26.09.2025
KOMMENTAR

Dachfonds: Halbe Sache voraus

Kommentar. Der als "Scale-up Fonds" titulierte Dachfonds für Österreich ist mit der nun präsentierten EcoAustria-Studie einen Schritt weiter. Dass davon positive Effekte zu erwarten sind, ist unbestritten. Ob der "Fund of Funds" seine Ziele in der Stärkung der Anschlussfinanzierung erreicht, ist aber fraglich.
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brutkasten-Redakteur Dominik Perlaki | © brutkasten / Dervisevic
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300 bzw. 500 Millionen Euro – in einem „konservativen“ und einem „optimistischen“ Szenario wird in der nun präsentierten EcoAustria-Studie zum Dachfonds (brutkasten berichtete) mit diesen Gesamtvolumina kalkuliert. Und folgt man den Aussagen von Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (brutkasten berichtete), scheint diese Größenordnung auch in Stein gemeißelt.

Reaktionen aus der Startup-Welt per Aussendung ließen nicht lange auf sich warten. Der Tenor: Dass der „Scale-up Fonds“ auf Schiene gebracht wird, ist großartig. Aber geht nicht ein bisschen mehr? Oder besser viel mehr? „Man darf gerne auch größer denken – wir plädieren für ein Fondsvolumen von einer Milliarde Euro“, heißt es etwa von AustrianStartups. Venionaire-Gründer Berthold Baurek-Karlic geht noch weiter: „Um Länder, die uns in den letzten Jahren davon gerauscht sind, einzuholen, benötigt es mehr als nur ein kleines Investment, sondern einen ‚Fund of Funds‘, der gut fünf bis zehn Mal so groß ist!“

500 Millionen Euro sind doch eine ganze Menge Geld, oder?

Was ist das Problem? 500 Millionen Euro (im „optimistischen“ Szenario), von denen laut EcoAustria-Annahme 60 Prozent, also 300 Millionen, in österreichische Startups und Scaleups fließen, sind doch eine ganze Menge Geld, oder?

Nun: 500 Millionen Euro sind ohne Zweifel sehr viel Geld für ein einzelnes Scaleup – international kommen Later-Stage-Investments für einzelne Unternehmen in der Höhe allerdings immer wieder vor.

500 Millionen Euro sind zumindest noch eine ordentliche Summe für einen einzelnen Later-Stage-VC-Fonds. Um bei vielen Kapitalrunden über mehrere Hundert Millionen Euro mitmachen zu können, braucht er aber ein größeres Gesamtvolumen. Schließlich muss er sein Portfolio ausreichend diversifizieren, also genügend Investments tätigen, um das Risiko stark zu streuen.

Auch der Dachfonds muss sein Portfolio ausreichend diversifizieren. Und 500 Millionen Euro aufgeteilt auf viele Later-Stage-VC-Fonds, sind – man kann es nicht anders sagen – Peanuts.

Die doppelte Diversifizierung

Das große Argument, mit dem der Dachfonds institutionellen Investoren wie Pensionskassen schmackhaft gemacht werden soll, ist eben diese Risikominimierung durch Diversifizierung. Der Dachfonds selbst diversifiziert und die VC-Fonds, in die investiert wird, diversifizieren noch einmal. Am Ende ist der Einstieg als Limited Partner in den Dachfonds also wenig riskant, obwohl es sich um „Risikokapital“ handelt.

Darauf, dass das Kapital des Dachfonds auf viele Fonds aufgeteilt werden muss, macht natürlich auch EcoAustria in der Studie explizit aufmerksam und empfiehlt, eine maximale Investitionshöhe festzulegen. Eine genaue Empfehlung zu dieser maximalen Investitionshöhe bleibt die Studie schuldig. Ein einzelnes Investment durch den „Scale-up Fonds“ in einen Later-Stage-VC-Fonds kann in Anbetracht der Arithmetik aber unmöglich 50 Millionen Euro, ja wahrscheinlich nicht einmal 30 Millionen Euro überschreiten.

Kein entscheidender Hebel

Das Ziel sei es, „Wachstum im internationalen Maßstab zu ermöglichen“, sagt Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Doch dieser internationale Maßstab sind im Later-Stage-Bereich eben VC-Fonds mit Milliardenvolumen. Nur diese können eine gewichtige Rolle bei Investments in Unicorn-Sphären einnehmen. Ein mögliches Dachfonds-Investment von – sehr wohlwollend angenommenen – 50 Millionen Euro ist auch für so einen Fonds gutes Geld. Es kann aber nicht zum entscheidenden Hebel werden, um solche Fonds auch hierzulande zu etablieren.

Hoffen auf die „positive Überraschung“

Bei all dem sei festgehalten: Natürlich sind 500 Millionen Euro (bzw. 300 Millionen Euro laut EcoAustria-Annahme) mehr für das heimische Startup-Ökosystem ein guter und wichtiger Impuls. Natürlich sind die von EcoAustria fundiert errechneten positiven Auswirkungen auf die Volkswirtschaft auch bei diesem Volumen nicht von der Hand zu weisen. Natürlich ist also auch ein 500-Millionen- oder 300-Millionen-Euro-Dachfonds also zu begrüßen.

Und folgt man den Ausführungen von EcoAustria, sind auch Investitionen in Seed-VC-Fonds zu erwarten, wo der Dachfonds auch mit diesen Volumina tatsächlich eine signifikante Hebelwirkung erzielen könnte.

Es bleibt dennoch ein in Österreich leider allzu gewohnter Eindruck: Innenpolitische Debatten, übertriebene Vorsicht und eine Ambition nach dem Motto „ein Zehntel von dem in Deutschland passt eh immer“ führen letztlich zu einer „österreichischen Lösung“, einer halben Sache. Aber wie Staatsekretärin Zehetner bei der Studienpräsentation gegenüber brutkasten sagte: „Die Kritiker sollen sich positiv überraschen lassen!“ Auf diese positive Überraschung ist nun zu hoffen.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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