04.01.2023

Creditreform: 2022 gingen rund 20 Firmen pro Werktag insolvent

Im vergangenen Jahr stiegen die Firmeninsolvenzen in Österreich um 60 Prozent. 2023 werde österreichweit mit 6.000 Insolvenzen gerechnet. Laut WIFO soll die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr weitgehend stagnieren und erst 2024 wieder steigen.
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Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die Firmeninsolvenzen für das Jahr 2022 in Österreich analysiert. Das Fazit: Die Insolvenzzahl stieg um rund 60 Prozent auf 4.193 Verfahren, mit durchschnittlich 20 Firmeninsolvenzen pro Tag. Die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren sei um 42,5 Prozent auf ca. 3.000 gestiegen. Mangels Vermögen wurden 1.951 Verfahren abgewiesen, um rund 95,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Warum steigen die Insolvenzen in Österreich?

Die Insolvenzursachen liegen vorwiegend im Kapitalmangel und damit in Rückzahlungsproblemen gestundeter Abgaben und Steuern. Auch die allgemeine Wirtschaftslage verstärkt die Zahlungsunfähigkeit betroffener Firmen: Lieferkettenprobleme, Fachkräftemangel und steigende Material- und Zulieferpreise führen zu sinkenden oder negativen Margen. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des bevorrechteten Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform, verweist auf die Polykrisensituation aus Lockdowns, Ukraine-Krieg und Inflation als Hauptursache.

Hilfsmaßnahmen verzögerten einige Insolvenzen

“Nach dem Auslaufen der Corona-Hilfsmaßnahmen war mit einer Rückkehr auf das Vorpandemieniveau zu rechnen. Nun sind viele Kleinst- und Kleinunternehmen insolvent geworden, die nur durch die staatlichen Hilfen über die Pandemie hinweg gerettet wurden”, erklärt Weinhofer. Dass viele Unternehmen schon vor den vergangenen Krisensituationen Probleme hatten, zeigt die stark ansteigende Zahl an vermögenslosen Abweisungen, so der Experte.

Wien, Handel und Dienstleistungen am stärksten betroffen

Den stärksten Insolvenzzuwachs verzeichnete das Bundesland Vorarlberg mit einem Plus von 127,5 Prozent, gefolgt von Oberösterreich (+106,9 Prozent) und Tirol (+93,9 Prozent). Die absolut höchste Insolvenzzahl zählte die Bundeshauptstadt Wien, mit 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit mussten mehr als 10 von 1.000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen.

Nach absoluten Zahlen gab es 2022 die meisten Insolvenzen im Handel (862), gefolgt von unternehmensbezogenen Dienstleistungen (841) und dem Bauwesen (805). Im Bau mussten rund 23 von 1.000 Branchenunternehmen Insolvenz anmelden, was branchenübergreifend die relativ höchste Insolvenzbetroffenheit ausmacht. In der Industrie waren es nicht ganz 8 von 1.000 Unternehmen.

Ausblick: 6.000 Insolvenzen im Jahr 2023 erwartet

Ein 60-prozentiger Zuwachs an Firmeninsolvenzen wirkt auf den ersten Blick alarmierend, sei jedoch kein Grund zur Sorge, beruhigt Weinhofer. Denn dabei handle es sich um den sogenannten Aufholeffekt nach den historisch niedrigen Insolvenzen zu Pandemiezeiten. Demnach würde das österreichische Insolvenzgeschehen zur Normalität zurückkehren. Dem Gläubigerschutzverband zufolge schlage sich die heimische Wirtschaft noch recht gut: Indizien dafür seien niedrige Arbeitslosigkeit, gute Eigenkapitalquoten bei der Mehrzahl der Unternehmen und ein gutes Weihnachtsgeschäft im Handel.

WIFO rechnet 2023 mit stagnierender Wirtschaftsleistung

Dem Österreichischen Forschungsinstitut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zufolge soll das reale Wirtschaftswachstum 2023 im Jahresdurchschnitt +0,3 Prozent betragen. Die Wirtschaftsleistung wird also weitgehend stagnieren und erst 2024 wieder deutlich zunehmen. Zeitgleich soll die Inflationsrate dank nachlassender Öl- und Gaspreise leicht auf 6,5 Prozent sinken. Die Conclusio: Die Inflation dürfte ihren Höhepunkt überschritten haben.

Staatliche Hilfen wie Energiepreisbremsen, Klimaboni und die Abschaffung der kalten Progression würden Konsument:innen finanziell entlasten und das für den Binnenkonsum wichtige Verbraucherklima stabilisieren. Weinhofer rät heimischen Unternehmen dennoch zur Vorsicht – mit Verweis auf steigende Energiekosten und Mieten in Kombination mit hohen Kollektivvertragsabschlüssen. “Es kann leider für das noch junge Jahr 2023 keine Entwarnung für Insolvenzen gegeben werden.” Der Experte rechne für 2023 mit rund 6.000 Firmeninsolvenzen.

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Bild: KI-generiert / Google Gemini

Die europäischen NATO-Länder werden ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren massiv erhöhen. Neben den direkten Verteidigungsausgaben, die auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen, sind weitere 1,5 Prozent des BIP für sicherheitsrelevante Investitionen vorgesehen: etwa für die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur, für den Bevölkerungsschutz oder für Cyber- und Netzwerksicherheit. Europaweit entspricht das jährlich rund 320 Mrd. Euro.

Auch für Österreich als Nicht-NATO-Staat hat das Folgen. Legt man das 1,5-Prozent-Ziel als Referenzmaßstab zugrunde, ergibt sich ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Mrd. Euro. Das geht aus der Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der deutschen DekaBank hervor.

Jeder Euro löst 2,45 Euro aus

Die Investitionen stoßen laut Studie in den europäischen NATO-Ländern eine Produktion von insgesamt 822 Mrd. Euro pro Jahr an, 17 Mrd. Euro davon entfallen auf Österreich. Jeder investierte Euro führt demnach zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro. Profitieren dürften vor allem Bauunternehmen, Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikfirmen sowie die Elektronik- und Elektrotechnikbranche.

Dazu kommen die Beschäftigungseffekte: Sofern die Infrastrukturinvestitionen wie vorgesehen zu ohnehin geplanten Projekten erfolgen, entstehen europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze. Knapp 1,8 Millionen davon direkt in der Infrastrukturindustrie, ähnlich viele bei Zulieferern. In Österreich wären es rund 75.000 Jobs.

„Investitionen in Infrastruktur, von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit, bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe. Die Effekte gingen über den Rüstungssektor hinaus: Solche Investitionen könnten die Konjunktur stärker ankurbeln als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinn und bieten zugleich die Chance auf eine Modernisierung von Logistik, Verkehr und Energie.

Investitionsstau und knappe Kassen

Der Bedarf trifft allerdings auf strukturelle Engpässe. In Österreich wie in ganz Europa besteht bereits heute ein hoher Investitionsstau, die zugesagten Mittel müssten zusätzlich und möglichst kurzfristig aufgebracht werden.

Für Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, führt daran kein Weg vorbei: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können, ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar.“ Er verweist auf ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, international aber etabliert seien. Besonders bei Dual-Use-fähiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Netze, Logistik und Kommunikation ermögliche privates Kapital eine zügigere Skalierung. Auch in Österreich werde verstärkt diskutiert, wie sich privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte mobilisieren lässt, ergänzt Preiss.

Als weitere Hürden nennt der EY-Partner lange Vorlaufzeiten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte kurzfristige Skalierbarkeit. Nötig seien daher beschleunigte Genehmigungen, eine koordinierte zivil-militärische Planung und eine stärkere europäische Abstimmung bei grenzüberschreitender Infrastruktur.

Was das für die heimische Szene bedeutet

Für Österreichs Technologieunternehmen trifft der erwartete Investitionsschub auf ein Feld, das sich gerade erst öffnet. Reine DefenseTech-Startups gibt es hierzulande kaum, die meisten agieren im Dual-Use-Bereich, also mit Produkten, die sich zivil wie militärisch einsetzen lassen. Genau dort setzt auch die Studie an, wenn sie Dual-Use-fähige Infrastruktur in Energie, Netzen, Logistik und Kommunikation als bevorzugtes Feld für privates Kapital nennt. Bewegung kommt zusätzlich von politischer Seite: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat angekündigt, gesetzliche Hürden für die heimische Rüstungs- und DefenseTech-Branche abzubauen, unter der Bedingung, dass die Neutralität gewahrt bleibt.

Erste Finanzierungsrunden zeigen, dass das Thema auch bei Investor:innen ankommt. Das 2025 gegründete Grazer Startup GuardAero, dessen Systeme Drohnenbedrohungen an Militärfahrzeugen autonom erkennen und neutralisieren, holte sich zuletzt ein Seed-Investment im niedrigen Millionenbereich von Angels United und der Beteiligungsgesellschaft von Bernhard Klemen. Zuvor hatte das Team die „Austrian Defence Innovation Garage 2025“ gewonnen und kooperiert bei Entwicklungstests mit dem Bundesheer. Ob die von EY skizzierten Milliarden tatsächlich auch bei heimischen Startups landen, wird weniger von den Zusagen abhängen als von Genehmigungsverfahren, Vergabepraxis und der Frage, wie schnell Österreich seinen eigenen regulatorischen Rahmen nachschärft.

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