18.09.2020

Covid-19-Gurgeltest von LEAD Horizon durch Ministerium anerkannt

Das Corona Test-Set des Wiener Startups LEAD Horizon wurde durch das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nun offiziell anerkannt. Zudem kooperiert LEAD Horizon mit dem Wiener Scaleup Anyline.
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Gurgeltest
LEAD Horizon ist ein österreichisches Unternehmen, das Anfang 2020 von Assoc.- Prof. Dr. med. Christoph Steininger und Michael Putz gegründet wurde | (c) LEAD Horizon

Das österreichische Startup LEAD Horizon rund um den österreichischen Virologen Christoph Steininger hat im Sommer den sogenannten Covid-19-Gurgeltest auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zu einem unangenehmen Rachenabstrich, für den es medizinisch geschultes Personal braucht, kann der Gurgeltest einfach und schmerzfrei nach dem DIY-Prizip zu Hause durchgeführt werden – der brutkasten berichtete.

Behördliche Anerkennung

Wie das Startup am Donnerstag mitteilte, erfolgte nun die „Bestätigung der behördlichen Anerkennung“ durch das österreichische Gesundheitsministerium. Basis dafür sei ein Gespräch im Gesundheitsministerium gewesen, das bereits am 11. September stattgefunden hat.

In einer Aussendung von LEAD Horizon heißt es dazu: „Die beiden Gründer, Virologe Prof. Christoph Steininger und Innovationsexperte Michael Putz konnten im Gespräch mit Dr. med. Silvia Türk, Sektionschefin der Sektion VIII Gesundheitssystem, Unklarheiten rund um das Test-Set klären.“

Auf Rückfrage des brutkastens erläuterte eine Sprecherin von LEAD Horizon, dass das Auswertungsverfahren mit PCR-Verfahren von Beginn an anerkannt war, das Startup wollte aber zusätzlich in Bezug auf die Handhabung des Test-Kits eine Bestätigung von Seitens des Ministeriums einholen.

Identität sicherstellen

Ein heikler Punkt bei Corona-Selbsttests ist die Identifizierung der Testpersonen. Hierfür bietet das Startup allerdings eine Lösung an: Mittels Videoaufnahme während des gesamten Prozesses wird die Identität der Testperson sichergestellt, um Betrug vorzubeugen. Die Proben werden postalisch eingeschickt oder firmenintern gesammelt und zur Abgabestelle gebracht.

Anschließend werden die Proben ausschließlich durch ÖQUASTA-zertifizierte Labore mittels PCR-Verfahren ausgewertet. Am Folgetag nach Einlangen wird das Ergebnis elektronisch und datensicher übermittelt.

Kooperation mit Anyline

In rund zwei Wochen soll zudem im Rahmen eines Updates ein automatisiertes Identitätsverfahren für Ausweise in die Web-Applikation von Lead Horizon integriert werden. Hierfür arbeitet das Startup mit dem Wiener Scaleup Anyline zusammen.

„Um den Nutzern eine einfache und sichere Methode zum Sammeln und Versenden dieser Daten zu bieten, wird LEAD Horizon nun das mobile Reisepass-Scannen von Anyline in diese WebApp integrieren“, so Anyline auf dem firmeneigenen Blog.

Die Kooperation mit Anyline ist nicht die einzige Kooperation von Lead Horizon. So hat das Startup erst diese Woche die Kooperation mit dem Wiener Startup testFRWD bekannt gegeben, um den Test verstärkt bei Events und im Tourismus einzusetzen – der brutkasten berichtete.

Christoph Steininger im August über den Covid19-Gurgeltest

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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Covid-19-Gurgeltest von LEAD Horizon durch Ministerium anerkannt

  • Das österreichische Startup LEAD Horizon rund um den österreichischen Virologen Christoph Steininger hat im Sommer den sogenannten Covid-19-Gurgeltest auf den Markt gebracht.
  • Im Gegensatz zu einem unangenehmen Rachenabstrich, für den es medizinisch geschultes Personal braucht, kann der Gurgeltest einfach und schmerzfrei nach dem DIY-Prizip zu Hause durchgeführt werden – der brutkasten berichtete.
  • Wie das Startup am Donnerstag mitteilte, erfolgte nun die „Bestätigung der behördlichen Anerkennung“ durch das österreichische Gesundheitsministerium.
  • Auf Rückfrage des brutkastens erläuterte eine Sprecherin von LEAD Horizon, dass das Auswertungsverfahren mit PCR-Verfahren von Beginn an anerkannt war, das Startup wollte aber zusätzlich in Bezug auf die Handhabung des Test-Kits eine Bestätigung von Seitens des Ministeriums einholen.
  • Hierfür arbeitet das Startup mit dem Wiener Scaleup Anyline zusammen.
  • Die Kooperation mit Anyline ist nicht die einzige Kooperation von Lead Horizon.

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