

Klassische Kreditinstitute sind bei Neugründungen generell etwas vorsichtig. Wie haben Sie ihr Unternehmen finanziert?

Der Großteil der Anschaffungen in der Transportbranche wird fremdfinanziert, anders wäre es auch kaum möglich. Die Kosten für einen Tanksattelzug, also Zugmaschine und Sattel, belaufen sich schon auf rund 250.000 Euro. Einen ganzen Fuhrpark komplett durch Eigenmittel zu finanzieren ist kaum möglich. Daher ist es besonders wichtig, sich zuvor einen durchdachten Business- und Finanzierungsplan zu Recht zu legen.

Viele neu gegründete Unternehmen scheitern nach zwei bis drei Jahren. Haben Sie sich Sorgen gemacht, dass es Ihnen auch so ergehen könnte?

Ein Risiko besteht als Unternehmer natürlich immer, keine Frage. Aber durch hohe Qualität sowie Zuverlässigkeit und dem daraus resultierenden Vertrauen der Kunden und Auftraggeber ist ein langfristiges Bestehen möglich. Wichtig ist, dass man sich auf keinen Preiskampf einlässt. Vor allem mit Transporteuren aus dem Ausland, welche aufgrund der geringen Lohnnebenkosten und zum Teil auch illegalen Kabotagefahrten einen sehr niedrigen Preis anbieten, kann man nicht mithalten, ohne dabei auf die Qualität zu verzichten. Daher strebe ich langfristige Partnerschaften mit Kunden an, die Qualität und Zuverlässigkeit schätzen.

In der New Economy sind Gewinnmargen sehr hoch, auch werden viele Unternehmen rasch weiter verkauft, es gibt schnell einen Exit. Wollen Sie Ihr Unternehmen langfristig behalten oder würden Sie es auch verkaufen?

Im Transportgewerbe sind die Gewinnmargen eher gering und die Risiken dazu sehr hoch. Anders als oft im IT-Startup-Bereich werden Transportunternehmen daher nicht gegründet, um gewinnbringend verkauft zu werden. Schnelle Exits und Übernahmen von heute auf morgen gibt es kaum. Ich glaube, ich kann für den Großteil der heimischen Transporteure sprechen, wenn ich sage, dass wir in dieser Hinsicht klassische Unternehmer sind. Wir hängen mit Leib und Seele an unserem Unternehmen und planen daher langfristig und nachhaltig. Ein Verkauf kommt für mich nicht in Frage.

Redaktionstipps

Ist die Digitalisierung auch in der Güterbeförderung bereits ein Thema? Wie wird das die Arbeitswelten in der Güterbeförderungsbranche verändern? Wird es z. B. überhaupt noch Fahrer brauchen oder wird es nur mehr selbst fahrende Lkw geben, die über Apps kontrolliert werden?

Die Digitalisierung findet in unserem Gewerbe schon längst statt und ist daher natürlich ein Thema. Alle Aufträge werden bei uns bereits elektronisch abgewickelt und an das jeweilige Fahrpersonal übermittelt. Jeder LKW ist dafür mit einem eigenen Tablet ausgestattet. Zusätzlich verwenden wir ausgereifte Telematik-Systeme, um laufend mit unserer Flotte in Kontakt zu sein und die Fahrten zu koordinieren. Die Digitalisierung bietet uns hier gute Chancen, um noch effizienter und qualitativ hochwertiger zu arbeiten. Selbstfahrende LKWs sind hier nur der nächste große Schritt, heißt aber nicht, dass wir dann kein Fahrpersonal mehr benötigen. Ein guter Fahrer ist nicht durch einen Computer ersetzbar, vielmehr soll die Technik als Unterstützung dienen.

Sie sind auch zusätzlich als Obmann-Stellvertreter in der Fachgruppe für das Güterbeförderungsgewerbe tätig. Wie kam es dazu, zusätzlich zum Unternehmen noch eine Funktion auszuüben?

Ich bin erst drei Jahre nach der Gründung in die Branchenvertretung eingetreten. Davor habe ich mich ausschließlich auf das eigene Unternehmen konzentriert. Aber mein Engagement für die Branche war schon immer gegeben und ich finde es auch wichtig, sich für die heimische Transportwirtschaft einzusetzen. Schließlich sitzen wir in ein und demselben Boot, denn die größte Konkurrenz stellt die bereits erwähnte illegale Kabotage von ausländischen Transportunternehmen dar. Hier kann man nur gemeinsam etwas erreichen.

Qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist schwierig und auch Neugründer klagen oft über den Mangel an guten Mitarbeitern. Wie gehen Sie mit diesem Thema um? Gibt es hier Initiativen vom Fachverband, die hilfreich sein können?

Der Mangel an qualifizierten und guten Arbeitskräften ist in unserem Gewerbe ein sehr großes Problem. Dementsprechend ist es auch besonders wichtig, sein bestehendes Personal zu halten und den Mitarbeitern viele Entfaltungs- sowie Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Bei mir im Unternehmen gibt es laufend Schulungen, wo sich alle Mitarbeiter proaktiv einbringen. Das wirkt sich äußerst positiv auf das Arbeitsklima aus und hebt das Qualitätsniveau. Neues Personal zu finden ist jedoch schwierig, wohl auch weil der Beruf nicht das beste Image hat. Dabei ist es ein verhältnismäßig sicherer Job mit einer angemessenen Bezahlung, wenn man die zahlreichen Diäten miteinrechnet.

Wie sehen Sie die Herausforderungen der Branche? Was sind die größten Hindernisse?

Die größte Herausforderung ist der Wettbewerb aus dem osteuropäischen Raum. Durch die geringen Lohn- und Lohnnebenkosten in diesen Ländern können die Transporteure Fahrten zu erheblich günstigeren Preisen anbieten. Immerhin machen Lohnkosten rund 40-50 Prozent der Transportkosten aus. Hinzu kommt, dass viele ausländische Transporteure illegale Kabotage betreiben, sprich nicht erlaubte Transportaufträge im Inland annehmen. Obwohl der öffentlichen Hand dadurch rund 500 Millionen Euro jährlich entgehen, gibt es kaum Bemühungen, diese illegalen Transporte wirkungsvoll zu unterbinden. Weitere Hindernisse sind die zum Teil lähmende Bürokratie und Auflagen sowie der bereits erwähnte Fahrermangel.

Warum haben Sie sich für den Standort Österreich entschieden? Ist es leicht oder schwer, in Österreich ein Unternehmen zu gründen?

Freie Gewerbe sind in Österreich schnell gegründet, für reglementierte Gewerbe ist der Aufwand schon wesentlich höher. Für mich, als Patriot und heimatverbunden Menschen, war und ist es aber selbstverständlich, im eigenen Land zu bleiben.

Zur Person: Markus Fischer ist Gründer und Geschäftsführer der MB Petro-Logistics GmbH. Das Unternehmen wurde im Jänner 2010 gegründet, beschäftigt 17 Mitarbieter und verfügt über 4 Standorte in Neunkirchen (NÖ), Linz-Hörsching (OÖ), Suben (OÖ) und Wörgl (T). Den Schwerpunkt legt Fischer auf Mineralöltransporte wie die Versorgung von Großtankstellen mit Diesel und Benzin sowie die Versorgung vieler Regionalflughäfen und Hubschrauberstützpunkte.

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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