07.10.2025
COMMUNITY-FRANCHISE

CrustZone: Wiener Startup will Pizzakette mit Community-Investoren aufbauen

Das Wiener Gastro-Startup CrustZone verfolgt einen unkonventionellen Expansionsansatz: Statt auf klassische Investoren oder Franchise-Modelle zu setzen, können sich Kleininvestor:innen ab 110 Euro über sogenannte Genussrechte beteiligen und künftig nicht nur am Gewinn, sondern auch an Entscheidungen rund um die Pizzakette teilhaben.
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Die Gründer von CrustZone: Maximilian Brüchert, Philipp Angerschmid. Foto: CrustZone

Pizza ist nicht neu. Franchise-Systeme auch nicht. Doch die jungen Gründer Maximilian Brüchert und Philipp Angerschmid wollen mit CrustZone beides neu denken. Statt der geliebten italienischen Pizza mit dünnem Boden setzt das Food-Startup auf Detroit Style Pizza – eine Pfannenpizza mit einer knusprigen, zähen Kruste und natürlich: viel, viel Käse. Die Detroit Style Pizza gibt es bereits in Wien, was eher ungewöhnlich ist, ist das Geschäftsmodell von CrustZone. Sie wollen ein Franchise-System etablieren, das von der Community finanziert und langfristig auch mitgestaltet wird. Brüchert und Angerschmid sprechen von einem „Community-Franchise“, das „eine moderne, demokratische Alternative“ zu klassischen Gastronomie-Ketten sein will.

Vom gescheiterten Store zum skalierbaren Modell

Die Wege der beiden Gründer kreuzten sich während des Studiums für Unternehmensführung und Entrepreneurship. Schnell war klar, dass sie einem gemeinsamen Wunsch nachgehen: „Gastronomie neu zu denken“, schreiben sie gegenüber dem brutkasten. Eigentlich wollten sie ursprünglich einen bestehenden Franchise-Store übernehmen. Dass der Plan scheiterte, empfinden sie rückblickend als Glücksfall.

Stattdessen entstand im August 2024 aus Gesprächen, Marktanalysen und ersten Prototypen die Idee für CrustZone. Anfang dieses Jahres holten sich die beiden Gründer einen Pizzabäcker aus Los Angeles mit ins Team und meldeten im September 2025 offiziell die Firma an.

Geschäftsmodell: Genussrechts-Anteile

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal liegt weniger an der Art der Pizza, sondern im Finanzierungsmodell: CrustZone verkauft 2000 limitierte Genussrechts-Anteile ab 110 Euro an Community-Investor:innen. Diese erhalten 60 Prozent des Gewinns der jeweiligen Tochtergesellschaften, in denen CrustZone die Standorte betreibt.

„Dieses Modell ermöglicht nachhaltiges Wachstum, wahrt die Unabhängigkeit des Unternehmens und bindet gleichzeitig die Community aktiv in den Erfolg von CrustZone ein“, heißt es von den Gründern.

Bisher finanziert wurde das Startup über Eigenkapital und angesparte Reserven. In Zukunft soll die Finanzierung ausschließlich über Community-Investoren, deren Einlagen als Eigenkapital zählen, sowie über Franchise-Partner erfolgen.

Start und Expansion

Am 15. Oktober 2025, also nächste Woche, soll der Verkauf der Community-Anteile starten. Im Dezember 2025 wird der erste Standort als Pilotprojekt eröffnet und soll „als sichtbares Aushängeschild der Marke und als Blaupause für alle weiteren Pizzerien“ fungieren.

Fünf weitere Standorte sollen 2026 in Österreich und Deutschland folgen. Ziel sei es, in den nächsten eineinhalb Jahren insgesamt zehn Standorte aufzubauen.

„Damit wird eine kritische Masse erreicht, die die Marke im Markt etabliert, Skaleneffekte ausnutzt und eine solide Grundlage für eine weitere Expansion in europäische Großstädte schafft“, erklären die CrustZone-Gründer.

Zukunftspläne

Langfristig sieht CrustZone nämlich das Potenzial in europäischen Großstädten. Dass das System modular, kosteneffizient und gemeinschaftlich aufgebaut ist, soll auch kleineren Franchise-Partner:innen die Möglichkeit geben, Standorte zu eröffnen.

„Durch dieses revolutionäre Modell machen wir moderne Gastronomie nicht nur zugänglich, sondern auch wieder wirtschaftlich leistbar für die Menschen und ebnen gleichzeitig den Weg für zukünftiges, skalierbares Partner-Franchising“, schreiben Brüchert und Angerschmid in ihrem Mission Statement fest.

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Tina Ruseva ist Unternehmerin und Autorin und spricht am HR Inside Summit über „Soft Work“ | © Ammy Berent

Wenn KI die standardisierbare Arbeit übernimmt, bleibt für Menschen das, was die Unternehmerin und Autorin Tina Ruseva „Soft Work“ nennt. Sie spricht am HR Inside Summit, der am 14. und 15. Oktober in der Wiener Hofburg stattfindet. Im brutkasten-Interview erklärt sie vorab, warum Kontrolle als Führungsprinzip ausgedient hat und was Unternehmen jetzt verändern müssen.


brutkasten: Sie sprechen am HR Inside Summit über „Soft Work“. Was ist die Kernthese?

Tina Ruseva: Ausgangspunkt ist die Arbeitsteilung, die wir aus der Industrialisierung kennen. Arbeit hatte eine feste Beschreibung, und an der Maschine hatte es keine Bedeutung, wer die Aufgabe übernimmt. Das ist die Hard Work. Maschinen sind genau in solchen Aufgaben sehr gut und werden sie in den nächsten Jahren zum großen Teil übernehmen. In den Bürojobs von heute gibt es aber viele Aufgaben, bei denen man das Endergebnis nicht kennt: Welchen neuen Markt müssen wir erschließen? Wie antworten wir auf eine neue Krise? Diese Aufgaben sind diffuser, deswegen „soft“. Was für uns an Arbeit bleibt, können wir nur dann gut machen, wenn wir das wollen. Effektives Wirtschaften hängt heute von der intrinsischen Motivation der Beteiligten ab.

Ein gutes Beispiel ist der Customer Support. Wenn jemand nur Dienst nach Vorschrift macht und sein Skript abliest, ist diese Person ersetzbar, weil diese Arbeit bald besser von einem Automaten gemacht wird. Wir automatisieren, was wiederholbar ist, und können dann von Mensch zu Mensch klären, was diesmal besonders ist und zum ersten Mal auftritt.

Wer den Begriff hört, denkt sofort an Soft Skills. Wo liegt der Unterschied?

Wir haben Führung sehr lange etwas generisch als Soft Skill abgehakt, also als Kommunikation und persönliche Gespräche. Soft Work ist für mich ein größerer Begriff. Er beschreibt das gesamte Umfeld, in dem sich Führungskraft und Mitarbeitende befinden. Dazu habe ich ein Framework definiert: SOFT steht für Synergien, Offenheit, Fairness und Technologie. Wir müssen wiederholbare Tätigkeiten automatisieren, damit überhaupt Zeit bleibt für all das, was wir heute so gut wie nicht machen.

Wie geht eine Führungskraft vor, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt?

Führung ist eine Frage der Komplexität, deshalb führen wir sehr selten große Teams direkt. Studien sagen, dass ab 2028 rund ein Achtel der Arbeit mit KI-Agenten erledigt wird. Wenn alle meine Mitarbeitenden ihr eigenes digitales Team haben, gibt es unendlich viel mehr Aufgaben und Abstimmungsaufwand. Hinter jedem herzugehen, alles abzuhaken und alles zu kontrollieren, wird einfach unmöglich. Vertrauen, Augenhöhe und Selbstführung sind deshalb kein Wunschdenken, sondern unsere Zukunft. Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir Mitarbeitende befähigen, ihre eigenen digitalen Teams zu kontrollieren. Dazu braucht es auch Technologie.

Gibt es Unternehmen, die das schon anwenden?

Das bekannteste Beispiel unter den deutschen Großkonzernen ist Bosch, weil dort die mittlere Managementebene komplett abgeschafft wird. Dadurch kommt mehr Verantwortung bei den einzelnen Mitarbeitenden an. Ein neueres Beispiel ist Stripe. Das Unternehmen hat sehr viel in KI investiert und fast das gesamte Management-Team abgebaut. Es gibt nur noch Leadership und Teams, und vor allem Ingenieur:innen sollen experimentieren können. Stripe hat in einem Podcast von a16z erzählt, dass es dadurch 200 bis 300 innovative Produkte in einem Jahr auf den Markt bringt.

Allerdings ist KI eine Art Verstärker für die Unternehmenskultur. In einer Muss-Kultur, in der wir nur auf den KPI schauen, bekomme ich durch Automatisierung nur noch schneller mehr vom Gleichen. In Will-Kulturen, in denen alle bereit sind, ihre Ideen preiszugeben und anderen zu helfen, können Automatisierung und KI zu wirklich neuen Ergebnissen führen.

Es geht also nicht mehr darum, erledigte Aufgaben zu messen, sondern die Wirkung?

Von Effizienz zu Effektivität. Heute können wir alle in zehn Sekunden einen LinkedIn-Post rausschießen. Die Anzahl der Posts war sehr lange eine gängige Marketingkennzahl. Die To-do-Liste für die Mitarbeitenden war eine Anzahl von Dingen und nicht deren Qualität. Man schreibt einen Post aber ganz anders, wenn man wirklich Wert darauf legt, dass die Nachricht durchkommt. Das ist der Unterschied zwischen KI-generierten Texten und guten Autor:innen.

Den Begriff New Work gab es schon vor dem KI-Hype. Wie hat sich die Szene verändert?

Der Begriff ist mit der Pandemie explodiert. Viele haben ihn missbraucht, einfach für moderne Führung oder für tolle Büromöbel. Als die Krise kam, wurde das Konzept vielerorts für gescheitert erklärt. Trotzdem ist für alle klar: There is no going back. Wir können nicht mehr so führen wie früher. Dienst nach Vorschrift und Kontrolle verschwenden die Ressourcen von Unternehmen, besonders in der Krise. Gleichzeitig haben wir es mit Menschen zu tun, die Angst um ihre Hypotheken, ihren Status und ihr Büro haben. Da gilt es, eine Lösung nach vorne zu finden. Ob man das Soft Work oder New Work nennt, ist nicht wichtig.

Auch bei uns arbeiten nicht alle gleich schnell mit KI. Wie schafft man Alignment in einer Organisation?

Bisher hieß Alignment: Alle bekommen ihre To-dos, und wenn die erledigt sind, gibt es Alignment. Was wir heute alignen müssen, sind aber keine Pflichtaufgaben mehr. Wofür ich KI nutze, muss ich niemandem erzählen. Ich definiere dafür vier Kriterien. Erstens müssen wir Silos in Synergien umwandeln, also Dialog möglich machen, wo keiner stattfindet. Im Onboarding heißt das, nicht nur eine fertige Checkliste bereitzustellen, sondern auch zu fragen: Was willst du in den ersten zwei Monaten lernen? Wen willst du kennenlernen? Zweitens geht es von Orthodoxie zu Offenheit, weg von „So haben wir das immer gemacht“, zum Beispiel mit einem Mitarbeiterbeirat. Drittens Fairness: Wenn ich weiß, dass ich als Frau immer weniger verdienen werde als ein Mann, kaufe ich dieses Wir irgendwann nicht mehr ab und behalte meine Ideen für mich. Das Allerwichtigste ist Technologie. Ohne sie sind all diese Veränderungen zum Scheitern verurteilt, sobald die zuständige Person andere Prioritäten hat. Technologie macht Regeln und Policies nachhaltig. Wir müssen festlegen: Mit welchem Tool werden die Gehälter erfasst? Wie sammeln wir Kompetenzen? Wie setzen wir digitales Feedback um? Das spart allen Zeit, und diese Zeit haben wir dann dafür, miteinander zu reden.

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