29.08.2025
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Das Notariat: „Langfristiger Ansprechpartner für alle rechtlichen Herausforderungen“

Warum die Unternehmensgründung in Österreich weniger bürokratisch ist als ihr Ruf und wie Gründer:innen vom Beratungsangebot der Notariate profitieren, erklärt Christoph Weber, Notarsubstitut in Wien, im Interview.
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Christoph Weber, Notarsubstitut in Wien | (c) Notariat am Kohlmarkt
Christoph Weber, Notarsubstitut in Wien | (c) Notariat am Kohlmarkt

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Die Unternehmensgründung in Österreich hat den Ruf, sehr bürokratisch zu sein. Stimmt das im Jahr 2025 noch?

In der Vergangenheit war das Gründen in Österreich tatsächlich mit mehr Bürokratie verbunden. 2025 sieht das jedoch bereits anders aus: Durch Digitalisierung und neue Servicekonzepte sind viele Abläufe schneller und effizienter geworden. Wenn die Beratungsphase mit der Urkundenerstellung erfolgreich abgeschlossen ist, kann die Gründung selbst, also von der Unterfertigung der Gründungsdokumente bis zur Eintragung im Firmenbuch, sehr schnell – teilweise sogar innerhalb von 24 Stunden – abgeschlossen werden. Die Gründung kann mittlerweile auch vollständig digital abgewickelt werden.

Notariate positionieren sich als One-Stop-Shop in der Unternehmensgründung. Welche Leistungen bieten Sie konkret?

Im Notariat erhalten Gründer:innen alle Leistungen aus einer Hand: Rechtsformberatung, individuelle Gestaltung des Gesellschaftsvertrags, Namensprüfung im Firmenbuch, Einzahlung des Stammkapitals über ein Treuhandkonto bei der Notartreuhandbank, Erstellung und Beurkundung der Gründungsunterlagen; bis hin zur Firmenbucheintragung. Auch die Anbindung an Behörden und organisatorische Begleitung zählen dazu.

Es gibt viele andere Beratungsangebote für Gründer:innen. Warum sollte ich mich an ein Notariat wenden?

Wir Notar:innen sind von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, unparteiisch zu sein und den Schwächeren zu schützen. Wir müssen auch bei unterschiedlichen Interessenslagen ausgewogene und im besten Fall streitvorbeugende Regelungen für die bzw. gemeinsam mit den Gründer:innen erarbeiten. Der vorhin angesprochene effiziente One-Stop-Shop ist für Gründer:innen sicher das größte Asset des Notariats.

Worauf legen Sie in der Beratung besonderen Wert?

Im Fokus steht eine klare, verständliche und individuelle Beratung: Welche Rechtsform passt? Wie soll der Gesellschaftsvertrag ausgestaltet sein? Welche Regelungen sind bei Konflikten, Anteilsübertragungen oder Nachfolge wichtig? Mögliche Szenarien und Risiken werden vorausschauend angesprochen und praxistaugliche Lösungen entwickelt.

Ist Ihre Arbeit mit der Gründung abgeschlossen?

Nein, nach der Gründung begleiten Notar:innen das Unternehmen weiterhin – etwa bei Änderungen des Gesellschaftsvertrags, Umgründungen, Anteilsübertragungen oder bei der Unternehmensnachfolge; bis hin zur Liquidation. Das Notariat bleibt so langfristiger Ansprechpartner für alle rechtlichen Herausforderungen.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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