18.08.2026
EXPANSION

„Die Welt ist unser Spielfeld“ – Minimist startet Partnerschaft mit australischem Charity-Retailer

Das Wiener Secondhand-Startup Minimist expandiert nach Australien: Die Software zur Spenden-Erfassung soll in 350 Filialen der Heilsarmee zum Einsatz kommen. Zudem gibt das Startup neue Investoren bekannt.
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Das C-Level von Minimist: Robert Andrei Damian (CTO), Anna Greil (COO) und Stephan Hofmann (CEO). | © Minimist

Nach der Finanzierungsrunde in Höhe von rund einer Million Euro im März treibt das Wiener Kreislaufwirtschafts-Startup Minimist seine internationale Expansion voran. Nach dem Markteintritt in Großbritannien kooperiert das Unternehmen nun mit Salvos Stores, dem Einzelhandelszweig der Heilsarmee in Australien.

Salvos: 400 Filialen in Australien und Teil der Heilsarmee

Salvos Stores betreibt landesweit rund 400 Filialen und verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich mehr als 50 Millionen Sachspenden. Als Einzelhandelszweig ist Salvos organisatorisch Teil der Heilsarmee, einer international tätigen evangelischen Freikirche mit sozialem Hilfswerk, die weltweit in Territorien und Divisionen gegliedert ist. Die Erlöse aus dem Verkauf gebrauchter Ware fließen laut Unternehmen in soziale Projekte der Organisation.

Minimists Software soll die Erfassung, die automatisierte Preisfindung und den Multi-Channel-Verkauf von Sachspenden digitalisieren. Salvos verspricht sich dadurch weniger administrativen Aufwand und kürzere Durchlaufzeiten in den Filialen. Ein Pilotprojekt sei laut Minimist erfolgreich abgeschlossen worden.

Minimist COO Anna Greil (links) vor einem der 400 Salvos Stores in Australien © Minimist

WU Ignite Ventures und Seebacher mit je 50.000 Euro

Laut Pressemitteilung investieren mit WU Ignite Ventures und dem Angel-Investor Johannes Seebacher zwei neue Geldgeber:innen in Minimist. Wie Anna Greil im Gespräch mit brutkasten präzisiert, beteiligen sich beide mit jeweils 50.000 Euro.

Insgesamt seien nach der 1-Million-Runde vom März diesen Jahres im Mai nochmals zwischen 150.000 und 200.000 Euro an zusätzlichem Kapital in das Startup geflossen; die übrigen Investor:innen dieser Nachfinanzierung wollten laut Greil nicht genannt werden.

WU-Ignite-Ventures-Co-Geschäftsführer Rudolf Dömötör begründet sein Investment in Minimist: „Re-Commerce wird oft als Nische betrachtet. Stephan, Anna und Robert beweisen mit Minimist das Gegenteil: Sie bauen die Infrastruktur für einen der wirksamsten Hebel der Kreislaufwirtschaft, und zwar in globalem Maßstab.Dass ein Wiener Team mit Salvos Stores einen der größten Charity-Retailer Australiens gewinnt, zeigt, wie ernst dieser Anspruch gemeint ist.“

Von Wien in die Welt

Minimist wurde von Stephan Hofmann und Robert Andrei Damian gegründet. 2025 stieß Anna Greil als Late-Co-Founder und COO dazu. Das Startup sicherte sich bereits mehrere Finanzierungsrunden, unter anderem von Eversports-Gründer Hanno Lippitsch. Die Produktentwicklung bleibt laut Unternehmen in Wien verankert.

CEO Stephan Hofmann sagt zur Expansion: „Wir sind im Kern ein Software-Startup und ein globales Team. Die Welt ist unser Spielfeld, und der Erfolg in Australien zeigt, dass wir durch diesen internationalen Ansatz massiv an Geschwindigkeit gewinnen. Die Skalierbarkeit unserer Technologie kennt keine Grenzen.“

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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