07.06.2021

Diese Strategien verfolgten HealthTechs aus Österreich in der Coronakrise

Die Corona-Krise eröffnet neue Chancen und Möglichkeiten, um die Digitalisierung im österreichischen Gesundheitsbereich voranzutreiben. Der brutkasten hat bei fünf österreichischen HealthTechs nachgefragt, welche Veränderungen sie mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie wahrnehmen und welchen Effekt diese auf das eigene Geschäft hat.
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Durch die Corona-Krise hat die Digitalisierung im Gesundheitsbereich an Dynamik gewonnen. Einer aktuellen Umfrage der Ärztekammer Wien zufolge, betreuen rund 68 Prozent der Ärzte heute mehr Patienten telemedizinisch als vor der Krise. Zudem gibt es auch im administrativen Bereich Bewegung. So soll das E-Rezept im kommenden Jahr in ganz Österreich ausgerollt werden und Ärzte, Apotheken sowie die Sozialversicherungen deutlich entlasten. Schätzungen des Dachverbands der Sozialversicherungsträger sollen so sechs Tonnen Papier im Monat eingespart werden.

Die Digitalisierung wird auch im Bereich der Life Sciences immer mehr das bestimmende Thema. So zeigt sich etwa bei der aws, die als Förderbank des Bundes eine wichtige Unterstützung für die Branche gibt, dass in den vergangenen drei Jahren etwa 35 Prozent aller geförderten Life Science Unternehmen Digitalisierungsprojekte umgesetzt haben. Die Digitalisierung hat dabei nicht nur positive Auswirkungen für die Unternehmen selbst, sondern auch für den österreichischen Life Science Standort gesamt. Für Edeltraud Stiftinger, aws Geschäftsführerin zeigt sich „Die Digitalisierung vor allem in der Medizintechnik ist zu einem wichtigen Innovationstreiber geworden. Gerade im Medizintechnik-Bereich gibt es bereits einen regelrechten Boom bei e-Health und Telemedizin Anwendungen. Mehr als ein Drittel der österreichischen Medizintechnik Unternehmen sind bereits in diesem Feld tätig. Die Hälfte aller Neugründungen in den letzten Jahren geht auch auf den Digital Health Sektor zurück“. Diese Entwicklungen haben sich jetzt durch die Corona-Krise noch deutlich beschleunigt.

Neben strukturellen Veränderungen, die durch die Coronakrise vorangetrieben werden, tut sich auch in der heimischen HealthTech-Szene so einiges. Der brutkasten hat dies zum Anlass genommen und mit vier österreichischen Health-Techs über die Auswirkungen der Krise für den Gesundheitsbereich gesprochen. Zudem gaben die Gründer Auskunft, wie sich durch die Coronakrise ihr eigener Geschäftsbereich verändert. Teilweise wurden Covid-19 spezifische Produkte gelauncht oder aufgrund von Beschränkungen hinsichtlich des Vertriebs bereits bestehende R&D-Projekte vorgezogen.

Neue Möglichkeiten durch digitale Daten und Kollaboration

Das Wiener Startup contextflow, das KI-basierte Software für Radiologen entwickelt, hat 2020 seine Finanzierung auf einen siebenstelligen Betrag erhöht, um den Markteintritt zu beschleunigen und neue Funktionen im Zusammenhang mit Covid-19 zu entwickeln. Erst Anfang Juni diesen Jahres konnte sich das Startup in einer Series-A-Finanzierungsrunde ein zusätzliches Millioneninvestment für die weitere Internationalisierung sichern – unter anderem auch für die Zulassung der Lösung durch die U.S. Food and Drug Administration (FDA).

Bereits vor der Pandemie umfasste die Software des Unternehmens eine bildbasierte 3D-Suchmaschine, die Krankheitsbilder in Lungen-CTs erkennt. Dazu zählen auch Krankheitsbilder, die bei Covid-19-Patienten auftreten. Während Lungen-CT-Scans eine wichtige Rolle im Diagnoseprozess für häufige Lungenentzündungen spielen, wird ihre genaue Auswirkung auf die mit Covid-19 zusammenhängende Lungenentzündung noch von Radiologieexperten erforscht. Das Startup, das unter anderem im Rahmen von aws Seedfinancing der Austria Wirtschaftsservice unterstützt wurde, beteiligte sich aktiv an dieser Forschung und lieferte Radiologen bereits zu Beginn der Pandemie Covid-19-relevante Informationen bei der Auswertung von Scans potenzieller Covid-19-Patienten.

Die Software von contextflow ist bereits in Krankenhäusern in ganz Europa im Einsatz. Wie Georg Langs, Chief Scientist und Co-Founder von contextflow, erläutert, muss das Softwarepaket des HealhTechs vor Ort in den Spitälern installiert und das medizinische Personal eingeschult werden. Am Beginn der Krise gab es allerdings Schwierigkeiten in die Krankenanstalten zu kommen, da die Spitäler externen Personen den Zutritt verweigerten. “Das änderte sich aber sehr schnell, da die Krankenhäuser sehr offen waren, die für Lungen relevante Software in ihre Häuser zu bringen. Dadurch konnten wir auch neue Partnerschaften schließen”, so Langs. 

Allerdings fügt er hinzu: “Wir sehen, dass Digitalisierung und Cloud aktuell ein sehr großes Thema ist. Dennoch besteht in Europa noch ein gewisse Zögerlichkeit, die Gesundheitsdaten in die Cloud zu schicken.” Dementsprechend bleiben die Daten der Patienten onsite in den Spitälern. “Eine Voraussetzung dafür ist, dass es vertrauenswürdige Clouds gibt. Hier gibt es bereits spannende Projekte in Europa, wie die Schaffung einer europäischen Gesundheitscloud”. Die Zukunft liegt laut dem Gründer zudem in der Kollaboration. “Die Coronakrise hat uns klar vor Augen geführt, dass man Daten teilen muss, um effiziente Forschung betreiben zu können.” Daten müssten schlussendlich zusammengebracht werden, um Fortschritte in der Forschung zu machen, wobei hier die Bereitschaft durch die Coronakrise gestiegen ist, so Langs. 

Corona-Krise für R&D und Internationalisierung nutzen

Einen ähnliches Momentum für einen Digitalisierungsschub nimmt aktuell auch Gründer Tibor Zajki-Zechmeister vom Klagenfurter HealthTech Tremitas wahr. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Medizinprodukten spezialisiert, die im Bereich von Bewegungsstörungen zur Anwendung kommen.

“Die Pandemie hat weltweit die Möglichkeit geboten, dass beim Thema Digitalisierung die Uhr nochmals zurückgesetzt wird”, so Zajki-Zechmeister. Vorher hätten Länder nämlich verschiedene Herangehensweisen gehabt, wie schnell oder langsam sie Digitalisierung im Gesundheitsbereich implementieren. “Durch Corona wurden alle gezwungen nochmals an den Start zurückzugehen. Länder und Regierung, die dieses Momentum nicht nutzen, werden langfristig verlieren.”

Wie der Gründer erläutert, hatte die Corona-Krise allerdings auch auf das eigene Geschäft eine große Auswirkung. Die Tremitas GmbH wurde formal bereits 2015 gegründet. Ende 2019 erfolgte dann mit dem “Tremipen” der erste Product-Launch. Dabei handelt es sich um ein mobiles Messgerät in Stiftform, das die Stärke und Frequenz eines sogenannten Tremors – permanentes Zittern in den Händen – messen kann. Das Unternehmen konnte bereits erfolgreich Internationalisieren und ist aktuell mit Distributionspartnern in acht europäischen Ländern aktiv. 

“Am Beginn der Pandemie sind unsere Vertriebswege komplett kollabiert, da Distributionspartner nicht mehr in die Krankenhäuser hineingekommen sind”, so Zajki-Zechmeister. Den abrupten Einschnitt in den laufenden Vertrieb nutzte das Unternehmen allerdings für seine R&D-Aktivitäten und entwickelte den sogenannten Tremipen Home. Dabei handelt es sich um ein Messgerät, das nicht im klinischen Bereich zur Anwendung kommt, sondern telemedizinisch direkt bei den Patienten zu Hause. “Wir wollten unseren Patienten eine Home-Variante unseres Medizinproduktes zur Verfügung stellen, damit sie sich zu Hause messen können und mit einer App ihre Daten unkompliziert an die Ärzte schicken”. Wie Zajki-Zechmeister weiters ausführt, stand das Projekt schon länger in der Pipeline, wurde allerdings im April 2020 aufgrund der Corona-Krise vorgezogen. 

Die Corona-Krise beschleunigte jedoch nicht nur die Entwicklung des neuen Produktes, sondern ließ das Startup auch neue Märkte erschließen. “Aufgrund der Tatsache, dass Europa und die USA sehr stark von der Krise betroffen waren, haben wir unsere Fühler verstärkt nach Asien ausgestreckt”, so der Gründer. Erst unlängst erhielt das Startup für seinen “Tremipen”, die medizinische Zulassung in Japan und Australien.

Klassischer Mittelstand mit Fokus auf österreichischen Markt

Doch nicht nur HealthTech-Startups mit internationalen Skalierungsstrategien bekamen den Effekt der Coronakrise zu spüren, auch mittelständische Unternehmen wie das Tiroler MedTech MediPrime – obgleich sich die Auswirkungen in einer anderen Art und Weise äußerten. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und hat sich auf die Entwicklung von Software-Produkten für den Gesundheitsbereich spezialisiert. Neben der mediprime.app, die ein DSGVO-konformen Austausch sensibler medizinischer Daten zwischen Arztpraxen und deren Patienten ermöglicht, bietet das Unternehmen mit docsy eine cloudbasierte Komplettlösung für Wahlärzte zur Patientenverwaltung und klinischen Dokumentation sowie eine Online-Terminbuchung für Patienten an.  Wie Geschäftsführer Domenik Muigg erläutert, gab es im Vertrieb kaum Einschnitte, da das Unternehmen sich primär auf den österreichischen Markt konzentriert. Zudem sei die Wachstumsstrategie nicht auf eine internationale Skalierung und Neukundenakquise ausgelegt. “Wir zählen nicht als klassisches Startup, sondern finanzieren uns aus dem Cashflow. Zudem beschränken wir uns rein auf den österreichischen Markt”, so Muigg. Dennoch war auch MediPrime im Zuge des Lockdowns in der Einschulung der Software auf den Einsatz von Online-Demos angewiesen. Die digitalen Prozesse hätten sich laut Muigg allerdings so gut bewährt, dass diese auch nach dem Lockdown weiter praktiziert wurden und zu einer Effizienzsteigerung führten.

Die Frage der Supply-Chain 

Auswirkungen hatte die Corona-Krise auch auf den Tätigkeitsbereich des Wiener HealthTechs VivaBack GmbH. Das Unternehmen rund um Gründer und Geschäftsführer Valentin Rosegger hat ein Bewegungsmonitoring auf den Markt gebracht, das die Rückengesundheit mobil messbar macht. Über zwei flache Sensoren die am Brust- und Kreuzbein angebracht werden, können so Wirbelsäulenbewegungen überwacht werden. Im Anschluss werden die Daten analysiert und ein individuelles Bewegungskonzept erstellt, damit die Anwender präventive Maßnahmen ergreifen und so Rückenbeschwerden vorbeugen können.

Zur Anwendung kommt das System primär im Corporate-Health-Bereich. Das HealthTech setzt hierfür auf Coachings in Unternehmen vor Ort und konnte in der Vergangenheit bereits gemeinsam mit großen Corporates, wie A1, Uniqa oder dem Flughafen Wien, Projekte mit Mitarbeitern umsetzen.

Wie Rosegger erläutert, konnten die Coachings aufgrund des Lockdowns allerdings nicht mehr vor Ort in den Unternehmen umgesetzt werden. Die Not machte jedoch erfinderisch. “Wir haben innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit einem österreichischen Versicherungsträger ein Pilotprojekt gestartet, um unsere Coachings auch digital anbieten zu können”, so Rosegger. Die Erfahrungen, die aktuell gemacht werden, sollen zudem für die Weiterentwicklung des Produktes genutzt werden. In der Pipeline steht nämlich aktuell ein europaweiter Rollout für Endanwender im B2C-Bereich.

Rosegger fügt hinzu, dass die Coronakrise langfristig zu einem Digitalisierungsschub im Gesundheitssystem führen wird. Allerdings gab es in der Anfangsphase der Krise insbesondere für HealthTechs, die ihre eigene Hardware herstellen, große Hürden zu meistern. “Wir haben teilweise sechs Monate auf unsere Platinen gewartet, die wir für unsere Sensoren benötigen”, so Rosegger. 

Der Gründer, der gemeinsam mit seinem Team aktuell das Vertriebsnetzwerk ausbaut, blickt optimistisch in die Zukunft und sieht in der Krise auch Chancen für das Wachstums des Unternehmens. “Aufgrund der neuen Home-Office-Situation bekommen wir immer mehr Anfragen von Unternehmen aber auch von Privat-Anwendern, die Viva Back nutzen wollen, um ihre Rückengesundheit zu stärken.”

Die sozialen Aspekte der Krise berücksichtigen

Die Corona-Krise hat allerdings nicht nur medizinische, sondern auch eine Reihe an sozialen Auswirkungen zur Folge – angefangen von Kurzarbeit bis hin zur Vereinsamung. Der Studiengangsleiter für Digital Healthcare an der Fachhochschule St. Pölten, Jakob Doppler, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Diskurs rund um die Digitalisierung des Gesundheitsbereichs künftig viel breiter geführt werden müsste. “Wenn wir von digitaler Gesundheit sprechen, müssen wir auch über soziale Bedürfnisse sprechen”, so Doppler. Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens müsste zudem hinterfragt werden, ob alle Bevölkerungsschichten den gleichen Zugang zu digitalen Anwendungen, wie beispielsweise telemedizinische Services, haben. Dabei gehe es nicht nur um technische Aspekte, sondern auch um die Fähigkeit diese Services zu nutzen. Stichwort: Digital Literacy. “Die große Herausforderung besteht darin, dass die digitale Transformation an älteren Personen spurlos vorbeigeht”, so Doppler. 

In diesem Zusammenhang verweist er auf das Forschungsprojekt “Umbrello”, das 2017 an der Fachhochschule St. Pölten ins Leben gerufen wurde. Das Projekt umfasst eine Kommunikations- und Serviceplattform für ältere Mitmenschen im ländlichen Raum, die unterschiedliche Funktionen erfüllt und bestehende Dienste leicht zugänglich macht – angefangen Nah- oder Gesundheitsversorgung bis hin zu Behörden-Kontakten in der Gemeinde “Telemedizin & Co sind wichtige Errungenschaften, aber wir müssen wenn es um soziale Bedürfnisse geht viel niederschwelliger ansetzen”, so Doppler abschließend.


*Disclaimer: Der Artikel erscheint in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice

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Startup Barometer, EY
© Envato/MorphoBio

Nach einem Rückgang im Vorjahr auf 110 Millionen Euro verzeichnete das erste Halbjahr 2026 ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 472 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 362 Millionen Euro beziehungsweise 329 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, so die zentrale Erkenntnis des EY Start-up Barometer 2026.

Höchstes Volumen in einem ersten Halbjahr seit 2022

„Nach mehreren herausfordernden Jahren sehen wir erstmals wieder eine breite Bewegung in die richtige Richtung. Das jüngste Halbjahr war nicht nur aufgrund einzelner Großfinanzierungen erfolgreich, sondern weil sich zahlreiche positive Entwicklungen gleichzeitig beobachten lassen: mehr Finanzierungsrunden, deutlich größere Tickets, mehr internationale Investor:innen und wieder mehr Zuversicht im Markt. Das österreichische Startup-Ökosystem zeigt damit eindrucksvoll, dass es trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nichts von seiner Innovationskraft verloren hat“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Mit den heurigen Ergebnissen wurde das höchste Volumen in einem ersten Halbjahr seit dem Rekordwert von 2022 erzielt, als 884 Millionen Euro investiert worden waren. Parallel dazu stieg die Zahl der Finanzierungsrunden um 19 Abschlüsse von 78 auf insgesamt 97 an, was einem Plus von 24 Prozent entspricht.

Getragen von der hohen Anzahl an Abschlüssen markiert das jüngste Halbjahr damit in Bezug auf das Finanzierungsvolumen das dritterfolgreichste erste Halbjahr der österreichischen Startup-Historie, ordnet der Barometer die Ergebnisse ein.

Somit belebe sich der österreichische Venture-Capital-Markt nach einer längeren Schwächephase wieder deutlich: Laut EY werden Fonds zunehmend aktiver, die Investitionsbereitschaft steigt und größere Finanzierungsrunden kehren zurück. Österreich habe die Talsohle später erreicht als andere europäische Märkte, profitiere nun aber umso stärker von der Erholung. Gleichzeitig seien heimische Startups heute fokussierter, kapitaleffizienter und internationaler aufgestellt. Erfolgreiche Exits sowie der Dachfonds könnten diesen positiven Trend zusätzlich verstärken, auch wenn Haas vor einer Goldgräberstimmung warnt: „Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Startups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten. Diese Entwicklung ist jedoch nicht negativ. Viele Unternehmen sind heute robuster, fokussierter und nachhaltiger aufgestellt als noch vor wenigen Jahren.“

Zwei 100-Mio.-Deals

Mit den erwähnten 97 Abschlüssen markiert das Halbjahr nicht nur eine Erholung, sondern sogar einen neuen historischen Höchstwert bei der Anzahl der registrierten Deals. Verantwortlich für das hohe Investitionsvolumen waren maßgeblich zwei Groß-Investments in der Größenordnung von jeweils 100 Millionen Euro.

„Vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar“

Im März 2026 sicherte sich das Startup Gropyus 100 Millionen Euro, gefolgt von Waterdrop, das im Mai einen Deal im exakt gleichen Umfang verbuchte. Dahinter folgen der Batterie-Technologie-Spezialist Aviloo (30 Millionen Euro), das Raumfahrtunternehmen Enpulsion (22,5 Millionen Euro), die Fitness-Plattform Reps (20,2 Millionen Euro) sowie das Wiener HealthTech-Scaleup nyra health (20 Millionen Euro). Getrieben durch diese Abschlüsse stieg die durchschnittliche Höhe einer Finanzierungsrunde auf rund 6,3 Millionen Euro an und erreichte damit den höchsten Wert in einem ersten Halbjahr seit 2022.

Die durchschnittliche Finanzierungssumme schwankte im Zeitraum von 2020 bis 2026 zwischen Werten von zwei Millionen Euro und 12,8 Millionen Euro. In den ersten Halbjahren der Jahre von 2021 bis 2024 lag die durchschnittliche Höhe einer Finanzierungsrunde jeweils klar über der Vier-Millionen-Euro-Marke. Im ersten Halbjahr 2025 war dieser Wert erstmals seit 2020 wieder unterschritten worden. Im jüngsten Halbjahr ist er, auch dank der beiden Groß-Deals, mit einem Wert von 6,3 Millionen Euro, nun wieder deutlich übertroffen worden, konkretisiert der Bericht.

Und ergänzt: „Dass gleich zwei Unternehmen Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe abschließen konnten, wäre noch vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar gewesen. Solche Abschlüsse erhöhen die internationale Sichtbarkeit des österreichischen Standorts erheblich“, so Haas. „Die Rückkehr großer Finanzierungsrunden ist ein wichtiges Signal, weil sie zeigt, dass Investor:innen wieder bereit sind, Wachstum in größerem Umfang zu finanzieren. Gerade Scaleups benötigen substanzielle Kapitalbeträge, um internationale Märkte zu erschließen und globale Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen.“

Auch die Zahl der Abschlüsse mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro kletterte deutlich von lediglich zwei im Vorjahreszeitraum auf neun an. Die Anzahl der kleineren Deals mit einem Umfang von bis zu einer Million Euro blieb indes mit 37 Abschlüssen stabil.

Dachfonds wichtiger Schritt

Parallel zur verbesserten Marktentwicklung gibt es auch positive wirtschaftspolitische Signale. Insbesondere die Umsetzung des Dachfonds wird innerhalb des österreichischen Innovationsökosystems als wichtiger Schritt gesehen.

„Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte. Solche Signale sind im internationalen Wettbewerb um Kapital von enormer Bedeutung“, sagt Haas. Entscheidend sei nun jedoch die konkrete Umsetzung: „Wenn es gelingt, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren und Finanzierungslücken in der Wachstumsphase zu schließen, kann daraus ein echter Hebel für den Standort entstehen. Jetzt kommt es darauf an, den positiven politischen Willen rasch in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.“

Darüber hinaus brauche Österreich weiterhin bessere Rahmenbedingungen für institutionelles Venture Capital, attraktivere Mitarbeitendenbeteiligungsmodelle sowie zusätzliche Maßnahmen zur Mobilisierung privaten Kapitals.

Der Sektor-Blick

Dank der beiden erwähnten Mega-Deals verzeichneten die Sektoren E-Commerce und PropTech die höchsten Kapitalzuflüsse. Dem Bereich E-Commerce flossen insgesamt 122 Millionen Euro zu, während Startups aus dem PropTech-Segment 107 Millionen Euro erhielten. Dahinter folgten der Sektor Software & Analytics mit 58 Millionen Euro sowie der Gesundheitsbereich (Health) mit 56 Millionen Euro.

Bei der reinen Anzahl der Abschlüsse zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Hier lag der Bereich Software & Analytics mit 30 Finanzierungsrunden erneut unangefochten an der Spitze. Auf dem zweiten Platz folgte der Sektor Health mit 19 Runden, während E-Commerce und Energy mit acht respektive sieben Deals die Ränge drei und vier belegten – PropTech fällt bei dieser Betrachtung auf Platz acht zurück. Der stärkste Rückgang an Finanzierungsrunden wurde im Bereich AdTech (minus vier Deals) registriert.

Exits fallen auf

Neben den zahlreichen Finanzierungsrunden sorgten im ersten Halbjahr 2026 auch erfolgreiche Exits wie jene von Tractive und Emmi AI für positive Impulse im österreichischen Startup-Ökosystem. Laut EY sind solche Exits mindestens ebenso wichtig wie neue Investments, da sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Startups unterstreichen, attraktive Renditen für Investor:innen ermöglichen und als Vorbilder für neue Gründer:innen dienen. Gleichzeitig fließen Erfahrung, Netzwerke und Kapital aus erfolgreichen Exits häufig wieder in das heimische Ökosystem zurück.

„Fast alle erfolgreichen internationalen Startup-Standorte zeichnen sich durch einen funktionierenden Kreislauf aus Gründungen, Wachstum, Exits und Reinvestitionen aus. Je mehr erfolgreiche Exits wir sehen, desto stärker wird dieser Kreislauf auch in Österreich“, so Haas.

Wien das Startup-Zentrum

Laut dem Startup-Barometer bleibt die Bundeshauptstadt weiterhin das Zentrum der heimischen Startup-Szene: Acht der zwölf größten Abschlüsse des Halbjahres stammten von Wiener Unternehmen. Mit 55 Finanzierungsrunden entfielen 57 Prozent aller österreichischen Deals auf Wiener Startups.

Auch beim Investitionsvolumen dominierte Wien: Rund drei Viertel des investierten Kapitals, konkret 76 Prozent beziehungsweise 360 Millionen Euro, flossen in die Hauptstadt.

Auf dem geteilten zweiten Platz bei der Anzahl der Deals folgten die Steiermark und Oberösterreich mit jeweils 13 Finanzierungsrunden.

Beim Finanzierungsvolumen belegte hingegen Niederösterreich mit 53 Millionen Euro und einem Marktanteil von elf Prozent den zweiten Platz, gefolgt von Tirol, das sich mit 23 Millionen Euro einen volumenbezogenen Marktanteil von fünf Prozent und damit den dritten Rang sicherte.

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