10.01.2022

Die Rückkehr der Inflation: Anlegen in Zeiten der Inflation

Die Inflation ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen - was die Hintergründe des Anstiegs sind und welche Folgen er haben wird, schildern Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek vom Vermögensverwalter Incrementum in einer dreiteiligen brutkasten-Serie zum Thema. Im zweiten Teil geht es um Anlegen in Zeiten der Inflation.
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Mark J. Valek und Ronald-Peter Stöferle von Incrementum
Mark J. Valek und Ronald-Peter Stöferle bei der Präsentation des jährlichen "In Gold We Trust"-Reports im Mai 2021 | Foto: Incrementum

Über viele Monate hinweg war es ein Wort, dass in keiner Rede eines Notenbankers fehlen durfte: vorübergehend. Bloß vorübergehend wäre der aktuelle Preisauftrieb, nur vorübergehend würde die Inflationsrate deutlich jenseits der 2-Prozent-Marke liegen. Dass es sich bei dieser Interpretation des Inflationsgeschehens um eine eklatante Fehleinschätzung handelt, haben wir bereits im Herbst 2020 in unserer Publikation „Der Junge, der Wolf rief: Inflationäre Dekade voraus?“ gezeigt und auch in Teil 1 dieser Artikelserie „Die Rückkehr der Inflation: Warum sie nicht vorübergehend ist“ thematisiert.

Von diesem Mantra hat sich die US-amerikanische Notenbank unter ihrem Vorsitzenden Jerome Powell vor wenigen Wochen gelöst, während die Europäische Zentralbank (EZB) unter Präsidentin Christine Lagarde noch immer den vorübergehenden Charakter des Inflationsanstiegs betont. Immerhin wird mittlerweile zugstanden, dass dieses vorübergehend deutlich länger andauern wird als ursprünglich angenommen. 

Langsam nehmen die Zentralbanken das Inflationsproblem ernst

Alles in allem ist der offizielle Blick der Notenbanken auf die Preisentwicklung in den vergangenen Wochen etwas realistischer geworden. Angesichts von Inflationsraten von 6,8 Prozent in den USA und 4,9 Prozent in der Eurozone ist dieses Rückzugsgefecht tatsächlich alternativlos. So hat die EZB ihre eigene Inflationsprognose für 2022 von 1,7 Prozent auf 3,2 Prozent fast verdoppelt. 

Auch wenn es in den kommenden Monaten zu einer leichten Entspannung in den Teuerungsraten kommen dürfte, deutet vieles darauf hin, dass die nächste Inflationswelle bald auf die Konsumenten hereinbrechen wird. So befindet sich der Anstieg der Erzeugerpreise, also der Preise, die Unternehmer bezahlen, auf langjährigen Höchstständen. In der Eurozone sind die Erzeugerpreise im Oktober 2021 um 21,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit 1951. In den USA legten die Erzeugerpreise im November immerhin noch um 9,6 Prozent zu, so stark wie seit 2010 nicht mehr. Und die Unternehmer werden in den nächsten Wochen und Monaten versuchen, die gestiegenen Kosten an die Konsumenten weiterzugeben.

Grafik: Incrementum

Entgegen dem von den Notenbanken gezeichneten Bild ist die Inflationsentwicklung bereits sehr breit. 80 Prozent aller Produktgruppen des US-amerikanischen Inflationsindexes CPI sind im Jahresvergleich um 2,5 Prozent oder mehr gestiegen. Es sind also mitnichten nicht nur die Energiepreise, die die Inflationsrate über die Zielinflationsrate von rund 2 Prozent treiben.

Anleger sollten sich auf wandelnde Inflationsumgebung einstellen

Anleger tun daher gut daran, sich auf die wandelnde Inflationsumgebung einzustellen. Nach Jahrzehnten sinkender und mitunter negativer Inflationsraten werden weite Teile der Welt bis auf Weiteres mit erhöhten Inflationsraten zu leben haben, also mit Inflationsraten, die über dem Inflationsziel der jeweiligen Notenbank liegen. Nach Jahrzehnten der Ebbe, sich zurückziehender Inflationsraten, durchleben wir nun den Gezeitenwechsel hin zur „Flut“ anschwellender Inflationsraten. 

Denn die Zentralbanken werden kaum in der Lage sein, die Geldpolitik deutlich zu straffen. Dies liegt zum einen an der hohen Verschuldung aller drei Wirtschaftssektoren – Staat, Unternehmen und Privathaushalte. Denn je höher die Verschuldung ist, desto stärker wirken sich Zinserhöhungen auf die Zahlungsfähigkeit des Schuldners aus. Laut Daten des „Internationalen Währungsfonds“ legte die globale Verschuldung 2020 um 28 Prozentpunkte auf 256 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu.

Zwar verzeichnete die Staatsverschuldung mit einem Plus von 19 Prozentpunkten auf 99 Prozent des Bruttoinlandsprodukts den kräftigsten Anstieg, doch auch die Verschuldung der Privaten, bestehend aus Haushalten und Unternehmen, legte deutlich zu, nämlich um 14 Prozentpunkte auf 178 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Daten für 2021 liegen noch keine vor. Das kräftige Wirtschaftswachstum 2021 nach dem scharfen Rückgang 2020 sollte dazu führen, dass die Verschuldungsquoten 2021 leicht zurückgehen. Der Trend zu einer immer höheren Gesamtverschuldung wird dennoch bestehen bleiben.

Höhere Zinsen wären für hochverschuldete Staaten wie Griechenland, Italien, Frankreich oder die USA selbst ohne die immensen Kosten der Corona-Pandemie Gift (siehe Teil 1). Die Corona-Pandemie hat eine bereits bestehende Schieflage deutlich verschärft, diese aber nicht verursacht. So liegt in Griechenland die Staatsverschuldung mittlerweile bei über 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während Italien die Marke von 150 Prozent und Frankreich die von 100 Prozent überschritten hat. Auch Deutschland hat nach Jahren der deutlichen Schuldenreduktion eine kräftige Erhöhung der Staatsverschuldung verzeichnet. Mit einer Staatsverschuldung von knapp 70 Prozent befindet sich diese wieder über dem Maastricht-Kriterium einer maximalen Staatsverschuldung von 60 Prozent. 

Eine atemberaubende Zunahme der Staatsverschuldung von 108,5 Prozent auf nunmehr 133,9 Prozent der Wirtschaftsleistung verzeichneten die USA. Diese Explosion der Staatsverschuldung um mehr als 25 Prozentpunkte ist die logische Folge von zwei zweistelligen Haushaltsdefiziten hintereinander. Im Fiskaljahr 2020 (Oktober 2019-September 2020) verzeichneten die USA ein Budgetdefizit von 15,0 Prozent, im Fiskaljahr 2021 (Oktober 2020-September 2021) von 12,4 Prozent. 

Zentralbanken stecken in Nullzinsfalle

Staaten wie die Schweiz, Norwegen, Dänemark, die Niederlande, Australien, Südkorea und Kanada weisen dagegen eine relativ niedrige Staatsverschuldung auf, dafür sind aber die privaten Haushalte mit mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Eine sehr hohe Verschuldung des Unternehmenssektor melden China, Belgien, Frankreich, Schweden und abermals die Schweiz. In diesen Staaten würden markante Zinserhöhungen daher weniger die Staatsfinanzen gefährden, dafür aber die privaten Haushalte und die Unternehmen treffen.

Zum anderen sind die Konjunkturaussichten nicht so rosig, wie es scheint. Die fulminanten Wachstumsraten der vergangenen Monaten sind zum Großteil darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft 2020 kräftig eingebrochen ist. In Österreich betrug der Wirtschaftseinbruch im vergangenen Jahr 6,7%. Im Vergleich zu diesem Minus waren die Zahlen dank des sogenannten Basiseffekts vor den neuerlichen Verschärfungen im Laufe des November hervorragend, doch verglichen mit dem Vorkrisenniveau lag die Wirtschaftsleistung nur schwach im Plus. Die zahlreichen Verschärfungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seit Mitte November haben allerdings die Wachstumsraten neuerlich einbrechen lassen. Das hartnäckige Durcheinander in der Weltwirtschaft – Stichwort Lieferkettenproblematik – und auf diversen Teilmärkten wie dem Arbeitsmarkt hat sich bei Weitem noch nicht gelegt. Weitere Beeinträchtigungen durch rigide Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen im grenzüberschreitenden Reiseverkehr sind zu befürchten. 

Zu guter Letzt darf auch nicht vergessen werden, dass sich die Weltwirtschaft schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie seit Längerem markant abgekühlt hatte. So hatte die Federal Reserve zur Belebung der schwächelnden Konjunktur im zweiten Halbjahr 2019 die Zinsen gleich drei Mal gesenkt.

Anders gesagt: Die Zentralbanken sitzen in der Nullzinsfalle. Lassen sie das Zinsniveau niedrig, droht die Inflation außer Kontrolle zu geraten. Versucht eine Zentralbank die Inflation durch Zinserhöhungen zu bekämpfen, dann verursacht sie aufgrund der allgemein hohen Verschuldung ebenfalls große wirtschaftliche Schäden. Zwischen der Skylla (deutlich) erhöhter Inflationsraten und der Charybdis eines markant höheren Zinsniveaus werden sich die Zentralbanken aller Wahrscheinlichkeit nach für die Skylla entscheiden.

Anlegen in einem inflationären Umfeld

Wir durchleben daher aktuell eine grundlegende Veränderung des Inflationsumfeldes. Denn die Inflation ist jetzt endgültig bei den Produzenten- und Konsumentenpreisen angekommen. Die Zeiten sind vorbei, in denen die neue Geldmenge nahezu ausschließlich die Börsen nach oben getrieben, die Anleiherenditen gedrückt und die Immobilienpreise befeuert hat. Wie sehr dieser grundlegende Wandel die Ertragsaussichten der einzelnen Anlageklassen verändern wird, zeigt die folgende Grafik:

Grafik: Incrementum

Der Ertrag der verschiedenen Anlageklassen schwankt je nach Inflationsszenario stark. Das beste Umfeld etwa für Gold sind hohe Inflationsraten von mehr als 2,5 Prozent – die ersten beiden Inflationsregime – wobei Gold bei weiter anziehenden Inflationsraten auf hohem Niveau besser abschneidet als bei Inflationsraten, die von einem hohen Niveau ausgehend fallen. Gold ist, wie diese Aufstellung zeigt, ein ausgezeichneter Inflationsschutz. Niedrige Inflationsraten, egal ob bei steigender oder fallender Tendenz, sind für Gold hingegen nachteilig. 

Rohstoffe im Allgemeinen weisen bei steigenden Inflationsraten – 1. und 3. Inflationsumfeld – sehr hohe Wachstumszahlen auf, bei fallenden Inflationsraten – 2. und 4. Inflationsumfeld – verbuchen Rohstoffe hingegen deutliche Verluste. US-amerikanische Aktien sind bei hohen und fallenden Inflationsraten im Minus. Weitergehende Untersuchungen zeigen, dass für Aktien eine Inflationsrate von um die 4% den Wendepunkt von Rückenwind zu Gegenwind darstellt. Diese kritische Schwelle hat die Inflation mittlerweile erreicht. Anleihen, sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen, können immer Zugewinne verbuchen, allerdings nur leichte. Allerdings ist anzumerken, dass der Bullenmarkt der vergangenen Jahrzehnte die Ertragskraft der Anleihen nach oben verzerrt. Daher dürfte das Ende der Fahnenstange bezüglich der Performance der Anleihen erreicht worden sein. 

Unterschiede in der steuerlichen Behandlung wie die Besteuerung von Kursgewinnen, Dividenden und Anleihekupons bleiben in dieser Aufstellung unberücksichtigt. Dadurch erscheint Gold weniger ertragreich, als es in Wirklichkeit ist. Für Gold ist nur bei einem Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr die Kapitalertragssteuer von 27,5 Prozent fällig, danach nicht mehr. 

Negative Realzinsen unterstützen Goldpreis

Ein wichtiger Grund für die gute Performance von Gold in Zeiten von Inflationsraten von 2,5 Prozent und mehr ist, dass in diesem Umfeld die reale Verzinsung, also die Verzinsung nach Abzug des Kaufkraftverlusts durch die Inflation, von alternativen Anlageprodukten häufig negativ wird. In Zeiten niedriger Inflationsraten erhält ein gering verzinstes Sparbuch immerhin noch seine Kaufkraft. Bei anziehenden Inflationsraten fällt die reale Verzinsung und damit die Attraktivität derartiger Anlageformen. Dieser Effekt ist umso größer, je stärker die Zentralbanken versuchen, die Zinsen niedrig zu halten, wie es aktuell der Fall ist. 

Historisch erstmalig ist nicht nur die Realverzinsung negativ, sondern in immer mehr Bereichen sank auch das Nominalzinsniveau unter null. So verrechnet etwa die Europäische Zentralbank den Geschäftsbanken für die von den Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank hinterlegten Einlagen seit September 2019 Negativzinsen in der Höhe von -0,50 Prozent. Diese Kosten wurden im Laufe der Zeit immer öfter an die Kunden, insbesondere jenen mit hohen Einlagen bei den Geschäftsbanken, weitergereicht. Dies schmälert die Attraktivität des Sparbuchs, noch immer die beliebteste Anlageform in Österreich, noch zusätzlich. Zudem zählen fix verzinste Anleihen zu den Verlierern anziehender Inflationsraten.

Dass negative Realzinsen den Goldpreis unterstützen, zeigt die nächste Abbildung. Blau hinterlegt sind die Goldbullenmärkte, gelb hinterlegt die lange Seitwärtsbewegungen des Goldpreises von 1981 bis 2003, nach der fulminanten Goldhausse in den 1970er-Jahren.

Grafik: Incrementum

Zugegeben, in den vergangenen Monaten hat Gold den Eindruck erweckt, als hätte es seine Eigenschaft als Inflationsschutz verloren. Nach dem Allzeithoch im August 2020 war die Entwicklung des Goldpreises angesichts der anziehenden Inflationsraten bescheiden. 

Inflation ist gekommen, um zu bleiben

„The Times They Are a-Changin“ – so singt Bob Dylan in einem seiner bekanntesten Hits. Die Zeiten ändern sich in der Tat. Die Jahrzehnte andauernde Phase sinkender Inflationsraten ist vorbei. Eine neue Ära höherer Inflationsraten bricht an, die für den Großteil der Bevölkerung ein gänzlich neues Umfeld darstellt. Damit ändern sich auch die relativen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Anlageklassen. Denn ebenso sehr wie aktuell die Krypto-Assets und die Digitalisierung disruptiv wirken, wirkt auch die Veränderung des Inflationsregimes disruptiv. Sich als Anleger auf diese Disruption vorzubereiten, ist das Gebot der Stunde.

Dieser Artikel ist der zweite Beitrag einer dreiteiligen Serie, in der Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek vom Vermögensverwalter Incrementum AG die Hintergründe und Folgen der Rückkehr der Inflation schildern. Der nächste Artikel erscheint in der letzten Jänner-Woche. Stöferle und Valek sind auch die Autoren des jährlich erscheinenden und vielbeachteten „In Gold We Trust“-Reports.

Hier geht es zu Teil 1 der Serie:

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

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Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

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Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
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Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
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Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

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Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
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Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

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Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

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Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

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Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
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Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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