22.09.2020

Dividenden: Glückshormone im Portfolio

In einer Welt der Zahlen und der rationalen Entscheidungen sind Dividenden erstaunlich emotional behaftet. Weil sie Bestätigung bringen - wie Likes auf Facebook oder Instagram.
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Dividenden vs. Zinsen in der Anlagestrategie
Sind die Dividenden die neuen Zinsen? (c) Georg Schober / Adobe Stock / m.mphoto

Der Herbst kommt, die Börsen haben ein paar ziemlich rote Tage. Anfang der Woche ist alles runter: Aktien, Anleihen, Gold und Krypto. Das alles vor dem Hintergrund wachsender Corona-Sorgen. Die Euphorie ist gedämpft. Gut so. Partystimmung an den Börsen ist nie gut. Der Rücksetzer bietet eine gute Gelegenheit, über Grundsätzliches zu reden. Zum Beispiel über Dividenden.

Selbige sind in der ersten heißen Phase der Corona-Krise Thema gewesen. Dürfen Firmen, die Staatsgelder als Hilfen in der Krise erhalten, noch Dividenden an ihre Eigentümer ausschütten, lautete die Frage. Die Antwort der „Experten“ auf Social Media: „Nein!“ Dabei ging es in erster Linie um Gewinne aus dem Vorjahr, als Corona kein Thema war. Hier sieht man schon, wie eigenartig emotional das Thema Dividenden sein kann.

Dividendenaktien sind an sich nicht im Vorteil

Was also sind Dividenden? Es handelt sich dabei um eine Gewinnbeteiligung in Form einer Zahlung an die Eigentümer. Aktienbesitzer bekommen sie regelmäßig aufs Konto überwiesen. Auch Fonds, in denen Aktien stecken, können Dividenden ausschütten. Andere legen sie sofort wieder an. Es kann auch passieren, dass Unternehmen gar keine Dividenden ausschütten. Entweder weil sie keine Gewinne machen – oder weil sie das Geld lieber behalten. Etwa, um Investitionen zu tätigen.

Jetzt wird es emotional. Es ist nämlich so: Viele Anleger, die das Spiel schon ein bisschen länger spielen, setzten gezielt auf Dividenden. Sie kaufen Aktien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Dividende ausschütten, um sich ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu gönnen. Emotional ist es deswegen, weil diese Strategie rational kaum Sinn macht. Dass Aktien mit einer besonders hohen Dividende auch kursmäßig besser performen als andere, ist laut dem Experten Gerd Kommer ein Mythos.

Es macht auch keinen entscheidenden Unterschied, ob man Anteile verkauft oder Dividenden kassiert. Wer Geld braucht, könnte also einfach das Depot abbauen. Auch die Frage der Gebühren ist nicht eindeutig zu beantworten. Theoretisch sind Dividenden günstiger als Entnahmen, weil ein Verkauf Gebühren verursacht. Aber: Manche Broker verlangen für Ausschüttungen tatsächlich nichts, andere zwacken sich was ab. Hier findet man einen guten Überblick. Man kann den Spieß auch umdrehen und im Fall von Fonds, die die Dividenden wieder anlegen, von einer Ersparnis sprechen.

Dividenden können auch den Zins nicht ersetzen

Was in jedem Fall falsch ist: „Die Dividende ist der neue Zins.“ Nein, nein und nochmals nein. Die Idee ist verständlich: Wer mit Sparbuch und Staatsanleihen keine Zinsen kassiert, sucht andere Quellen. Insofern können Portfolios mit einer regelmäßigen Ausschüttung die Rolle von Zinsen ersetzen. Aber zu welchem Preis? Erstens sind Dividenden Entnahmen, man könnte genau so Aktien verkaufen. Zinsen kommen aber als zusätzliche Zahlungen.

Zweitens – und das wird gerne übersehen – geht der Anleger mit einer Dividendenstrategie ein viel höheres Risiko ein als mit Zinsen. Unternehmen können die Dividende kürzen oder einstellen – und zwar fast nach Belieben. Bei Zinsen gibt es eine garantierte Zahlung. Zumindest dieser Gefahr kann man zum Teil aus dem Weg gehen, wenn man auf ETFs setzt, die so genannte „Dividendenaristokraten“ bündeln. Das sind Aktien, die seit Jahren oder Jahrzehnten die Dividende stets erhöht haben. Hier findet man einige Musterportfolios.

Hier endet die Geschichte aber nicht. Denn trotz aller Mythen bringen Dividenden einen handfesten Vorteil für alle Anleger: Motivation. Wer regelmäßige Zahlungen kassiert, die er dann ausgeben oder (im besten Fall) neu investieren kann, kann die „Früchte“ seiner Investments besser begreifen.

Dividendenstrategien sind sehr beliebt – und zwar mit Grund

Es ist ein bisschen wie mit Facebook oder Instagram. So wie „Likes“ Glückshormone ausstoßen, gelingt das auch den Dividenden. Das ist der wahre Grund, warum die Strategie so beliebt ist.

Es geht gar nicht um die Maximierung der Rendite oder die wissenschaftlich wasserdichte Anlegerstrategie. Wer auf die Dividende achtet, begreift auch besser, dass er mit Aktien nicht spekuliert, sondern in real existierende Unternehmen investiert. Es geht um Glücksmomente und Selbstmotivation. Wer das noch besser verstehen will, sollte beim österreichischen Blogger und Dividendeninvestor Christian Sachs vorbeischauen, der auf dem Blog „Bergfahrten“ seine Reise in die finanzielle Unabhängigkeit beschreibt. Es lohnt sich, selbst wenn man am Ende auf die Dividende pfeift und anders anlegt. Ein weiterer Tipp: Der deutsche Anleger und Buchautor Christian W. Röhl ist mit seiner „Dividendenadel“-Strategie bekannt geworden und hat auch ein Buch darüber geschrieben.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

Über den Autor

Niko Jilch ist Finanzjournalist, Podcaster und Speaker. Website: www.nikolausjilch.com Twitter: @nikojilch

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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AI Summaries

Dividenden: Glückshormone im Portfolio

  • Viele Anleger, die das Spiel schon ein bisschen länger spielen, setzten gezielt auf Dividenden: Sie kaufen Aktien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Dividende ausschütten, um sich ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu gönnen.
  • Dass Aktien mit einer besonders hohen Dividende auch kursmäßig besser performen als andere, ist laut dem Experten Gerd Kommer ein Mythos.
  • Was in jedem Fall falsch ist: „Die Dividende ist der neue Zins.“
  • Trotz aller Mythen bringen Dividenden einen handfesten Vorteil für alle Anleger: Motivation.
  • Wer regelmäßige Zahlungen kassiert, die er dann ausgeben oder neu investieren kann, kann die „Früchte“ seiner Investments besser begreifen.

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Dividenden: Glückshormone im Portfolio

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  • Dass Aktien mit einer besonders hohen Dividende auch kursmäßig besser performen als andere, ist laut dem Experten Gerd Kommer ein Mythos.
  • Was in jedem Fall falsch ist: „Die Dividende ist der neue Zins.“
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  • Wer regelmäßige Zahlungen kassiert, die er dann ausgeben oder neu investieren kann, kann die „Früchte“ seiner Investments besser begreifen.

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  • Was in jedem Fall falsch ist: „Die Dividende ist der neue Zins.“
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Dividenden: Glückshormone im Portfolio

  • Viele Anleger, die das Spiel schon ein bisschen länger spielen, setzten gezielt auf Dividenden: Sie kaufen Aktien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Dividende ausschütten, um sich ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu gönnen.
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