18.06.2021

Eine Geldmaschine auf Ecstasy

DeFi ist der heißeste Teil des Kryptomarktes. Ein völlig unreguliertes Finanzsystem auf Drogen. Die Rendite ist enorm. Das Risiko auch. Jetzt hat es mit Mark Cuban einen Prominenten erwischt.
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brutkasten-Kolumnist Niko Jilch
brutkasten-Kolumnist Niko Jilch | Hintergrund (c) Adobe Stock

Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Das gilt auch für Milliardäre wie Mark Cuban. In den USA ist Cuban ein household name, man kennt ihn. Er ist oft im Fernsehen, besitzt ein NBA-Team – die Dallas Mavericks. Sein Vermögen beläuft sich laut Forbes auf mehr als vier Milliarden Dollar. Aber gestern hat es sich ein bisschen verringert.

Cuban gilt als großer Fan von „decentralized finance“, DeFi. Das ist ein etwas schwammiger Überbegriff für verschiedene Protokolle und Plattformen, die Finanzgeschäfte ermöglichen. Dazu gehören dezentrale Börsen, die für die Bereitstellung von Liquidität einen Teil der Handelsgebühren auszahlen.

Es gibt Kreditplattformen, die man als Gläubiger und als Schuldner nutzen kann. Und verschiedene Stablecoin-Projekte, also Coins, die meist den Wert des US-Dollar widerspiegeln und als Basis für die anderen Geschäfte dienen. Man muss sich das vorstellen wie ein Finanzsystem auf der Blockchain, auf Ethereum, Polkadot, Solana, Tezos und so weiter. Ohne Regulierung. Ohne Netz. Ohne doppelten Boden.

Der große Boom um DeFi

Inzwischen stecken rund 60 Milliarden Dollar in diesen Protokollen. Der Hype lässt sich am besten mit jenem um ICOs im Jahr 2017 vergleichen, als Coins ohne Zweck endlos in den Himmel spekuliert wurden.

Im Mittelpunkt von DeFi steht das so genannte „yield farming“, bei dem es am Ende um die Erzielung einer Rendite geht – ohne dabei zu traden. Man stellt lediglich seine Coins zur Verfügung. Wofür auch immer. Die Verzinsung wird meist in Token der jeweiligen Plattform ausbezahlt, die dann auch stark im Wert schwanken. Klingt verrückt, gefährlich und verwirrend. Ganz genauso ist es.

Die irre neue Finanzwelt ist gefährlich

Aber DeFi hat längst die obskuren Ecken des Internets verlassen und Mark Cuban ist einer der Gründe dafür. Er liebt die kleine, virtuelle Gelddruckmaschine und erklärt das jedem, der es hören will. Es ist auch durchaus faszinierend, denn DeFi braucht keine Investoren, um Projekte zu starten. Man stellt sie einfach auf die grüne Wiese, bietet eine gewaltige Verzinsung und wartet bis die Menschen kommen und Liquidität mitbringen. Dann geht das Wachstum los.

Diese irre neue Finanzwelt kommt wie gesagt ohne Regulierung und Aufsicht aus. Sie läuft zum größten Teil sogar an Big Daddy Bitcoin vorbei, der eher sein eigenes Ding macht. Deswegen geht alles irre schnell – der Aufstieg und der Abstieg. Denn dieser Sektor wird natürlich auch von Betrügern besiedelt, wie die Website rekt.news genüsslich aufzählt. Seit gestern gehört auch Mark Cuban zu den Opfern eines „rug pulls“. Ihm wurde der Teppich unter den Füßen weggezogen.

Eines seiner Projekte, Titan bzw. dessen Stablecoin IRON, ist binnen weniger Stunden von 60 Dollar auf exakt null gefallen. Blöderweise hat Cuban erst am Sonntag über seine Begeisterung für Titan (und andere DeFi-Plattformen) geschrieben. Das Wort „brilliant“ kommt vor. Cuban ist auch weiterhin der Meinung, dass Banken Angst vor DeFi haben sollten. Das mag sein, werden wir sehen.

„You live, you learn“, sagt DeFi-Opfer Cuban

Am Donnerstag, als das Geld dann weg war, hieß es von Cuban nur kurz: „You live, you learn“. Nun, das mag stimmen. DeFi steht wirklich ganz am Anfang. Und irgendwie ist es beruhigend, wenn auch Milliardäre wie Cuban auf einen Scam reinfallen. Aber das ist wenig Trost für die Menschen, die Cuban dank seiner Posts in den Abgrund gefolgt sind.

Deswegen hier nochmal die Warnung: Wer sich in den Kryptomarkt vorwagt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Wer auch bei DeFi einsteigt, sollte mit dem Schlimmsten rechnen – damit man nicht überrascht ist, wenn der Teppich gezogen wird.

Niko Jilch ist Finanzjournalist, Podcaster und Speaker. Website: www.nikolausjilch.com Twitter: @nikojilch


Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

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