27.02.2026
GASTKOMMENTAR

Das „KI-Layoff-Paradoxon“

Jack Dorsey begründet eine Massenkündigung in seinem Unternehmen Block mit einer „AI-first“ Reorganisation. KI-Experte Mic Hirschbrich zeigt sich im Gastkommentar skeptisch.
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Mic Hirschbrich | (c) Apollo.ai / Hintergrund: KI-generiert mit Canva
Mic Hirschbrich | (c) Apollo.ai / Hintergrund: KI-generiert mit Canva

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Silicon Valley, Twitter-Gründer Jack Dorsey, hat heute Nacht angekündigt, mehr als 4.000 Mitarbeiter:innen seines FinTech-Unternehmens Block (vormals Square) zu kündigen. Als Grund nannte er Produktivitätssteigerungen durch Künstliche Intelligenz (KI). Ich sehe hier ein „KI-Layoff-Paradoxon“.

Über 4.000 Mitarbeitende – das entspricht fast der Hälfte der gesamten Belegschaft, die sich damit von rund 10.000 auf unter 6.000 reduziert. Dorsey schreibt dazu auf X unter anderem: „Ich hatte zwei Möglichkeiten: über Monate oder Jahre hinweg schrittweise abzubauen, während sich dieser Wandel vollzieht, oder ehrlich darüber zu sein, wo wir stehen, und jetzt zu handeln. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Wiederholte Kündigungsrunden sind zerstörerisch für die Moral, für den Fokus und für das Vertrauen, das Kunden und Aktionäre in unsere Führungsfähigkeit setzen.“

Massiver Kursgewinn

Analyst:innen und Anleger:innen belohnten den Schritt und nach der Verlautbarung raste der Kurs von Block um 23 Prozent nach oben. Nachdem Dorsey seinen Schritt mit einer notwendigen „AI-first“-Reorganisation begründet und behauptet hat, das würde bald alle treffen, reagiert die Community. Viele Medien und Social-Media-User:innen überschlagen sich seither und nennen Dutzende Unternehmen, die zigtausende Arbeitnehmer:innen aus demselben Grund kündigen würden.

Und ich bin skeptisch.

Ich beschäftige mich schon sehr lange intensiv mit dieser Frage und schrieb vor rund zehn Jahren ein Buch, das sich dem Aufruf an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft widmete, sich auf genau diese Phase vorzubereiten, in die wir nun eintreten. (Hier zum Buch)

Wir sehen heute enorme Fortschritte bei KI-Modellen und lernen weltweit und in diversen Branchen unterschiedlich schnell, diese sinnvoll einzusetzen. Wir sehen vor allem „Assisted AI“ am Vormarsch und hohe Erfolgsraten bei KI-Projekten dort, wo man sich nachhaltig in Use Cases abarbeitet und diese sauber implementiert.

KI als Ausrede?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produktivitätsschub über Nacht die Kündigung der Hälfte der Belegschaft begründet, mag kurzfristige Kurssteigerungen befeuern, aber ich bezweifle, dass man das als gesunde „Reorganisation“ bezeichnen kann. In vielen anderen Fällen der vergangenen Monate, die zuletzt publiziert wurden, sehe ich gar KI als Ausrede dafür, Menschen zu kündigen, um von Schwächen im Business abzulenken. 

Und das meine ich mit „KI-Layoff-Paradoxon“. Keiner bestreitet, dass die KI-Revolution zu enormen Chancen und zeitgleich auch zu wesentlichen Herausforderungen führen wird. Aber das Letzte, was wir brauchen, sind falsche Narrative. Wir haben umgekehrt alle gemeinsam einen Gestaltungsauftrag, mit dieser Technologie sinnstiftend und verantwortungsvoll umzugehen. 

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Die Trainees im aktuell laufenden 9. Traineeship-Durchgang | (c) Marlene Nemeth
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Ab Oktober arbeiten im Rahmen des 360° Journalist:innen Traineeship der Mediengruppe Wiener Zeitung wieder zwölf Trainees jeweils rund vier Monate in jeweils drei unterschiedlichen Redaktionen. Es ist bereits der zehnte Durchgang des Programms – brutkasten ist schon seit 2022 als einer von mittlerweile 19 Medienpartnern dabei.

Einjähriges Training on the Job mit fairer Bezahlung

Die Bewerbung für diesen Durchgang startete nun und dauert noch bis 19. Juni. Die Auswahl der Trainees erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren, bestehend aus der schriftlichen Bewerbung, einem Interview sowie einem abschließenden Assessment Center, durch das 360°-Team und die Partnermedien. Gesucht werden nicht nur ausgebildete Jungjournalist:innen, sondern auch Quereinsteiger:innen. Diesen Talenten soll der Einstieg in die Medienbranche mit einem einjährigen, nach Journalist:innen-KV bezahlten, Training-on-the-Job ermöglicht werden. Dabei können sie ein breites berufliches Netzwerk aufbauen.

19 rennomierte Medienpartner

Für den zehnten Durchgang konnten mit ORF Wissen, Die Chefredaktion und Jetzt drei neue Partnermedien gewonnen werden. Hinzu kommen diesmal neben brutkasten noch APA, Augsburger Allgemeine, Horizont, Das Kollektiv Medien (Die Dunkelkammer-Podcast), News, Paper trail media, Sky und Trend. Weitere Partnermedien (nicht im aktuellen Durchgang) sind Die Furche, Handelsblatt, Hashtag, Kleine Zeitung, Profil, ProSiebenSat.1Puls4 und die WZ. Diese insgesamt 19 Partner steuern das Traineeship auch gemeinsam in einem Beirat.

„Das ist eine in Österreich einzigartige Möglichkeit für Talente, Praxiserfahrung in teils sehr unterschiedlichen, rennomierten Medien zu sammeln“, sagt brutkasten-Redakteur Dominik Perlaki, der auch als Traineeship-Beiratsvorsitzender fungiert. „Bei brutkasten sind die Trainees direkt in die Redaktion eingebunden. Sie bringen neue Perspektiven mit und leisten seit Jahren einen wertvollen Beitrag zu unserer Arbeit. Zeitgleich lernen sie die Arbeit im Online-Journalismus sowie unseren weiteren multimedialen Formaten direkt on the job.“

Bessere Jobaussicht für junge Journalist:innen

Die Langzeit-Statistik spricht für sich: Rund 80 Prozent der Alumni arbeiten danach in der Medienbranche – viele in festen Anstellungen. Immer wieder werden Trainees bereits während des Programms von Partnerredaktionen übernommen. Mit dem neuen Durchgang werden insgesamt 105 Personen Teil des Programms gewesen sein.

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