15.05.2026
STANDORT

Digital-Headquarter: kununu erweitert Wien-Zentrale

Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu will ihre Präsenz in Österreich stärken. Neben dem Ausbau der Wiener Zentrale startet das Unternehmen eine "Österreich-Offensive" mit dem Ziel, die heimische Arbeitsplatzkultur umzugestalten.
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Staatssekretär Alexander Pröll und kununu-CEO Nina Zimmermann © kununu

Der Kampf um Fachkräfte und die rasante Transformation durch Künstliche Intelligenz zwingen Wirtschaftstreibende zum Umdenken. Wer heute Talente anziehen und im Betrieb halten will, kommt an einer offenen Unternehmenskultur und transparenten Strukturen kaum noch vorbei. Genau in diesem Spannungsfeld rückt die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu nun verstärkt jenen Standort ins Zentrum, an dem ihre Geschichte einst begann: Wien.

Von der Dachboden-Idee zur New-Work-Tochter

Die historischen Wurzeln des Unternehmens reichen in das Jahr 2007 zurück. Damals entwickelten die Wiener Brüder Martin und Mark Poreda die Plattform, auf der Angestellte anonym ihre Arbeitgeber bewerten können. Wie brutkasten berichtete, durchliefen die Gründer zunächst eine jahrelange Achterbahnfahrt, bis sie das Startup 2013 schließlich an das Karrierenetzwerk Xing (die heutige New Work SE) verkauften.

Heute gehört kununu vollständig zur deutschen New Work SE und bezeichnet sich selbst, mit laut eigenen Angaben rund 5,1 Millionen monatlichen Nutzer:innen, als reichweitenstärkste Plattform ihrer Art im DACH-Raum. Neben dem Hauptsitz in Wien verfügt das Unternehmen über weitere Standorte in Hamburg und Porto.

Wien als europäische Drehscheibe

Nun gaben kununu-CEO Nina Zimmermann und Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll den langfristigen Ausbau der Bundeshauptstadt zum europäischen Digital-Headquarter bekannt. Mit dem Schritt sind weitere Investitionen in die Bereiche Künstliche Intelligenz und HR-Softwarelösungen verbunden.

Aktuell beschäftigt das Unternehmen insgesamt etwas mehr als 360 Mitarbeiter:innen – rund 270 davon arbeiten bereits am österreichischen Standort. Wie viele neue Arbeitsplätze Kununu mit dem Ausbau schaffen will bleibt in der Aussendung offen. Laut Zimmermann soll Wien künftig aber als zentrale Drehscheibe für die nationalen sowie internationalen Aktivitäten fungieren.

Eigene „Österreich-Offensive“ geplant

Begleitet wird die Standorterweiterung von einer groß angelegten „Österreich-Offensive“. Nach eigenen Angaben plant kununu bis Jahresende den gezielten Austausch mit rund 100 heimischen Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Das erklärte Ziel sei es, gemeinsame Reformimpulse für zeitgemäße HR-Standards und moderne Führungskulturen zu erarbeiten. Arbeitskultur, Transparenz und Leadership seien laut Zimmermann „die Software eines wettbewerbsfähigen Standorts“.

Von Regierungsseite wird die Ankündigung wohlwollend aufgenommen. Staatssekretär Pröll wertet die Entscheidung als Bestätigung dafür, dass in Österreich zunehmend die richtigen Rahmenbedingungen für digitale Unternehmen entstünden.

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Deepentix
© tecnet equity - (v.l.) Investor Kambis Kohansal Vajargah, Endri Deliu, Morteza Amini und Altan Nar (alle Deepentix) sowie Peter Buchinger (tecnet equity).

Das NÖ-Startup Deepentix hat eine Enterprise-KI-Plattform entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützen soll, aus Dokumenten wie Studien, Patenten oder internen Berichten einen sogenannten Wissensgraphen aufzubauen – ein Netzwerk aus Fakten und ihren Beziehungen. Dadurch lassen sich Antworten einer Künstlichen Intelligenz bis zum exakten Satz im Ursprungsdokument zurückverfolgen. Gerade in stark regulierten Branchen sei dies entscheidend, weil Aussagen jederzeit belegt und geprüft werden müssen.

Deepentix: Unternehmensdaten in Graphen überführen

Zielgruppe sind etwa Unternehmen in Branchen wie Pharma, Medizintechnik, Versicherungen oder Banken, die täglich mit großen Mengen an Studien, Patenten, Normen und internen Berichten arbeiten. Klassische generative KI liefere dazu zwar schnelle Antworten, könne deren Herkunft jedoch oft nicht lückenlos belegen. Genau hier möchte Deepentix ansetzen und unstrukturierte Unternehmensdaten in einen Wissensgraphen überführen – im Sinn einer nachvollziehbaren Wissensbasis für KI-Anwendungen.

„Wenn Mitarbeitende einer KI blind vertrauen müssen, weil sie deren Antworten nicht überprüfen können, ist das gerade in sensiblen Bereichen ein echtes Risiko. Genau dieses Vertrauensproblem lösen wir, indem wir jede Antwort bis zu ihrem Ursprung im Dokument sichtbar machen“, erklärt Morteza Amini, Mitgründer und CEO von Deepentix.

Mehrere Sprachmodelle

Der Aufbau von Wissensgraphen erfolge Deepentix nach häufig im Rahmen aufwendiger Beratungsprojekte oder über standardisierte Lösungen, die sich nur begrenzt auf einzelne Fachbereiche zuschneiden lassen. Bei Unternehmen, die ihre sensiblen Daten selbst kontrollieren und gleichzeitig präzise Ergebnisse benötigen, stoße dieser Ansatz oft an seine Grenzen. Aus diesem Grund entwickelte das Startup kein Beratungsprojekt für einzelne Kunden, sondern ein Werkzeug, mit dem Unternehmen Wissensgraphen selbst erstellen, betreiben und an ihre Anforderungen anpassen können.

Dabei setzt die Plattform nicht auf ein einziges großes KI-Modell aus der Cloud, sondern auf mehrere kleine, spezialisierte Sprachmodelle, die gezielt auf einzelne Fachbereiche wie Pharma oder Banken trainiert werden. Dadurch sollen die Ergebnisse präziser werden, während die Modelle bei Bedarf direkt auf den eigenen Servern der Unternehmen betrieben werden können.

Dafür gab es nun eine Pre-Seed-Finanzierung in sechsstelliger Höhe, an der sich tecnet equity, der internationale Frühphaseninvestor Rockstart sowie der Business Angel Kambis Kohansal Vajargah beteiligt haben. Das frische Kapital soll vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in den Ausbau erster Pilotprojekte in regulierten Branchen fließen.

Deepentix baut Wissensnetz

„Wir verstehen uns nicht als Berater, die für einzelne Kunden ein Wissensnetz bauen, sondern als Technologieanbieter, der Unternehmen die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten und Modelle gibt“, so Amini weiter. „Mit tecnet equity, Rockstart und Business Angel Kambis Kohansal Vajargah haben wir Partner an Bord, die den Weg von Deep-Tech-Startups aus erster Hand kennen. Das gibt uns nicht nur Kapital, sondern auch Zugang zu Netzwerk und Erfahrung, um in dieser Phase die richtigen Schritte zu setzen.“

Peter Buchinger, Investment Associate bei tecnet equity, ergänzt: „Uns hat neben der Technologie vor allem das stark aufgestellte Gründerteam von Deepentix überzeugt. Die Kombination aus wissenschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in internationalen Unternehmen war ausschlaggebend, in dieser frühen Phase zu investieren.“

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