21.05.2026
A1-STUDIE

Digitale Souveränität in Österreichs Unternehmen: Aktuell dominiert noch die Planung

Österreichs Unternehmen stufen digitale Souveränität überwiegend als wichtig ein. Strategien tatsächlich umgesetzt haben aber erst wenige. Das zeigt eine aktuelle Integral-Studie im Auftrag von A1.
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(c) Sashkin -fotolia.com

Dass digitale Souveränität für Österreichs Telekom-Marktführer A1 ein großes Thema ist, überrascht wenig. Als Anbieter einer komplett in den zwölf österreichischen Rechenzentren gehosteten Private Cloud und – über die Tochter Exoscale – einer in europäischen Rechenzentren gehosteten Public Cloud, spielt das Thema in der Kundenansprache eine große Rolle.

Digitale Souveränität nicht nur „punktuell“ Thema

Dabei habe man im Zuge der geopolitischen Spannungen der vergangenen Monate erhöhte Kundenanfragen in dem Zusammenhang bekommen, erzählt Romana Aumer, Director A1 Customer 360°: „Uns hat daher interessiert, ob das nur punktuell war, oder es ein dauerhaftes Thema für die Unternehmen ist.“ Also gab man beim Meinungsforschungsinstitut Integral eine Studie in Auftrag, die heute präsentiert wurde. Und diese habe bestätigt, dass das Thema tatsächlich langfristig auf der Agenda heimischer Unternehmen steht, sagt Aumer.

300 Entscheider:innen bzw. Mitentscheider:innen aus Unternehmen unterschiedlicher Größen ab 50 Mitarbeiter:innen wurden im Rahmen der Studie befragt. Die Ausgangslage für die Frage der Souveränität: 77 Prozent geben an, stark oder eher abhängig von digitalen Technologien und Leistungen zu sein. Nur sechs Prozent der Befragten sind hingegen laut eigener Aussage eher bzw. überhaupt nicht davon abhängig. Gleichzeitig erwarten 43 Prozent eine weitere Zunahme dieser Abhängigkeit in den kommenden zwölf Monaten.

Viel Awareness, aber langer Weg zur Umsetzung

Und finden sich die Unternehmen mit dieser Abhängikeit ab? Tatsächlich stufen 40 Prozent digitale Souveränität als sehr wichtig, weitere 31 Prozent als wichtig ein – und nur elf Prozent als unwichtig, erläutert Integral-Geschäftsführer Martin Mayr. Die Awareness ist beim überwiegenden Großteil also eindeutig gegeben. Wichtigste Beweggründe sind hier die Themen Zukunftssicherheit (für 89 Prozent sehr wichtig oder wichtig) und Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit (für 68 Prozent).

Bei aller Awarenes ist das Bild jedoch weit weniger eindeutig, wenn es um die tatsächliche Umsetzung geht. Nur zwölf Prozent der Unternehmen haben nämlich tatsächlich bereits eine Strategie zur digitalen Souveränität umgesetzt, weitere 25 Prozent sind immerhin bereits in der Umsetzung. Mit 29 Prozent ist eine relative Mehrheit jedoch erst in der Planungsphase einer Strategie. Weitere 27 Prozent halten eine solche für nicht notwendig und acht Prozent geben an, an zu vielen Hindernissen zu scheitern.

Bei jenen, die bereits eine Strategie umgesetzt haben, sind Kooperationen mit europäischen Anbietern (64 Prozent), die Nutzung von Open-Source-Lösungen (54 Prozent) und der Ausbau eigener Kompetenzen und Kapazitäten (39 Prozent) die häufigsten Maßnahmen. Dem entgegen stehen die größten Hindernisse bei der Umsetzung: personelle Ressourcen (61 Prozent), finanzielle Einschränkungen (55 Prozent) und Vendor Lock-in, also bestehende Abhängigkeiten von Anbietern (53 Prozent).

Abgefragt wurde auch die Cloud-Nutzung: Diese liegt bei 81 Prozent. Lediglich 23 Prozent geben an, die Cloud-Strategie aufgrund geopolitischer Faktoren sicher oder eher ändern zu wollen. Gleichzeitig würden aber 55 Prozent den Anbieter wechseln, wenn Daten außerhalb der EU gespeichert werden. Bei den Bedenken in der Cloud-Nutzung dominieren Datenschutz (53 Prozent) und IT-Sicherheit (46 Prozent).

Hybrides Stufenmodell als Antwort von A1

Die Antwort von A1 auf all das, bzw. das Angebot an Kunden ist ein hybrides Stufenmodell. „Für viele kann es aufgrund ihrer Bedürfnisse natürlich keine ausschließlich digital souveräne Architektur sein“, stellt Romana Aumer klar. Denn für einige cloudbasierte Angebote, etwa im KI-Bereich, seien Unternehmen auf die internationalen „Hyperscaler“ angewiesen – A1 selbst arbeitet in seinem Angebot mit Microsoft Azure zusammen. Daneben stehen aber die oben erwähnte Private Cloud und die europäische Public Cloud der Tochter Exoscale bereit.

Diese sollen, je nach Sicherheitsbedarf einzelner Anwendungen, miteinander kombiniert werden, beginnend mit den „Kronjuwelen“, meint Aumer: „Dieser stufenweise Weg ist der einzige zur digitalen Souveränität.“ Bei der tatsächlichen Umsetzung dieser Strategie durch die Kunden gibt es aber noch Luft nach oben, lässt die Managerin auf brutkasten-Rückfrage durchklingen. „Es braucht noch Überzeugungsarbeit.“

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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