05.02.2021

Steirer Blockchain-Startup schlittert in Konkurs

Das FinTech Difacturo mit Sitz in Gleisdorf in der Steiermark stand nach eigenen Angaben unmittelbar vor der Marktreife, scheiterte aber an mangelnder Finanzierung.
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Das Blockchain-Startup Difacturo aus Gleisdorf, Steiermark, strebt keine Fortführung des Geschäfts an
Das Blockchain-Startup Difacturo aus Gleisdorf, Steiermark, strebt keine Fortführung des Geschäfts an

Mit seiner Blockchain-basierten E-Rechnung wollte das Steirer Startup Difacturo neue Maßstäbe im Rechnungswesen setzen. Und ein Investment, Förderungen durch die FFG, mehrere gewonnene Wettbewerbe und Partnerschaften u.a. mit dem Bundesrechenzentrum (BRZ) schienen dem 2018 gegründeten Unternehmen Recht zu geben. Doch der Plan ging scheinbar nicht auf: Difacturo eröffnete vergangene Woche ein Konkursverfahren, soll also nicht fortgeführt werden. Und das, obwohl es im Insolvenzantrag (laut Angaben des KSV1870) heißt: „Die entwickelte Software steht unmittelbar vor Marktreife, der Break-Even war für 2021 geplant“.

„Förderungsgelder nicht ausgereicht“

Betroffen sind ca. 30 Gläubiger. Zuletzt hatte das Startup aber nur mehr einen Dienstnehmer. Es werden eine ganze Reihe an Gründen für die Insolvenz genannt. Vor allem hätten „die Förderungsgelder nicht ausgereicht, um sämtliche laufende Kosten der Produkt- und Softwareentwicklung abzudecken“. Zudem habe der „Chefentwickler“ der Software das Unternehmen unvorhersehbar im Dezember 2019 verlassen. „Dies führte zu Zeitverzögerungen in der Programmierung und zu Problemen bei der Softwareentwicklung. Diese Verzögerung war in der Planung nicht enthalten“, heißt es weiter.

Liquiditätsprobleme hätten im letzten Quartal des Jahres 2020 auch zu Abgängen von Dienstnehmern geführt (zwischenzeitlich hatte das Startup bis zu sieben). „Auch die Covid-19 Krise führte zu Verunsicherungen im Marktumfeld, die verstärkten Vermarktungs-/Verkaufsbemühungen der bereits fertigentwickelten Produktkomponenten zeigten somit nicht die erwartete Wirkung“, so Difacturo.

Investoren zeigen Interesse an Difacturo-Software

Auch wenn man beim Gleisdorfer Startup keine Sanierung durchführen will, scheint der Plan zu bestehen, die entwickelte Software fortzuführen. So heißt es beim KSV1870: „Die entwickelte Software und die damit einhergehenden Prozesse und das Know-How stellen aus Sicht der Schuldnerin einen erheblichen Wert dar. Es gibt diverse Unternehmen/Investoren welche an der entwickelten Software samt Prozessen Interesse zeigen. Der Insolvenzverwalter wird die Aktiva bestmöglich zu verwerten haben“.

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© calliora - Frederik Träuble und Jonas Wildberger.

Das Münchner Startup calliora von Frederik Träuble und Jonas Wildberger entwickelt eine KI-Plattform für Krankenhäuser, die den Verwaltungs- und Abrechnungsaufwand reduzieren und Erlöse besser absichern soll. Nach Angaben des Unternehmens begleitet die Software Behandlungsfälle von der Aufnahme bis zur Abrechnung und verknüpft dafür Informationen aus verschiedenen bestehenden Systemen.

calliora: Fokus auf Dokumentation und Abrechnung

Ein Schwerpunkt liegt auf Dokumentation und Abrechnung. Die Plattform unterstützt bei der Kodierung und prüft Fälle auf typische Prüfmuster des Medizinischen Dienstes. Zudem sollen abrechnungsrelevante Informationen frühzeitig erkannt und für die weitere Bearbeitung im Krankenhaus bereitgestellt werden. Für das Controlling bietet calliora eigene Auswertungen und Analysen an.

Hinter dem Produkt steht die Annahme, dass Informationen zu einem Behandlungsfall in Krankenhäusern über zahlreiche unterschiedliche Systeme und Prozesse verteilt sind. Fehlen Angaben oder werden sie nicht an der richtigen Stelle übernommen, kann dies zu zusätzlichem Bearbeitungsaufwand oder zu Problemen bei der Abrechnung führen. Calliora will diese Lücken durch eine zentrale, KI-gestützte Verarbeitung der vorhandenen Informationen verringern.

Bertelsmann und Angel-Investoren dabei

Nun hat das Münchner Startup eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über sechs Millionen US-Dollar abgeschlossen: „Unsere Pre-Seed-Runde wird von BHI – Bertelsmann Healthcare Investments und redalpine angeführt. Mit dabei sind Angel-Investoren aus Krankenhausmanagement und KI, darunter Dr. Ulrich Wandschneider (ehemaliger CEO von Asklepios und Mediclin AG), Sara Siegel (Global Health Sector Leader, Deloitte), Peter Sarlin (Postscriptum, NestAI, QuTwo & Silo AI) und Frank Hutter (Prior Labs)“, schreibt das Startup in einem LinkedIn-Post.

Die Plattform soll bereits bei der Aufnahme eines Falls unterstützen und prüfen können, ob eine Behandlung ambulant, stationär oder als Hybrid-DRG abzurechnen ist. Dabei dokumentiert sie die dafür maßgeblichen Gründe. Im weiteren Verlauf soll die Software fehlende Informationen, Fristen und mögliche nächste Schritte erkennen und das Klinikpersonal dort einbinden, wo eine menschliche Prüfung erforderlich ist.

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