24.08.2023

Gegen Vaginaltrockenheit: Berliner Startup entwickelt Intimpflege für Frauen

Mit seiner Pflegelinie möchte das Berliner Startup Millionen Frauen helfen, Intimtrockenheit zu überwinden.
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Foto: Dr. Vivian Karl
Foto: Dr. Vivian Karl

„Allein in Deutschland leiden 14 Millionen Frauen unter Intimtrockenheit“, sagt Julia Huhnholz. Die studierte Volkswirtin ist Mitgründerin von Dr. Vivian Karl, einem Startup aus Berlin, das Pflegeprodukte für den weiblichen Intimbereich entwickelt. Ein wenig beachtetes Thema, das nicht vernachlässigt werden sollte. „Die Frauen haben Schmerzen, es brennt, es juckt – egal ob sie sitzen, stehen oder gehen“, erläutert Huhnholz die Folgen von Vaginaltrockenheit.

Gründe für Intimtrockenheit sind vielfältig

Die Gründe dafür können vielfältig sein: zum Beispiel die Menopause, eine Geburt, die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder eine Krebstherapie. Die Idee für das Startup hatte Vivian Karl, Namesgeberin und promovierte Pharmazeutin. „Ich wollte meinen Kundinnen eine Intimpflege empfehlen, die meinen persönlichen Ansprüchen als Frau und Wissenschaftlerin genügt und habe deshalb angefangen, mein eigenes Produkt zu entwickeln“, sagt Karl.

Erstes Produkt gegen Vaginaltrockenheit ist die „Intimcreme 01“. Entwickelt wurde die Creme zur Befeuchtung und Pflege des Intimbereichs. Sie besteht hauptsächlich aus pflegendem und regenerierendem Mandelöl und feuchtigkeitsspendender Hyaluronsäure sowie Milchsäure. Das Produkt ist auf den sauren pH-Wert der Vulva von 3,8 bis 4,4 abgestimmt. Paraffine und Duftstoffen soll die Intimpflege nicht enthalten.

1,5 Million Euro Pre-Seed-Runde

Bei ihrer Mission, das intime Wohlbefinden von Frauen zu stärken, hat das Startup seit kurzem eine erfahrene Unterstützer:innen. So hat das Dr. Vivian Karl im Rahmen der Pre-Seed-Runde eine Finanzierung in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld kam unter anderem von Mirko Casper, Co-CEO des Online-Optikers Mr. Spex und Dieter von Holtzbrinck Ventures. Als Lead Investorin und Business Angel mit dabei ist seitdem Tina Müller an Bord, ehemalige CEO von der Kosmetikkette Douglas.

Vertrieben werden die Produkte zur Intimpflege aktuell über den Onlinestore des Startups und in Deutschland auch in ausgewählten Apotheken. In Österreich soll der Verkauf in Apotheken im nächstes Jahr beginnen, wie das Startup gegenüber brutkasten erklärte.

Mehr dazu am Montag beim Auftakt der neuen Staffel die Höhle der Löwen: Weiters dabei: Brizza, Futurised, Mitmalfilm und Akoua.

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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