Diagnosia: Exit für Hansmann und Speedinvest bei Wiener HealthTech-Startup
Der Österreichische Apotheker-Verlag (Apoverlag), der dem Österreichischen Apothekerverband und dem Verband angestellter Apotheker gehört, übernimmt die Mehrheit der Anteile des Wiener E-Health-Startups Diagnosia u.a. von Business Angel Hansi Hansmann und Speedinvest (II).
2011 gegründet, bietet das Wiener HealthTech-Startup Diagnosia die – nach eigenen Angaben – meist verwendete Ärzte-App des Landes (Diagnosia Mobile) mit knapp 9000 aktiven Ärztinnen und Ärzten sowie eine der meist verwendeten Arzneimittel-Softwares (Diagnosia Enterprise) bei über 70 Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen. Bereits sehr früh war Bsuiness Angel Hansi Hansmann eingestiegen. 2017 folgten in einer weiteren Finanzierungsrunde Speedinvest (SI II) und GI Pharma – Hansmann verstärkte damals sein finanzielles Engagement. Nun verkauften die drei Investoren ihre Anteile in einem weiteren Deal.
Der Österreichische Apotheker-Verlag (Apoverlag), der zu je 50 Prozent dem Österreichischen Apothekerverband und dem Verband angestellter Apotheker gehört, übernimmt laut einsehbaren Firmendaten rund 47 Prozent des Unternehmens. Der Deal ist aber noch nicht abgeschlossen – seitens des Startups ist von „mehr als 50 Prozent“ die Rede, die am Ende dem Apoverlag gehören werden. Neben Hansmann (zuvor ca. 27 Prozent), Speedinvest (ca. 12 Prozent) und GI Pharma (ca. 2,5 Prozent), die mit dem aktuellen Deal raus sind, wird auch Co-Founder und Geschäftsführer Lukas Zinnagl im nächsten Schritt Anteile verkaufen (er steht laut einsehbaren Firmendaten derzeit noch bei rund 36,5 Prozent). Co-Founder und COO Michael Mikesch hält seine Anteile (ca. 16,5 Prozent) und komplettiert die aktuelle Gesellschafter-Liste. Über das Volumen des Deals gibt Diagnosia keine Auskünfte.
Diagnosia soll Apoverlag-Angebot „strategisch ergänzen“
Die Zusammenarbeit von Diagnosia und Apoverlag solle die Arbeit für Ärzte und Pharmazeuten vereinfachen, die Qualität der Patientenversorgung deutlich erhöhen und das Informationsangebot konsolidieren, heißt es in einer Aussendung zu Deal. Das Startup werde vorrangig im Bereich Ärzte und Krankenanstalten das Produkt- und Dienstleistungsportfolio des Apoverlag strategisch ergänzen. „Diagnosia hat in den letzten Jahren durch starkes Wachstum bewiesen, dass Ärzte und andere medizinische Fachkreise die Softwarelösung in ihre tägliche Arbeit einbeziehen. Über die große Marktdurchdringung in Österreich und Deutschland, sowie die laufend wachsende Funktionalität, hat es in Österreich eine Innovationsführerrolle in diesem Marktsegment eingenommen“, sagt Heinz Wlzek, Geschäftsführer des Apoverlag.
i5invest strukturierte den Deal
Diagnosia CEO Lukas Zinnagl kommentiert: „Der Zusammenschluss mit dem Apoverlag ermöglicht uns die Erweiterung der Kundengruppe auf Pharmazeuten und die Stärkung unseres Enterprise Produktes, das Krankenanstalten in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit einer Software Lösung für Arzneimittelinformationen versorgt“. Strukturiert wurde der Deal von i5invest. Der verantwortliche M&A-Berater Johannes Raidl sieht im Zusammenschluss großes Potenzial: „Die starke Digital-Kompetenz von Diagnosia vereint mit der Reichweite und Marktstärke des Apoverlag werden beiden Unternehmen einen Wachstumsimpuls geben und es ermöglichen weitere Produktinnovationen im Markt einzuführen“.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.
Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.
Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.
1. Die Marke laufend hinterfragen
„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.
Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.
Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“
Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“
Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.
3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen
Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.
Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“
Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“
4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen
„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.
Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“
Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“
5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen
Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“
Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“
Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“
6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen
Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“
Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.
Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“
Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.
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