15.11.2020

Deja(n)vú: Die Highlights der Woche von Bosek bis KMU Roadshow

Deja(n)vú - die Kolumne von brutkasten-Herausgeber Dejan Jovicevic zu den Highlights der Woche im brutkasten.
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der brutkasten: Deja(n)vú - die Kolumne von der brutkasten-Herausgeber Dejan Jovicevic
(c) der brutkasten: Deja(n)vú - die Kolumne von der brutkasten-Herausgeber Dejan Jovicevic

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich melde mich mit meiner wöchentlich angedachten Deja(n)vú-Kolumne wieder zurück. Das ist auch als positives Signal in dieser fordernden Zeit gedacht. 

Wir waren in den vergangenen Monaten sehr fleißig. Bei der Umsetzung von digitalen Events sind wir laut den Software-Anbietern die aktivste Agentur im DACH-Raum und sogar darüber hinaus. Alleine diese Woche haben wir sieben tolle Events (end-to-end) umgesetzt. Das hat mein Zeitbudget und jenes meiner Kollegen Anna Ge und Haris Dervisevic und deren Teams beansprucht. Und diese Teams haben wir in letzter Zeit stark ausgebaut – auch die Organisation und die Infrastruktur mit allem was damit zusammenhängt, etwa Prozessen, Standards uvm. Wir haben auch in unserem journalistischen Kern, als Medium für die GestalterInnen der Zukunft, einige sehr wichtige neue Meilensteine erreicht und in unserem dritten Geschäftszweig, der Jobbörse & Employer Branding Plattform, ein cooles Team unter der Führung von Emanuel Kaspar aufgebaut. Aber zu diesen Updates vom brutkasten ein anderes Mal mehr. Stay tuned! 

Heute möchte ich für euch die letzte Woche mit ein paar Insights Revue passieren lassen.

Ausstieg aus der Komfortzone

Peter Bosek, CEO von Erste Bank Österreich, verabschiedet sich mit Jahresende in Richtung Baltikum. Er hat uns ein ausführliches Interview mit vielen spannenden Einblicken in die Finanz- und Bankenwelt bzw. unsere Wirtschaft gegeben. Wir haben gemeinsam die Auswirkungen der Technologie und der Tech-Player bzw Fintechs auf die Banken analysiert sowie über die Konsolidierung und Eigentümer-Struktur im Bankensektor, wie auch über seinen Neustart im Baltikum gesprochen. Er will es dort einfach noch einmal wissen. Ich konnte ihm auch off-record nichts anderes entlocken: Er steigt aus der Komfortzone aus und beginnt dort bei Null. Der Zeitpunkt passt – beruflich und privat. Die Erste liegt ihm aber sehr am Herzen. Gegen sie anzutreten, schließt er kategorisch aus. Eine Rückkehr? Darüber denkt er nicht nach. Ich halte es für gut möglich, zumal er hier eine große Fangemeinde hat. Sehens- und lesenswert!

Comeback mit Leidenschaft

Andreas Tschas hingegen feiert sein Comeback und baut mit seinem Co-Founder Rainhard Fuchs eine globale Carbon Reduction Plattform auf. Sein ganzes bisheriges Know How fließt hier rein, unternehmerisch und inhaltlich. Ich habe Andi und Rainhard ein paar Mal im Vorfeld getroffen und beobachte sie auch als Büronachbarn an unserem zweiten Standort im Tribespace: Sie brennen für das Thema – da ist eine ordentliche Dynamik dahinter. Sie haben knappe 15 Leute im Team, sie sind laut, omnipräsent, voll am Ball. Man spürt die Leidenschaft. Sie starten mit 50 Kunden und Partnern, haben die Entwicklung selber finanziert und locken auch schon Investoren an. Ich schaffe es gerade nicht, Andi zu fragen wie viel ich hier verraten darf (Redaktionsschluss…), belasse es lieber dabei. Die News (und das Video-Interview) ist übrigens ordentlich eingeschlagen, die Rückmeldungen waren überwältigend. Damit habe ich auch gerechnet. 

EcoTech-Schwerpunkt

Seit dem Jahr 2017 setzen wir einen redaktionellen Schwerpunkt auf das Thema EcoTech, begleiten seitdem das Greenstart-Programm des Klima- und Energiefonds bzw. dessen Partnern mit so gut wie allen Initiativen, die sich bei uns melden. Unseren EcoTech Corner bauen wir sukzessive mit neuen Formaten aus. Auch mit Andi haben wir hier etwas vor, stay tuned.

Unsere Serie “One Change a Week” mit Markus Linder, dem Gründer von Inoqo, ist mir in diesem Zusammenhang ebenso ein Herzensanliegen. Dabei geht es um simple Tipps für jedermann, den eigenen CO2 Abdruck zu reduzieren. Martin Pacher hat das unsererseits in die Hand genommen und produziert mit Markus Top-Content. Sie tüfteln gerade an neuen Formaten und haben schon spannende Studiogäste für künftige Folgen eingeladen. Nächste Woche soll Umweltministerin Leonore Gewessler als Gast ins Studio kommen. Schaut euch die Serie an, es lohnt sich. Markus ist übrigens ein beeindruckender Gründer, dem ich viel zutraue. Er denkt sehr global. Keep an eye on them… 

Start der Tech Talks

Mit Amazon Web Services (AWS) haben wir eine neue Serie begonnen: Die Tech Talks. Wir holen die CTOs, CPOs, Engineers, Dev.Ops & Co vor den Vorhang. Wir gewähren gemeinsam also einen Blick hinter die Tech-Kulissen der Startups, nachdem wir bisher mehr mit den Business Guys & Girls gesprochen haben. Es ist eine super spannende Serie. Parallel mit ihrem Start haben wir einen eigenen Tech Corner auf unserer Website gelauncht. Mein Co-Host, Daniel Zielinski, der bei AWS für Startups zuständig ist, bewährt sich übrigens als echter TV-Shooting Star. Das müsst ihr Euch ansehen. Wir haben unter anderem mit Planradar, Tourradar, Eversports, Warrify und Bitpanda gesprochen. Die Ausstrahlung erfolgt bis Jahresende wöchentlich am Dienstag. 

Deine Welt und Junges (Krypto-)Geld

Unsere beiden externen Kolumnisten Mic Hirschbrich und Niko Jilch sind Woche für Woche ausgesprochen lesenswert. Niko macht tiefgründige Finanz-Analysen, denen wir im Channel “Junges Geld” Raum geben. Der philosophische Technologe Mic Hirschbrich rockt den Channel “Deine Welt” mit seiner gesellschaftspolitisch angehauchten Kolumne “Mic am Montag”. 

Mic meinte gestern in einer Diskussion über Facebook, die Vision eines völlig offenen Netzwerkes sei gescheitert – an den Usern. Einerseits musste man regulativ eingreifen, andererseits habe man damit die Büchse der Pandora geöffnet. Ich hoffe, er vertieft das in seiner Kolumne. Sehr spannende Gedanken – das Thema wäre jedenfalls nicht neu für Mic. 

Ich darf euch aber auch die Analysen von Wolfgang Fallmann aus der Blockchain und Crypto-Welt sehr ans Herz legen. Zu den Blockchain Themen schreiben auch die Coinpanion-Gründer regelmäßig für uns und bringen spannende Insights. Und gemeinsam mit Alfred Taudes, Wissenschaftlicher Leiter und Koordinator des Austrian Blockchain Center des Forschungsinstituts für Kryptoökonomie an der WU Wien, moderiert Stefan Mey jeden Donnerstag eine Folge der Video-Interviewreihe “Blockchain in Real Life”: Wie der Namen schon sagt, werden hier Blockchain-Projekte aus dem echten Leben präsentiert.

Podcast gestartet – KMU Roadshow vor Start

Vor wenigen Wochen haben wir zudem einen redaktionellen Podcast gestartet: “Editor’s Choice” erscheint jeden Mittwoch, die Redaktion debattiert hier über die drei wichtigsten Neuigkeiten der bisherigen Woche. Ein Pflichtprogramm für alle, die auch unterwegs up-to-date bleiben wollen!

Und last but not least steht noch die brutkasten KMU-Roadshow 2020 vor der Türe, die als digitale Eventreihe vom 17. November 2020 bis zum 19. Jänner 2021 in die zweite Runde geht. Letztes Jahr waren wir mit 9 Events in jedem Bundesland unterwegs. Damit wollen wir den KMU helfen, ihre unternehmerische Zukunft zu gestalten, sich untereinander, mit Startups und Corporates zu vernetzen, auszutauschen und Synergien zu suchen. KMU sollen so neue Technologien kennenlernen, um ihre bisherigen Geschäftsfelder zu erweitern. Startups wiederum erschließen für ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen neue Vertriebskanäle. 

Mehr dazu auf unserer Website kmu-gestalten.at/. Kurz vorweg: Auch heuer wird es wieder ein eigenes Matchmaking hosted by aws Connect geben. Bereits bei unserer KMU-Roadshow im letzten Jahr konnten wir so unzählige Kooperationsgespräche erfolgreich umsetzen. Mit dieser Expertise wollen wir mit der KMU-Roadshow 2020 den nächsten Schritt gehen, um Unternehmerinnen und Unternehmern in wirtschaftlich sehr herausfordernden Zeiten zur Seite zu stehen!

Soviel für diese Woche. Nächste Woche suche ich mir vielleicht ein Thema der Woche aus und vertiefe es für Euch!

Herzlich,

FEuer Dejan

Herzlich,
Euer Dejan

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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