30.09.2022

Crypto Weekly #73: Auf dieses Muster blickt der Kryptomarkt gerade

Schon länger bewegen sich die Kryptokurse in Einklang mit dem US-Aktienmarkt. Diese Woche liefen die beiden Märkte plötzlich mehrfach gegensätzlich - aber was lässt sich daraus wirklich ableiten? Außerdem: Einem Report zufolge haben Wetten auf einen fallenden Bitcoin-Kurs einen Höchststand erreicht. Und: Die Kryptobörse FTX übernimmt die insolvente Kryptofirma Voyager Digital für einen Milliardenbetrag.
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Wirtschaftswachstum crypto chart
Foto: Dylan Calluy/Unsplash

Das brutkasten Crypto Weekly ist unser wöchentliches Briefing zum Kryptomarkt und kann hier als Newsletter abonniert werden. Jeden Freitag blicken wir auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück.


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 19.500 US-Dollar (+0,4 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 1.300 Dollar (+1 %)
  • Solana (SOL): 35 Dollar (+6 %)
  • Polkadot (DOT): 6,50 Dollar (+0,4 %)
  • Avalanche (AVAX): 17 Dollar (-1 %)

Warum die Woche am Kryptomarkt nicht so unspektakulär war wie sie am ersten Blick aussieht

Wie immer starten wir mit einem Blick auf die Marktentwicklung. Und diese ist auf den ersten Blick nicht ganz so aufregend. Zumindest nicht, wenn man auf die 7-Tages-Kursperformances blickt: Zum vergangenen Freitag liegt Bitcoin geringfügige 0,4 Prozent im Plus. Im Wochenverlauf bewegte sich der Kurs in einer engen Range zwischen 18.500 und 20.300 Dollar. Ähnlich das Bild bei Ethereum: Beim Ether-Kurs lag das 7-Tages-Tief etwas unter 1.300 Dollar, das Hoch bei knapp 1.400 Dollar.

Alles unspektakulär also? Nicht ganz. Interessant wird’s, wenn man sich die einzelnen Tage ansieht – und es dann nicht dabei belässt, sondern auch noch einen Blick auf den US-Aktienmarkt wirft.

Denn dass die beiden Märkte sich in einem starken Einklang bewegen, lässt sich spätestens seit vergangenem Herbst beobachten. Wer selbst am Markt aktiv ist – oder zumindest die Kursentwicklung beobachtet – kennt das Muster: Jedes Mal, wenn der US-Aktienmarkt unter Druck geriet, ging’s auch für die Kurse am Kryptomarkt abwärts. 

Hintergrund: Makroökonomie und Geopolitik überlagerten alles andere. Die Notenbanken begannen im Kampf gegen die Inflation die Zinsen zu erhöhen – zunächst leicht, dann immer stärker. Dann kam der Krieg in der Ukraine mit all seinen Begleitumständen. Und die Pandemie mit ihren Auswirkungen auf die Lieferketten gab es ja auch noch. 

Eines zeigte dieses Umfeld eindrucksvoll: Allem Gerede vom digitalen Gold zum Trotz, Bitcoin wird von den großen Anlegern weiterhin als hochriskantes Investment betrachtet, dass man in unsicheren Zeiten lieber verkauft. Und alle anderen Kryptowährungen sowieso. Konzeptionell mag Bitcoin ja ein Safe-Haven-Asset sein, also ein Asset, das in unsicheren Zeiten nachgefragt werden sollte. 

Die Realität ist aber: Der Markt behandelt BTC als “Risk on”-Asset, das vor allem in starken Marktphasen gekauft wird. Da sich alle anderen Kryptowährungen nahezu immer im fast perfekten Gleichklang mit Bitcoin bewegen, gilt dies für den gesamten Kryptomarkt.

Wenn aber die traditionellen Finanzmärkte den Kryptomarkt so stark beeinflussen, dann ist die logische Schlussfolgerung: Solange es am Aktienmarkt schwierig ist, wird’s wohl auch keinen neuen Krypto-Bullenmarkt geben. Genau deswegen hoffen jene, die am Markt aktiv sind, seit Monaten auf das “Decoupling”, die Entkoppelung von Aktien und Krypto. 

Kommt das “Decoupling” von US-Aktienmarkt und Krypto? Nicht so schnell…

Und diese Woche gab es Anlass zur Hoffnung. Etwa am Montag. Da ging’s an der Wall Street abwärts, der Bitcoin-Kurs legte aber zu. Am Dienstag verlor Bitcoin leicht, während die US-Tech-Börse Nasdaq zulegte. Und am Donnerstag brachen die Kurse in New York deutlich ein, während sich Bitcoin davon unbeeindruckt zulegte.

Sind wir also am Weg zum “Decoupling”? Hier gilt es vorsichtig zu sein. Ja, das beschriebene Muster diese Woche war interessant, keine Frage. Aber wir sind weit davon entfernt, tatsächlich von einer Entkoppelung der beiden Märkte sprechen zu können. Dafür sind drei oder vier Handelstage einfach zu wenig. Das Muster müsste sich erst über einen längeren Zeitraum bestätigen. Ob dies passiert, kann derzeit klarerweise niemand sagen.

Allerdings ist das Umfeld auf der Makro-Ebene aktuell dermaßen schwierig, dass es schwer vorstellbar ist, dass sich der Kryptomarkt dem in nächster Zeit dauerhaft entziehen wird können. Die Frage ist dabei auch immer, woher die Nachfrage kommen soll. 

Solange der Markt von professionellen Großanlegern dominiert ist, ist ein gewisser Gleichklang mit den traditionellen Finanzmärkten naheliegend. Und dass Kleinanlegerinnen und -anleger in nächster Zeit in großem Umfang an den Markt zurückkehren, wie es im Bullenmarkt 2021 der Fall war, ist momentan nicht absehbar.

Report: Wetten auf fallenden Bitcoin-Kurs erreichten Höchststand

Unter den Großanlegern dominiert aktuell übrigens Pessimismus. Zumindest deutet darauf ein neuer Report von CoinShares hin. Das Unternehmen veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu verschiedenen Krypto-Investmentprodukten. So auch Daten zu Geldern in Produkten, die auf einen fallenden Bitcoin-Kurs setzen. Und diese erreichten in der Vorwoche einen Höchststand. In weiterer Folge kam es dann aber erstmals seit sieben Wochen wieder zu leichten Abflüssen aus diesen Produkten.

Eines ist jedoch wichtig: “Höchststand” bezieht sich auf den Zeitraum, in dem CoinShares diese Bewegungen trackt – seit Januar 2020. Was immerhin den Beginn der Corona-Pandemie inkludiert. Insgesamt befanden sich in der Vorwoche laut den Zahlen jedenfalls 172 Mio. Dollar in von CoinShares getrackten Investmentprodukten, die auf einen fallenden Bitcoin-Kurs setzen.

FTX zahlt Milliardenbetrag für insolvente Kryptofirma Voyager – und will auch bei Celsius zum Zug kommen

Und weil wir gerade von der schwierigen Lage am Kryptomarkt geredet haben, die hauptsächlich von externen Faktoren geprägt ist. Vor ein paar Monaten hatten wir ein paar Wochen erlebt, in denen kurzzeitig wieder kryptospezifische Themen dominierten. Aber nicht im positiven Sinn. Die Rede ist vom mittlerweile berüchtigten LUNA-Kollaps im Mai. Dieser zog weite Kreise und nach dem Crash am Gesamtmarkt geriet eine ganze Reihe an Krypto-Unternehmen massiv in Schwierigkeiten: BlockFi, Celsius, Voyager Digital – um nur einige zu nennen.

Sowohl Celsius als auch Voyager Digital mussten ihre Insolvenzanträge stellen. Letztere, obwohl der Gründer der Kryptobörse FTX, Sam Bankman-Fried, über seine Tradingfirma Alameda eine Kreditlinie in der Höhe von rund einer halben Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt hatte.

Diese Woche gab es nun dazu News: Im Zuge des Restrukturierungsverfahrens von Voyager Digital wurden die noch verbliebenen Assets verkauft. Dazu wurde eine Auktion durchgeführt. Den Zuschlag bekam ein alter Bekannter: Besagter Sam Bankman-Fried mit FTX. 1,4 Mrd. Dollar will der US-Ableger der Kryptobörse für die Assets zahlen. Damit stach FTX den Konkurrenten Binance aus, der sich ebenfalls interessiert hatte.

Und das ist noch nicht alles. Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll sich Bankman-Fried auch für die verbliebenen Assets von Celsius interessieren. Die auf den Verleih von Kryptowährungen spezialisierte Plattform hatte im Juli ein Insolvenzverfahren beantragt, nachdem sie wenige Wochen zuvor sämtliche Auszahlungen an Kundinnen und Kunden gestoppt hatte.

Interessant dabei: Bankman-Fried hatte über seine Firmen FTX und Alameda im Frühsommer Geld in mehrere angeschlagene Krypto-Firmen gesteckt. Und auch Celsius soll damals auf der Liste gestanden sein. Offiziell bestätigt wurde es zwar nie. Aber: Der Branchendienst The Block hatte im Juni berichtet, dass FTX das Interesse verloren hatte, nachdem die Zahlen von Celsius genauer überprüft worden seien. In der Bilanz würden 2 Mrd. Dollar fehlen, hieß es damals. Nun könnte es unter doch ziemlich geänderten Rahmenbedingungen zu einem Deal kommen.

Apropos Celsius. CEO Alex Mashinsky hat diese Woche seinen Rücktritt erklärt. Er werde dem Unternehmen weiterhin bei der Umsetzung des Restrukturierungsplans helfen, als CEO würde er aber mit sofortiger Rückwirkung zurücktreten, heißt es in einer Stellungnahme. Wörtlich sprach er davon, als CEO eine “Ablenkung” geworden zu sein.


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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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