04.12.2025
ENTBÜROKRATISIERUNG

Deregulierungspaket: Das fordern Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria

Seit die Regierung gestern ihr erstes Deregulierungspaket vorgestellt hat, wird auch in der Innovations- und Startupszene intensiv diskutiert. Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria richten einige Gesetzesvorschläge an die Regierung.
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(ln.r.): Andreas Schwarzenbrunner, Hannah Wundsam, Sepp Schellhorn, Valentin Krenkel | © Andreas Schwarzenbrunner

Gestern präsentierte die Regierung das erste Deregulierungspaket zur Entbürokratisierung (brutkasten berichtete). Seither sind die 113 Maßnahmen, die in den nächsten drei Monaten umgesetzt werden sollen, in aller Munde. Die ersten Statements aus dem Wirtschaftsökosystem zeigen: Das Paket wird grundsätzlich begrüßt. Doch viele sehen es als Auftakt, nicht als Ziel.

So auch wichtige Stimmen aus der Startup- und Innovationsszene. AustrianStartups, Speedinvest und invest.austria “begrüßen mehrere Maßnahmen, die Gründer:innen konkret entlasten – betonen jedoch, dass diese Schritte nicht ausreichen, um Österreich im globalen Wettbewerb als Innovationsstandort zu stärken.” Viele der Punkte seien “positiv und notwendig – doch sie adressieren nur einzelne Aspekte eines viel umfassenderen Problems.”

Abbau der Bürokratie muss „oberste Priorität“ sein

Was weiterhin noch im Paket der Regierung fehle, sind laut Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von AustrianStartups, „die großen strukturellen Reformen, die unser Ökosystem seit Jahren fordert. […] Wenn wir möchten, dass innovative Unternehmen in Österreich nicht nur starten, sondern auch bleiben und wachsen, müssen diese Bereiche endlich prioritär behandelt werden.“

Ein bekanntes Problem sei hierzulande die Bürokratie. „Österreich muss Unternehmen das Leben deutlich erleichtern und vollständig digitale Prozesse schaffen. Europa steht sich zu oft selbst im Weg: Bürokratische Hürden bremsen Innovation und gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit. So kommen wir nie zurück auf die Wachstumsspur“, sagt Andreas Schwarzenbrunner, General Partner Speedinvest.

Auch Valentin Krenkel, Deputy Managing Director invest.austria, appelliert an die Regierung, dass der Abbau der Bürokratie derzeit die „oberste Priorität“ sein müsse. „Österreich braucht jetzt eine Standortpolitik, die Investitionen erleichtert und Wachstum ermöglicht“, sagt er.

Gemeinsam arbeiteten AustrianStartups, Speedinvest und invest.austria fünf Gesetzesvorschläge aus, die über das aktuelle Paket hinausgehen und vor allem der Startup- und Investor:innen-Community zugute kommen würden.

1: Abschaffung des Notariatsakts

Eine Umfrage von Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria, bei der 230 Gründer:innen und Investor:innen befragt wurden, zeigte, dass die häufigste Forderung die Notariatsakte betrifft (Stand: Herbst 2025). Diese würden nämlich internationale Finanzierungsrunden verzögern, wodurch Startups in Liquiditätsengpässe gerieten.

Ein dringender Vorschlag sei daher, Formvorschriften und Mindestkapital bei der FlexCo abzuschaffen.

2: Lohnnebenkosten senken

Aufgrund der hohen steuerlichen Belastung Österreichs, fordern Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria eine Lohnnebenkostenbefreiung für Unternehmen für die ersten drei Jahre, mit einer anschließenden Halbierung für weitere zwei Jahre.

3: Mitarbeiterbeteiligungen modernisieren

Das derzeitige Modell würde Scaleups und ältere Startups ausschließen. Um dem entgegenzuwirken, schlägt man folgendes vor:

  • Keine Alters-, Umsatz- oder Größenbeschränkungen
  • Begünstigungen für Phantom Shares
  • Lösung der Dry-Income-Problematik
  • Vereinfachung auf 27,5 % KESt beim Exit

4: Bürokratie abbauen & Talentzuzug erleichtern

Hier schlagen Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte mit garantierter Bearbeitungszeit und eine Pre-Clearance für Visa vor.

5: EU-Inc – eine europäische Rechtsform

Damit Österreich global mitspielen kann, brauche es laut Speedinvest, AustrianStartups und invest.austria einen integrierten EU-Markt. Hierfür fordert man eine digitale pan-europäische Rechtsform mit einem zentralen EU-Register und standardisierten Stock Option- und Investitionsdokumenten.

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Vl.: Georg Reich, CFO/COO Checkyeti, Timothée de Roux, CEO Manawa, Jakob Keller, CEO Checkyeti | (c) Checkyeti
Vl.: Georg Reich, CFO/COO Checkyeti, Timothée de Roux, CEO Manawa, Jakob Keller, CEO Checkyeti | (c) Checkyeti

Medial war es in den vergangenen Jahren eher ruhig rund um den Wiener Outdoor- und Nature-Activity-Marktplatz Checkyeti. Brutkasten berichtete zuletzt 2019 über eine Vier-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde. Seitdem hat sich dem Vernehmen nach jedoch einiges getan, wie öffentlich einsehbaren Firmendaten zu entnehmen ist.

So dürfte es etwa 2024 eine größere Finanzierungsrunde gegeben haben – in diesem Jahr kam es zu einer signifikanten Anteilsverschiebung zur oberösterreichischen Investmentgesellschaft Bamberger GmbH und einer deutlichen Steigerung des im Jahresabschluss ausgewiesenen Eigenkapitals. Zudem verließ in dem Jahr Co-Founder Stefan Pinggera das Unternehmen. Georg Reich hingegen ist nach wie vor Geschäftsführer – mittlerweile gemeinsam mit Jakob Keller. Im jüngsten einsehbaren Jahresabschluss 2024/2025 steht weiterhin eine Vergrößerung des Bilanzverlusts um fast drei Millionen Euro zu Buche, was auf Verluste in der Höhe hindeutet. Gleichzeitig stiegen die liquiden Mittel deutlich.

Zwei „sehr komplementäre“ Unternehmen

Nun gab Checkyeti aber die Übernahme eines französischen Konkurrenten bekannt. Mit der 2021 in Paris gegründeten Alentour SAS kauft das Wiener Unternehmen den Marktplatz Manawa auf, der ebenfalls auf Outdoor- und Nature-Aktivitäten spezialisiert ist. Dabei bringe man „zwei sehr komplementäre“ Unternehmen zusammen, wird betont. „Die Transaktion bringt nicht nur eine Vergrößerung des Unternehmens, sondern vereint sich ergänzende geografische Stärken, Produktportfolios, Technologien und langjährige Beziehungen zu Anbietern und schafft so eine stärkere Plattform für Kund:innen, Anbieter von Aktivitäten und Reiseziele gleichermaßen“, heißt es dazu.

Französische Banque des Territoires finanziert Deal mit

Über das Volumen des Deals gibt es keine Auskunft. Der Deal werde teilweise über die französische Banque des Territoires finanziert, die bereits zuvor Manawa finanzierte und nun auch Anteilseigner der Gruppe wird. Die Marke Manawa soll innerhalb der Gruppe erhalten bleiben, das Unternehmen weiterhin eigenständig agieren – aber im Rahmen einer intensiven Zusammenarbeit. Gemeinsam biete man nun ein Netzwerk von mehr als 8.000 Anbietern in ganz Europa mit Zugang zu mehr als 27.000 Outdoor- und Naturerlebnissen und schaffe damit den größten spezialisierten Marktplatz für Outdoor- und Naturaktivitäten auf dem Kontinent.

„Wir können nun die Zukunft unserer Branche aktiv mitgestalten“

„Diese Transaktion spiegelt die Position wider, die Checkyeti in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Wir können nun die Zukunft unserer Branche aktiv mitgestalten, anstatt nur an ihr teilzunehmen. Unsere Ambition geht weit über den Zusammenschluss zweier erfolgreicher Unternehmen hinaus“, kommentiert Checkyeti-CEO Jakob Keller. Und Co-Founder und COO Georg Reich meint: „Manawa ist eine hervorragende strategische Ergänzung, die komplementäre Stärken, tiefes lokales Fachwissen und vertrauensvolle Beziehungen zu Anbietern einbringt. Gemeinsam können wir mehr in den digitalen Vertrieb, die KI-gestützte Kundenakquise, Automatisierung und das Kundenerlebnis investieren und gleichzeitig einen deutlich größeren Mehrwert sowohl für Anbieter als auch für Reisende schaffen.“

Manawa-CEO Timothée de Roux sagt: „In den vergangenen Jahren haben wir eine starke Plattform und vertrauensvolle Beziehungen zu Tausenden von Erlebnisanbietern in ganz Europa aufgebaut. Teil von CheckYeti zu werden, gibt uns die Größe, die Technologie und die Ressourcen, um diesen Weg zu beschleunigen und noch mehr Mehrwert für unsere Partner und Kunden zu schaffen.“

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