08.04.2022

Crypto Weekly #51: Warum Bitcoin diese Woche gefallen ist – und Dogecoin gestiegen

Ergibt es irgendeinen Sinn, dass der DOGE-Kurs auf Elon Musks Einstieg bei Twitter reagiert? Außerdem: Robinhoods neue Krypto-Wallet, wie ein neues Lightning-Protokoll zur "Bitcoinisierung des Dollar" beitragen will - und die 200-Millionen-Runde von Binance.US.
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A picture of Bitcoin, Dogecoin and Ethereum coins
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück.


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 43.500 US-Dollar (-4 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 3.200 Dollar (-1 %)
  • Cardano (ADA): 1,08 Dollar (-5 %)
  • Solana (SOL): 124 Dollar (-7 %)
  • Terra (LUNA): 102 Dollar (-3 %)

Bitcoin sinkt auf unter 44.000 Dollar

Die Ausgangslage: Trotz einer ungünstigen Situation auf der Makroebene – Krieg in der Ukraine, steigende Zinsen in den USA – hat sich der Kryptomarkt in den vergangenen Wochen recht gut entwickelt. Klar war jedoch immer: In einem solchen Umfeld kann es schnell auch wieder in die andere Richtung gehen. Sei es aufgrund der Entwicklungen rund um den Krieg in der Ukraine, sei auch bloß, weil wieder ein US-Notenbanker Aussagen getätigt hat, welche die Risikofreude an den Märkten dämpfen. Zweiteres war nun diese Woche der Fall.

Der Hintergrund: US-Notenbankerin Lael Brainard sagte auf einer Konferenz, dass der Bekämpfung der Inflation “größte Bedeutung” zukomme und kündigte eine Reihe von Zinserhöhungen an. Außerdem werde die Notenbank ihre Bilanz schon ab Mai in hoher Geschwindigkeit abbauen, führte Brainard weiter aus. Ob diese Aussagen wirklich einen wahnsinnigen Neuigkeitswert hatten, darüber kann man diskutieren. Aber Fakt ist: Am US-Aktienmarkt wurden sie von vielen Investoren zum Anlass genommen zu verkaufen. Der techlastige Aktienindex Nasdaq-100 fiel um mehr als 2 Prozent. Und wie so oft in den vergangenen Monaten wurde der Kryptomarkt in Mitleidenschaft gezogen.

Es war wieder einmal das selbe Spiel, das wir mittlerweile nur allzu kennen: Die traditionellen Finanzmärkte schalten auf “risk off” – und auch für Bitcoin (BTC) und alle anderen Kryptowährungen geht es abwärts. In Zahlen gegossen hieß das diese Woche etwa für Bitcoin: Von etwas über 47.100 Dollar am Mittwoch sank der Kurs am Donnerstag bis auf unter 43.200 Dollar. 

Aber was heißt das jetzt? Die Zahlen zeigen es bereits: Von einem massiven Abverkauf kann hier keine Rede sein. Vor allem, wenn man es im Kontext sieht. Wir haben seit Mitte März eine deutliche Aufwärtsbewegung am Kryptomarkt erlebt. Der Bitcoin-Kurs ist von rund 37.000 Dollar bis auf 48.000 Dollar gestiegen. Und das alles im erwähnten schwierigen Marktumfeld. Dass es hier auch einmal in die andere Richtung gehen muss, ist nicht überraschend. 

Dogecoin profitiert von Musk-Einstieg bei Twitter – warum?

Die beste 7-Tages-Performance unter den größten Kryptowährungen legte eine hin, die über starke Fundamentaldaten, eine riesige Entwickler-Community und eine überzeugende Roadmap verfügt. Nein, nur Spaß – in Wirklichkeit war es Dogecoin (DOGE). Der Memecoin entzog sich dem schwachen Marktumfeld und der Grund dafür ist klar zu bestimmen: Elon Musk. 

Die Fakten: Dass der Tesla- und SpaceX-CEO bei Twitter eingestiegen ist, dürften die meisten mitbekommen haben. Musk hält nun über 9 Prozent an dem Unternehmen und mittlerweile auch einen Sitz im Board. Als Musks Einstieg bei Twitter – zunächst als passiver Investor – am Montag öffentlich wurde, schoss die Aktie des Unternehmens um rund 25 Prozent nach oben. Und auch am Kryptomarkt gab es eine Kursreaktion: Dogecoin zog stark an. Die DOGE-Gewinne vom Montag waren rasch wieder weg. Als am Dienstag dann bekannt wurde, dass Musk auch einen Sitz im Board bekommen würde, stieg der Dogecoin-Kurs aber noch einmal deutlich.

Der Hintergrund: Will Musk dafür sorgen, dass DOGE-Zahlungen bei Twitter integriert werden? Nichts dergleichen ist derzeit bekannt. Aber Musk ist eben großer Dogecoin-Fan und hat den Memecoin immer wieder gepusht – über seinen Twitter-Account. Und das reicht dann schon für eine Kursreaktion.

Ergibt das irgendeinen Sinn? Am ersten Blick nicht. Am zweiten auch nicht. Und am dritten erst recht nicht. Aber der hauptsächliche – gut, der nahezu ausschließliche – Use Case von Dogecoin ist eben, dass es ein Spekulationsobjekt ist für Leute, die DOGE lustig finden. Und wenn eine Meldung reinkommt, die die Worte “Elon Musk” und “Twitter” an prominenter Stelle beinhaltet, heißt das dann eben: Kaufen! Hat das irgendetwas mit seriösen Investmententscheidungen zu tun? Nein. Ist es trotzdem die Realität? Ja.

Man kann es auch aus folgender Perspektive betrachten: Der einzige Weg, wie Dogecoin einen Nutzen in der realen Welt erlangen könnte, wäre, dass viele Menschen (wie Musk) DOGE lustig finden und damit dann irgendwelche kleinen Zahlungen tätigen – einfach zum Spaß. Solche Zahlungen könnten eines Tages auch auf Twitter stattfinden. Mit einem Elon Musk bei Twitter ist ein solches Szenario zumindest ein kleines bisschen wahrscheinlich wie ohne Musk bei Twitter. 

Insofern ließe sich argumentieren, dass der DOGE-Kurs mit einem Musk bei Twitter zumindest ein kleines bisschen höher stehen sollte als ohne Musk bei Twitter. Die Realität ist aber derzeit noch immer die folgende: Die Marktkapitalisierung von Dogecoin liegt bei 20 Mrd. Dollar, der reale Nutzen leicht über null. Der DOGE-Kurs liegt weiterhin etwas höher als am vergangenen Freitag – gleichzeitig aber wieder weit unter seinem dieswöchigen Höchststand vom Dienstagabend.

Robinhood startet mit Krypto-Wallet, plant Lightning-Integration

Während eine mögliche DOGE-Integration bei Twitter also noch reine Spekulation ist, können Robinhood-User Dogecoin schon länger kaufen. Diese Woche ist der US-Neobroker nun auch mit einer eigenen Wallet gestartet. Diese ist am Donnerstag freigeschalten worden, hat Chief Product Officer (CPO) Aparna Chennapragada bei der Bitcoin-Konferenz in Miami mitgeteilt. 

Der nur am US-Markt aktive Neobroker hatte im vierten Quartal 2021 über 17 Mio. monatlich aktive Nutzer. Nicht alle haben jedoch Zugang zu Wallet – sondern nur jene 2 Mio., die sich einerseits dafür vormerken haben lassen und andererseits nicht in den Bundesstaaten Nevada, New York oder Hawaii beheimatet sind. Dort sprechen die regulatorischen Vorgaben dagegen.

Die Wallet hat jedoch eine ganze Reihe von Einschränkungen, wie CoinDesk berichtet:

  • sie unterstützt keine NFTs, keine ERC-20-Token und generell keine Assets, die Robinhood nicht anbietet
  • Airdrops und Forks werden ebensowenig unterstützt
  • Staking ist derzeit auch nicht möglich

Die Schlussfolgerung: Die Wallet ist ganz klar ein Einsteigerprodukt. Für Krypto-Erfahrene ist sie nicht besonders attraktiv. Unabhängig von den genannten Einschränkungen wird diese Gruppe ihre Assets aber ohnehin lieber in den eigenen selbstverwaltenden Wallets verwahren und nicht bei Robinhood liegen lassen.+

Und noch was: Robinhood möchte seinen Nutzern künftig Bitcoin-Zahlungen über das Lightning-Netzwerk ermöglichen. Der Vorteil von Lightning-Transaktionen ist, dass diese schneller und kostengünstiger sind als Transaktionen, die direkt auf der Bitcoin-Blockchain stattfinden – weshalb sie vor allem im Zahlungsbereich attraktiv sind.

Lightning Labs holt Investment und kündigte Stablecoin-Protokoll Taro an

Apropos Lightning. Da gab’s diese Woche weitere News: Lightning Labs hat 70 Mio. Dollar Investment aufgenommen. Beteiligt haben sich an der Series-B-Runde unter anderem die Investoren Valor, Baillie Gifford, Goldcrest, Kingsway und Stillmark. Gleichzeitig mit der Finanzierungsrunde wurde jedoch auch noch etwas anderes angekündigt: Und zwar die Entwicklung des Taro-Protokolls. 

Der Hintergrund: Mit dem Taro-Protokolls sollen kündigt unterschiedliche Assets über das Lightning-Netzwerk transferiert werden können – beispielsweise Stablecoins. Mit Taro werde die Sicherheit und Stablitität des Bitcoin-Netzwerks mit der Geschwindigkeit, der Skalierbarkeit und den geringen Gebühren des Lightning-Netzwerks kombiniert, heißt es in der Ankündigung des Unternehmens. Taro sei damit „ein wichtiger Schritt in der Bitcoinisierung des Dollar“. Möglich wurde die Entwicklung des Protokolls übrigens durch das vergangenen Herbst live gegangen Taproot-Upgrade von Bitcoin.

Binance.US holt 200 Mio. Dollar Investment zu 4,5 Mrd. Dollar Bewertung

Zum Abschluss noch kurz eine weitere Investmentmeldung: Binance.US hat diese Woche eine Finanzierungsrunde kommuniziert. Der US-Ableger der größten Kryptobörse der Welt hat 200 Mio. US-Dollar zu einer Bewertung von 4,5 Mrd. Dollar aufgenommen. Als Investoren beteiligt haben sich RRE Ventures, Foundation Capital, Original Capital, VanEck, Circle Ventures, Gaingels und Gold House. Mit dem Kapital soll nun die Produktpalette erweitert und neue Angebote geschaffen werden.

Der Kontext: Die eigentliche Handelsplattform von Binance ist am US-Markt nicht verfügbar – aus regulatorischen Gründen. Weil man den Markt aber nicht völlig anderen Anbietern wie Coinbase oder Gemini überlassen wollte, hat Binance bereits 2019 für den US-Markt ein eigenes, deutlich eingeschränktes – Angebot gestartet. 

Ähnlich geht auch der Konkurrent FTX vor, dessen US-Ableger im Jänner eine 400 Mio. Dollar schwere Series-A-Runde zu einer Bewertung von 8 Mrd. Dollar kommuniziert hatte.

Nach Angaben von The Block weist Binance.US hat im vergangenen Monat ein Handelsvolumen von 9 Mrd. Dollar erreicht – mehr als die 5 Mrd. Dollar von FTX US, aber deutlich hinter den 81 Mrd. Dollar der in den USA dominierenden Börse Coinbase. Diese ist im Vorjahr ja selbst an die Börse gegangen – und dort will auch Binance.US hin. In den nächsten zwei bis drei Jahren sei ein Börsengang geplant, sagte Binance.US-CEO Brian Shroder gegenüber TechCrunch.

Weitere News diese Woche:

  • Das zunächst in “Libra” und später “Diem” genannte Stablecoin-Projekt des nun im Meta umbenannten Facebook-Konzerns ist vor wenigen Monaten eingestellt worden. Das Unternehmen arbeitet jedoch weiter an eigenen Token, die im Metaverse eingesetzt werden können. Mehr Details hier.   
  • Beim NFT-Marktplatz und OpenSea-Konkurrenten LooksRare ist Handelsvolumen überraschend schnell gewachsen – allerdings offenbar vor allem aufgrund von „Wash Trades“. Zu unserem Artikel dazu geht es hier.   
  • Die britische Regierung will das Land zu einem globalen Krypto-Zentrum machen und plant entsprechende Regulierungsmaßnahmen. Die Details dazu gibt’s in unserem Artikel.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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