12.03.2025
INVESTMENT

cogvis: Wiener HealthTech-Scaleup holt sich Millioneninvestment zur Expansion

Das Wiener HealthTech-Scaleup cogvis holt sich ein Millioneninvestment mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark im Lead. Das Kapital soll der Expansion dienen - vor allem in nordischen Märkten.
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cogvis-CEO Rainer Planinc | Foto: cogvis

Das Wiener TU-Spinoff cogvis hat eine smarte Pflegelösung entwickelt. Dafür holte es sich im Jahr 2018 ein Investment in Höhe von 700.000 Euro – brutkasten berichtete. Drei Jahre später folgte eine Series-A-Finanzierungsrunde in siebenstelliger Höhe. Am heutigen Mittwoch verkündet man den Abschluss einer weiteren Finanzierungsrunde – ebenfalls in Millionenhöhe.

cogvis: 3D-Sensoren entlasten Pflegepersonal

Gegründet wurde cogvis bereits im Jahr 2007. Spezialisiert hat man sich seither auf „altersgerechte Assistenzsysteme“ (AAL). Dabei handelt es sich um ein modulbasiertes System, bei dem 3D-Sensoren Bewegungen im Raum registrieren und bei Bedarf einen Alarm auslösen. So sollen Stürze vermieden und das Pflegepersonal entlastet werden. Aktuell ist Rainer Planinc als CEO des Unternehmens tätig. Dafür wurde er erst letzten August zum CEO des Jahres ausgezeichnet.

Raiffeisen-Landesbank Steiermark als Lead Investor

Das heute verkündete siebenstellige Investment soll primär den internationalen Expansionsplänen des Scaleups dienen. Als führender Investor ist die Raiffeisen-Landesbank Steiermark an Bord. Auch Bestandsinvestoren haben weiteres Kapital investiert, wie CEO Rainer Planinc im Gespräch mit brutkasten bestätigt. Über die genaue Höhe des Investment wurde Stillschweigen vereinbart.

Langfristig halte man sich an das Ziel, die Verfügbarkeit der cogvis-Technologie in bestehenden Märkten weiter auszubauen und neue internationale Märkte zu erschließen. Cogvis ist bereits in mehreren europäischen Ländern vertreten. Der Fokus soll vorerst auch in Europa bleiben.

Weitere Expansion in Europa geplant

Ein Auge hat cogvis besonders auf Skandinavien geworfen: Erst im vergangenen Mai konnte cogvis eine schwedische Ausschreibung der Region Skåne zum Rollout von neuen, digitalen Lösungen im Pflegebereich gewinnen. Diese Position will man nun nutzen und weiter in den nordischen Markt vordringen.

„Dieses Investment ist ein entscheidender Schritt für die Zukunft der Pflege. Es ermöglicht uns, cogvis international weiter zu skalieren und unsere Marktführerschaft im Bereich KI-gestützter Pflegelösungen auszubauen“, wird CEO Rainer Planinc in einer Aussendung zitiert. Die Investition markiere indes eine Stärkung des Innovationsstandortes Österreich im Bereich der digitalen Gesundheitslösungen.

70 Prozent weniger Stürze

Mittlerweile wird cogvis in über 200 Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern europaweit eingesetzt. Als Monitoring-Lösung dient die 3D-Sensortechnologie unter anderem in der Sturzerkennung und -prävention sowie in der Aktivitätsanalyse und der Demenzbetreuung.

Aktuell positioniert sich das System als eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage für Pflegekräfte. In der Praxis würde man laut Unternehmen bisher erkennen, dass durch den Einsatz von cogvisAI Stürze um 70 Prozent reduziert und Krankenhausaufenthalte nach einem Sturz um 60 Prozent verringert werden konnten.

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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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