CycloTech hebt ab: Linzer Flug-Startup gelingt erster Testflug
Dem Linzer Startup CycloTech ist der erste Testflug mit dem Prototypen BlackBird gelungen. Sechs Rotoren heben das Gerät senkrecht in die Luft – und bringen die Vision vom fliegenden Auto einen Schritt näher.
CycloTech aus Linz entwickelt neuartige Flug-Antriebe. Herzstück ist der CycloRotor – ein Rotor mit verstellbaren Flügeln, inspiriert vom Voith-Schneider-Antrieb aus den 1920er-Jahren. Was früher Schiffe steuerte, macht heute Fluggeräte wendig und präzise manövrierbar. Der Rotor erlaubt senkrechtes Starten, Landen und Schub in alle Richtungen. Im November 2024 präsentierte CycloTech den BlackBird – ein Fluggerät mit sechs CycloRotoren. Der Prototyp zeigt, wie die Technik künftig fliegende Autos antreiben könnte. Nun gelang dem Startup der erste Testflug.
Vision der urbanen Luftmobilität
„BlackBird ist eine fliegende Testplattform für unsere Antriebstechnologie“, sagt Tahsin Kart, CTO von CycloTech. „Dass wir innerhalb von elf Monaten vom Konzept zum Flug gekommen sind, zeigt, wie effizient wir in der Umsetzung arbeiten.“
Das Projekt startete im April 2024 mit dem Ziel, einen flugfähigen eVTOL-Demonstrator zu bauen. eVTOL steht für „electric Vertical Take-Off and Landing“ – also ein elektrisch angetriebenes Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann. Auf dieser Technologie basiert die Vision der urbanen Luftmobilität. „Wir verschieben die Grenzen des Vertikalflugs. Unsere Technologie öffnet den Himmel für eine neue Generation von Fluggeräten“, sagt Marcus Bauer, CEO von CycloTech.
CycloTech startet Flugtestkampagne
Mit dem Erstflug startet CycloTech eine umfangreiche Testreihe. Ziel ist es, die Einsatzmöglichkeiten des Systems vollständig auszuschöpfen. Es soll kleinere, wendigere und komfortablere Fluggeräte ermöglichen – und damit die Luftmobilität neu definieren.
Erst im Februar eröffnete das Linzer Startup einen Standort in Bayern, um die Technik zur Serienreife zu bringen – brutkasten berichtete. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen ein Investment von 20 Millionen Euro erhalten.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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