01.09.2025
INVESTMENT

Econetix: Wiener Startup erweitert Seed-Runde auf 4,5 Mio. Euro

Die Seed-Finanzierungsrunde des Wiener ClimateTech-Startups erfolgte in mehreren Tranchen. Nun wurde der Abschluss verkündet.
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Das Econetix-Management-Team vlnr.: Martin Riegler, CSO, Jakob Zenz, CEO & Gründer, Paul Nimmerfall, COO & Mitgründer, Patrick Freier, CFO | Econetix
Das Econetix-Management-Team vlnr.: Martin Riegler, CSO, Jakob Zenz, CEO & Gründer, Paul Nimmerfall, COO & Mitgründer, Patrick Freier, CFO | Econetix

Es könnte „wahrscheinlich die wertvollste Asset-Klasse dieses Jahrhunderts“ werden, meinte Econetix-Co-Founder Paul Nimmerfall vor einigen Monaten gegenüber brutkasten. Die Rede ist von sogenannten „Carbon Assets“ bzw. „Carbon Credits“, allgemein auch als CO2-Zertifikate bekannt.

Der weltweite CO2-Zertifikate-Handel steht in der Kritik. Als Probleme werden etwa mangelnde Transparenz und Überprüfbarkeit gesehen. Genau dem will Econetix auf Nachfrage-Seite mit seiner KI-gestützten Monitoring-Lösung entgegenwirken, die „die Erstellung und Monetarisierung hochwertiger Carbon Credits im großen Maßstab“ ermöglichen soll.

„Unser Modell deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab“

Auf Angebots-Seite wiederum soll das System des Startups zur kosteneffizienten Finanzierung von Klimaschutz-Projekten, konkret in Schwellenländern, führen. Dazu betreibt Econetix neben Büros in Wien und Abu Dhabi (VAE) einen Standort in Kampala (Uganda). Dabei bedient es sowohl den freiwilligen Zertifikate-Markt als auch regulierte Märkte, die sich etwa durch die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ergeben.

„Unser Modell deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Projektentwicklung und -strukturierung über digitales Monitoring bis hin zur Monetarisierung von Credits. Gleichzeitig bereiten wir institutionelle Fondsstrukturen vor, um Investoren direkten Zugang zu geprüften, diversifizierten Carbon-Credit-Portfolios zu ermöglichen“, erläutert Patrick Freier, CFO von Econetix.

Seed-Finanzierungsrunde auf 4,5 Millionen Euro erweitert

Nun schloss das Startup seine Seed-Finanzierungsrunde ab. Diese erfolgte in mehreren Etappen – nach einer ersten Finanzierung in Millionenhöhe im Frühjahr 2024 berichtete brutkasten zuletzt im Februar über ein Investment von 1,1 Millionen Euro. Mit weiteren zwei Millionen Euro, die seitdem eingesammelt wurden, kommt die Seed-Finanzierung für Econetix nun insgesamt auf ein Volumen von 4,5 Millionen Euro.

„Die Runde wurde mehrheitlich von bestehenden Investoren unterstützt und durch ausgewählte neue Business Angels und Family Offices ergänzt, die sich der Mission des Unternehmens anschließen“, heißt es vom Startup. Zuvor waren untere anderem der Wiener Climate-VC Voltares und das Schweizer Family Office IGMJ Fin AG als Investoren genannt worden.

Mit dem Kapital werde man die Organisation rund um die Offices in Wien, Abu Dhabi und Kampala ausbauen und sich verstärkt auf die regulierten Compliance Märkte konzentrieren, heißt es vom Unternehmen. „Wir beweisen mit Econetix, dass auch in einem schwierigen Finanzierungsumfeld der marktwirtschaftliche Zugang zu Klimaschutz der sinnvollste Weg ist und freuen uns einen globalen Player aus Europa heraus aufzubauen“, kommentiert CEO und Gründer Jakob Zenz.

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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