24.09.2021

Crypto Weekly #26: Wieder mal Angst wegen China, Twitter startet mit Bitcoin

Diese Woche: Gleich zweimal drückte China die Kurse: Zuerst Sorgen vor einer Immobilienkrise, dann wieder einmal Meldungen über ein neues Vorgehen der Behörden gegen Kryptowährungen. Außerdem: Twitter ermöglicht künftig Bitcoin-Zahlungen über das Lightning-Netzwerk. Coinbase knickt vor der US-Börsenaufsicht ein. Und ein 680-Mio.-Dollar-Investment für ein Fußball-NFT-Startup.
/artikel/crypto-weekly-26
coins Bitcoin, against the background of the Chinese flag, concept of virtual money, close-up. Conceptual image of digital crypto currency.
(c) puhimec/Adobe Stock - China erhebt Steuern auf Kryptogewinne.

Im brutkasten Crypto Weekly blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Woche aus der Krypto-Welt zurück. Die 26. Ausgabe starten wir, wie immer, mit einem Blick auf die…

…die Kurstafel:

NameKurs7-Tages-Performance
BitcoinBTC42.200 Dollar-10%
EthereumETH2.900 Dollar-16%
CardanoADA2,26 Dollar-5%
Binance CoinBNB353 Dollar-14 %
XRPXRP0,94 Dollar-13 %
DogecoinDOGE0,21 Dollar-14 %
PolkadotDOT31 Dollar-9 %
SolanaSOL140 Dollar-0,5 %
UniswapUNI20 Dollar-21%
Alle Daten sind von coinmarketcap.com und am Stand vom späten Freitagnachmittag/Kursveränderungen gegenüber späten Freitagnachmittag der Vorwoche

Schwache Woche am Kryptomarkt

Ja, insgesamt war das eindeutig eine eher schwache Woche. Bitcoin bewegte sich seit vergangenem Freitag in einer breiten Range zwischen knapp 48.800 Dollar und etwas unter 39.800 Dollar. Starke, aber nur kurzzeitige Kursausschläge nach unten gab es dabei in der Nacht auf Dienstag sowie in der Nacht auf Mittwoch. Am Freitag rasselte der Kurs dann ebenfalls noch einmal nach unten.

Anfang der Woche war es vor allem die Angst vor einer Immobilienkrise in China, die auch die traditionellen Finanzmärkte unter Druck brachte. Am Freitag dämpfte dann noch einmal China die Stimmung – aber dieses Mal in Form einer Mitteilung der Zentralbank, die wieder einmal klarstelle, dass Transaktionen mit Kryptowährungen illegal sind. Einen nur kleinen Push nach oben brachte am Donnerstagabend die Nachricht, dass Twitter nun Bitcoin-Zahlungen über das Lightning-Netzwerk in seine App integrieren wird – doch zu alldem später.

Bei den anderen großen Kryptowährungen sah es nicht viel besser aus. Bei Ethereum ging es mit einer eher gruseligen 7-Tages-Performance von minus 16 Prozent wieder deutlich unter die 3.000-Dollar-Marke. Auch Binance Coin (minus 14 Prozent), Dogecoin (minus 14 Prozent) und Uniswap (minus 21 Prozent) verzeichneten starke Abschläge. Einigermaßen stabil hielt sich unter den größeren Namen nur Solana.

Zuerst allgemeine Unsicherheit wegen Evergrande…

Starten wir mit dem Abverkauf zu Wochenbeginn. Der betraf, wie erwähnt, auch die traditionellen Finanzmärkte. Auslöser: Der finanziell schwer angeschlagene chinesische Immobilienkonzern Evergrande. Dem Unternehmen droht die Zahlungsunfähigkeit. Wegen seiner schieren Größe könnte dies starke Auswirkungen auf Chinas Immobiliensektor und in weiterer Folge auf die gesamte chinesische Wirtschaft haben. Die Regierung macht derzeit aber eher wenig Anstalten, das Unternehmen zu retten.

Vergleiche zur Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 wurden in den vergangenen Tagen häufig bemüht – um nicht zu sagen überstrapaziert. Die Lehman-Pleite hatte bekanntlich eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst. Mittlerweile haben zahlreiche Analysten darauf hingewiesen, dass der Vergleich schief ist – aber in den Medien wird sich das griffige Schlagwort wohl noch länger halten.

Bleibt eine Frage: Was hat das überhaupt mit Krypto zu tun? Und die Antwort ist klar: Unmittelbar nichts. Man könnte sogar argumentieren, dass ein Straucheln des traditionellen Finanzsystems insbesondere Bitcoin zugute kommen müsste. Die größte Kryptowährung wird ja gern als digitales Gold bezeichnet – und Gold hat das Image, in Zeiten der Unsicherheit als „sicherer Hafen“ nachgefragt zu werden.

Das Problem ist nur: In der Realität verhält sich Bitcoin (noch?) nicht als „safe haven asset“. Im Gegenteil: Geraten die Aktienmärkte unter Druck, geht es üblicherweise auch mit Bitcoin abwärts – und mit allen anderen Kryptowährungen noch stärker. Sie werden also weiterhin als Risiko-Assets gesehen, von denen man sich in Zeiten hoher Unsicherheit vorsichtshalber lieber trennt.

Unabhängig von jeglicher Theorie bewegt sich Bitcoin empirisch betrachtet eher wie eine Tech-Aktie als wie Gold. Und alle anderen Kryptowährungen hängen im Regelfall an Bitcoin – was auch der dieswöchige Ausverkauf wieder gezeigt hat. Klar ist auch: Es braucht nicht unbedingt kryptospezifische Gründe, damit die Kurse unter Druck geraten. Kryptowährungen sind von den traditionellen Finanzmärkten nicht entkoppelt.

…und dann wieder einmal Chinas Behörden gegen Krypto

Apropos kryptospezifische Gründe für schlechte Marktstimmung. Genau einen solchen gab es dann am Freitag – und zwar ein altbekannter Klassiker, der seit Jahren wiederkehrt: China verbietet Kryptowährungen. Oder geht zumindest gegen diese vor. Zuletzt war das Thema im Frühling hochgekocht, als die chinesischen Behörden in mehreren Provinzen im großen Stil gegen Bitcoin-Mining vorgegangen waren.

Nun veröffentlichte die chinesische Zentralbank ein Dokument, indem sie weitere Maßnahmen gegen Krypto-Trading ankündigte. Darin stellte es unter anderem klar, dass sämtliche Anbieter, die den Tausch von Kryptowährungen in Fiat-Geld ermöglichen, als illegal betrachtet werden. Auch das Anbieten von Krypto-Derivaten sei rechtswidrig – nicht nur für chinesische Börsen oder Broker, sondern auch für ausländische Anbieter, die Derivate chinesischen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich machen, berichtete The Block.

Viele nehmen Meldungen wie diese gar nicht mehr ernst. Der Markt reagierte aber jedenfalls klar negativ. Der Bitcoin-Kurs rutschte von rund 45.000 Dollar auf zwischenzeitlich nur mehr 40.900 Dollar ab. Dann stabilisierte er sich über 42.000 Dollar. Besonders stark unter Druck gerieten ansonsten die Token der beiden in China gegründeten Kryptobörsen Huobi (HT) und OKEx (OKB), die deutlich über 15 Prozent nachgaben.

https://twitter.com/DocumentingBTC/status/1441406623621148678

Twitter implementiert Bitcoin-Zahlungen über Lightning-Netzwerk

Doch auch positive Nachrichten gab es diese Woche: Es waren ja schon Ende August, wie auch hier berichtet, erste Hinweise darauf durchgesickert, dass Twitter Bitcoin-Zahlungen über das Lightning-Netzwerk in seine iOS-App integrieren will. Nun ging es ganz schnell: Am Donnerstagabend verkündete das Unternehmen in einem Pressegespräch, dass nun eine „Trinkgeld“-Funktion implementiert wird, mit der man anderen Usern Geldbeträge zukommen lassen kann.

Dazu werden externe Zahlungsdienste genutzt – etwa die Cash App von Square, dem Fintech, das ebenfalls von Twitter-CEO Jack Dorsey geführt wird. Diese Cash App kann ebenfalls zum Versenden von Bitcoin genutzt werden. Allerdings, und das ist etwaws spektakulärer, wird das aber auch mit Strike möglich sein – einer Anwendung, die auf dem Lightning-Netzwerk aufbaut. Twitter kündigte den weltweiten Rollout der Features bereits für gestrigen Donnerstag an – zunächst nur für iOS-Geräte, Android soll später folgen. Wie lange es dauern wird, bis das Feature bei normalsterblichen Twitter-Usern in Europa ankommen wird, war vorerst aber noch offen.

Die Ankündigung war an sich keine große Überraschung mehr: Dorsey ist als großer Bitcoin-Verfechter bekannt und hatte in der Vergangenheit gesagt, Bitcoin „ein großer Teil der Zukunft“ von Twitter sein werde. Erst im Juni hatte er geschrieben, dass eine Lightning-Integration „nur eine Frage der Zeit“ sei. Die Umsetzung erfolgte nun aber rascher als erwartet.

Coinbase knickt vor der SEC ein

Wir bleiben in den USA, kommen aber wieder zurück zum Regulierungsthema. Über den Disput zwischen Coinbase und der US-Börsenaufsicht SEC haben wir hier bereits ausführlich berichtet. Die Kurzfassung: Coinbase hatte ein Produkt („Lend“) angekündigt, mit dem man Stablecoins gegen 4 Prozent Zinsen verleihen kann. Die SEC hatte der US-Kryptobörse daraufhin auf die Finger geklopft, weil sie darin unerlaubte Wertpapierverkäufe sah.

So hatte es zumindest Coinbase kommunizert. Das Unternehmen war mit der Angelegenheit selbst an die Öffentlichkeit gegangen – wohl, um einen PR-Vorteil in dem Disput zu erlangen. Die SEC äußerte sich öffentlich nicht dazu. Trotzdem behielt sie aber offenbar die Oberhand: Diese Woche machte Coinbase einen Rückzieher: „Lend“ wird nicht kommen. Die bereits geöffnete Warteliste für das Produkt wurde wieder geschlossen. Für diese Ankündigung war Coinbase weniger stark bemüht, die Öffentlichkeit zu erreichen: Das Unternehmen aktualiserte lediglich einen Blog-Post vom Juni, in dem „Lend“ ursprünglich angekündigt worden war.

Die Entschiedung kommt jedenfalls zu einer Zeit, in der die SEC immer deutlicher macht, dass sie die Kryptobranche und insbesondere Decentralized-Finance-Anwendungen (DeFi) sehr genau im Auge hat. SEC-Chef Gary Gensler hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach entsprechend geäußert. In der Krypto-Community stößt dies naturgemäß auf wenig Begeisterung. Genlser wolle der „Sheriff von Cryptoville“ werden, sagte zuletzt Galaxy-Digital-CEO Mike Novogratz. Der neue SEC-Chef hatte in der Branche ursprünglich als Hoffnungsträger gegolten, da er in der Vergangenheit selbst am MIT Blockchain-Kurse abgehalten hatte.

Fußball-NFT-Plattform Sorare holt 680-Mio.-Dollar-Investment

Ein Mega-Investment gab es diese Woche auch im NFT-Bereich: Das französische Unternehmen Sorare sammelte 80 Mio. US-Dollar ein – zu einer Bewertung von 4,3 Mrd. Dollar, womit es zum Unicorn wurde. Angeführt wurde die Runde von Softbanks Vision Fund 2. Das erste 2018 gegründete Krypto-Startup betreibt eine Plattform, auf der man NFT-basierte digitale Sammelkarten handeln kann. Es bleibt jedoch nicht bloß beim Handeln, man kann auch eigene Mannschaften zusammenstellen und gegen andere Teams antreten. Sorare kombiniert also Fantasy Football und NFT-Handel.

Sorare hat aktuell 600.000 registrierte User. 150.000 davon sind monatlich aktiv, in dem sie Karten kaufen oder Teams zusammenstellen. Zu den Ligen, die mit Sorare kooperieren, zählt übrigens seit Anfang August auch die österreichische Bundesliga. Sämtliche Spiele der höchsten heimischen Spielklasse sind seitdem dort als digitale Sammelkarten vertreten. Dass allerdings jemand 245.000 Euro für die Karte eines Bundesliga-Kickers zahlen wird, wie bei Cristiano Ronaldo geschehen, darf allerdings bezweifelt werden.


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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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