23.11.2018

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

Die fünfte Staffel der Gründersendung Die Höhle der Löwen ging am 20. November zu Ende. Mit oder ohne Deal - für viele Startups lohnte sich allein der Werbewert im TV zu pitchen. Für andere Unternehmen wiederum erwies sich der Sendungsauftritt (zumindest marketingtechnisch) als desaströs. Ein Rückblick.
/artikel/die-hoehle-der-loewen-wrapup-2018
Waterdrop, Die Höhle der Löwen, Investment
(c) MG RTL D / Bernd-Michael Maurer - Die Wiener Christoph Hermann, Martin Murray und Thomas Henry Wieser, Gründer von Waterdrop, beim TV-Auftritt, der alles veränderte.

Eines vorweg. Ein Deal vor laufenden Kameras bedeutet nicht immer auch einen Deal hinter den Kulissen. Wie die Sportdatenbank „chucknorisk“ mit Bezug auf Plattformen wie „gruenderszene“ oder dem „Deutschen Startup Monitor“ berichtet, kam es in der fünften Staffel von Die Höhle der Löwen zu einer Abbruchquote von 17,7 Prozent, was im TV beabsichtigte Deal-Vorhaben betrifft. 82,3 Prozent gelungener Investments (wobei einige Gründer mit den Investoren noch in Verhandlungen stehen) bedeuten allerdings den Höchstwert seit dem Start der Show im Jahre 2014.

+++ Checklist: Wann zahlt sich eine Startup-TV-Show-Teilnahme aus? +++

Beachtlicher Investment-Rekord 2018

Tatsächlich stieg die Investitionssumme seit Beginn der Serie von Jahr zu Jahr. Während in Staffel eins 2014 1,87 Millionen Euro an Investitionen geplant waren, wurden damals 0,44 Millionen Euro (23,5 Prozent erfolgreiche Deals) auch tatsächlich getätigt. Jahr zwei brachte 31 Prozent gelungene Abschlüsse mit 0,99 Millionen Euro Beteiligung. Im dritten Jahr wurde zum ersten Mal die Millionengrenze übersprungen. 2016 wurden 3,66 Millionen investiert, bei einer Deal-Quote von 55,4 Prozent. Im Vorjahr sanken die Zahlen zwar etwas (3,66 Millionen Euro und 45 Prozent gelungene Deals). Die Verdreifachung im aktuellen Jahr – von 12,05 Millionen Euro geplanten Investments wurden 9,97 Millionen auch tatsächlich in die pitchenden Startups gesteckt – dagegen ist bemerkenswert.

Von lügenden Gründern und schauspielreifem Auftritt

Handschlag und Umarmungen, wie sie regelmäßig bei Die Höhle der Löwen auftreten, sind rechtlich nicht bindend. Die eigentliche Verhandlungsrunde beginnt nach den Dreharbeiten. Im Interview mit der gruenderszene erklärte Investor Carsten Maschmeyer, wieso einige der TV-Deals dann doch platzen. Er erzählt von flunkenden Gründern, die falsche Zahlen vorlegen oder Schulden verschweigen. Oder aber auch von solang aufgeschobenen Deals seitens der Founder, bis die Sendung, in der sie gepitcht haben, ausgestrahlt wird. Danach würde der Wert des Unternehmens steigen und manche CEOs würden dann mehr Geld verlangen. Auch kommt es vor, dass nach der Due Dilligence die Gründer keine passenden Antworten auf Fragen hinsichtlich Strategie und zukünftiger Zielsetzung vorweisen können – und ihr TV-Aftritt eine Art einstudiertes Theaterstück war.


Die größten DHDL-Deals 2018

Millionen-Deal fürs Haareschneiden

Nichtsdestotrotz: Sieht man sich die Statistik an, lohnt sich für Startups ein Auftritt in der Sendung. Von 173 Firmen, die seit Bestehen des TV-Formats keinen Deal erhalten haben, existieren heute noch 141. Von den 94 Unternehmen, die an Investoren gelangt sind, mussten lediglich vier aufgeben (Crispy Wallet, Gobl Gürtel, Lendstar und Popcornloop). Einer der „Gewinner“ der heurigen Staffel war “Calligraphy Cut” von Frank Brormann. Nach einem Schnitt mit dem “Calligraph” sollen die Haare nicht mehr splissen und sollen viel einfacher stylebar sein. Brormann erhielt von Judtih  Williams und Frank Thelen insgesamt eine Million Euro für 25 Prozent Anteile.

Höhle der Löwen, Vox, Judith Williams, Frank Thelen, Ralf Dümmel, Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler
(c) MG RTL D / Bernd-Michael Maurer – Die Investoren Judith Williams und Frank Thelen beim Überlegen ob sie in „Calligraphy Cut“ investieren sollen.

Mit Schlaf zur Million

Noch besser erging es dem Startup „Smart Sleep“, das eine Nährstoffkombination entwickelt hat, die die Erholung während des Schlafs beschleunigen soll. Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer boten dem Harvard-Absolventen und Gründer Markus Dvorak 1,5 Millionen Euro (500.000 Cash und der Rest in Mediavolumen) für ein Drittel der Firma, die er auch annahm.

Geldregen für FinTech

Auch der Finanzassist „Finanzguru“ von Alexander Michel (29) und Benjamin Michel (29) konnte bei Die Höhle der Löwen einen Millionen-Deal einfahren. Die App, die mit dem Bankkonto des Nutzers verknüpft ist, erstellt automatisch eine Übersicht über alle regelmäßigen Verträge, die das Konto zum Beispiel über Lastschriftverfahren belasten. Von Carsten Maschmeyer gab es nach harten Verhandlungen für 15 Prozent Anteile eine Millione Euro.

Ein System, sie alle zu „binden“

Um „Goleygo“, einem neuartigen Verschlusssystem, das eigentlich zum Anleinen von Hunden gedacht war, gab es unter den Investoren sogar Streit. Während Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer – für die Kameras schwer verständlich – über ein Angebot an die Gründer diskutierten, meinte Ralf Dümmel im Spaß, man könne ja auch gleich den Deal abschließen. Er und Frank Thelen hatten für 35 Prozent Anteile 500.000 Euro geboten. Die Gründer hörten diesen Vorschlag und stimmten zu, ohne sich ein Gegenagebot anzuhören. Der Rest der VCs zeigte sich über diese Vorgangsweise sehr verärgert, wie man bei Maschmeyer merkte, als er sagte: „Ich bin echt sauer. Das macht man nicht“. Diese Sendung endete mit ernsten Blicken und Schweigen.

Höhle der Löwen, Goleygo, Frank Thelen, Ralf Dümmel
(c) MG RTL D / Bernd-Michael Maurer – Diese beiden Gründer sorgten für Streit zwischen den Löwen.

Erfolg für heimisches Startup Waterdrop

Ebenfalls als Sieger dieser Staffel können sich die Wiener Gründer Christoph Hermann, Martin Donald Murray und Henry Wieser sehen. Ihr Startup „Waterdrop“ konnte – vor laufender Kamera – eine Million Euro für 12,5 Prozent Anteile und eine Umsatzbeteiligung von 5 Prozent im ersten Jahr, drei im zweiten und 1,5 im dritten von Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (jeweils 500.000 Euro) ergattern. Nach der Sendung änderte sich etwas: Auf den Deal mit Ralf Dümmel wurde vorerst verzichtet, wie Murray erzählt. Man wolle mit der flächendeckenden Platzierung in Deutschland noch etwas warten und zuerst den deutschen Markt verstehen und eigene Organisationen aufbauen. 2019 soll es mit dem Investor erneut Gespräche über eine Partnerschaft geben.

„Inhalator to go“

Auch der “aspiraclip” von Wolfgang Kleiner und Vinh-Nghi Tiet konnten sich über ein Investment freuen. Für den medizinischen Mini-Inhalator (to go), der Entspannung und Linderung von, unter anderem, Erkältungsbeschwerden verspricht, gab es nach harten Verhandlungen von Ralf Dümmel und Cartsen Maschmeyer 600.000 Euro (mit der Aussicht auf 400.000 Euro „working capital“) für 25 Prozent Anteile.


Die andere Seite der Medaille

Deftige Worte von Thelen für österreichischen Pitch

Die andere Seite der Medaille, bei Die Höhle der Löwen aufzutreten, mussten die Österreicher Kimberly Lang und ihr Partner Guillermo Neugebauer erleben. „Trinity“ ist in Modelabel mit besonderem Kleidungssystem: Unterteile können per Zippverschlusssystem mit Oberteilen verbunden werden. Schützende Stoff-Laschen bedecken dabei den Reißverschluss. Mit der Kollektion von, zurzeit der Aufzeichung, 105 Kleidungsstücken sollten bis zu 18.000 verschiedene Kombinations-Möglichkeiten für Outfits möglich sein.

Auffallend war in dieser Staffel generell, dass besonders Frank Thelen ärgerlich wurde, wenn die Firmenberwertung von den Gründern zu hoch angesetzt war. So auch bei „Trinity“: 500,000 Euro für zehn Prozent Anteile. Dies wurde von den Foundern damit argumentiert, das der Textilmarkt so groß sei. Dies brachte Thelen derart in Rage, dass er die 27-jährige Lang fragte, ob sie die Jury “verarschen wolle”. Beide Founder zeigten sich jedoch nach der Sendung kämpferisch und gelobten weiterzumachen.

Eine der härtesten Absage der Show-Historie

Auch Jens Schwindt, Kinderarzt in Wien und Michael Hoffmann, Head of Finance, gingen mit ihrem Patientensimulator „Paul“ leer aus. Allerdings mit der gewichtigen Aussage von Carsten Maschmeyer, dass es für ihn die “schwerste Absage seit Bestehen der Sendung” sei, die er hier ausspreche. Den Investoren fehlte der Mut einen stark umkämpften Zielmarkt mit „Paul“ anzuvisieren.

„Überflüssigstes Produkt der Sendung“

Ebenfalls, gelinde gesagt, mäßig erfolgreich war “Lazys” von Jens Willecke und Marcus Maaßen. Der Aufsatz für die Sohle unter Skischuhen, der das Gehen und Stehen in diesen weniger unangenehm gestalten soll, wurde von Georg Kofler als „das überflüssigste Produkt“, das er in der Sendung je gesehen habe, tituliert. Auch andere Investoren erkannten im Produkt wenig Sinn und stiegen aus.


Großer Erfolg für TV-Sender VOX

Die Höhle der Löwen wurde besonders in diesem Jahr zum Quotenrenner. Im Durchschnitt blickt der Sender VOX mit Quoten von 14,9 Prozent (14-59), 18,5 Prozent (14-49), 21,7 Prozent (14-29) sowie 2,95 Millionen Zuschauern ab drei Jahren auf die erfolgreichste Staffel seit Sendestart beim Gesamtpublikum (sowie bei den 14-49-Jährigen). Insgesamt bedeutet das, dass der TV-Sender mit der Gründer-Show in elf von zwölf Wochen Marktführer bei den 14-49-Jährigen in der Primetime war.

Auch auf Social Media beliebt

Auch die Daten auf den sozialen Netzwerken lassen sich sehen: Bei Twitter landete der Hashtag #DHDL regelmäßig auf Platz 1 der Deutschland-Trends, bei Facebook verfolgten fast 185.000 Fans das Geschehen rund um die Gründer-Show.

Die Höhle der Löwen kehrt 2019 wieder

Das Ende der fünften Staffel bedeutet noch lange nicht das Ende der Sendung. 2019 geht es mit „Die Höhle der Löwen“ weiter. In den neuen Folgen wird neben den bewährten „Löwen“ Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Georg Kofler, Dagmar Wöhrl, Frank Thelen und Ralf Dümmel mit Nils Glagau auch ein neuer Investor dabei sein. Glagau ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Orthomol, das am Standort Langenfeld bei Düsseldorf mit über 400 Mitarbeitern Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel produziert. Darüber hinaus fördert Orthomol Startups, unter anderem aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bewegung. Bewerbungen für die nächste Staffel unter: [email protected]


⇒ Zur Homepage von DHDL

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
23.06.2026

HTL Spengergasse: Die Wiener Talenteschmiede

Viele der spannendsten jungen Tech-Talente Österreichs kommen von derselben Schule: der HTL Spengergasse in Wien. Zufall ist das nicht.
/artikel/wiener-talenteschmiede
23.06.2026

HTL Spengergasse: Die Wiener Talenteschmiede

Viele der spannendsten jungen Tech-Talente Österreichs kommen von derselben Schule: der HTL Spengergasse in Wien. Zufall ist das nicht.
/artikel/wiener-talenteschmiede
Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Die Höhle der Löwen: Die größten Deals und die härtesten Absagen 2018