07.05.2026
STUDIE

Deloitte Radar: „Von einer Aufbruchstimmung sind wir meilenweit entfernt“

Deloitte Österreich präsentierte heute den jährlichen "Deloitte Radar" - ohne große Überraschungen bei den (schlechten) Umfrage-Ergebnissen und den politischen Forderungen.
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v.l.n.r: Herbert Kovar, Harald Breit | (c) Niklas Schnaubelt
v.l.n.r: Herbert Kovar, Harald Breit | (c) Niklas Schnaubelt

„Die Krise ist das neue Normal“, konstatiert Deloitte-Österreich-CEO Harald Breit gleich zu Beginn der Präsentation des diesjährigen „Deloitte Radar“. Für die Studie, die den Status Quo des Wirtschaftsstandorts abbilden soll, wurden dieses Jahr 575 heimische Führungskräfte befragt, davon 35 Prozent auf C-Level. Zudem wurden wieder mehrere internationale Rankings herangezogen.

Breit zählt bei der Präsentation die Krisen seit 2020 von Corona über Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, US-Zölle und Iran-Krieg auf. Es habe durch makro- und mikroökonomische Auswirkungen einen „dramatischen Einbruch der Wettbewerbsfähigkeit“, insbesondere in der Industrie gegeben. „Und es wird auch nicht besser“, so der CEO. Die kurzzeitige Hoffnung auf eine Erholung Anfang des Jahres sei durch den Iran-Krieg zunichte gemacht worden. „Dieses Fenster ist ebenso geschlossen wie die Straße von Hormus“, so Breit. Gleichzeitig betont er: „Die Probleme sind teilweise auch hausgemacht.“ – und eröffnet damit die schon gewohnte Aufzählung, bereits bekannter empfohlener politischer Maßnahmen.

Negative Stimmung, negativer Ausblick

Doch zunächst zu den Zahlen: Rund ein Drittel der Befragten für den diesjährigen „Deloitte Radar“ gibt an, die Stimmung in Österreichs Wirtschaft als negativ oder sogar sehr negativ wahrzunehmen, während nur 14 Prozent die Stimmung positiv sehen. Jedes zweite Unternehmen gibt an, vom Krieg im Nahen Osten direkt betroffen zu sein. Sechs von zehn Unternehmen erwarten negative Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit. Darüber hinaus beklagen 61 Prozent die hohen Energiekosten.

Entsprechend ist auch der Ausblick düster: Nur 32 Prozent der befragten Führungskräfte blicken optimistisch auf die Entwicklung ihres eigenen Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten, 29 Prozent pessimistisch. In Bezug auf den Standort Österreich blickt nur rund ein Viertel (24 Prozent) optimistisch auf das nächste Jahr, während 29 Prozent negativ eingestellt sind. „Von einer Aufbruchstimmung sind wir meilenweit entfernt“, fasst Breit zusammen.

Schwache Leistung in internationalen Rankings

Keine guten Nachrichten gibt es von Deloitte auch im Bereich internationale Rankings: Im aktuellen World Competitiveness Index stagniert Österreich auf dem schwachen 26. Platz. „Seit 2020 sind wir um zehn Plätze abgestürzt“, betont Breit. Im Global Innovation Index verzeichnet das Land einen leichten Rückgang und rutscht auf Rang 19 ab. Im World Happiness Report reicht es nach mehreren Abstiegsjahren in Folge nur mehr für Platz 17. Einzig beim Sustainable Development Goals (SDG) Index belegt die Republik wie im Vorjahr den 6. Platz.

(c) Deloitte

„Man muss kein Ökonom sein, um zu verstehen, dass diese Entwicklung keine Erfolgsstory ist – höflich formuliert“, meint der Deloitte-CEO und betont: „Auf den Spitzenplätzen sind Länder, die in der Größe mit Österreich vergleichbar sind. Die Größe des Landes kann es also ganz sicher nicht sein.“

(c) Deloitte

Konkrete Sorgen

Und woran happert es konkret? Die österreichischen Führungskräfte empfinden laut Studie vor allem die überbordende Bürokratie (58 Prozent), die allgemeine Unsicherheit (53 Prozent) und die hohen Steuern und Abgaben (37 Prozent) als besonders problematisch. Im IMD-Ranking belege die österreichische Steuerpolitik aktuell nur Platz 64 von 69 Ländern, ergänzt man bei Deloitte. Neben der Steuerpolitik wird auch der Arbeitsmarkt negativ beurteilt. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) beurteilt die Verfügbarkeit von Fachkräften als schlecht, über ein Viertel (27 Prozent) gibt dem Standort bei den Personalkosten schlechte Noten. Auch bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender gibt es Luft nach oben: 20 Prozent vergeben hier nur ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“.

„Echte Strukturreformen“

Und damit zurück zu den von Deloitte vorgeschlagenen Maßnahmen. Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich, äußert sich bei der Präsentation deutlich: „Es gibt einen dringenden Handlungsbedarf: Man muss signifikant die Lohnnebenkosten senken, um wirklich einen Lenkungseffekt zu haben, nicht nur homöopathisch.“ Statt der zuletzt erfolgten Senkung um einen Prozentpunkt sollte man etwa drei Prozentpunkte andenken. Es gehe aber nicht nur um die Abgabenlast auf Arbeitgeberseite. „Es muss mehr Netto vom Brutto geben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen hier in einem Boot: Sie sind der Lastesel, der alle Kosten der Bürokratie tragen muss. Und der wird irgendwann zusammenbrechen“, so Kovar.

Neben der Senkung der Abgabenquote brauche es auch einen Bürokratie- und Föderalismusabbau. „Man muss sich dazu jeden einzelnen Prozess in der Verwaltung anssehen“, meint Kovar. Breit drückt es noch drastischer aus: „Wir verwalten unsere Wirtschaft zu Tode.“ Der CEO betont dabei die Vielgleisigkeit bei Verwaltung und Institutionen. Zudem müsse man den Arbeitsmarkt flexibilisieren und das Pensionsalter anheben. Es brauche eben „echte Strukturreformen, nicht nur Budget-Maßnahmen“.

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IOD (In-Orbit Demonstration) Satellit AT-Astra © R-Space

Ride-Share-Modell und Technologie-Tests

R-Space, das vor kurzem seinen neuen Firmensitz am Flughafen Wien bezog, bietet einen durchgängigen Service für sogenannte In-Orbit-Demonstrationen an, um die Wartezeit auf Tests im All zu verkürzen, ein Konzept, das bereits beim Firmenstart im Fokus stand. Beim aktuellen Erstflug werden Experimente von drei Kund:innen befördert.

Konkret testen die beiden österreichischen Unternehmen Enpulsion (flüssiges Indium-Metall für Antriebe) und SunBooster (mikrometeoritenresistente Solarmodule) ihre Technologien im Orbit. Ebenfalls mit an Bord ist ein kompakter Sternsensor zur Trümmererkennung des portugiesischen Partners Synopsis Planet. Durch dieses „Ride-Share“-Modell liege der Preis laut dem CEO „deutlich unter den anderen kommerziell angebotenen Services.“ Konkrete Zahlen nennt das Startup nicht.

Auslastung und Markthürden

Schwarze Zahlen schreibt das rund zehnköpfige Team derzeit noch nicht. Laut Scharlemann sei es dafür noch zu früh, da in den kommenden Jahren weiter in die Servicekette investiert werden müsse.

Die Nachfrage für Folgemissionen ist dennoch vorhanden: Für das Jahr 2027 plant R-Space bereits zwei weitere Satellitenstarts, deren Kapazitäten bereits zu zwei Dritteln ausgebucht sind. Mehr Starts wären theoretisch denkbar, scheitern aktuell jedoch an den unflexiblen Rahmenbedingungen der Raumfahrtindustrie. „Hierfür ist der Launcher-Markt zu langsam und unflexibel“, so Scharlemann. Raketenstarts müssten meist 12 bis 24 Monate im Voraus gebucht werden, kurzfristige Slots seien eine Seltenheit.

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